Richard David Precht: monogam wurde der Mensch durch die jüdische Seuchenmoral.

Ich wollte schon immer Zoodirektor werden

Erst wollte er nur Zoodirektor werden, dann – weil „amerikanische Scheiße“ wie Daktari, Fury, Flipper und Lassie zu Hause verboten waren – begeisterte er sich für den Fußball und freute sich über den Sieg der DDR 1974 bei der WM gegen die Bundesrepublik. Richard David Precht hat in seinen jungen Jahren „beim Nachbarjungen Kicker-Hefte ausgeliehen und so getan, als würde ich mich für Mönchengladbach oder Eintracht Braunschweig interessieren. Aber ich wollte das Heft nur haben, weil da ein Dynamo Kiew-Poster drin war.“ Irgendwann hatte er vom Fußball dann auch die Nase voll und begann, Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte in Köln zu studieren, eine Fächerkombination, die in der Regel dazu führt, daß man am Ende als Lehrer, Lektor oder Schriftsteller seinen Mitmenschen auf den Geist geht. Oder als Politiker.

Doch Precht, dieser tolle Hecht, wollte mehr. Er wollte raus aus dem DKP-Mief seines Solinger Elternhauses und weg von den langweiligen Professoren „in braunen oder blauen Busfahreranzügen an der Uni“, hin zu den Talk-Shows und den Medien.
Er mußte sich also etwas einfallen lassen. Schon bei seiner Dissertation zum Thema Die gleitende Logik der Seele. Ästhetische Selbstreflexivität in Robert Musils ‚Der Mann ohne Eigenschaften‘ war es dem Jungakademiker aufgefallen, mit wie wenig Geschwätz man Menschen doch beeindrucken kann. Also beschloß er, Bücher zu schreiben und Filme zu drehen.

Lenin kam nur bis Lüdenscheid

Z.b. „Lenin kam nur bis Lüdenscheid“ über seine Kindheit im linken Ruhrpott, der nur bis Lüdenscheid reichte – 40 Km östlich von Prechts Heimatstadt Solingen. Zu gerne hätte der Philosoph Precht die SDAJ-Freizeiten mit den Lenin-Fahnen auch in Solingen erlebt, denn auf diesen Pfingstlagern konnte er ausgiebig mit politisch Gleichgesinnten kuscheln. Nicht so in Solingen: auf dem dortigen Gymnasium konnten sich „linke Lehrer“ nie lange halten. Wie schlimm für den kleinen Richard! Darunter muß er furchtbar gelitten haben.

All das hat Precht 2005 in seinem Buch so schön beschrieben, daß die Linken vom WDR, dem SWR und der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen meinten, es müsse verfilmt werden. Das war kein Problem, weil in diesen „Anstalten“ sowieso nur Linke sitzen, die am liebsten Filme drehen, in denen sie sich selbst porträtieren. Was dabei herauskam, erreichte dann als Film in deutschen Programmkinos mehr als 20.000 Zuschauer. Immerhin. Aber es ist nur unwesentlich mehr als die bekannte „leere Menge“, im Vergleich etwa zu „KeinOhrHasen“, dem 2008-Hit mit über 6 Millionen Zuschauern oder der „Welle“ mit 2,6 Millionen. Ein bißchen wenig, dachte sich auch Precht, der gerne ein Millionenpublikum hätte, und sprang auf eine Welle, mit der man im deutschen Buchhandel ganz schnell zum Bestseller avanciert. Es ist jene Welle, auf der besonders Sozialwissenchaftler, Soziologen und Geisteswissenschaftler mit Erfolg schwimmen, indem sie die These von der „gesellschaftlich bedingten Natur des Menschen“ in immer neuen Varianten präsentieren.

Was Precht und Pfarrer Fliege verbindet

Daß der Mensch nicht nur aus Formeln bestehe, daß nicht ausschließlich Gesetze der Molekularbiologie oder -chemie sein Handeln bestimmen, ja daß es geradezu vermessen wäre, ihm den freien Willen abzusprechen, dieser Wille, der ihn als Krone der Schöpfung doch wohl von den Tieren unterscheidet – das wird heutzutage von den meisten Menschen in unserer Gesellschaft als selbstverständlich angenommen. Zumindest von jenen, die sich zum lesekundigen Bildungsbürgertum zählen, und dieser Teil der Gesellschaft stellt einen großen Teil der Kundschaft im Buchhandel.

