Israel, die “devote Nutte der USA” und der Endsieg der Deutschen

Schlendert man in der Jerusalemer Altstadt über die Strassen, so begegnet man gelegentlich auch jungen Damen wie dieser, die ihr Gewehr sowohl am Markt als auch am Strand mit sich herumtragen. Juden wehren sich gegen den Terror ihrer Nachbarn, so vermittelt es dieses Bild, und es beunruhigt den zuschauenden friedensbewegten Westeuropäer keineswegs, weil es nämlich zum Alltag gehört und Sicherheit im Alltag für die Israelis sehr wichtig ist. So ist es auch nicht verwunderlich, wenn man beim Betreten eines Fahrstuhls im 5.Stock eines Eilater Hotels plötzlich einer jungen Israelin gegenübersteht, die außer einem wuchtigen Gewehr nicht besonders viel am Leibe trägt, was angesichts der Temperaturen in dieser Gegend aber durchaus verständlich ist.

Weniger verständlich ist dagegen, daß manche Deutsche den Judenstaat gerne als “devote Nutte der USA” bezeichnen. Daß solche Etikettierung ganz normal in Kommentaren etablierter Nachrichtenmagazine wie in diesem Falle heise-online [2] geäußert werden, bestärkt jedoch die eigene Voreingenommenheit gegenüber gewissen deutschen Medien. (Bewohner des besagten “Judenstaates” sehen Sie auf dem Foto links.)

Um das zu verstehen, muß man sich zunächst mal fragen: wie kommt man überhaupt auf heise-online? Nun, jeder, der mal irgendwie beruflich mit EDV zu tun hatte, hat auch schon von heise-online gehört. Das Magazin berichtet vorwiegend aus der Welt der Datenverarbeitung und Computer, und das schon seit vielen Jahren. Und seitdem ich den Newsletter von Xing (eine Internet-Plattform zur Arbeitsvermittlung von “höher” qualifiziertem Personal) regelmäßig zugeschickt bekomme, erreichen mich auch erstaunlich viele Hinweise auf Artikel bei heise-online.

Was ist in diesen Artikeln seit rund 2 Monaten das Hauptthema ? Natürlich der Fall Edgar Snowden. Seitdem dieser neue Messias der elitären Whistleblower-Religion [13] mit seinem geklauten Notebook auf dem Globus unterwegs ist und dabei besonders gerne in jenen Staaten Pause macht, in denen die Menschenrechte nicht gerade eine besonders große Rolle spielen und Anwälte oder Journalisten, mithin “Staatsfeinde”, gerne auch mal per Kopfschuss in Kremlnähe umgebracht werden, seitdem also dieser aufrechte Kämpfer für Menschenrechte und Datenschutz häppchenweise die Festplatte seines Notebooks den Reportern von SPIEGEL, Guardian und SZ zuspielt, seitdem ist auch in der Magazinwelt der EDVler ständig die Rede von US-Suchmaschinenriesen, US-Internetkonzernen und gigantischen unterirdischen US-Rechenzentren, in denen die Daten von Millionen unbescholtener Bürger gesammelt werden.

Die Betonung liegt hier auf “US”, denn aus all diesen Berichten und Artikeln scheint der Haß auf die kulturlose amerikanische Massengesellschaft (mit der Betonung auf “amerikanisch”), die, so vermutet der kritisch denkende deutsche Gutmensch, garantiert von Finanzhaien, Hegde-Fonds-Managern und reaktionären Republikanern gesteuert wird.

(Das Youtube-Video links stammt von Jürgen Elsässer, der “seit Ende 2010 Chefredakteur des politischen Monatsmagazins Compact ist, in welchem er u.a. “rechtspopulistischen und verschwörungstheoretischen Positionen” ein Forum bietet – siehe Wikipedia).
Von solchen Assoziationen ist es nicht mehr weit zur Vermutung, daß es eine Achse Washington-Jerusalem gibt, über die der “angelsächsische profitorientierte Pragmatismus” gesteuert wird. Und weil diese Ansicht der Weltverhältnisse, dieses dumpfe Gefühl, daß nicht wir hier in Deutschland, sondern weit weg von uns die Angelsachsen, also die Briten und US-Amerikaner, an allem Elend der Welt Schuld sind, weil also dieses schon von den Nazis gepflegte Vorurteil unsere gesamte Gesellschaft derzeit noch eint, genau deshalb ballern auch solche relativ bedeutungslosen Presseorgane wie heise-online.de aus vollen Rohren gegen US-Amerikaner, Briten und , wie kann es anders sein, auch gegen Israelis.

heise-online schwimmt also voll auf der Linie der antiamerikanischen deutschen Presse mit und läßt dabei keine Gelegenheit aus, beim Leser das dumpfe Gefühl zu fördern, daß auch die Israelis irgendetwas mit diesen Spähaktionen, der NSA und den gigantischen Datenspeichern der Geheimdienste zu tun haben müssen. Das belegen z.B. die folgenden Schlagzeilen:

