David Reich: Intelligenz ist erblich

Wer mit der Strassenbahn am Rhein entlang in Richtung Königswinter fährt, kann kurz vor der Haltestelle Clemens-August-Str. solche Schmierereien an den Mauern von Gebäuden in der Rheinallee bewundern. Bis zur Beseitigung der „Gemälde“ kann es manchmal Monate dauern, so daß man als Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel tagtäglich einen Einblick in solche Formen hochintelligenter Kommunikation bekommt. Wie es um die Intelligenz der Schmierer selbst allerdings bestellt ist, darüber kann man nur Vermutungen anstellen…

Es ist schon ein paar Monate her, aber das Thema, das Markus Schär im April 2018 in einem Artikel der Neuen Zürcher Zeitung mit der Überschrift „Verbotene Erkenntnis“ ([1]) ansprach, wird wohl auch über die nächsten 100 Jahre aktuell bleiben. Es ist die Erkenntnis, daß es eine genetische Grundlage für die Intelligenz gibt – mit anderen Worten, daß Intelligenz vererbbar ist.

Daß eine solche Behauptung in den USA einen Intellektuellen-Streit über Erbgut und Rassen auslöst, wie es Markus Schär in seinem Artikel für die NZZ ausdrückt, ist allerdings nicht verwunderlich. Denn auch in den USA gibt es immer noch jede Menge solcher „Wissenschaftler“ (Juristen, Genderforscherinnen, Soziologen etc. ), die so denken wie etwa der Sozialphilosoph (und Begründer des Sozialismus und des politischen Anarchismus) William Goldwin (1756 – 1835), von dem folgender Satz stammt:

„Kinder sind eine Art Rohstoff, der uns anvertraut wird, und ihr Geist ist wie ein unbeschriebenes Blatt Papier“.

Steven Pinker zitiert in seinem Buch [6]Das unbeschriebene Blatt“ direkt nach diesem Satz einen Ausspruch Mao Tse Tungs, der in dieselbe Richtung geht:

Die schönsten Gedichte werden auf ein leeres Blatt geschrieben.

Ja, so ist das eben: am besten schreibt man auf ein leeres, weißes Blatt Papier (oder auf eine weiße Mauer in Königswinter), da kann man seinen Vorstellungen so richtig freien Lauf lassen. Genau wie jene 67 Dozierende, von Rechtsprofessoren bis zu Genderforscherinnen, die den führenden Genetiker David Reich über den richtigen Gebrauch der Genetik aufklärten: «How not to Talk about Race and Genetics».

Tja, bis hierher und nicht weiter! Das wollten sie wohl sagen, die Kollegen Rechtsprofessoren/Genderforscherinnen, ansonsten erteilen wir ein Sprechverbot. Doch so weit sind wir glücklicherweise noch nicht, denn noch können wir David Reichs Aussagen in der internationalen Buchwelt und im Internet vernehmen.

Daher zitiere ich hier noch einmal einige Aussagen aus seinen Büchern, die seinen Gegnern eher wie „biologistische“ Aussagen vorkommen könnten:

Warum zum Beispiel findet sich in allen Finalisten des 100-Meter-Laufs an den Olympischen Spielen seit 1980 das Erbgut aus Westafrika? In den letzten Jahren haben Studien gezeigt, dass es zwischen Populationen genetische Unterschiede gibt, die nicht nur die Hautfarbe bestimmen, sondern auch die Körpergrösse, die Krankheitsanfälligkeit oder eben die Fähigkeit, schnell zu laufen.

Ich mache mir Sorgen, dass wohlmeinende Leute, die die Möglichkeit von biologischen Unterschieden zwischen Populationen bestreiten, sich in einer Position eingraben, die sich gegen den Ansturm der Wissenschaft nicht verteidigen lässt.


So ist seit langem bekannt, dass zum Beispiel Afroamerikaner häufiger an Prostatakrebs erkranken als Weiße, dass Multiple Sklerose unter Weißen verbreiteter ist als unter Schwarzen und Latinos, und dass mehr jüdische als nichtjüdische Kinder mit dem Tay‐Sachs‐Syndrom, einer schweren Erbkrankheit, geboren werden.

Weitere Anmerkungen und Links

[1] NZZ: Der Genetiker David Reich löst in den USA einen Intellektuellen-Streit über Erbgut und Rassen aus
[2] Jüdische Allgemeine: Über Rasse reden
[3] Deutschlandfunk: Debatte in den USA
[4] epochtimes: Gentechniker David Reich entzündet Streit über Rassen und Erbgut in den USA
[5] Wikipedia über David Reich
[6] Steven Pinker: Das unbeschriebene Blatt

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Gedenkfeier am Bonner Synagogen-Mahnmal, 08.11.2018

Die Initiative zum Gedenken an die Bonner Opfer des Nationalsozialismus hatte zu dieser Veranstaltung eingeladen. Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan konnte wegen Krankheit leider nicht teilnehmen, dafür kamen wir aber in den Genuß der Rede von Margaret Traub, der Vorsitzenden der Bonner Synagogengemeinde. Frau Traub äußerte sich mit deutlichen Worten zu dem Judenhaß, den deutsche Medien mithelfen zu verbreiten und der in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei (siehe Wortlaut der Rede von Margaret Traub im Anhang). In ihrer Rede fragt sie an mehreren Stellen

Was tun wir dagegen?

Ja, was tun wir z.B. gegen die Auftritte des BDS („Boycott, Divestment and Sanctions“) [3] in Bonner Kaufhäusern, wo BDS-Inspektoren nach Waren suchen, die „in illegalen israelischen Siedlungen im besetzten Westjordanland, Ostjerusalem und den Golanhöhen“ hergestellt wurden? Wäre es nicht besser und einfacher, wenn an den Eingängen dieser Kaufhäuser große Schilder mit der Aufschrift Kauft nicht bei Juden aufgestellt würden?

Und in der Tat, es ist fast schon so weit, denn die Damen und Herren des BDS stehen mit „Kauft keine israelischen Produkte“-Schildern vor Geschäften, die israelische Waren im Sortiment haben. Geht man heute an einem Werbestand des BDS in Bonn vorbei und wirft einen Blick auf die Flugblätter und sonstigen schriftlichen Materialien, die dort ausliegen und von den Standbetreuern mit freundlichem Lächeln den Vorbeigehenden angeboten werden, so fragt man sich schon, in welcher Welt diese Leute eigentlich leben. Da ist von „israelischen Kolonien“ die Rede, von der „Mauer der Apartheid„, der „israelischen Besatzung“ und immer wieder werden wir aufgefordert, diese israelische Besatzung zu boykottieren – durch einen „Kaufverzicht für einen gerechten Frieden in Palästina und Israel“.


Und was tun wir dagegen, fragt Margaret Traub? Nun, ich selbst verzichte einfach auf den Kaufverzicht und kaufe dafür besonders gerne in Geschäften, in denen israelische Waren angeboten werden. Und Flugblätter des BDS nehme ich gerne entgegen und entsorge sie im nächsten Papierkorb.

Lesen Sie im folgenden die Rede von Margaret Traub, der Vorsitzenden der Bonner Synagogengemeinde, am 08.11.2018 am Bonner Synagogen-Denkmal:

Sehr geehrter
… auch dieses Jahr haben wir uns versammelt, um der schrecklichen Nacht vom 09. auf den 10. November 1938 zu gedenken.

Es ist gerade einmal 80 Jahre her, als die Nationalsozialisten begannen, jüdisches Leben in Deutschland Schritt für Schritt auszulöschen. In dieser Nacht wurden Juden gedemütigt, wie Vieh aus ihren Geschäften getrieben, Scheiben klirrten, jüdische Geschäfte wurden geplündert, Menschen weinten und die Angst sollte für lange ein fester Bestandteil jüdischer Herzen werden.

Was mit „Kauft nicht bei Juden“ begann, endete in den Öfen der Konzentrationslager.