An dieses Lesepublikum ranzukommen, sollte für einen wie Precht nicht schwer sein, der in den Talkshows des deutschen Fernsehens schon zum Dauergast geworden ist. Dabei kommt ihm zugute, daß ihn die Frauen mögen – wie z.B. Maybritt Illner, bei der (wie Precht in einem Interview sagte[1]) wirklich was rumkommt.
Um allerdings aus der Masse der Mitschwimmer herauszuragen, muß man sich schon etwas einfallen lassen. Man denke nur, welch illustre Persönlichkeiten da miteinander konkurrieren: Jürgen Habermas, Bischof Wolfgang Huber, Eugen Drewermann, der Papst, Barbara Rütting, Jürgen Fliege und Chefarzt Manfred Lütz. Aber Precht ist ja nicht auf den Kopf gefallen. Schließlich wollte er doch mal Zoodirektor werden, also hat er so getan, als ob er eigentlich Biologie statt Philosophie studieren wollte. Oder Zoologie. Oder irgendsowas hochgradig Naturwissenchaftliches. Aber weil er in Mathe eine Null war, mußte er auf Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte ausweichen. Man muß ja nicht alles studieren, worüber man später dicke Bücher schreibt. Wie hat er es nun geschafft, die Millionen zu begeistern?

Hirnforschung, Evolutionsbiologie: alles irgendwie spannend

Es war eigentlich ganz einfach. Precht gehört zu jenen Menschen, die alles „irgendwie spannend“ finden. Ob es sich nun um Hirnforschung, Evolutionsbiologie oder kognitive Neuronalwissenschaften handelt: auch gebildete Leser finden das alles „irre spannend“, es fehlt nur jemand, der es ihnen erklärt. Am besten ohne Formeln und langwierige logische Abhandlungen. Und so, daß die eigenen Vorurteile bestätigt werden. Richard David Precht dachte sich, daß er der richtige Mann dafür ist, weil er ja mal Zoodirektor werden wollte und sich für Biologie begeistert. Richtige Biologen, Verhaltensforscher oder Physiker wie Richard Dawkins, Frans de Waal oder Karl Grammer ([8],[9], [10]) versteht doch kein Mensch, und mit Buchtiteln, in denen von „Menschen und anderen Tieren“ die Rede ist, stößt man die Menschen nur vor den Kopf.

Also: weil Precht ein besonderes Talent dafür besitzt, etwas zu erklären, von dem er selbst gar nichts versteht, hat er in einem Rundumschlag in seinem Buch Wer bin ich und wenn ja, wie viele? so mal eben alle Menschheitsfragen in einem Aufwasch abgebügelt.[7] Das ist ihm so gut gelungen, daß 800000 Kunden ihn nun zum Bestsellerautor gemacht haben und Gustav Falke von der FAZ auf den Quatsch auch noch reingefallen ist.

Denn Falke hat doch tatsächlich aus dem Kapitel über „Liebe“ (Seite 300 – 312) geschlossen, daß es sich hier um ein überflüssiges, ja sogar ärgerliches Buch handele,

und zwar aus dem bestimmten Grund, dass es neuere biologische Forschungen einsetzt, um ethische Fragen nicht wegzuschieben – Position bezieht der Autor, wie gesagt, nie -, aber ihnen das Unbedingte und damit ihren Ernst zu nehmen. Vielleicht liegt ja doch alles nur an unserer Natur!…Ich will, dass jemand mir sagt, was ich für ein toller Hecht bin, aber irgendwann ist das nicht mehr so prickelnd, und dann suche ich mir einen anderen. Da kann ich gar nichts für, das liegt an der Biologie.

Richtig, und das findet Falke ganz schrecklich. Ihm wäre es lieber gewesen, wenn Precht „Stellung bezogen“ hätte: und zwar im Sinne Falkes. Zum Beispiel so: Liebe darf um Gottes willen nichts mit schnöder Biologie zu tun haben, „also eine durch die biologische Uhr abgemessene Selbstdarstellung im Blick des anderen“. Das würde ihr das „Unbedingte“ und damit „ihren Ernst“ nehmen (was immer das sein mag). Es muß einfach mehr sein. Am besten etwas unbegreifliches, etwas, das man auf keinen Fall „berechnen“ kann, kurzum das, wonach Pfarrer Fliege sich immer so sehnt: Gottes unergründliche Entscheidung, mit der man alles und jedes begründen kann.