  • Besuch eines in Deutschland unpopulären Politikers: Merkel empfängt Netanjahu in Berlin [3],
  • Google erkennt Palästina an, [4],
  • Rechte in der Schweiz und Israel bläst zum Angriff gegen Jean Ziegler, [5],
  • Bomben ins Blaue, Israels Geheimdienste wissen nur wenig über die Lage in Syrien. Dennoch hat die Luftwaffe Ziele dort bombardiert – eine gefährliche Aktion, warnen Kritiker, [6],
  • NSA reicht Rohdaten an israelischen Geheimdienst weiter, [7]

So bekommt man einen interessanten Eindruck von Israel. Es scheint sich um einen Staat zu handeln, der aufrechte Menschenrechtler wie Jean Ziegler kritisiert, Bomben einfach mal so ins Blaue abwirft und mit Rohdaten der NSA unschuldige Bürger ausspäht.

Ein aktueller Artikel über Big Data made in Israel[10] zeigt besonders deutlich, wovor heise-online.de Angst hat. Es ist die Befürchtung, daß der Militarismus der Israelis und ihr Hang zur Geheimniskrämerei dazu führen wird, daß ein weltumspannender US-amerikanisch-israelischer Geheimdienst sämtliche Datenübertragungen auf der Welt kontrollieren wird. Denn, so heise-online:

… fast alle [Programmierer] haben bereits in der Aufklärungseinheit der israelischen Armee gearbeitet. Geheimniskrämerei gehört für sie also zum Geschäft.

Aber was das schlimmste ist:

für die israelische Armee entwickelten sie Algorithmen, die aus abgefangenen Nachrichten das künftige Verhalten von Staatsfeinden erschließen sollen. [10]

Da schrillen bei deutschen Demokraten natürlich sämtliche Alarmglocken! Deshalb schreiben sie dann auch schnell einen Leserbrief an heise-online:

…So entwickelt sich Israel gerade zur kleinen Bitch der 5 großen Brüder. Weiter so! Die Welt braucht noch viel mehr devote Nutten der USA.

Wenn man so etwas liest, hat man manchmal den Eindruck, daß viele Deutsche am liebsten wieder die alten V2 gegen die “US-Amerikaner” und das internationale Finanzjudentum in Stellung bringen würden. Irgendwann muß es doch mal mit dem Endsieg klappen!

Anmerkungen und Links

[1] heise-Newsticker: Big Data made in Israel: Armee als Start-up-Inkubator
[2] Kommentare zum heise-Artikel
[3] heise-online: Besuch eines in Deutschland unpopulären Politikers: Merkel empfängt Netanjahu in Berlin
[4] heise-online: Google erkennt Palästina an
[5] heise-online: Rechte in der Schweiz und Israel bläst zum Angriff gegen Jean Ziegler
[6] heise-online: Bomben ins Blaue, Israels Geheimdienste wissen nur wenig über die Lage in Syrien. Dennoch hat die Luftwaffe Ziele dort bombardiert – eine gefährliche Aktion, warnen Kritiker
[7] heise-online: NSA reicht Rohdaten an israelischen Geheimdienst weiter
[8] heise-online: Strafverfolger sammeln millionenfach Daten
[9] Maria Lourdes Blog
[10] Big Data made in Israel, der Original-Artikel in Technology Review
[11] Im Silicon Valley Israels
[12] Matthias Heitmann im Cicero über: Wider die elitäre Whistleblower-Religion!
[13] Russland: Menschenrechtsanwalt und Reporterin in Moskau ermordet

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Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren

Am 6. Juli 2013 versammelten sich auf der Hofgartenwiese vor der Bonner Universität ein paar hundert Absolventen, feierlich gekleidet im Talar und den Farben ihrer Fakultät, um aus den Händen ihres Dekans die “lateinische Urkunde” zu empfangen – vom Rektor Jürgen Fohrmann als “schmückender Ausweis eines erfolgreichen Studiums” bezeichnet. Es war Samstag mit strahlendem Sonnenschein, ein Tag also, an dem sonst auf der Hofgartenwiese Studenten, Familien mit Kindern und jede Menge junge Leute sich tummeln, Fußball spielen, lesen, diskutieren oder einfach nur auf dem Rücken liegen und in den Himmel schauen.

Heute aber sah das alles ganz anders aus. Die Wiese war unter den Holzplatten einer riesigen Halle verschwunden, die schon vor einer Woche aufgestellt worden war (Bild links) – schließlich mußte das Ereignis gründlich vorbereitet werden. Und dann, am Tage des großen Uni-Festes, begann alles mit dem “Einzug des Rektorates”. Wer als schlichter Bonner Bürger zufällig vorbeikam und einen Blick auf die “einziehenden” Damen und Herren Professoren werfen konnte, mußte unweigerlich den Eindruck bekommen, es handle sich um eine Versammlung kirchlicher Würdenträger.