6 Millionen Juden fielen der Shoa zum Opfer. Es ist kaum ein Menschenleben her.
Seit ungefähr 30 Jahren stehe ich hier, an diesem Ort, und halte meine Rede in Erinnerung an die Geschehnisse der Reichsprogramnacht.
Jedes Jahr sage ich: „Wehret den Anfängen!“
Heute stehe ich wieder vor Ihnen, und wieder haben Juden in Deutschland Angst, wieder werden sie in Schulen gemobbt, auf bundesdeutschen Straßen attackiert – wie bei dem Angriff auf einen jüdischen Professor diesen Sommer, bei uns im Bonner Hofgarten, und nur, weil er eine Kippa trug.
Nicht nur in Deutschland haben Juden wieder Angst, nein, seit dem Attentat vor einer Woche in der Synagoge in Pittsburgh, USA, bei dem wir 11 Tote und 6 Verletzte zu beklagen hatten, fühlen wir uns in der ganzen Welt wieder nicht mehr sicher.
Es ist richtig und wichtig, der ermordeten Juden zu gedenken, das alleine reicht allerdings bei weitem nicht aus.
„Wehret den Anfängen“ haben wir trotz der jährlich an dieser Stelle ausgesprochenen Warnung verpasst, es ist höchste Zeit, daß sich Politiker und unsere Zivilgesellschaft für lebende Juden stark machen.
Es ist höchste Zeit, den Judenhass beim Namen zu nennen. Mitnichten findet man ihn nur in der rechten Szene – oder bei Flüchtlingen aus den Krisengebieten des Nahen Ostens, die Judenhass schon mit der Muttermilch aufgenommen haben, bei denen es in einigen Moscheen auch hier in Deutschland gepredigt wird -, nein,

Judenhass ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen

Was tun wir dagegen? Im September wurde vom Landtag von Nordrhein-Westfalen die Organisation BDS, die – wenn ich es so sagen darf – aus politischer Sympathie zur palästinensische Hamas zum Boykott jüdischer Produkte aus Israel aufruft, als antisemitisch verurteilt. Trotzdem patrouilliert sie fast jeden Samstag in der Bonner Innenstadt, mit dem Ziel, die einzige Demokratie im Nahen Osten als Apartheidstaat zu dämonisieren. Sie will Israel politisch, kulturell und auch wirtschaftlich isolieren. BDS-Befürworter stehen mit „Kauft keine israelischen Produkte“ Schildern vor Geschäften, die israelische Waren im Sortiment haben, oder stürmen manchmal Veranstaltungen mit Holocaust-Überlebenden.
Ich frage mich, warum sie fast jede Woche hier in Bonn und überall ihre Art von Judenhass öffentlich demonstrieren dürfen.

Was tun wir dagegen?

Wenn Israel seine Existenz gegen Terroristen verteidigen muß, wenn zivile Ziele vom Gaza-Streifen aus mit Feuerdrachen und Raketen angegriffen und israelische Soldaten an der Grenze von Steinen erschlagen werden, berichten deutsche Medien dennoch oft einseitig israelfeindlich. Sie sprechen von 50 getöteten Palästinensern und verschweigen, daß es sich (nach eigenen Angaben der HAMAS) um 50 Terroristen handelte. Deutsche Medien helfen so mit, Judenhass zu schüren. Wen wundert es da, wenn BDS an einem Gedenktag wie dem 9.November 2018 zum weltweiten Aktionstag gegen Israel aufruft? Zufall? Dieses gewählte Datum ist in meinen Augen Absicht, ein Faustschlag ins Gesicht, offene antisemitische Provokation.

Was tun wir dagegen?
Verstehen Sie mich nicht falsch, jedes einzelne Opfer der Shoa muß betrauert und beweint werden. Jedes einzelne Opfer der Shoa darf nie vergessen wewrden. Allerdings erscheint es mir in der heutigen Zeit mit ansteigendem Antisemitismus nötig, daß wir unmißverständlich darauf aufmerksam machen müssen, daß jüdisches Leben in Deutschland, in Europa, in der Welt, wieder gefährdet ist. Wir können nicht einseitig der toten Juden gedenken und die Lebenden dem unverhohlenen Judenhass schutzlos ausliefern. In diesen Zeiten braucht es mutige Stimmen und klare Worte aus der Politik und von jedem anständigen Bürger.

Die Schüsse in der Synagoge in Pittsburgh zeigen uns, wie Judenhass in der ganzen Welt präsent ist.
Wer erst jetzt anfängt, Anschläge verhindern zu wollen, fängt zu spät an. Wer Antisemitismus rechtzeitig und wirkungsvoll bekämpfen will,fängt bei antisemitischer Information in den Medien und sozialen Netzwerken an. Sie kann und muß – gerade in Deutschland – bekämpft werden. Wachsende Bedrohung kann man schicksalhaft hinnehmen – oder aufstehen.
Wir stehen auf gegen Antisemitismus.


Bonn trägt Kippa – heute und morgen

Den Toten zur Ehre und den Lebenden zur Warnung, laßt uns der 6 Millionen unschuldiger jüdischer Opfer gedenken, aber laßt uns gleichzeitig die Stimmen erheben gegen jede Form von Antisemitismus, laßt uns nicht wegsehen und laßt uns nicht aus Angst schweigen. Für ein „nie wieder“ müssen wir jetzt handeln.
Lassen Sie uns nicht im Stich.
Ich danke Ihnen!

Weitere Anmerkungen und Links

[2] (Wikipedia) UNHCR: Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen
[3] BDS-Inspektion bei Galeria Kaufhof Bonn

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Vereinte Nationen gegen Israel


Alle paar Wochen findet man am Samstag in der Bonner Innenstadt einen Info-Stand, an dem junge Leute für das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR [1]) werben. Wird man als Vorbeigehender von einem dieser Helfer angesprochen, so gibt es eine einfache Frage, mit der man den Werbe-Redefluß dieser netten, jungen Menschen unterbrechen kann. Man fragt sie einfach, ob sie schon mal etwas von der UNRWA [2] gehört hätten und ob diese UNRWA irgendetwas mit der UNHCR zu tun hätte. Und siehe da: von der UNRWA hatten diese fleißigen Helfer noch nie etwas gehört, aber ob ich denn nicht für die UNHCR etwas spenden wolle, dass sei doch für einen guten Zweck?

(Hinweis: Im Jahr 2015 beschäftigte das UNHCR rund 9300 Mitarbeiter in 125 Ländern, beim UNRWA sind es mit 28800 Mitarbeitern in diesem Jahr etwa drei mal soviele, die zudem fast alle im Gazastreifen und im Westjordanland arbeiten.)

Ähnliches erlebte ich an einem der vergangenen Wochenenden, als auf dem Bonner Marktplatz eine große UNO-Informations-Veranstaltung stattfand. Auch hier begegnete man vielen meist jungen Helfern, die den vorbeigehenden Besuchern ihr Info-Material über UNO-Vollversammlungen und diverse Hilfsaktionen anboten. Auch das UNHCR war hier mit einem Stand vertreten, nicht aber das UNRWA, wofür die Mitarbeiter am UNHCR-Stand keine Erklärung hatten – sie kannten das UNRWA auch gar nicht. Wahrscheinlich hatte ich aber nur Pech mit dem Zeitpunkt meiner Befragung, vielleicht wäre ja kurze Zeit später ein Mitarbeiter dagewesen, der meine Fragen hätte beantworten können.

Wie auch immer: all jenen, die sich für Israel und sein Verhältnis zur UNO und den diversen UNO-Unterorganisationen interessieren, kann ich nur dringend empfehlen, das Buch von Alex Feuerherdt und Florian Markl ( [4] )

Vereinte Nationen gegen Israel
Wie die UNO den jüdischen Staat deligitimiert

zu lesen. Hier wird auf über 300 Seiten detailliert geschildert, wie es zur Gründung des Staates Israel im Jahre 1948 kam und wie die UNO seither in immer stärkeren Maße versucht, Israel als rassistischen Kriegsverbrecherstaat zu brandmarken. Die Autoren beschreiben in mehreren Kapiteln ausführlich, wie sich die Einstellung der UNO zum neu gegründeten Staat Israel allmählich änderte. Durch die Aufnahme immer neuer Staaten, die im Zuge der Entkolonialisierung entstanden und dabei von der Sowjetunion und deren Vasallenstaaten „unterstützt“ wurden, kam es (so die Überschrift zum Kapitel 5 des Buches) „von der Anerkennung zur Verdammung: die anti-israelische Wende„.

Diese Wende wurde begleitet vom internationalen Terrorismus der Palästinenser, dem Aufstieg der PLO bei den Vereinten Nationen sowie dem fast schon legendären Auftritt von Jassir Arafat im November 1974 am Sitz der Vereinten Nationen in New York, wo der Palästinenser-Führer den Zionismus als „terroristische Verschwörung zu Lasten der Araber“ brandmarkte.

In weiteren Kapiteln schildern die Autoren, wie es zu der „Zionismus ist Rassismus“ -Resolution 1975 kam, außerdem wird die Praxis des UN-Menschenrechtsrates im Kapitel 8 einer eingehenden Prüfung unterzogen. Gleich zu Beginn dieses Kapitels über „Die Farce des UN-Menschenrechtsschutzes“ erfährt man, worauf die Mitglieder dieses Rates besonderen Wert legen: es ist die Verurteilung Israels, jenes Staates, der nach Auffassung einer Mehrheit der Mitglieder dieser UN-Einrichtung

„mehr und gravierendere Menschenrechtsverletzungen verübt hat als der Rest der Welt insgesamt, darunter sämtliche Autokratien, Despotien und Diktaturen“

([4] Seite 193). Es ist also kein Wunder, wenn man erfährt, daß dieser Menschenrechtsrat seit seiner Gründung 2006 alleine 62 Resolutionen gegen Israel verabschiedete, gegen alle anderen Staaten der Welt zusammen aber nur 55.