Es gibt zwei Gründe, wie man zu einem solchen Fehlurteil bzgl. Prechts kommen kann:

  1. man überfliegt dieses Buch nur und pickt sich ein paar Stellen heraus, die das vorher schon gefällte Urteil zementieren,
  2. man gehört zu jenen erhabenen Menschen unserer Gesellschaft, die aufs Fernsehen verzichten, weil sie über „höhere, reinere“ oder „bessere“ Quellen des Wissens verfügen und ignoriert damit Prechts Auftritte in den restlichen Medien.

Soziologengeschwätz aus Bielefeld

(Foto links: Niklas Luhmann, Pressestelle der Uni Bielefeld)

Beide Gründe scheinen auf Falke zuzutreffen. Der erstere deshalb, weil Precht nämlich im Kapitel über die Liebe (13 Seiten von S. 300 bis S. 312) mindestens bis Seite 309 (teilweise auch noch darüber hinaus bis zum Ende auf Seite 312) krampfhaft an der These der „gesellschaftlich bedingten“ Ursachen festhält – und zwar mit den völlig unwissenschaftlichen Begründungen des Bielefelder Soziologen Niklas Luhmann, an dem Precht offensichtlich einen Narren gefressen hat. Luhmanns Geschwätz von Selbstdarstellung, unabhängigen funktionalen Systemen oder „Kommunikation mittels Austausch von Erwartungen“ hat nichts mit Wissenschaft zu tun, es ist nur der übliche Kauderwelsch eines Geisteswissenschaftlers, der mit hochtrabendem Gerede »wissenschaftliche Impotenz kompensieren« (Ralf Dahrendorf) möchte. Um zu zeigen, daß er, Precht, auf keinen Fall nur einseitig auf Luhmann setzt, schreibt er dann aus allen möglichen Quellen etwas ab über Oxytocin-Rezeptoren, biochemische Kampfstoffe im verliebten Gehirn oder Noradrenalin und Dopamin. Zwischendurch – um nur ja nicht den Eindruck aufkommen zu lassen, er sei ein „Biologist“ – beklagt er die „eigentümlichen Vorstellungen der Verhaltensforscher“, redet von der „Mutter-Kind-Beziehung“ bei höheren Säugetieren, die als Bindung verdächtig schnell vom Tisch gefegt werde oder von der Idee der „Autopoiese“ des chilenischen Biologen Maturana, die Luhmann natürlich durch eine viel bessere „Idee“ ersetzt habe. Nämlich die Idee, daß Liebe ein soziales System sei, gebildet aus Erwartungen. So wie im Film: er steht am Fenster und blickt starr hinaus, sie steht hinter ihm und fragt: „was erwartest du eigentlich von mir“? Na, wenn das nichts ist: nein, es ist eben nichts. Nur leeres Geschwafel. Aber damit erobert man die Leser.

Nebenbei gesagt hat Falke allerdings in einem recht: der Rundumschlag, mit dem Precht Soziobiologie, Hirnforschung und alles, was mit der Erforschung der biologischen Gesetze von Liebe und Partnerschaft zu tun hat, in einem Aufwasch abhandelt, vermittelt dem Leser den ganz und gar falschen Eindruck, es sei doch alles ganz einfach. Man bekommt den Eindruck, als wenn auch Außenstehende so einfach mal eben den neuesten Stand der Verhaltensforschung (welcher?) in zwei Sätzen zusammenfassen könnten. So weit kann es also mit der Wissenchaftlichkeit dieser Disziplinen nicht her sein.