Vorne auf der Bühne standen die Professoren, Doktoren und manchmal auch Absolventen dieser Universität, bekleidet mit Talaren und Barrets in den Farben ihrer Fakultäten und hielten “Ansprachen”. In solchen Kreisen hält man eben nicht mehr Reden, sondern “Ansprachen”, und es macht sich gut, wenn man mit wenigstens einem akademischen Titel daherkommt.

So begannen die Ansprachen also mit dem Rektor Jürgen Fohrman, pardon: Prof.Dr. Jürgen Fohrmann, nach ihm sprach Jürgen Nimptsch, dessen Titel leider nur der des Oberbürgermeisters von Bonn ist (ansonsten ist Nimptsch Gymnasiallehrer, GEW-Funktionär und ein typischer SPD-Apparatschik), und danach sprach als Gastredner “Alumnus” Dr. Norbert Blüm, der in Bonn Philosophie, Germanistik, Geschichte und Theologie studiert hat. Blüm schwelgte in seiner Rede von den “Wonnen der Wissensfreude”, die ihm ein gewisser Joseph Ratzinger, “Liebling der Studierenden”, oder ein Prof. Martin, nach Blüms Meinung ein “strenger Denker und Kantscher Systematiker”, vermittelt hätten. Das Publikum lauschte ergriffen und spendete Applaus.

Das Gerede, besser gesagt Geschwafel über die “Wonnen der Wissensfreude” und die großartigen Erleuchtungen, derer er durch die Vorlesungen eines späteren Papstes teilhaftig werden durfte, das Gelaber also des ehemaligen Bundesministers auf dieser Veranstaltung, der der akademische Dünkel aus allen Poren troff, erinnerte mich an frühere Äußerungen des Rentenexperten zum Thema Religion, Gewalt und Hass.

So antwortete Blüm auf eine Interviewfrage des Muslim-Markt am 23.02.2007: Welche zukünftige Projekte treiben Sie an?

Blüm: Hass und Gewalt zurückdrängen. Der Toleranz einen Weg bahnen und dem friedlichen Zusammenwirken der Religionen die Bahn brechen. In der Zukunft, für die ich kämpfe, gibt es weder Folter noch Selbstmordattentäter.

Hehre Ziele. Derselbe ehemalige Bundesminister, ausgebildet an der Universität Bonn u.a. als katholischer Theologe, weiß natürlich, wer seinen Zielen im Wege steht: Israel, der Zionismus, die Amerikaner, der Kapitalismus und natürlich die “Ungläubigen”. Es verwundert daher nicht, daß der “Alumni” der Uni Bonn, Norbert Blüm, in Interviews schon mal Sätze wie “Die Sperranlage ist Stein gewordene Menschenverachtung” oder “Israel führt einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser” von sich gibt und dabei gar nicht merkt, daß er Propagandasprüche von Horst Mahler nachplappert.

Später wurden dann etliche Professoren mit Preisen für ihre vorbildlichen Leistungen an der jeweiligen Fakultät geehrt. Dabei vergaß der Ansager niemals, vor den Namen den jeweiligen Titel zu erwähnen, so daß den Zuhörern der Kopf vor so vielen “Herr/Frau Professor Dr.” nur so schwirrte. Die geehrten Professoren und Doktoren standen dabei auf der Bühne und sahen aus, als hätten sie sich zu einer Feier kirchlicher Würdenträger im Vatikan versammelt.

Nun weiß der gemeine Bürger über diese merkwürdige Verkleidung bei Studenten und Professoren nicht viel. Also dachten sich die Verfasser der Begleitbroschüre zu dieser Veranstaltung einen 2-seitigen Text aus, in welchem sie die Tradition der Talare, insbesondere an der Universität Bonn, näher erläuterten. Vom ganzen unerträglich pompösen, akademisch aufgeblasenen Charakter der Veranstaltung her war es allerdings kein Wunder, daß auf diesen 2 Seiten nicht ein einziges Wort zur Plakataktion jener Studenten der Hamburger Universität vom 09.November 1967 zu finden war, die den Ausgangspunkt der gesamten Studentenbewegung der 68er bildete:

Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren. In Bonn am 6.Juli 2013 tat man so, als hätte es dieses Ereignis nie gegeben. Ganz offensichtlich war man nicht bereit, den Muff der 1000 Jahre herzugeben, geschweige denn einzusehen, daß es so etwas jemals gegeben hätte. Schade also, daß es keine Bonner Studenten gab, die an diesem Tag dasselbe Spielchen wie damals die beiden Stundenten bzw. ASTA-Vorsitzenden Detlev Albers und Gert Hinnerk Behlmer mit ihren Professoren spielten und sich mit diesem Transparent vor die Herren und Damen Professoren stellten, so daß diese den Text auf dem Transparent nicht sehen konnten, das Publikum im Saal aber sehr wohl.