Ich möchte abschließend hier nur noch auf ein Thema eingehen, das von den Autoren im Kapitel 8 ab Seite 203 behandelt wird: der Goldstone-Bericht. Hier handelt es sich um einen Bericht über die „Operation Gegossenes Blei“ vom Dezember 2008 bis Januar 2009. Mit dieser Operation hatten es die Israelis doch tatsächlich gewagt, gegen den seit dem Jahre 2000 andauernden Raketenbeschuß der Hamas aus dem Gaza-Streifen vorzugehen. In dieser Zeit beschoss die Terrororganisation Hamas den Süden Israels mit mehr als 8.000 Raketen und Mörsergranaten und gefährdete somit das Leben von über einer Million israelischen Bürgern ([5]). Die Israelis (und ihre Armee ZAHAL) aber hielten sich bei ihrem Gegenschlag in einer Weise an die Menschenrechte, die für Vertreter der Hamas geradezu unbegreiflich gewesen sein mag:

Während der gesamten Militäroperation hielt ZAHAL jeden Tag mindestens drei Stunden Waffenruhe und warnte Zivilisten vor jedem Militärschlag vor der geplanten Aktion: So wurden Durchsagen in den Nachrichten gemacht, über 2,5 Millionen Flyer verteilt und etwa 165.000 Telefonanrufe getätigt, um die Anwohner zu warnen.

Die Güterlieferungen in den Gazastreifen wurden während der gesamten Operation fortgesetzt.

Bei der UNO wurde mit dem Goldstone-Bericht im September 2009 ein vor Einseitigkeit nur so strotzendes Dokument veröffentlicht. Alex Feuerherdt und Florian Markl schildern im Kapitel 8 ihres Buches unter der Überschrift „Ideologie statt Fakten: der Goldstone-Bericht“ z.B., wie an der Erarbeitung dieses Berichts einige der weltweit radikalsten Anti-Israel-Aktivisten beteiligt waren – z.B. NGOs wie AL-Haq, Addameer oder B’Tselem, Breaking the Silence und Human Rghts Watch. So verwundert es nicht, daß im Goldstone-Bericht Israel „institutioneller Rassismus“, „Kriegsverbrechen“ oder auch „Verbrechen gegen die Menschheit“ vorgeworfen wurden. An mehr als 500 Stellen in dem Dokument wird auf israelische Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen Bezug genommen.

Das paßte genau in die Sicht des UNO-Menschenrechtsrates, der im Oktober 2009 diesen Bericht in einer Resolution ausdrücklich billigte. Dem folgte im November 2009 auch die Generalversammlung der Vereinten Nationen: 114 Staaten stimmten für die entsprechende Resolution, 18 dagegen, 44 enthielten sich.

Interessanterweise distanzierte sich Richard Goldstone aber eineinhalb Jahre nach der Veröffentlichung dieses Berichtes von dem Dokument. Er schrieb in der Washington Post:

Wenn ich damals gewußt hätte, was ich heute weiß, wäre der Goldstone-Bericht ein anderes Dokument geworden.

Man glaubt es kaum, aber es war wirklich so, daß Goldstone ([4] Seite 209)

nicht nur die Behauptung zurücknahm, die israelische Armee habe absichtlich Zivilisten getötet, sondern er revidierte auch die Aussage, daß nur eine Minderheit der getöteten Palästinenser zu den Kombattanten gezählt habe. Vielmehr entspreche es der Wahrheit, daß hauptsächlich Mitglieder der Hamas und anderer teroristischer Organisationen getötet wurden.

Goldstone bestätigte überdies, daß Israel lediglich von seinem Recht auf Selbstverteidigung Gebrauch gemacht habe. Er schrieb in einem Bericht der Washington Post von 2011:

Israel hat wie jeder andere souveräne Staat das Recht und die Pflicht, sich und seine Bürger gegen Angriffe von außen und innen zu schützen.

Festhalten kann man also: Goldstone distanzierte sich von seinem eigenen Bericht, aber alle anderen Mitglieder der ursprünglichen Goldstone-Kommission taten das nicht, sondern sie widersprachen Goldstone in der britischen Tageszeitung Guardian vehement.

Sie stünden, so schrieben sie dort,

fest zu ihren Schlußfolgerungen und wiesen die Forderungen zurück, den Bericht zu überarbeiten oder gar zu verwerfen.

Insgesamt kann man sagen, daß die Lektüre dieses Buches meine ohnehin schon kritische Einstellung gegenüber der UNO und ihren Institutionen verstärkt hat. Wer etwas mehr über das Verhältnis zwischen UNO und Israel wissen möchte, insbesondere auch etwas mehr als uns die notorisch israel-kritischen deutschen Medien wie Tagesschau oder Süddeutsche Zeitung präsentieren, der greife zu diesem Buch mit seinen 282 Seiten Text, die durch über 700 Anmerkungen im Text ergänzt werden.

Anmerkungen und Links

[1] (Wikipedia) UNHCR: Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen
[2] (Wikipedia) UNRWA: Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten
[3] (Wikipedia) UNO-Flüchtlingshilfe e. V.
[4] Alex Feuerherdt, Florian Markl: Vereinte Nationen gegen Israel: Wie die UNO den jüdischen Staat delegitimiert
[5] hagalil über Operation Gegossenes Blei
[6] Massenmörder, Terroristen, Kannibalen, Diktatoren: Jeder darf vor der UNO-Vollversammlung sprechen

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Köln, Chlodwig-Platz 13.10.2018: Demonstration gegen Israel

Am Samstag, den 13.10.2018, versammelten sich am Chlodwig-Platz in Köln einige Aktivisten aus der anti-israelischen Szene zu einer Demonstration. Unter dem Titel „Frieden ist möglich – auch in Palästina“ wollte man auf 16 Schautafeln den Kölner Bürgern zeigen, wer der eigentliche Bösewicht in Israel ist: nämlich die Israelis selbst.

Ich kam leider verspätet zu der Veranstaltung, so daß ich das Einschreiten der Polizei gegen eine 60-jährige Dame [6] nicht mehr mitbekam. Diese gehörte zu den Betreuern der Ausstellung und stürzte sich gleich zu Beginn der Veranstaltung auf die mit drei kleinen Israel-Fähnchen „bewaffnete“ Malca Goldstein-Wolf, die als jüdische Kölner Aktivistin inzwischen bundesweit bekannt geworden ist – siehe etwa ihr offener Brief an den WDR-Intendanten Tom Buhrow und dessen positive Reaktion darauf [8]. Glücklicherweise haben das konsequente Einschreiten der Polizei und mehrerer Freunde aus der pro-israelischen Szene dafür gesorgt, daß die Veranstaltung ohne weitere Zwischenfälle zu Ende ging (Wer mehr zu diesem Vorfall lesen will, findet genügend Hinweise und Informationen dazu bei den Links am Ende dieses Artikels).

Da ich selbst nur noch die letzten 20 Minuten der Veranstaltung miterlebte und mir dabei insbesondere die 16 Schautafeln genauer ansehen konnte, möchte ich zu Form und Inhalt dieser „Informationen“ etwas bemerken. Auf einer Schautafel mit der hochwissenchaftlich klingenden Überschrift „Postkoloniale Studien“ ist da z.B. von einem „zionistischen Siedlerkolonialismus“ die Rede, der sich durch „Gewalt, Expansionsbestrebungen“ und natürlich „Rassismus“ kennzeichnet.

Und damit man die ganzen „postkolonialen“ Geschehnisse auch besser im Kopf behält, werden noch ein paar Bilder hinzugefügt – die sind ja immer eine gute Unterstützung für das Gedächtnis. Deshalb durfte auf dieser Schautafel natürlich das Bild vom „Landraub“ nicht fehlen. Claudio Casula hat diese Grafik in seinem Beitrag über Kartentrickser ([9]) einmal als Piktogramm für historische Analphabeten bezeichnet, was man eigentlich eher als witzige Untertreibung bezeichnen kann. Wer mehr über diesen „Antizionistischen Kartentrick“ lesen möchte, findet auf dem Blog von Lizas Welt eine gute Zusammenfassung.

Auf Schautafel Nr.3 geht es um die „Gründung des Staates Israel“ – u.a. auch um die Gründe der UNO für ihre Entscheidung zugunsten eines neuen Staates Israel. Da lesen wir z.B.

