Die Deutsch Israelische Gesellschaft und ihre Probleme mit Israel

maedchen-in-jerusalem(Links eine Aufnahme aus dem „zionistischen Gebilde“, in diesem Fall der Jerusalemer Altstadt 2014) Unter der Überschrift

„Gedanken über eine mögliche Lösung des Konfliktes zwischen Israel und den Palästinensern, ein Diskussionsbeitrag, Juni 2016“

veröffentlichte das Magazin der Deutsch-Israelischen-Gesellschaft (DIG) in der Ausgabe 03/2016 ([1] einen „Diskussionsbeitrag“ von Wolfgang Kornblum, einem kürzlich verstorbenen langjährigen DIG-Mitglied aus Baden-Baden.

Liest man den Artikel von Wolfgang Kornblum ganz durch, so fragt man sich, warum der Autor eigentlich „langjährig“ Mitglied der DIG war. Er hätte genauso gut Mitglied des Instituts für Palästinakunde in Bonn sein können, wo man sich laut Satzung für die „Völkerverständigung zwischen Deutschland und Israel/Palästina, Demokratie, Frieden und Menschenrechte im Nahen Osten“ einsetzt, in Wahrheit aber

das fiktionale „Existenzrecht“ Israels als vermutlich wirkmächtigstes PR-Stunt der zionistischen Propaganda

bezeichnet ([2]). Wie komme ich zu diesem Schluß? Dazu muß man sich den Artikel etwas genauer ansehen. Liest man ihn zunächst einmal vollständig durch, so stellt man fest, daß er eigentlich eine einzige Zumutung ist für jemanden, der selbst Mitglied der DIG ist und deren Leitsätze bejaht. Wie z.B. diesen Leitsatz hier:

Die DIG engagiert sich für einen Frieden im Nahen Osten, der die Lebensfähigkeit Israels dauerhaft sichert. Sie tritt für eine Verständigung zwischen allen Völkern der Region ein und wendet sich entschieden gegen all diejenigen Kräfte innerhalb und außerhalb der BRD, die Israels Lebensrecht als jüdischer Staat bestreiten.

Außerhalb wie innerhalb der BRD gibt es nicht wenige „Kräfte“, die sich wünschen, die Nazis hätten ein wenig mehr Erfolg mit der Judenvernichtung gehabt. Der Autor des Artikels im DIG-Magazin 03/2016 gehört natürlich nicht zu diesen Kräften. Aber was er dort schon am Anfang seines Artikels schreibt:

Eines der Kernprobleme, das nach meiner Überzeugung dringend gelöst werden müsste, ist der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern. Daran müsste auch Israel ein großes Interesse haben, denn es gibt nach meiner Auffassung für Israel keine größere Sicherheit als ein friedliches Zusammenleben mit seinen Nachbarn.

erinnert doch nur zu sehr in Sprache und Diktion an einen Mitarbeiter des „Freitag“, den Henryk M.Broder in einem Artikel auf der WELT zitiert ([3]):

„Das Problem, welches mit der Gründung Israels einherging, ist nicht nur ein Problem der Palästinenser. Nein, es ist ein weltweites Problem … Erst wenn das zionistische Gebilde der Vergangenheit angehört, wird der Weltfrieden zur Gegenwart und die Hoffnung die Zukunft.“

Neben dem Beschwören eines „Ausgleichs auf Augenhöhe“ fordert DIG-Mitglied Kornblum eine „territoriale Trennungslinie, die im wesentlichen der Grenzlinie vor dem Sechstagekrieg entspricht.“ Auch diejenigen Teile von Ostjerusalem, die vor dem Sechstagekrieg nicht zu Israel gehörten, möchte Wolfgang Kornblum gerne den Palästinensern übergeben.

Solche Forderungen erinnern mich an die Wünsche gewisser rechtsradikaler Deutscher nach einem Deutschland in den Grenzen von 1937 – so als wenn der Krieg der Alliierten gegen Deutschland ein „ungerechter“ Krieg gewesen sei und deshalb der Zustand von vor 1939 wiederhergestellt werden müsse. Das ist natürlich gelinde gesagt schwachsinnig und wird auch von den meisten Beobachtern des Zeitgeschehens so beurteilt – nur bei Israel und seinen angeblich „unberechtigten Angriffskriegen“ sieht man das anders.