Doch das wäre wohl auch zu viel verlangt von den Studenten, die nämlich alle, ohne Ausnahme, selbst mit einem Talar verkleidet in der Halle saßen und gespannt auf die Verteilung der “lateinischen Urkunde” warteten. Im Begleitheft der Veranstaltung sind diese Studenten übrigens alle namentlich aufgeführt, nach Fakultäten getrennt. Und da fällt dem unbeteiligten Leser noch etwas interessantes auf: auf 13 Seiten verteilt sich diese Tabelle aller Absolventen dieses Jahrgangs. Und auf diesen 13 Seiten sind 7 Fotos der Studenten verteilt, auf denen sie uns mit Talar und Barret bekleidet zulächeln.

Jedoch sehen wir auf keinem einzigen dieser 7 Fotos einen männlichen Studenten. Scharf gestellt sind ausschließlich die Gesichter hübscher Studentinnen, und so darf man sich wohl die Frage stellen, warum das so ist. Ist der Genderwahn auch an der Bonner Universität schon so weit fortgeschritten, daß es in der Grundordnung der Uni nur noch Professorinnen gibt? Und sollen zum Ausgleich für Jahrhunderte der Unterdrückung jetzt männliche Studenten in den Publikationen der Universität gar nicht mehr abgebildet werden? Oder sind die Verfasser dieser Begleitbroschüre etwa verkappte Sexisten, die ihre Pamphlete gerne mit Bildern hübscher Frauen schmücken?

Wahrscheinlicher ist der erstgenannte Grund: der Genderwahn hat auch diese Uni ergriffen. Man sah das aber nicht nur an diesen Fotos, sondern hörte es auch in den “Ansprachen” im Festzelt, wo unentwegt von Absolventinnen und Absolventen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Professorinnen und Professoren und, etwas einfacher, von Studierenden die Rede war. Neben ihrem Geschlecht gibt es aber noch eine weitere Eigenschaft, die das Leben der Studenten an der Uni prägt: nämlich ihr jeweiliges Studienfach.

Die Financial Times [4] meint, daß die Unternehmen, die das Fest finanzieren, unter den Absolventen Nachwuchs rekrutieren könnten. Ich vermute mal, daß die Redakteure der Zeitung die Studienrichtungen der Absolventen nicht genauer unter die Lupe genommen haben, sonst wäre ihnen aufgegangen, daß die meisten dieser Absolventen nur bei einem einzigen Unternehmen unterkommen werden: beim Staat und seinen Ablegern (worunter auch die Haupt-Sponsoren dieser Veranstaltung fallen, die Deutsche Telekom und die Deutsche Post).

Hunderte von Rechtswissenschaftlern, Germanisten, Romanisten, Asien-Wissenschaftlern und Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaftlern, Kunst-, Medien- und Gesellschaftswissenschaftler, welche Firma braucht diese Leute? Nach Fakultäten aufgegliedert stellt den Löwenanteil die Philosophische Fakultät mit 346 Absolventen, und es ist kaum zu erwarten, daß “die Unternehmen” sich um diese Leute reißen werden. Außer vielleicht ein paar Abteilungen der Telekom, die sich in “Meetings” um “neue, innovative und nachhaltige Konzepte” bemühen.

Eins hat mich aber beruhigt, nachdem ich mich über die Zahlen der Stundenten an der Uni informiert hatte:

Glücklicherweise meiden immer noch mehr als die Hälfte der Absolventen diese Pomp-Veranstaltung des akademischen Dünkels.

Anmerkungen und Links

[1] Wikipedia über “Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren”
[2] Ex-Staatsrat Gert Hinnerk Behlmer provozierte damals die Universität Hamburg
[3] Bundeszentrale für politische Bildung: Wider den Muff von 1000 Jahren – Die 68er Bewegung und der Nationalsozialismus
[4] Financial Times: Bonner Uni-Absolventen feiern wie die Amis
[5] Pressemitteilungen der Uni Bonn vom 03.07.2013: Mit Talar und Barett: 9. Bonner Universitätsfest am kommenden Wochenende
[6] Offizielle Seite der Uni Bonn zum Universitätsfest

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Demonstration am 23.06.2013 in Bonn gegen Erdogan

In Bonn trafen sich zwar nicht 40000 wie einen Tag zuvor noch in Köln, aber trotzdem war gegen 14:00 Uhr das Beethoven-Denkmal am Münsterplatz umringt von einer bunten Schar türkischer Mitbürger, die sich hier zur Veranstaltung Bonn versammelt sich für die TÜRKEİ! einfanden. Diese schleppten einen Haufen phantasievoll bemalter und beschrifteter Plakate mit, wie z.B. die nebenstehende junge Frau. Besonders die Kinder fielen mir in dem Getümmel auf: viele noch im Kinderwagen, einige Dreikäsehochs hielten schon große Fahnen mit dem Bild von Atatürk hoch oder mit Überschriften wie “Europa braucht keinen Hitler mehr”.
Die Bilder sprechen für sich: hier trafen sich auf jeden Fall keine fanatischen Muslime, sondern moderne, laizistische Türken, denen der radikal-islamische Trend der AKPisten in der Türkei ein Greuel ist.