„Nach der großangelegten europaweit organisierten Judenverfolgung durch den Nationalsozialismus in Deutschland suchen die überlebenden Juden verzweifelt nach einer neuen Bleibe. Statt ihnen im Westen einen sicheren Ort zu schaffen, weist ihnen die UNO eine neue Heimat in Palästina zu“.

Das verstehe wer will – wo doch die Juden mit Palästina gar nichts zu tun haben!
Statt dessen hätte man sie doch nach Madagaskar abschieben können, wie das schon die Nazis (oder auch andere Deutsche vor 1900) geplant hatten:

Juden nach Madagaskar Der deutsche Orientalist Paul de Lagarde schrieb 1885 als Erster in seinem Aufsatz „Über die nächsten Pflichten der deutschen Politik“ eher beiläufig über „nach Madagaskar abzuschaffende“ Juden. Madagaskar sei die weit klügere Wahl als etwa Palästina, betonte Lagarde, Vertreter des völkisch-rassistischen Antisemitismus.

(Klicken Sie links auf das Bild, um es größer darzustellen) Aber nicht nur die Gründung des Staates Israel ist für die von Hans Mörterr, Pfarrer der Kölner Luther-Kirche, protegierte Ausstellung „Frieden ist möglich – auch in Palästina“ ein wichtiges Thema, sondern auch die sog. „Abriegelung“ von Gaza. Auch zu diesem Thema gab es eine Schautafel mit vielen erläuternden Texten, z.B. zum „israelischen Krieg gegen die Zivilbevölkerung Gazas“:

Die im Gaza-Ghetto lebenden Palästinenser sind verzweifelt. Sie leisten Widerstand gegen das Eingesperrtsein im eigenen Land. Sie basteln kleine Raketen und schießen sie nach Israel ab.

Da fragt man sich ja schon, warum die Israelis vor einem Gegenangriff gegen Hamas-Stellungen über den betreffenden Gebieten zunächst Flugblätter abwerfen, auf denen ein Angriff angekündigt wird, damit sich Zivilisten in Sicherheit bringen können. Warum schicken die Israelis eigentlich Flugzeuge, Drohnen und Bomben mit nicht unerheblicher Sprengkraft in den Gazastreifen, wenn dort doch nur kleine Raketen gebastelt werden?

Nun, die Antwort ist ganz klar: jeder Mensch, der die Geschehnisse im Gazastreifen etwas intensiver verfolgt als nur durch das Lesen der Texte auf solchen Schautafeln, jeder also nur einigermaßen informierte Leser unserer Tageszeitungen (und sei es z.B. nur die Süddeutsche Zeutung) weiß inzwischen, daß im Gazastreifen eine international bekannte Terror-Organisation herrscht: die HAMAS. Diese betreibt z.B. einen Fernsehsender, der im Kinderprogramm regelmäßig zum Mord an Juden aufruft und

[13] … hält sich zudem eine regelrechte Kinderarmee, erzieht sie zum Dschihad und unterweist sie im Gebrauch von Waffen. Sie veranstaltet im Sommer militärische Trainingslager, an denen Zehntausende von minderjährigen Palästinensern teilnehmen. Dort lernen sie, dass Selbstmordattentäter Vorbilder sind und wie man israelische Soldaten angreift.

Anscheinend hatten die Initiatoren der Ausstellung vergessen, auf diese nicht ganz unwesentlichen Details zu verweisen. Aber vielleicht sind ihnen diese auch nicht bekannt….

Anmerkungen und Links

[1] haGalil: Frieden ist möglich – auch in Köln (10.10.2018)
[2] Kölner Stadtanzeiger (11.10.2018): Kölner Südstadt: Pfarrer Mörtter kämpft gegen Verbot einer Palästina-Ausstellung
[3] (14.10.2018) Kölnische Rundschau: Palästinenser-Ausstellung: Jüdische Aktivistin bei Protest in Südstadt angegriffen
[4] (14.10.2018) haGalil: Kein Frieden in Köln
[5] (15.10.2018) Jüdische Allgemeine: Die Grenze wurde erneut überschritten
[6] (15.10.2018) Kölner Stadtanzeiger: Angriff am Chlodwigplatz, Israel-Aktivistin bei Mahnwache in Köln attackiert
[7] (15.10.2018) Malca Goldstein-Wolf auf Facebook
[8] Malca Goldstein-Wolf „Gegen die Klischees kämpfen“ name=“b8″>[8] Malca Goldstein-Wolf „Gegen die Klischees kämpfen“
[9] (März 2008) Spirit of Entebbe: Nachhilfe für Kartentrickser
[10] 2014, Beitrag von Friedensdemo-Watch
[11] (Oktober 2015) Lizas Welt: Antizionistischer Kartentrick
[12] Juden nach Madagaskar
[13] Das ABC der Hamas

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Bringt Eichmann her, tot oder lebendig!

Wer sich für die Geschichte des Mossad interessiert, sollte sich auf jeden Fall das Buch MOSSAD – Missionen des israelischen Geheimdienstes([1]) anschauen – dort schildern die beiden Autoren Michael Bar-Zohar und Nissim Mischal viele spannende Episoden aus der Geschichte dieses israelischen Auslandsgeheimdienstes. Mit am meisten beeindruckt hat mich dabei die Beschreibung der Jagd auf den deutschen Organisator der Judenvernichtung, Adolf Eichmann. Im Kapitel 6 wird hier auf 39 Seiten ausführlich erzählt, wie Adolf Eichmann in Argentinien aufgespürt und verhaftet wurde, wie es gelang, ihn ohne Wissen der argentinischen Behörden bzw. Polizei in einem Flugzeug der El-Al nach Israel zu bringen und dort vor Gericht zu stellen.

Bei seiner Verhaftung durch Mossad-Agenten in Argentinien wurde Eichmann nach der Nummer seines NSDAP-Parteiausweises sowie seiner Dienstnummer bei der SS gefragt. Beides konnte er auf Anhieb korrekt beantworten, nur bei der Frage nach seinem Namen zögerte er:

„Ihr Name?“
„Rocardo Klement.“
„Ihr Name?“, wiederholte die Stimme.
Er begann zu zittern. „Otto Heninger.“
„Ihr Name?“
„Adolf Eichmann.“
Totenstille senkte sich über den Raum. Er brach sie. „Ich bin Adolf Eichmann“, wiederholte er. „Ich weiß, daß ich in den Händen von Israelis bin. Ich spreche auch ein wenig hebräisch. Ich habe zusammen mit einem Rabbi in Warschau studiert…“

Dann begann er, einige Verse aus der Bibel vorzutragen, wobei er versuchte, die hebräischen Wörter mit der richtigen Betonung auszusprechen.
Niemand sagte etwas.
Die harten israelischen Jungs starrten ihn einfach nur fassungslos an.

Aber auch die zitierten Bibelverse konnten die Mossad-Agenten nicht davon abbringen, Eichmann nach Israel zu fliegen, wo er vor Gericht gestellt und am 15.Dezember 1961 zum Tode verurteilt wurde. Kurz vor seiner Hinrichtung betrat nochmal einer aus der Zielfahndergruppe des Mossad Eichmanns Zelle: Rafi Eitan.

Schweigend stand der Entführer dem in hellbraune Gefangenenuniform gekleideten Verurteilten von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Eichmann sah ihm in die Augen und sagte auf Deutsch: „Ich hoffe, Sie folgen mir bald nach.“

Rafi Eitan jedoch lebt heute (2018) immer noch, und viele der an der Jagd auf Eichmann Beteiligten wie etwa der damalige Generalstaatsanwalt am Hessischen Oberlandesgericht Fritz Bauer waren über die Nachrichten von der Verhaftung Eichmanns und seinen Prozeß mit anschließender Hinrichtung erfreut und zutiefst bewegt.


Anmerkungen und Links

[1] Mossad: Missionen des israelischen Geheimdienstes

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Coco Schumann – der Ghetto-Swinger erzählt

coco1Beim Schlendern durch einen Bonner Buchladen fiel mir vor kurzem dieses Buch von Coco Schumann auf. Es war vor allem der Titel „Der Ghetto-Swinger“, der mich faszinierte, und nach einem Blick auf die Rückseite war es klar für mich: dieses Buch mußt du sofort kaufen und lesen. Denn auf der Rückseite hatte Schumann folgende Kurzbeschreibung seiner Person hinterlassen:

Ich bin Musiker. Ein Musiker, der im KZ gesessen hat, kein KZler, der Musik macht. Ich habe viel zu sagen. Die Richtung ist klar: Back to the roots, in jene Welt, in der meine Seele zu Hause ist, in den Swing. Wer den Swing in sich hat, ob er im Saal steht oder auf der Bühne, kann nicht mehr im Gleichschritt marschieren.

