Bringt Eichmann her, tot oder lebendig!

Wer sich für die Geschichte des Mossad interessiert, sollte sich auf jeden Fall das Buch MOSSAD – Missionen des israelischen Geheimdienstes([1]) anschauen – dort schildern die beiden Autoren Michael Bar-Zohar und Nissim Mischal viele spannende Episoden aus der Geschichte dieses israelischen Auslandsgeheimdienstes. Mit am meisten beeindruckt hat mich dabei die Beschreibung der Jagd auf den deutschen Organisator der Judenvernichtung, Adolf Eichmann. Im Kapitel 6 wird hier auf 39 Seiten ausführlich erzählt, wie Adolf Eichmann in Argentinien aufgespürt und verhaftet wurde, wie es gelang, ihn ohne Wissen der argentinischen Behörden bzw. Polizei in einem Flugzeug der El-Al nach Israel zu bringen und dort vor Gericht zu stellen.

Bei seiner Verhaftung durch Mossad-Agenten in Argentinien wurde Eichmann nach der Nummer seines NSDAP-Parteiausweises sowie seiner Dienstnummer bei der SS gefragt. Beides konnte er auf Anhieb korrekt beantworten, nur bei der Frage nach seinem Namen zögerte er:

„Ihr Name?“
„Rocardo Klement.“
„Ihr Name?“, wiederholte die Stimme.
Er begann zu zittern. „Otto Heninger.“
„Ihr Name?“
„Adolf Eichmann.“
Totenstille senkte sich über den Raum. Er brach sie. „Ich bin Adolf Eichmann“, wiederholte er. „Ich weiß, daß ich in den Händen von Israelis bin. Ich spreche auch ein wenig hebräisch. Ich habe zusammen mit einem Rabbi in Warschau studiert…“

Dann begann er, einige Verse aus der Bibel vorzutragen, wobei er versuchte, die hebräischen Wörter mit der richtigen Betonung auszusprechen.
Niemand sagte etwas.
Die harten israelischen Jungs starrten ihn einfach nur fassungslos an.

Aber auch die zitierten Bibelverse konnten die Mossad-Agenten nicht davon abbringen, Eichmann nach Israel zu fliegen, wo er vor Gericht gestellt und am 15.Dezember 1961 zum Tode verurteilt wurde. Kurz vor seiner Hinrichtung betrat nochmal einer aus der Zielfahndergruppe des Mossad Eichmanns Zelle: Rafi Eitan.

Schweigend stand der Entführer dem in hellbraune Gefangenenuniform gekleideten Verurteilten von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Eichmann sah ihm in die Augen und sagte auf Deutsch: „Ich hoffe, Sie folgen mir bald nach.“

Rafi Eitan jedoch lebt heute (2018) immer noch, und viele der an der Jagd auf Eichmann Beteiligten wie etwa der damalige Generalstaatsanwalt am Hessischen Oberlandesgericht Fritz Bauer waren über die Nachrichten von der Verhaftung Eichmanns und seinen Prozeß mit anschließender Hinrichtung erfreut und zutiefst bewegt.


Anmerkungen und Links

[1] Mossad: Missionen des israelischen Geheimdienstes

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