Nachdem die Demonstranten zum Bonner Marktplatz gezogen waren, konnte ich dort kurz mit einem der Zugbegleiter sprechen, einem jungen Mann, der Flugblätter verteilte.


Ich sprach ihn darauf an, daß es bedauerlich wäre, daß sich fast gar keine Deutschen an der Demonstration beteiligten. Auch er bedauerte das, aber er war guter Hoffung: über 60% der Türken seien laizistisch eingestellt, die Vertreter der AKP seien in Deutschland inzwischen in der Minderheit und in der Türkei werde sich der brutale Polizeistaat nicht lange halten können. Der Mann war übrigens seit 6 Tagen unterwegs, er wohnt eigentlich in Mönchengladbach und begleitete die Demonstrationen der letzten Tage in ganz Deutschland.

 

 

Am Rande der Demonstration standen auch ein paar AKPisten, erkennbar an ihren finsteren Mienen und gelegentlichem wütendem Geschrei in Richtung der Redner auf der Bühne am Marktplatz. Glücklicherweise war hier mit drei Einsatzwagen die Polizei ausreichend präsent, so daß nichts passierte.

Insgesamt hatte ich einen überwältigend guten Eindruck von dieser Versammlung, ich habe selten so viele sympathische, offen wirkende und freundliche Menschen auf einer politischen Veranstaltung gesehen, mit Kindern und Familien, ein krasser Gegensatz zu den Demonstrationen  und Veranstaltungen von Palästinensern, Feministinnen oder grünen Verbotsfanatikern. Die Türkei wird es mit diesen Menschen schaffen, den Diktator Erdogan  zum Teufel zu jagen.





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Revolution in der Türkei

(Protest der Anwälte im Gerichtsgebäude in Caglayan) In der Türkei passieren derzeit Dinge, wie sie in Deutschland vor 23 Jahren ähnlich passierten: das Volk steht auf, Leute klettern über Mauern, eine gigantische Solidaritätswelle überschwemmt das Land. Bei all den schlechten Nachrichten, die man bisher gewohnt war aus diesem Land zu hören, muß dies doch jeden vernünftigen Menschen mitreißen und freuen. Von Ayyaş Çapulcu Semra, einer Deutsch-Türkin aus Bonn, stammt die folgende Übersetzung des Berichts eines externen Redakteurs aus Istanbul. Die eingestreuten Fotos sind ebenfalls von Ayyaş Çapulcu Semra’s Facebook-Chronik entnommen.

(Istanbul, nachts) „Vorgestern habe ich an den Protesten in Avcilar teilgenommen. Gestern war ich im Gezi-Park und bin erst sehr spät nach Hause zurückgekehrt. Ich hatte die Gelegenheit, mich mit vielen Leuten zu unterhalten. Es herrscht große Solidarität unter den Menschen. Menschen jeden Alters und jeder politischen Gesinnung waren dort anzutreffen. Freiwillige Ärzte waren dort. Sie haben einen Revier, einen Essens- und Getränkestand aufgebaut. Freiwillige spenden dort Lebensmittel, und diese werden kostenlos an die Demonstranten verteilt.

Ich hatte noch nie zuvor so viele bewusste, gebildete, kluge und zeitgenössische Türken auf ein Mal gesehen. Man fühlte sich wie in einer modernen Welt. Eine kleine Kopie dessen, wonach ich mich in der Türkei sehne. Die Menschen sind absolut friedlich. Es herrscht keineswegs Gewalt. Diejenigen jungen Menschen, die sich von der immensen Gewalt der Polizei provozieren lassen, werden sofort von der Mehrheit zurechtgewiesen. Wie ich bereits erwähnt habe, waren Menschen aus jeder Schicht anwesend, so auch zum Beispiel „die Antikapitalistischen Muslime“, die ebenfalls einen Stand hatten.