Richard David Precht bei Beckmann

Der zweite Grund sollte aber viel eher auf Falke zutreffen: denn Precht tritt ja häufig genug im Fernsehen auf, und dort kann man sich original anschauen, wie jemand argumentiert, der nie gelernt hat, richtig zu denken. Man schaue sich z.B. Prechts Auftritt bei Beckmann an ([5]), um zu verstehen, daß er ganz das Gegenteil eines Richard Dawkins ist:

Precht: Ich denke, Philosophie hat heutzutage nicht mehr so sehr die Aufgabe, den Menschen Normen vorzuschreiben, aber sie hat den enormen Vorteil: sie kann den Menschen helfen, intelligenter über sich nachzudenken. Das is was schönes.
Beckmann: Er fomuliert so, als wenn mans direkt ins nächste Buch übernehmen könnte. (Zu Prechts Frau:) Wie halten Sie das aus, mit so jemandem zusammen zu sein?
Caroline Mart: Ich genieße das. Es ist ein Grund, warum ich ihn liebe. Sicher auch ein Grund, warum ich mich in ihn verliebt habe. Weil.. es sind ja nicht… es ist ja …es ist … einfach die Fähigkeit, soooo zu formulieren, eine sehr scharfe Analyse machen zu können, verschiedene Wissensgebiete miteinander zu verbinden, und es dann auch nur so anschaulich rüberzubekommen, hat ein sehr großes pädagogisches Geschick, und das is …is ein Vergnügen, is ein täglicher Lernprozeß.

Dieser tägliche Lernprozeß hatte bei einer Lesung Prechts in Luxemburg angefangen, als Caroline Mart zufällig im Auftrage des Luxemburgischen Fernsehens in Reihe 27 saß, in sicherer Distanz zu Prechts Pheromonen. Unversehens wurde sie dort vom „Blitzschlag der Liebe“ getroffen (Prechts Augenbrauen zucken in die Höhe) und fragt sich seitdem, wann die Vierjahresfrist nun vorbei ist, die Precht in seinem Bestseller als Ergebnis „internationaler Statistik“ für die Dauer einer „partnerschaftlichen Bindung“ angesetzt hat. Beckmann dagegen fragt sich , warum Precht nach seinem 800000-Bestseller noch ein zweites Buch mit dem Titel „Liebe. Ein unordentliches Gefühl“ schreiben mußte:

Beckmann: Also, warum haben Sie nun dieses Buch geschrieben?

Precht: Ich habe es in ernster Linie geschrieben, weil ich so bestürzt darüber bin, daß die Literatur zu diesem Thema in den Buchhandlungen in völlig verschiedenen Regalen einsortiert ist. Sie haben auf der einen Seite psychologische Ratgeberliteratur, die gibts schon lange, Sie haben soziologische, 10 todsichere Tips, wie Sie Ihre Ehe sicher nicht retten, ja, dann soziologische Literatur, aber eben verstärkt in letzter Zeit die Literatur der Biologen. Die Biologen, die Ihnen sagen, alles Biochemie, alles ’ne Frage der Hormone, alles im Dienst der Evolution…
Beckmann: Warum greift das zu kurz?
Precht: Das greift völlig zu kurz, weil ich glaube, daß die Liebe gar nicht aus der Sexualität entsprungen ist. Und daß die Kette, die die Biologen machen, hinzugehen von den Genen über das Lustverhalten die Liebe irgendwo sinnvoll erscheinen zu lassen, daß diese Konstruktion nicht trägt.

Da ist er wieder, der Rundumschlag. Selbst Generalisten wie Helmut Kohl oder Ronald Reagan wirken da wie Waisenkinder gegen den Obergeneralisten Precht:

  • „Liebe ist nicht aus der Sexualität entsprungen“: eine plakative, sinnlose Aussage, die von Pfarrer Fliege oder Bischof Mixa stammen könnte.
  • Biologen machen eine „Kette von den Genen über das Lustverhalten“, um die „Liebe irgendwo sinnvoll erscheinen zu lassen“: welche Gene? Welche Kette? Welche Biologen? Welches „Lustverhalten“?

Aus Rezensionen und Abstracts wird populistischer Evolutionsquark

Es hilft nichts: leider zählt auch Reinhold Beckmann – und das wissen wir nicht nur seit diesem Interview – zu denjenigen, die wie Precht nur Rezensionen und Abstracts lesen, um daraus irgendeinen populistischen Evolutionsquark abzuleiten. Ganz im Sinne des gebildeten Brügers, dem nichts ferner liegt, als sich mit solchen Themen wie der Soziobiologie des Altruismus zu beschäftigen, es sei denn, man kann das Thema mit zwei Nebensätzen auf einer Stehparty abtun. Genau das leistet Precht: man braucht kein Fachbuch zu lesen, keine komplizierten Vorlesungen oder Seminare besuchen, sondern es reichen 2-3 Sätze vom großen Simplifikator und die Welt ist wieder so, wie sie schon vorher war. Aus demselben Grunde hört man lieber Günter Grass als einen Ökonomieprofessor über Globalisierung reden, läßt sich über Stammzellenforschung von Benediktinermönchen statt von Molekularbiologen aufklären und ist am Ende stolz auf „authentische“ Information, weil man ja den direkten Kontakt mit Menschen dem abstrakten Leseprozeß vorzieht.