Gesagt, getan: die Geschichte der Jazzlegende steht nun in meinem Bücherregal und hat mich beim Lesen stark beeindruckt – und stellenweise begeistert. Ich gebe im folgenden einen kurzen Überblick über den Inhalt und empfehle jedem Jazzfan und am Holocaust und der Judenverfolgung durch die Nazis Interessierten den Kauf dieses spannenden Buches.

Kurz nach der Machtergreifung der Nazis 1933 bekam das Berliner Geschäft der jüdischen Mutter von Coco Schumann Besuch von zwei SA-Angehörigen. Diese malten einen Judenstern an die Scheibe und versperrten der Kundschaft den Weg. Denn daß anständige Deutsche sich von einer Judensau die Haare schneiden lassen würden – das konnte man als aufrechter Nationalsozialist nicht dulden. Und so kam es, daß die Eltern von Coco Schumann, dem späteren Ghetto-Swinger, beschlossen, in eine etwas vornehmere Gegend Berlins zu ziehen, wo sie sich vor den Zugriffen der SA sicherer fühlten.

Und was machte der Ghetto-Swinger da? Er wehrte sich – schon als Jugendlicher – gegen die HJ-Grüppchen, denen er in Berlin häufig begegnete, indem er seine im jüdischen Sportclub Bar Kochba erworbenen Box-Fähigkeiten in der Praxis anwandte. Das bewahrte ihn allerdings nicht vor dem Gang ins KZ. Im Frühjahr 1943 sollte er eigentlich nach Auschwitz transportiert werden, konnte aber durch seinen Vater vor diesem Schicksal zunächst bewahrt werden. Dieser wurde nämlich mit seinem Arier-Ausweis beim Kriminalobersekretär Walter Dobberke vorstellig, der für die Deportation der Berliner Juden zuständig war.

coco2(Links: Schumann im Interview im ARD alpha-forum, 21.02.2017, 13:00 Uhr)
Und Schumanns Vater schaffte es doch tatsächlich, daß sein damals 18-jähriger Sohn erst einmal nach Theresienstadt kam, in jenes „Vorzeige-KZ“, das sogar von einer Kommission des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) am 23. Juni 1944 besucht wurde, welches an den Zuständen im Lager aber anscheinend nichts auszusetzen hatte. Denn: die Täuschung der Komitees des IKRK gelang unfaßbarerweise perfekt. Coco Schumann bemerkt hierzu: Vielleicht wollten sie so genau auch nicht Bescheid wissen?

Auf jeden Fall konnte Schumann aufgrund seiner vielseitigen musikalischen Fähigkeiten schon bald als Schlagzeuger bei der Lagerband, den „Ghetto-Swingers“, unterkommen. Als Mitglied dieser Band ist Schumann auch kurz in dem Nazi-Propagandafilm
Theresienstadt: Ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet zu sehen, aber all das bewahrte ihn nicht vor dem Abtransport nach Auschwitz im September 1944, als man begann, das „Vorzeigelager“ Theresienstadt allmählich aufzulösen.

Und dort, in Auschwitz, stand Coco Schumann dann an der Rampe vor Josef Mengele. Dieser fragte ihn, wie alt er sei. Der kurze Dialog zwischen Mengele und Schumann verlief folgendermaßen:

Ich nahm Haltung an, legte die Hände an die nicht vorhandene Hosennaht (Anmerkung: er war ja nackt!) und sagte: „Zwanzig Jahre!“ Er schaute mich kalt an und fragte weiter: „Beruf?“ Nun guckte auch ich ihm direkt in die Augen: „Klempner und Rohrleger, Herr Hauptsturmführer!“

Daraufhin wies ihn der „Hauptsturmführer“ nach rechts, d.h. auf die Seite derer, die nicht sofort ins Gas geschickt wurden, sondern noch eine Weile für ihre Peiniger arbeiten durften. Und das tat er dann auch, aber eben auf seine Weise. Und er hatte dabei auch viel Glück: denn schon am ersten Abend in Auschwitz spielte er Reeperbahnlieder und Paul-Lincke-Melodien vor dem Lagerältesten, was alsbald auch bei der SS gut ankam.

Begleitet wurde Schumann u.a. von Otto Sattler, einem berühmten Bargeiger aus Prag, mit dem zusammen er aus Theresienstadt nach Auschwitz gekommen war. Beide standen eines morgens am Zaun ihres Lagers und schauten hinaus auf die Hauptstrasse, auf der ein Zug von Neuankömmlingen aus Theresienstadt sich in Richtung des „Hauptsturmführers“ Mengele bewegte, um von ihm entweder nach links, in die Gaskammer, oder nach rechts, in eines der Arbeitslager eingewiesen zu werden. Und:

Plötzlich erstarrte Sattler. Seine Frau und seine 5 Kinder gingen an ihm vorüber. Nur durch den Zaun getrennt warfen sie sich einen letzten Blick zu, unaufhaltsam bewegte sich der entsetzliche Zug der „Selektierten“ weiter. Otto schaute ihnen nach und konnte nichts tun.
Abends musizierten wir wieder vor unserem Lagerältesten. Als Otto seine Tränen nicht mehr zurückhalten konnte, herrschte dieser ihn an: „Warum heulst du denn die ganze Zeit – das kann einem ja die Laune verderben!“ Otto erzählte ihm, was vorgefallen war, doch es hinterließ keinen großen Eindruck: „Na, das ist doch kein Grund zu Weinen. Schließlich wirst du sie bald schon wiedersehen!“ Wir waren alle innerlich aufgewühlt, doch wir machten weiter….

All diese Szenen aus Schumanns Berichten sind beeindruckend – und noch viele andere mehr mit Schilderungen über die Rettung seiner Mutter vor den Zugriffen der Gestapo, seine Versuche, nach dem Krieg in Deutschland wieder Jazz zu machen, monatelange Ausflüge auf Schiffen zusammen mit anderen Musikern – es lohnt sich also garantiert, dieses Buch komplett durchzulesen.

Am besten fand ich aber seine Bemerkungen am Ende des Buches, auf den Seiten 220 und 221. Dort berichtet Schumann über einen „warmen Sommerabend auf der Terrasse eines Restaurants. Am Nebentisch hatten sich mehrere jüngere und äußerst heitere Menschen versammelt“. Schuman gab eine Runde nach der anderen aus, es wurde viel gelacht, aber das hörte dann auf, als sich die Gespräche in den politischen Bereich bewegten.

Denn nun beklagten sich diese netten jungen Menschen auf einmal über das „Ausländerproblem“ oder darüber, daß das Reinheitsgebot zwar für deutsches Bier gelte, nicht aber für das Volk der Völker. Seine Gesprächspartner ärgerten sich darüber, daß es schon wieder Schwierigkeiten mit dem Weltjudentum gebe. Sie sprachen über das alte Märchen von den KZs, dem Gas und den Öfen, schließlich wisse doch jedes halbwegs kluge Kind, daß Auschwitz eine einzige große Lüge sei,

Dies war für Schumann der Anlaß, sich flugs von seinen Gesprächspartnern zu verabschieden, und zwar mit diesen Worten:

Meine Damen und Herren, es tut mir furchtbar leid, ich möchte Ihnen nicht den schönen Abend verderben. Aber ich weiß es besser. Ich war da.

Das wars. Und Schumann schließt das Buch mit den Worten:

Ihre Reaktion wartete ich nicht mehr ab. Ich drehte mich um, ging fort, bummelte durch die nächtliche Stadt und pfiff mir mein Teil…

Anmerkungen und Links

[1] Swing-Legende Coco Schuman ist tot
[2] Swing-Musiker Coco Schuman ist tot
[3] KZ-Überlebender Coco Schuman ist tot
[4] Nachruf auf Coco Schuman
[5] Coco Schuman gestorben
[6] Ghetto-Swinger – Eine Jazzlegende erzählt
[7] Yad Washem Eintrag zu Walter Dobberke
[8] Das KZ Theresienstadt
[9] Die unvergesslichen Sprüche des Coco Schumann
[10] alpha-Forum: Coco Schumann, Jazz-Musiker und Gitarrist

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Die Deutsch Israelische Gesellschaft und ihre Probleme mit Israel

maedchen-in-jerusalem(Links eine eigene Aufnahme aus dem „zionistischen Gebilde“, in diesem Fall der Jerusalemer Altstadt 2010) Unter der Überschrift

„Gedanken über eine mögliche Lösung des Konfliktes zwischen Israel und den Palästinensern, ein Diskussionsbeitrag, Juni 2016“

veröffentlichte das Magazin der Deutsch-Israelischen-Gesellschaft (DIG) in der Ausgabe 03/2016 ([1] einen „Diskussionsbeitrag“ von Wolfgang Kornblum, einem kürzlich verstorbenen langjährigen DIG-Mitglied aus Baden-Baden.