Die Reaktionen kommen aus allen Richtungen. Ich hatte wirklich eine Gänsehaut. Natürlich kann nicht jeder permanent dort anwesend sein, es ist so eine Art Wachablösung, aber immer ist dort eine Masse anwesend. Es herrscht eine gewisse Ordnung in diesem Chaos. Alle sind freundliche und hilfsbereit. In Istanbul (gemeint ist Taksim, meine Anm.) ist es im Moment etwas ruhiger geworden, aber in Besiktas dauert die Polizeigewalt an, denn dort befindet sich die Kanzlerresidenz. Soweit wir erfahren konnten, soll die Lage in Ankara auch sehr brisant sein.

(In Köln-Ehrenfeld) Die ausländischen Fernsehreporter waren auch dort. Ich habe zum Beispiel das ZDF gesehen. Ich war mit meinen Freunden dort. Diejenigen, die in der Nähe wohnen, sind öfters dort. Die Personenbeförderung erwies sich auch als schwierig, aber jetzt ist es nicht mehr schwierig, dorthin zu fahren. In den ersten Tagen hatten sie die Bus- und Bahnfahrten eingestellt. Aber als Reaktionen aufkamen, mussten sie die Fahrten wieder freigeben. Mit den Gedanken bin ich immer dort, versuche, das Geschehen in dem u. a. Link zu verfolgen. Wenn man einmal dort war, will man immer dort sein. Am Wochenende werde ich wieder hingehen.“


Anmerkungen und Links

[1] Ayyaş Çapulcu Semra

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Wie man einen maximal langen Stock durch eine Röhre schiebt

Über diese Frage durfte ich mir im Abitur 1966 den Kopf zerbrechen. Da wir damals als Leidtragende zweier Kurzschuljahre nicht denselben Kenntnisstand wie unsere Vorjahresabiturienten hatten, waren die Aufgaben in diesem Jahr entsprechend einfacher.

In der Lösung der Aufgabe wird über weite Strecken zunächst versucht, das “Schieben einer Strecke bzw. eines Stockes durch eine Röhre” mathematisch exakt zu beschreiben. Dabei ist die Röhre so wie oben in der Abbildung vorgegeben, d.h. sie besteht aus drei Rechtecken: A, B und C. Diese entstehen durch die Vorgabe des Punktes P=(a,b), durch den jeweils Parallelen zu den Koordinatenachsen gezogen werden.

Die vollständige Lösung findet man in diesem PDF-File:
Abitursaufgabe 1964

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Bonner “Libertäre” fordern “selbstverwaltete Räume”

Mindestens einmal die Woche bekomme ich Post von der recyclingpapierfreundlichsten Stadt Deutschlands: der Stadt Bonn. So steht es ganz unten auf dem Newsletter ‘BonnLive online’, der natürlich elektronisch, ganz ohne Papier, übers Internet kommt. Darin präsentiert die Verwaltung der rot-grün regierten ehemaligen Bundeshauptstadt, was in der Stadt in dieser Woche so alles passiert:

Und das alles in einer einzigen Woche! Bonn, so scheint es, ist nicht nur die recyclingpapierfreundlichste Stadt Deutschlands, sondern auch umwelt-, klima- und frauenfreundlich, und wenn noch ein paar mehr Naturheilpraxen, Yoga-Zentren und Kristallschädelhüter-Schulen dazukommen, dann könnte Bonn wohl Freiburg den Rang als “Esoterik-Hauptstadt” streitig machen.

Wir wollen aber nicht ungerecht sein: denn Bonn ist auch, was soziale Gerechtigkeit und Schutz von Minderheiten angeht ein Vorbild für alle anderen Städte. Das sieht man schon, wenn man an einem Tag wie dem heutigen Samstag über den Münsterplatz geht und dort vielen schwarz verschleierten Muslimas mit ihren Kindern begegnet, die sich besonders gerne in den Kaufhäusern des Bonner Stadtzentrums die Bikinis anschauen, die sie aus verständlichen Gründen nie tragen dürfen.

Aber nicht nur dieses bunte Völkergemisch zeichnet das Bonner Stadtleben an so einem Samstag aus, sondern auch das Engagement seiner Bürger in Umwelt-Initiativen und -Verbänden, die an diesem Tag auf dem Münsterplatz ihre Stände aufgebaut hatten. Vertreten waren der BUND, Greenpeace und die “Biologische Station Bonn”, es wurde ökologisch angebauter Wein geboten, Kinder durften für ihre Schulklassen Kräuterkurse buchen und wer wollte, konnte auch allerlei Pflanzen – heimische natürlich – für den Garten zu Hause mitnehmen.

Auf dem Nachhauseweg, den ich ökologisch korrekt mit öffentlichen Verkehrsmitteln antreten wollte, wurde ich jedoch durch eine Demonstration in der Nähe des Stadthauses aufgehalten. Dort hatte die Polizei die Strasse gesperrt, damit eine Gruppe von vielleicht 100 jugendlichen Demonstranten zusammen mit einem Kleinlastwagen ungestört ihr Anliegen den am Strassenrand stehenden Bürgern mitteilen konnten. Es handelte sich dabei um Mitglieder des sog. Libertären Zentrums , deren Hauptanliegen darin besteht, möglichst mietfrei in leerstehenden Wohnungen “frei von Hierarchien und jeglicher Diskriminierung sich selbst gegenüber treten zu können”, dies selbstverständlich “selbstbestimmt” und “selbstverwaltet”.