Precht: ….Also die Biologen stellen sich vor: in der Savanne vor 4 Millionen Jahren, da lebten Menschen nicht mehr auf den Bäumen, da hatten die Weibchen ein ganz großes Problem, sie konnten mit den Kindern auf dem Rücken nicht mehr auf die Bäume turnen. (Caroline Mart schaut ihn bewundernd an…)
Also mußten sie in dieser katastrophalen Situation, wo sie wehrlos waren, die Männer an sich binden. Und in den Köpfen der Weibchen entwickelte sich ein Modul für romantische Liebe. Und auf abenteurliche Weise ging es in die Köpfe der Männchen. Das ist die biologische Erklärungstheorie. Und die überzeugt mich nicht, weil es kein einziges Indiz dafür gibt, daß unsere Vorfahren vor 4 Millionen Jahren in der Savanne monogam gelebt haben und da in irgendsoeiner Form romantische Liebe praktiziert hätten.

An diesen Behauptungen ist schon deswegen alles falsch, weil sie mit undefinierten Begriffen arbeiten, dem Zuhörer aber den Eindruck vermitteln, es handele sich hier um eine präzise Wiedergabe einer „biologische Erklärungstheorie“. Von einer Theorie mit einem dermaßen dummen und oberflächlichen Inhalt hat es zwar unter Stalin und Hitler ein paar gegeben, aber heutige Biologen arbeiten da mit ganz anderen Mitteln. Es ist bezeichnend für Precht, daß er nie in direkter Konfrontation mit einem Biologen oder Physiker auftritt, sondern sein Gelaber immer nur gegenüber Talkshow-Moderatoren oder auf Veranstaltungen des Lehrstuhls für Medienpädagogik und -didaktik der Uni Köln vertritt. Und das meist auch noch in einer Einmann-Show. Dagegen hätte er auf einer Podiumsdiskussion mit Manfred Eigen, Richard Dawkins oder Franz Wuketits keine Chance, Sätze wie die folgenden bei Beckmann unhinterfragt von sich zu geben:

Beckmann: Das andere in ihrem Buch, was sie dort thesenartig sagen, ist: die Liebe sei evolutionstechnisch überflüssig.
Precht: Ja.
Beckmann: Das klingt mir ein bißchen deprimierend, besonders nach dem, was Caroline uns gerade erzählt hat.
Precht: Alle schönen Dinge im Leben sind evolutionstechnisch überflüssig. Die Kunst, die Philosophie und die Liebe.

Sonst gibts also nix Schönes auf der Welt. Aber auch hier gilt wieder: „evolutionstechnisch überflüssig“ klingt nett, verbreitet einen Hauch von „Wissenschaftlichkeit“ und sagt nichts aus.

Beckmann: Der Mensch würde sich auch ohne das weiterentwickeln.
Precht: Ja, er könnte sich wunderbar vermehren, wenn es die Liebe nicht gäbe, er würde sich vielleicht sogar viel mehr fortpflanzen, wenn es die Liebe nicht gäbe, denn viele Menschen sind aus Liebe treu und verzichten deswegen darauf, sich mit anderen Weibchen oder Männchen fortzupflanzen (Caroline Mart schmachtet Precht an).
Im Dienst der Biologie ist das nicht, aber es ist schön, daß es das gibt.

Drehbücher und gedankenloses Geschwätz

Bestenfalls kann man das als gedankenloses Geschwätz bezeichnen, aber eine solche Ansammlung von abgedroschenen Plattitüden hat ja nauch ihre Vorteile: man kann selbst damit noch Geld machen. Bei Beckmann, Illner oder Maischberger, denkbar wäre noch eine neue Talkshow „Evolution contra Religion“ , moderiert von Precht und Pfarrer Fliege.
Schön, daß es das noch nicht gibt!