Liest man den Artikel von Wolfgang Kornblum ganz durch, so fragt man sich, warum der Autor eigentlich „langjährig“ Mitglied der DIG war. Er hätte genauso gut Mitglied des Instituts für Palästinakunde in Bonn sein können, wo man sich laut Satzung für die „Völkerverständigung zwischen Deutschland und Israel/Palästina, Demokratie, Frieden und Menschenrechte im Nahen Osten“ einsetzt, in Wahrheit aber

das fiktionale „Existenzrecht“ Israels als vermutlich wirkmächtigstes PR-Stunt der zionistischen Propaganda

bezeichnet ([2]). Wie komme ich zu diesem Schluß? Dazu muß man sich den Artikel etwas genauer ansehen. Liest man ihn zunächst einmal vollständig durch, so stellt man fest, daß er eigentlich eine einzige Zumutung ist für jemanden, der selbst Mitglied der DIG ist und deren Leitsätze bejaht. Wie z.B. diesen Leitsatz hier:

Die DIG engagiert sich für einen Frieden im Nahen Osten, der die Lebensfähigkeit Israels dauerhaft sichert. Sie tritt für eine Verständigung zwischen allen Völkern der Region ein und wendet sich entschieden gegen all diejenigen Kräfte innerhalb und außerhalb der BRD, die Israels Lebensrecht als jüdischer Staat bestreiten.

Außerhalb wie innerhalb der BRD gibt es leider nicht wenige „Kräfte“, die sich wünschen, die Nazis hätten ein wenig mehr Erfolg mit der Judenvernichtung gehabt. Der Autor des Artikels im DIG-Magazin 03/2016 gehört selbstverständlich nicht zu diesen Kräften. Aber was er dort schon am Anfang seines Artikels schreibt:

Eines der Kernprobleme, das nach meiner Überzeugung dringend gelöst werden müsste, ist der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern. Daran müsste auch Israel ein großes Interesse haben, denn es gibt nach meiner Auffassung für Israel keine größere Sicherheit als ein friedliches Zusammenleben mit seinen Nachbarn.

erinnert doch nur zu sehr in Sprache und Diktion an einen Mitarbeiter des „Freitag“, den Henryk M.Broder in einem Artikel auf der WELT zitiert ([3]):

„Das Problem, welches mit der Gründung Israels einherging, ist nicht nur ein Problem der Palästinenser. Nein, es ist ein weltweites Problem … Erst wenn das zionistische Gebilde der Vergangenheit angehört, wird der Weltfrieden zur Gegenwart und die Hoffnung die Zukunft.“

Neben dem Beschwören eines „Ausgleichs auf Augenhöhe“ fordert DIG-Mitglied Kornblum eine „territoriale Trennungslinie, die im wesentlichen der Grenzlinie vor dem Sechstagekrieg entspricht.“ Auch diejenigen Teile von Ostjerusalem, die vor dem Sechstagekrieg nicht zu Israel gehörten, möchte Wolfgang Kornblum gerne den Palästinensern übergeben.

Solche Forderungen erinnern mich an die Wünsche gewisser rechtsradikaler Deutscher nach einem Deutschland in den Grenzen von 1937 – so als wenn der Krieg der Alliierten gegen Deutschland ein „ungerechter“ Krieg gewesen sei und deshalb der Zustand von vor 1939 wiederhergestellt werden müsse. Das ist natürlich gelinde gesagt schwachsinnig und wird auch von den meisten Beobachtern des Zeitgeschehens so beurteilt – nur bei Israel und seinen angeblich „unberechtigten Angriffskriegen“ sieht man das anders.

Der Autor Kornblum gehört offensichtlich zu jenen Zeitgenossen, denen nicht bewußt ist und die davon auch nichts hören wollen, daß der Sechstagekrieg (5.-10. Juni 1967) ein Verteidigungskrieg des Staates Israel gegen die ihn umgebenden arabischen Staaten war, die nichts anders als seine Vernichtung wollten. Dafür gibt es zahllose Belege, ich führe hier nur einen Hinweis aus der Dokumentation [4] an:

In den Wochen vor dem Krieg bildete sich eine breite Koalition von arabischen Staaten. Der ägyptische Präsident Nasser verkündete am 30. Mai 1967:
„Die Armeen Ägyptens, Jordanien, Syriens und des Libanon stehen einsatzbereit an den Grenzen Israels …, während hinter uns die Armeen des Irak, Algeriens, Kuwaits, des Sudan und der gesamten Arabischen Nation stehen …die Stunde der Entscheidung ist gekommen.“

Es ist mir ein Rätsel, wie der Autor dieser „Gedanken über eine mögliche Lösung“ es fertigbringen konnte, als ausgewiesenes Mitglied der DIG (und damit per Definitionem als Freund und Unterstützer Israels) zum Thema Grenzlinie nach dem Sechstagekrieg eine Position beziehen konnte, die ebenso von Teilen der deutschen linken wie rechten Israelhasser vertreten wird. Diesen Leuten kann man immer nur raten, sich die Taten und Aussagen arabischer Politiker aus den Monaten vor dem Juni 1967 anzusehen:

„Wir beabsichtigen einen grundlegenden Angriff auf Israel. Dies wird ein totaler Krieg sein. Unser primäres Ziel wird es sein, Israel zu zerstören.“
(Gamel Abdel Nasser, Staatspräsident Ägyptens, 26. Mai 1967)

Die Vorgeschichte des Sechstagekrieges ist ausreichend dokumentiert. Es ist daher gelinde gesagt unverständlich, wie man in einem Artikel des monatlich erscheinenden „DIG Magazins“ (Zeitschrift der Deutsch-Israelischen-Gesellschaft, Nr.3, 2016/5776) ohne Kommentar solche israelfeindlichen Ansichten publiziert.

Ich will aus dem Artikel von Kornblum nur noch einen Teil herausgreifen, der bezeichnend für seine Sicht des ganzen „Nahost-Problems“ ist. Er empfiehlt z.B. eine „Aufgabe der Blockade des Gazastreifens“ und eine „Wiederzulassung des freien Handels“. Interessant! Verhungern im Gazastreifen also täglich unzählige von unschuldigen friedlichen Bürgern aufgrund einer Blockade der israelischen Imperialisten?
Davon kann allerdings keine Rede sein [5] :

Täglich passieren 800 bis 1.000 Lastwagen den Grenzübergang Kerem Schalom von Israel in den Gazastreifen mit Brennstoff, Nahrungsmitteln, Medikamenten und Tierfutter. Sogar Baumaterial wird in das Gebiet transportiert, solange sich die dort tätigen internationalen Organisationen verpflichten, Zement und Metalle nicht an die Hamas weiterzugeben.

Wie man da als „langjähriges Mitglied der DIG“ noch von einer „Blockade des Gazastreifens“ reden kann, ist mir nicht ganz klar. Aber vielleicht hat das etwas damit zu tun, daß manche Mitglieder der DIG zu sehr durch ihre christliche Religion beeinflußt sind. Das führt dann zu solchen Kniefällen vor dem Islam wie hier in Jerusalem:

Bischof Bedford-Strohm und Kardinal Marx legen christliches Kreuz für den Islam ab….
Neben christlichen Stätten besuchten sie auch den islamischen Felsendom am Jerusalemer Tempelberg. Auf den Bildern von dort ist zu sehen, beide haben ihr christliches Kreuz, das sie sonst immer tragen, abgelegt. Bedford-Strohm begründete diese Verleugnung des Kreuzes mit dem „Respekt“ gegenüber dem moslemischen Gastgeber, der das so gewünscht habe.

Anmerkungen und Links

[1] DIG MAGAZIN, Zeitschrift der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Nr. 3 2016/5776
[2] Institut für Palästinakunde
[3] Es gibt ja genug Gründe, uns Juden nicht zu mögen: Henryk M. Broder in der WELT
[4] Der Sechstagekrieg, eine Dokumentation der israelischen Botschaft Berlin
[5] Blockadebrecher von israelischer Marine gestoppt

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Mathematik zahlt sich aus – oder wie Logik das Affiliate-Marketing beflügelt

(Beitrag von Vincent Winterhager) Mathematik muss nicht spröde Theorie sein. Von der Einführung des Personal Computer bis hin zu Google bestimmen “Nullen und Einsen”, wie wir Inhalte erstellen und suchen. Vor kurzem habe ich gemeinsam mit meinem Vater (Inhaber dieses Blogs) ein mathematisches Verfahren entwickelt, das jedes Produkt mit Hilfe von Metadaten aus dem Internet benoten kann. Eine Funktion, die im Meer der Online-Produktportale ein Novum ist.