Da die grün/rote Stadtregierung in Gestalt des Oberbürgermeisters Jürgen Nimptsch den Forderungen der Widerstand Leistenden nicht nachkommt, fühlen sich die LIZ-Menschen nun ausgegrenzt. Es bleibt ihnen nichts anderes über, als mit ihren Kassettenrecordern, Radios, Schlafsäcken und Bierflaschen auf der Hofgartenwiese und anderen frei zugänglichen Plätzen der Innenstadt sich niederzulassen und dort gegen den “kapitalistischen Normalzustand” bei der Wohnungsvergabe zu demonstrieren.

Als jemand, der die Gründung der GRÜNEN in Bonn miterlebt hat, frage ich mich angesichts solcher Ereignisse, ob die Stadtindianer der 80er Jahre irgendwann doch seßhaft geworden sind und Nachwuchs bekommen haben. Ähnlichkeiten zwischen beiden Gruppen sind nämlich deutlich sichtbar, sowohl äußerlich als auch in ihren Flugblättern – die heutzutage natürlich durch eine Website ergänzt werden.

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Muslime in Bonn

Am Dienstag, den 26. Februar, trafen sich im Migrapolis – Haus der Vielfalt, Brüdergasse 16-18, in der Bonner Innenstadt Muslime und Musliminnen, Christen und Christinnen, Bürgerinnen und Bürger, um sich über den alltäglichen Rassismus der Bonner Bürgerinnen und Bürger gegenüber ihren muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern auszutauschen.

Angekündigt hatte diese Veranstaltung die Stabsstelle Integration der Bundesstadt Bonn unter dem Titel „Zusammenleben gestalten – Muslime in unserer Stadt“. Als Veranstaltungsort hatte man das seit dem 30.März 2011 für solcherlei Zusammenkünfte vielfach genutzte Migrapolis – Haus der Vielfalt gewählt, ein im Zentrum Bonns gelegenes Ladenlokal, in dem man sich u.a. zu folgenden Veranstaltungen trifft:

  • an jedem 1. Sonntag im Monat tagt dort das Café Palästina, eine Einrichtung des Instituts für Palästinakunde Bonn [8], das auf seinen Internetseiten die üblichen Klagen über den “Apartheidstaat Israel” und den täglich stattfindenden Holocaust an den Palästinensern führt,
  • an jedem 1.Dienstag im Monat zur Gesprächsreihe Religionen und Gebet, Begegnung und Austausch über das Beten der Kulturen und der Religionen mit Beispielen aus den in Deutschland befindlichen Kulturen und Religionen,
  • KulturCafé mit Lesung und Brunch:
    Die interkulturelle und interaktive Schreibwerkstatt für Frauen mit und ohne Migrationshintergrund stellt sich vor.

Wir sehen: im Haus der Vielfalt herrscht keine Langeweile. Vorträge über den “Terrorstaat Israel” werden dort ebenso regelmäßig gehalten wie “interreligiöse Exkursionen zur DITIB-Moschee und zum Bonner BuddhistTemple in Bad Godesberg”. Und genau in dieses Schema paßte auch die Podiumsdiskussion, die laut Bonner Generalanzeiger “durchweg gehaltvoll war” [8], eine Aussage, die allerdings stark abhängig vom jeweiligen Standpunkt des Beobachters ist.

Betrachten wir ein paar Statements der Teilnehmer. Zunächst stellte die städtische Integrationsbeauftragte Coletta Manemann die Teilnehmer der Podiumsdiskussion vor:

Wir wollen nicht über Muslime reden, sondern mit Ihnen…
Deswegen haben wir heute abend eingeladen zu einer Gesprächsrunde mit Muslimen, die sich in vielerlei Hinsicht, in Vereinen, in Gruppen, in Initiativen, in den Schulen sehr intensiv und schon sehr lange …. und ich bin den Teilnehmern und den Teilnehmern (!!!) sehr dankbar…. Frau Dr. Sträter vom evangelischen Kirchenkreis Bonn…..