Beckmann: Sie sagen, daß wir in der Liebe so, so… Drehbüchern folgen, Sie haben das eben schon so angetextet. Wie sehen diese Drehbücher aus, Frau Mart?
Mart: Unser Film ist ein sehr dialoglastiger Film.
Beckmann: Es wird viel geredet zu Hause.
Mart: Ja, wir sehen uns auch leider nicht so viel…. blablabla..

Beckmann: Wie meinen Sie das also mit den Drehbüchern?
Precht: Also das ist keine Idee von mir, sondern ein amerikanischer Psychologe namens
Sternberg hat das mal aufgestellt, daß er gesagt hat: wir folgen einem bestimmten dramaturgischen Film. Und zwar ist der Film unterschiedlich. Manche Leute leben Abenteurfilme, andere Leute leben Familienkomödien, und ob eine Beziehung passt, ob eine Ehe passt, hängt wesentlich damit zusammen, daß beide im selben Film mitspielen und keiner aus der Rolle fällt. Manchmal wundert man sich ja, daß es abenteurerliche tolle Paare gibt, wo man sagt, da haben sich die richtigen Abenteurer gefunden, und in dem Moment, wos langweilig wird, ist auch schon vorbei. Weil deren Drehbuch keine Langeweile verträgt. Andere streiten sich von morgens bis abends. Wir alle kennen Paare, die sich 30, 40 Jahre streiten, manchmal ist es bei den Eltern so, und man denkt sich, wieso bleiben die zusammen? Weil das offensichtlich in ihrem Drehbuch nicht störend ist, sondern dazugehört.

Monogam wurde der Mensch durch die jüdische Seuchenmoral

Nachdem wir also gehört haben, daß die „biologische Erklärungstheorie“ zur Monogamie nichts taugt, daß die Liebe uns daran hindert, uns ständig mit allen anderen „Männchen/Weibchen“ zu paaren (also Liebe => Monogamie??) und daß wir alle nach irgendwelchen Drehbüchern handeln, topt sich Richard David Precht am Ende noch selbst:

Monogam wurde der Mensch durch das römische Recht und die jüdische Seuchenmoral.
…wegen der großen großen Seuchengefahr habe das Judentum die Monogamie auch gesetzlich verankert.

Nun wissen wir es also. Die Juden waren es mal wieder. Selbst an der Monogamie sind sie schuld…. ist das nun schon Antisemitismus? Aber nein! Denn Richard David Precht findet Monogamie doch prima, zumindest solange er in der Öffentlichkeit direkt neben seiner Caroline Mart sitzen muss…

Selbstorganisation der Materie: alles Spekulation

Ähnlich kompetent wie über die Sternbergsche „Drehbuch-Theorie“ äußert sich Precht, wenn er (wie hier von der Nürnberger Zeitung [11]) zum Thema Darwinismus befragt wird:

Die Entstehung des Lebens wird heute nicht mehr ausschließlich so erklärt, dass ein Blitz in die warme Ursuppe zischte und die Bildung langkettiger Moleküle forcierte. Vielmehr nimmt man an, dass im Wasser gelöste Moleküle sich an Kristallen anlagerten. Sie übernahmen deren Strukturen, an diese lagerten sich weitere Moleküle an, so dass immer komplexere Strukturen entstanden. Zur «Selbstorganisation der Materie» (Manfred Eigen) hat eine Art der Materie eine andere Materie benutzt. Ist das Zufall oder Notwendigkeit?

Prechts Antwort: Das weiß doch kein Mensch sicher zu sagen! Alles ist Spekulation und weit entfernt von Wissenschaft. Wahrscheinlich wird man über diese Theorien in 50 Jahren nur noch schmunzeln…

Da irrt der Philosoph: worüber man in 50 Jahren noch nicht mal mehr schmunzeln wird, ist das Prechtsche Gebräu aus Spekulation, Halbwissen und pseudowissenschaftlichem Philosophiegelaber. Wer die Forschung der Biologen, Physiker, Chemiker und Mathematiker über biologische Selbstorganisation in jenem Zeitabschnitt unserer Erde (immerhin schlappe 500 Millionen Jahre), als die DNA sich zur Zelle mauserte, wer diese auf exakten mathematischen Modellen und experimentelle Studien am biologischen Objekt basierenden Untersuchungen als „Spekulation“ und „weit entfernt von Wissenschaft“ abtut, leidet entweder an einem Hirngespinst wie Kreationismus oder ist eben nur ein eitler Schwätzer, der nur eines kennt: ästhetische Selbstreflexivität.