Eine kurze Einführung in die Thematik Affiliate-Marketing ist zu Beginn unabdingbar.
Der erste Begriff Affiliate bedeutet so viel wie “verbinden”, oder “assoziieren”. In diesem Kontext ist eine Verbindung gemeint zwischen Bloggern und Website-Betreibern mit kommerziellen Anbietern, die wie auch immer geartete Produkte anbieten. Diese Produkte werden auf der eigenen Seite eingebunden und beworben. Für eine Weiterleitung zum Partner-Portal wird eine Provision ausgezahlt.

Der zweite Begriff Marketing ist in diesem Zusammenhang jenes Prinzip, das die Optimierung und den Erfolg dieser Partnerschaft zum Ziel hat.
Nun ist dieses Konzept durchaus beliebt, denn mit geringem Startkapital und wenig bis kaum vorhandenen Programmierkenntnissen lässt sich eine passive Einkommensquelle aufbauen. Viele Menschen sehen im Konstrukt Affiliate-Marketing einen Gewinn an örtlicher und zeitlicher Freiheit, die ihre herkömmliche Beschäftigung nicht bieten kann. Also haben wir es hier mit der Erlösung von finanzieller Abhängigkeit, mit dem Traum einem von Konventionen gelöstem Leben zu tun?

Nun ja, eine große Anzahl von Menschen scheint dieser Meinung zu sein. Dies ist nicht zuletzt auf die Selbst-Vermarktung von sehr erfolgreichen Online-Unternehmern zurückzuführen, die nicht mehr die unternehmerische Idee als solche in den Mittelpunkt stellen, sondern das Lebenskonzept von “unabhängigen” Online-Marketern in das Zentrum der Aufmerksamkeit rücken.

Nachhaltiges Affiliate-Marketing

Dieses Konzept geht jedoch nur dann auf, wenn die Anzahl der Affiliate Marketer begrenzt ist und die vermittelten Inhalte einem gewissen Qualitätsanspruch gerecht werden. Durch die immense Popularität von Affiliate Marketing ist es fraglich, ob diese Idee langfristig Bestand haben wird. Und wenn sie Bestand haben sollte, dann nur mit Hilfe von sehr guten Inhalten und nützlichen Funktionen für den Benutzer.

In dieser Kontroverse stehen sich die Pole der Online Welt gegenüber. Auf der einen Seite stehen die Suchmaschinenbetreiber, auf der anderen Seite Amazon & Co. Online-Shops wie Amazon können ihren Umsatz durch Affiliates signifikant erhöhen und haben folglich ein großes Interesse am Wachstum dieser Branche. Andererseits haben Suchmaschinen nur dann Erfolg, wenn die Ergebnisse für den Benutzer eine hohe Relevanz aufweisen. Wenn die erste Google-Seite von Affiliate-Webseiten dominiert wird, hat Google seine Funktion nur bedingt erfüllt. Affiliate-Seiten können dem Benutzer durchaus weiterhelfen, sind zumeist aber mehr am wirtschaftlichen Erfolg als am Verbraucherschutz interessiert.

Notenverfahren

An dieser Stelle setzt die Mathematik ein. Mehrwert kann man durch verschiedene Funktionen bieten: Produktfilter, Vergleichstabellen, oder ein Blog über die Produktkategorie. Um den Kunden im Dschungel der Informationen eine Orientierung zu bieten, haben wir ein Benotungsverfahren entwickelt. Nominelle Bewertungen sind per se nichts Neues, man findet sie immer wieder in Produkt-Portalen. In der Regel sind diese Werte aber beliebig gesetzt und nicht das Ergebnis einer differenzierten Berechnung.

Über die Schnittstelle von Amazon lassen sich alle wichtigen technischen Daten eines Produkts auslesen. Einige müssen manuell beim Hersteller erfragt werden. Nun haben wir eine Anzahl von Werten mit verschiedenen Maßeinheiten, die wir auf eine Notenskala abbilden möchten. Ein bisschen Überlegung und Mathe-Grundkenntnisse aus der Oberstufe führten zu folgendem Verfahren:
Um dem Verbraucher eine Orientierung zu geben, hat jedes Produkt eine Gesamtnote. Es werden Noten zwischen eins und drei mit zwei Nachkommastellen vergeben.
Die Gesamtnote ist der Durchschnittswert der Noten pro Kategorie, die ebenfalls auf der Produktseite abgerufen werden können. Bei den Noten handelt es sich um eine Abbildung der tatsächlichen technischen Details des Produkts auf eine Notenskala.
Nun werden pro Kategorie ein minimaler Wert und ein maximaler Wert bestimmt, um eine Einordnung des Produktwertes zu ermöglichen. Die Differenz zwischen dem minimalen und dem maximalen Wert bildet den Wertebereich der Produktwerte. Ein Produktwert (zum Beispiel 1 Watt in der Kategorie Leistung) wird im Folgenden als Einheit bezeichnet.
Um verschiedene Maßeinheiten zu vergleichen, wird ein Notenwert pro Einheit (N1) gebildet. So kann jede Einheit in Notenform abgebildet und verglichen werden. Bei einer Notenskala von 1-3 berechnet sich N1 wie folgt:

vini1

Im nächsten Schritt werden die Noten pro Kategorie berechnet. Hier gibt es zwei Fälle: Der niedrigste Produktwert ist der beste Wert (z.B. Gewicht), oder aber der höchste Produktwert ist der beste Wert (z.B. Leistung).
Der erste Fall berechnet sich so:

vini2

Der zweite wird wie folgt ermittelt:

vini3

Nk = Note Kategorie
U = Produktwert
N1 = Notenwert pro Einheit
Min = Minimaler Produktwert
Max = Maximaler Produktwert

Nach der Abbildung der Produktwerte auf eine Notenskala werden die Ergebnisse der gewichtet. Abhängig von der Empfehlung (Testsieger, Leistungs-Empfehlung, Preisempfehlung) wird die Gewichtung ausgerichtet. Diese Methode können Sie in der Praxis auf meiner Seite anschauen.

Fazit

Dieses zugegebenermaßen nicht sonderlich komplizierte Verfahren ermöglicht dem Benutzer, einen schnellen Überblick zu gewinnen und sich für das richtige Produkt zu entscheiden. Sicherlich bildet diese Berechnung kein Äquivalent zu den Benotungen von Stiftung Warentest. Im Vergleich zu willkürlich vergebenen Zahlen auf anderen Seiten bietet dieses Verfahren jedoch eine transparente und sinnovolle Orientierung. Ich sehe es als Beitrag zu einer Branche, die sich oft viel zu sehr auf Suchmaschinenoptimierung konzentriert und völlig vergisst, was wirklich zählt: dem Kunden das beste Produkt zu empfehlen.

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Heroischer Widerstand gegen die AFD

berlink1(Bild links: siehe [1]) Am Samstag, dem 01.Oktober 2016, traten weibliche und männliche Aktivist*innen aus der Berliner Linken-Szene zum Kampf gegen „rassistische Rechtspopulisten“ der AfD im Stadtteil Pankow an. Dabei richtete sich ihr Protest natürlich nicht nur gegen Rechtspopulisten, sondern auch gegen Rechtspopulist*innen, allerdings ist diese Form der Geschlechter-Gleichbehandlung bei unseren Linken verpönt, weil Frauen (und die vielen anderen nicht-männlichen Gechlechterformen) ja grundsätzlich nie „rechts“ sind, sondern fortschrittlich, selbstbewußt und mindestens auch sozial engagiert.

Daß die bei solchen Aktionen auftretenden Menschen sich gerne als „Aktivisten“ bezeichnen, ist übrigens auch kein Wunder: schon in der ehemaligen DDR gab es ja haufenweise Aktivisten, also „Werktätige, die bei der Erfüllung des Planes außerordentliche Leistungen vollbringen und dafür mit dem staatlichen Titel Aktivist der sozialistischen Arbeit geehrt“ wurden (siehe [4]).

Etwa 30 dieser „Aktivist*innen“ (welchen Geschlechtes auch immer) haben an diesem 1.Oktober 2016 in Berlin einen Wahlstand der AfD symbolisch zugemauert. Als Ziel gaben sie an: den AfD-Stand als „rassistischen Tatort“ markieren.

Ihre heroische Tat wurde gleich nach Vollendung auf Youtube publiziert. Dort sehen wir einen Julius Wagner, der mit einem Dauerlächeln ausgestattet über die seiner Meinung nach „gelungene Aktion“ berichtet:

Julius Wagner: Nationalismus ist keine Alternative
Wir haben heute die AfD auf dem Panke-Fest symbolisch eingemauert und als Tatort Rassismus markiert.
Wir rufen dazu auf, vor den Wahlen mit Aktionen gegen die AfD zu agieren. Am nächsten Wochenende wird es dazu ja unterschiedliche Aktionen geben. Das sollte heute der Auftakt sein.

berlin2(Bild links: siehe [2])

Wir sind heute zum Stand gegangen und haben vor dem Stand eine symbolische Pappmauer aufgebaut, Flyer verteilt und Sprüche gegen die AfD gerufen.
Die Mitglieder sind dann sofort agressiv geworden, haben die Mauer umgestoßen, haben die Antifas weggeschubst.
Wir sind darüber eigentlich etwas verwundert, weil wir eigentlich sehr friedlich waren.