Der Autor Kornblum gehört offensichtlich zu jenen Zeitgenossen, denen nicht bewußt ist und die davon auch nichts hören wollen, daß der Sechstagekrieg (5.-10. Juni 1967) ein Verteidigungskrieg des Staates Israel gegen die ihn umgebenden arabischen Staaten war, die nichts anders als seine Vernichtung wollten. Dafür gibt es zahllose Belege, ich führe hier nur einen Hinweis aus der Dokumentation [4] an:

In den Wochen vor dem Krieg bildete sich eine breite Koalition von arabischen Staaten. Der ägyptische Präsident Nasser verkündete am 30. Mai 1967:
„Die Armeen Ägyptens, Jordanien, Syriens und des Libanon stehen einsatzbereit an den Grenzen Israels …, während hinter uns die Armeen des Irak, Algeriens, Kuwaits, des Sudan und der gesamten Arabischen Nation stehen …die Stunde der Entscheidung ist gekommen.“

Es ist mir ein Rätsel, wie der Autor dieser „Gedanken über eine mögliche Lösung“ es fertigbringen konnte, als ausgewiesenes Mitglied der DIG (und damit per Definitionem als Freund und Unterstützer Israels) zum Thema Grenzlinie nach dem Sechstagekrieg eine Position beziehen konnte, die ebenso von Teilen der deutschen linken wie rechten Israelhasser vertreten wird. Diesen Leuten kann man immer nur raten, sich die Taten und Aussagen arabischer Politiker aus den Monaten vor dem Juni 1967 anzusehen:

„Wir beabsichtigen einen grundlegenden Angriff auf Israel. Dies wird ein totaler Krieg sein. Unser primäres Ziel wird es sein, Israel zu zerstören.“
(Gamel Abdel Nasser, Staatspräsident Ägyptens, 26. Mai 1967)

Die Vorgeschichte des Sechstagekrieges ist ausreichend dokumentiert. Es ist daher gelinde gesagt unverständlich, wie man in einem Artikel des monatlich erscheinenden „DIG Magazins“ (Zeitschrift der Deutsch-Israelischen-Gesellschaft, Nr.3, 2016/5776) ohne Kommentar solche israelfeindlichen Ansichten publiziert.

Ich will aus dem Artikel von Kornblum nur noch einen Teil herausgreifen, der bezeichnend für seine Sicht des ganzen „Nahost-Problems“ ist. Er empfiehlt z.B. eine „Aufgabe der Blockade des Gazastreifens“ und eine „Wiederzulassung des freien Handels“. Interessant! Verhungern im Gazastreifen also täglich unzählige von unschuldigen friedlichen Bürgern aufgrund einer Blockade der israelischen Imperialisten?
Davon kann allerdings keine Rede sein [5] :

Täglich passieren 800 bis 1.000 Lastwagen den Grenzübergang Kerem Schalom von Israel in den Gazastreifen mit Brennstoff, Nahrungsmitteln, Medikamenten und Tierfutter. Sogar Baumaterial wird in das Gebiet transportiert, solange sich die dort tätigen internationalen Organisationen verpflichten, Zement und Metalle nicht an die Hamas weiterzugeben.

Wie man da als „langjähriges Mitglied der DIG“ noch von einer „Blockade des Gazastreifens“ reden kann, ist mir nicht ganz klar. Aber vielleicht hat das etwas damit zu tun, daß manche Mitglieder der DIG zu sehr durch ihre christliche Religion beeinflußt sind. Das führt dann zu solchen Kniefällen vor dem Islam wie hier in Jerusalem [6]:

berlink1

Bischof Bedford-Strohm und Kardinal Marx legen christliches Kreuz für den Islam ab….
Neben christlichen Stätten besuchten sie auch den islamischen Felsendom am Jerusalemer Tempelberg. Auf den Bildern von dort ist zu sehen, beide haben ihr christliches Kreuz, das sie sonst immer tragen, abgelegt. Bedford-Strohm begründete diese Verleugnung des Kreuzes mit dem „Respekt“ gegenüber dem moslemischen Gastgeber, der das so gewünscht habe.

Anmerkungen und Links

[1] DIG MAGAZIN, Zeitschrift der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Nr. 3 2016/5776
[2] Institut für Palästinakunde
[3] Es gibt ja genug Gründe, uns Juden nicht zu mögen: Henryk M. Broder in der WELT
[4] Der Sechstagekrieg, eine Dokumentation der israelischen Botschaft Berlin
[5] Blockadebrecher von israelischer Marine gestoppt
[6] Bischof Bedford-Strohm und Kardinal Marx legen christliches Kreuz für den Islam ab

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Eine Antwort zu Die Deutsch Israelische Gesellschaft und ihre Probleme mit Israel

  1. caruso schreibt:

    1. Wieso haben die Mitglieder der DIG nicht bemerkt, wer da mitschwimmt?
    2. Wen die Existenz des zionistischen Staates oder Gebildes in seiner Atmung stört, der
    soll halt ersticken, ist mein sehr unfrommer Vorschlag. Denn Israel wird nicht verschwinden,
    damit diese Leute atmen können.
    lg
    caruso

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