Raus aus Afghanistan
Man könnte sich jetzt fragen, ob es den großen Philosophen und selbstverliebten Alles-Versteher Precht nicht auch noch drängt, zu anderen Themen Stellung zu nehmen. Schließlich ist er ja als stramm Linker in einem vermieften DKP-Haushalt in Solingen groß geworden. Und wie bei seinem Philosophie-Kollegen Peter Sloterdijk, jenem Latenight-Philosophen, den man mit Henryk Broder nur als „ästhetische und intellektuelle Zumutung“ [13] empfinden kann, so ergreift auch der Philosoph Richard David Precht jede Gelegenheit, um zu zeigen, daß er auch politisch nichts in der Birne hat.

Nehmen wir zum Beispiel Prechts SPIEGEL-Essay Feigheit vor dem Volk – wider den verlogenen Menschenrechts-Bellizismus [6]. Daß man zur Verteidigung der Menschenrechte möglicherweise Gewalt anwenden muß, erschließt sich einem schlichten Philosophen wie Precht nicht. Ihm wäre es wohl lieber, man würde sich „auf gleicher Augenhöhe“ mit den Taliban zusammensetzen oder mit „Antikonfliktteams“ zur „Deeskalation“ beitragen. Precht schießt in seinem Essay aus vollen Rohren gegen die Amerikaner, die Amerikaner, und nochmals die Amerikaner. Und natürlich deren „Vasallen“: die schlechten Deutschen. Das sind die von der CDU, der FDP und überhaupt alle Konservativen, ausgenommen Jürgen Todenhöfer. Kein Argument ist dem Autor Precht zu blöd, um es in sein antiamerikanisches Linken-Weltbild einzubauen. Wie bei den vielen selbsternannten deutschen Palästina-Experten, die ständig von der Verletzung des Völkerrechts durch die israelische „Militärjunta“ faseln, wirft auch Precht den Deutschen eine Verletzung des Völkerrechts in Afghanistan vor. Was man von Prechts „Raus aus Afghanistan“-Empfehlung halten soll, hat Ruprecht Polenz in einem Leserbrief auf den Punkt gerbacht:

Deutschland verteidige am Hindukusch nicht seine Sicherheit, sondern verstoße gegen das Völkerrecht, behauptet Precht. Es kümmert ihn nicht, dass das Bundesverfassungsgericht eine entsprechend begründete Klage der Linken abgelehnt hat. Auch die über 40 Länder, die sich zusammen mit Deutschland im Auftrag der Vereinten Nationen und auf Bitte der afghanischen Regierung an Isaf beteiligen, beurteilen die völkerrechtliche Lage anders. Deutschlands Sicherheit müsse in Berlin verteidigt werden gegen diejenigen, die die Bundesrepublik durch ihre Afghanistan-Abenteuer fahrlässig zur Zielscheibe von Terroristen machen, versteigt sich Precht nach dem Motto: Raushalten, dann tut uns auch niemand was. Aber auch ein Philosoph sollte wissen, dass der Terrorismus von der Unschuld seiner Opfer lebt. Was würde geschehen, wenn die Politik Prechts Rat folgte und die Soldaten abzöge? Schon jetzt ermorden die Taliban gezielt Lehrer oder Polizisten. Das zeigt, was Afghanen zu erwarten hätten, die jetzt mit unserer Hilfe ihr Land aufbauen wollen. Sie haben sich auf uns verlassen. Wir tragen für sie Verantwortung.

Eben. Aber Richard David Precht trägt am liebsten nur Verwantwortung für sich selbst. Wenn in Afghanistan Frauen und Schwule gesteinigt werden, hat er damit nichts zu tun. Statt Panzer und Soldaten hinzuschicken könnte man ja durch interreligiöse Gespräche Überzeugungsarbeit leisten. Das hat in der Vergangenheit auch immer so schön funktioniert. Am besten unter der Leitung eines doitschen Filosofen. Außerdem hat ja selbst Jürgen Todenhöfer nach einem Gespräch mit einem Taliban von diesem höchstpersönlich die Zusage bekommen, daß nach einem Abzug der ausländischen Truppen aus Afghanistan keine Anschläge im Westen mehr erfolgen würden. Was will man mehr?