Mitglieder der Rechtspartei reagierten aggressiv und griffen die Aktivisten an ( [2])

Das zeigt aber, daß die AfD es nicht einmal akzeptieren kann, wenn wir ihnen eine Pappmauer vor die Nase setzen und sie als rassistische Brandstifter markieren, während sie an den europäischen Aussengrenzen Mauern errichten wollen und den Schießbefehl durchsetzen.

Anmerkungen und Links

Hier der Text zum Film auf Youtube:

Eine Hand schnellt vor und packt einen ganz in weiß gekleideten Aktivisten am Hals und schleudert ihn weg. Laute Rufe »Nationalismus raus aus den Köpfen« ertönen, als Freunde zu Hilfe eilen und den Aktivisten aus den Fängen des AfD-Mitglieds befreien.

Diese Szene spielte sich am Wochenende in Pankow/Berlin ab, als etwa 30 Aktivisten symbolisch eine Mauer vor einem AfD-Wahlstand errichteten. Ihr Ziel: den Ort als einen »rassistischen Tatort« markieren.

Wenige Minuten vor dem Zusammenstoß hatten sich die in Maleranzügen vermummten Aktivisten des Bündnis »Nationalismus ist keine Alternative« mit Pappkartons, Flyern und Megafon ausgerüstet, Richtung dem Wahlstand auf dem Panke-Fest aufgemacht.

Dort stellten sie sich vor die Rechtspopulisten, errichteten ihre Pappmauer, sammelten die AfD-Flyer von Passanten ein und versprachen diese ordnungsgemäß zu vernichten. »Wir glauben, dass es nicht mehr reicht, die AfD nur zu ignorieren. Besonders nach dem Wahlerfolg bei den Mecklenburg-Vorpommern-Wahlen. Wir glauben, dass es jetzt wichtig ist, aktiv zu werden und die AfD in ihrem Handeln zu behindern.«

Der Protest fand eine Woche vor den Wahlen in Berlin statt, bei der die AfD mit 15 Prozent droht in den Landtag einzuziehen.

Die AfD-Mitglieder reagierten sehr gereizt auf den Protest und griffen einzelne Aktivisten mit an, dass obwohl die Aktivisten deutlich signalisierten keine Gewalt gegen die rechten Parteimitglieder anzuwenden.

Nach wenigen Minuten löste sich der Protest auf und die Aktivisten entschwanden in alle Himmelsrichtungen.

[1] Berliner Antifa „wehrt“ sich gegen AFD
[2] Neues Deutschland: Mauer vor AfD-Wahlstand errichtet
[3] AfD-Wahlparty Crashen!
[4] Wikipedia: Aktivist
[5] Wahlen zum Abgeordnetenhaus 2016
[6] Zentrale Einheitsfeier Dresden Brandanschlag auf Polizeiautos
[7] neues deutschland: Mauer vor AfD-Wahlstand errichtet

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Berliner Gruppe „FOR-Palestine“ propagiert die Abschaffung des Staates Israel

akw-abschaltenWie jedes Jahr zum 1.Mai gab es auch 2016 in Berlin wieder viele Aktivitäten zum „Tag der Arbeit“. Z.B. hier in Kreuzberg, wo sich die ganze bunte Vielfalt der Berliner Arbeiterbewegung zeigte: Anti-Atomkraft-[3], Frauen- und Lesbenbewegung, Windkraft-Bewegte und viele, viele Nachhaltigkeits-Befürworter_*Innen waren am Mariannen-Platz versammelt, um der Welt zu zeigen, daß es in Deutschland neben Rassist_Innen, Faschist_Innen und Rechtsradikalen auch friedliche Menschen gibt.

volker

Wer wollte, konnte Bücher von Sarah Wagenknecht oder Volker Pispers kaufen, um sich im Kampf gegen die Feinde der Arbeiterbewegung die richtigen Argumente anzueignen. Das ist deshalb besonders hervorzuheben, weil ja beide Personen von unseren offiziellen Medien boykottiert werden, weder im Fernsehen noch im Rundfunk findet man noch Beiträge von ihnen, und so war es kein Wunder, daß ihre Bücher an mehreren Ständen auslagen und von vielen Besuchern gekauft wurden.

2016-05-01_15-30-21kFür all diejenigen unter uns aber, die sich Sorgen um Palästina und die dort von den Israelis verfolgten Menschen machen, gab es hier am Mariannenplatz genügend Stände, die sich dieses Themas mit großem Engagement annahmen. Zu den Menschen, die für ein freies Palästina warben und das auch deutlich durch ihre Kleidung demonstrierten, gehörte auch dieser freundliche junge Mann, der mir, ohne daß ich ihn dazu aufgefordert hätte, seinen Rücken zeigte, damit ich den Satz auf seinem T-Shirt insgesamt sehen konnte:

Palestine will be free – from the river to the sea.

Ein wenig erinnerte mich das an die Rede vom „judenfreien Deutschland“, für das man vor nicht allzu langer Zeit in Deutschland „nachhaltig“ geworben hatte.
2016-05-01_15-30-25kUnter den „fortschrittlichen“ politischen Gruppierungen in Berlin, die sich für ein möglichst judenfreies Palästina engagieren, gibt es aber noch eine besonders aktive Gruppe namens FOR-Palestine (http://for-palestine.org/de/). Diese Gruppe befindet sich im antirassistischen Bündnis „My Right is your Right“ [2]in guter Gesellschaft: zusammen mit der Arbeiterwohlfahrt, dem „Bündnis gegen Rassismus“, dem „Flüchtlingsrat Berlin“, der „Lesbenberatung“ und dem „Grips-Theater“ (es gehören noch mehr dazu, z.B. das Maxim Gorki Theater, die Schaubühne und das Deutsche Theater).

Wofür werben nun diese „FOR-Palestine“-Leute? Hieß es früher unter den Nazis noch einfach “Juden raus aus Deutschland!“, so formulieren die revolutionären, internationalistischen und fortschrittlichen FOR-Palestine-Mitglieder eleganter:

„Die Rückkehr der Vertriebenen geht einher mit der Abschaffung der zionistischen Kontrolle, sprich die Abschaffung des Staates Israel samt seines Systems der Privilegien.“ ([4])

Solche Sprüche, das muß ich zugeben, erinnern stark an vergangene Zeiten in Deutschland, nur werden sie in einer anderen Sprache formuliert, wie man an dem folgenden Zitat ([1]) besonders gut sieht:

Die Kolonisierung Palästina durch den Zionismus hat Jahrzehnten vor dem zweiten Weltkrieg angefangen. Die zionistischen Migrant*innen, die Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts nach Palästina kamen, haben eine Ideologie für die Kolonisierung des Landes entwickelt – „Kibush Ha´avoda“, Besatzung der Arbeit. Nach dieser Ideologie sollte die Arbeit selbst im Palästina durch den Zionismus übernommen werden, die lokale palästinensische Arbeit durch die vom Zionismus sogenannte „Hebräische Arbeit“ ersetzt werden. Diese Idee wurde mit verschiedenen Mitteln verfolgt: durch Kauf palästinensischen Landes, durch die Verhinderung, auch mit Gewalt, palästinensischer Arbeiter*innen an der Arbeit teilzunehmen, oder durch das Bringen jüdischer Arbeiter*innen aus muslimischen Ländern, mit dem Gedanke, dass sie als nicht-Europäer besser arbeiten können, und trotzdem aber keine Palästinenser*innen sind.

Es ist, als gäbe es in gewissen links-radikalen Kreisen eine Art Joseph Goebbels, zu dessen Aufgaben die Kontrolle sämtlicher Texte auf geschlechtergerechte Formulierung gehört. Allerdings nicht nur das. Sucht man nach einem übergreifenden Merkmal all dieser Texte auf irgendwelchen linken Webseiten, so findet man neben den sprachfeministischen Fanatikern besonders häufig Texte von Israel-Hassern. Irgendwie scheint das alles gut zusammenzupassen.

Anmerkungen und Links

[1] Redebeitrag auf dem internationalistischen Block der revolutionären 1. Mai Demo
[2] Demonstration von „My Right is Your Right!“ am Globalen Tag gegen Rassismus (20.03.2016)
[3] ausgestrahlt.de
[4] Berliner Tagesspiegel am 19.03.2016: Antisemitismus-Vorwurf vor antirassistischer Demo

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