Anmerkungen und Links

[1] Interview mit Richard David Precht in der Stuttgarter Zeitung
[2] Richard David Precht bei Wikipedia
[3] BILD: Erfolgs-Autor Precht über das Geheimnis seiner Ehe
[4] Richard David Precht im STERN: Liebe mich, wenn du dich traust
[5] Precht mit Ehefrau bei Beckmann, Teil 1 , Teil 2, Teil 3.
[6] Essay im SPIEGEL Nr.32 über Afghanistan
[7] So dass man denkt, wie einfach das alles ist: Gustav Falke in FAZ-NET über Prechts Buch
[8] Frans de Waal: Der gute Affe, der Ursprung von Recht und Unrecht bei Menschen und anderen Tieren
[9] Richard Dawkins: Das egoistische Gen
[10] Karl Grammer: Signale der Liebe, die biologischen Gesetze der Partnerschaft
[11] Precht in der Nürnberger zeitung über die Darwinismus-Debatte
[12] Leserbriefe zu Prechts SPIEGEL-Essay
[13] Henryk Broder über Peter Sloterdijk

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8 Antworten zu Richard David Precht: monogam wurde der Mensch durch die jüdische Seuchenmoral.

  1. Pebra schreibt:

    Traurig, wie wenig Respekt dieser Artikel entgegenbringt. Er befasst sich im Wesentlichen damit, Herrn Precht ad absurdum zu führen. An manchen Stellen anmaßend und beleidigend. Keine einzige Stelle befasst sich mit einer qualifizierten Gegendarstellung oder einer adäquaten Weiterentwicklung der Gedanken von Herrn Precht. Der Verfasser wäre besser in der Nordkurve aufgehoben. Dieser Beitrag ist (hoffe, damit treffe ich das Niveau) absoluter Scheissdreck!

  2. Christina Sawatzky schreibt:

    Hoppla. Ich finde den Artikel absolut unterirdisch. Eine solche Herangehensweise stellt keine angemessene Berichterstattung dar. Die Abwertung Prechts Thesen erfolgt außerordentlich ungeschickt, regelrecht plump. Dies geschieht mit Hilfe von Beleidigungen, anstatt von angemessener Kritik, die zu der Diskussion hätte beitragen können. Ich finde es schade, dass der Autor dieses Artikels auf eine solch unreflektierte Art und Weise schreibt. Ich schließe daraus eine Überforderung mit philosophischen Fragen und somit auch mit Prechts getroffenen Aussagen. Ich sage ja immer: Man lacht nicht über Dinge, die man nicht versteht! Das lässt einen ziemlich dumm aussehen! Mein Tipp an den Autoren: Finger weg vom Journalismus! Das Lesen tat schon im Auge weh! Danke!

  3. caruso schreibt:

    Dummheit & Banalität & Co, was Hr. Precht vor sich gibt. Bin froh daß ich nie ein Buch
    von ihn gekauft habe. Irgendwo habe ich etwas Kurzes von ihm gelesen und das hat
    mir gereicht. Dabei bin ich weder Biologe noch Philosoph noch sonst was in diese
    Richtung. Ich glaube, ein wenig Lektüre von g u t e n Bücher und gesunder Menschen-
    verstand genügen, um die Wertlosigkeit dieser Wortkaskaden zu erkennen.
    lg
    caruso

  4. Swetlana schreibt:

    Oje der Verfasser dieses ominösen Textes versteht Herrn Precht ja nicht mal ansatzweise?! Und Herr Precht erklärt seine Ansichten ja nun wirklich leicht verständlich. Schade, dass sich der Kritiker sich zu solch Beleidigung ihm gegenüber hinreißen ließ. Tja Philisophie ist halt nicht jedermanns Stärke. Aber wenn man davon nichts versteht, dann bitte ich um Zurückhaltung!

  5. Matthias Bleek schreibt:

    SPITZENTEXT, Danke dafür! Sind Caroline Mart und Precht eigentlich noch zusammen? Precht ist sicher nicht monogam, die Seuchengefahr hält sich ja doch heutzutage in Grenzen.

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