Frau Manemann hat wie alle Redner auf solchen Veranstaltungen das Problem mit der feministisch korrekten Sprechweise: sie wollte eigentlich sagen, daß sie den Teilnehmern und Teilnehmerinnen dankbar sei, aber inzwischen hat es sich sogar bei Reden im Bundestag so eingebürgert, daß man das “…innen” wegläßt und nur noch etwas dahernuschelt von “Bürgern und Bürgern”, “Teilnehmern und Teilnehmern” oder “Schülern und Schülern”. Wir sehen also großzügigerweise von einer Beschwerde bei der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Bonn ab und hören uns an, was die unterwürfig mit ihrem akademischen Titel angeredete Frau Dr.Sträter eingangs zu sagen hatte:

Frau Dr. Sträter:

Wir haben hier heute abend auf dem Podium Teilnehmerinnen und Teilnehmer… für ein friedliches und respektvolles Miteinander von muslimischen und nicht-muslimischen Bonner Bürgerinnen und Bürgern, wir haben auch Menschen hier, die hier in Bonn aktiv sind…
alle, möchte ich sagen, sind so an der Basis aktiv, in Dialogkreisen, in Stadtteil-Initiativen….

Sträter hat Theologie studiert und promovierte in Sozialwissenschaften. Sie hat ein Buch geschrieben mit dem Titel “Kopftuch und Kreuz: Muslimische Frauen aus evangelischer Sicht” und hat auch mal als Pfarrerin gearbeitet. An diesem Abend war sie als Islambeauftragte des Evangelischen Kirchenkreises Bonn zuständig für die Moderation der Diskussion.

Wir wollen lieber nicht im einzelnen wissen, zu welchem Thema die Sozialwissenschaftlerin Sträter promoviert hat, es war schon anstrengend genug, das leere Geschwafel aus der Doktorarbeit von Annette Schavan auch nur ansatzweise in den Schavan-Plags zu lesen. Aber auch ohne Doktorarbeit ist das Gerede von den muslimischen und nicht-muslimischen Bonner Bürgerinnen und Bürgern, die allesamt ungeheur “aktiv” sind, in Dialogkreisen, in Stadtteil-Initiativen, vielleicht noch in Gebetskreisen oder muslimisch-christlichen Gesprächskreisen, einfach nur abschreckend.

Sträter selbst und den zahlreich im Saal anwesenden vorzugsweise weiblichen Christen, pardon: Christinnen, gefiel es dagegen, den muslimischen Podiumsteilnehmern in jedem 2.Satz ihren “Respekt” zu bezeugen, überhaupt schwelgte der ganze Saal im ständigen Respekt-Geraune vor sich selbst und den anderen, weil ja doch alle nur “Menschen” seien, Religion spiele da gar keine Rolle.

Das meinte auch Younis Kamil, ehrenamtlich tätiger Sportbetreuer, der von der einseitigen Presse enttäuscht ist. Er liest keine Zeitungen mehr und informiert sich nur noch über das Internet.

Kamil spricht als einziger der Podiumsteilnehmer in seiner Anfangsrede von einer spürbaren Radikalisierung der Muslime in seinem Erfahrungsbereich (“Bei Edeka darf man klauen, weil das Ungläubige sind”).

Frau Sträter runzelte darauf die Stirn und fragte Kamil:

Denken Sie, daß da ein Zusammenhang besteht, zwischen der Erfahrung der Ausgrenzung und der Bereitschaft, dann auch solche radikalen Botschaften auch zu hören?

Natürlich, natürlich!
So wie sich verzweifelte Palästinenser mit Steinen gegen terroristische rechtsradikale israelische Siedler und Soldaten wehren, so sind auch bei uns die muslimischen extremistischen Jugendlichen nur verzweifelt und können sich nicht anders wehren. Mit Religion hat das alles nichts zu tun, es sind die Rechtspopulisten, die Rechtsradikalen, die Banken und Großkonzerne und alle, die nicht genügend RESPEKT vor den muslimischen Menschen haben. Die Schuldfrage ist also geklärt, man kann sich anderen Themen zuwenden.

Z.B. dem Thema Frauen, Familie und Menschenrechte. Hierzu sprach die von Sträter aufgeregt und erwartungsvoll als “Frauen- und Menschenrechts-Aktivistin” angekündigte (stolze) Kopftuchträgerin Saloua Mohammed, doch hatte man hier den Eindruck, in einer Reality-TV-Show von RTL II zu sitzen, wo sich bekanntlich besonders gebildete Zeitgenossen zu schwierigen gesellschaftlichen Problemen äußern.

Sträter:
Welche Rolle haben nun muslimische Frauen in der Dialogarbeit?

Saloua Mohammed:

Es ist genug Platz auf dieser Welt für uns… ich weiß gar nicht warum man so einen Hehl daraus macht…du bist Muslim, du bist Buddist, du bist dies du bist das…. ich mein, im Endeffekt wir sind Menschen… auch eine muslimische Frau hat Ängste, hat Träume, hat Wünsche, …’n stinknormaler Mensche, ja? So lang man DEN Muslim verteufelt, DEN Muslim nicht kennenlernen möchte… wir müssen echt anfangen, in unseren Köpfen aufzuräumen… viele Ängste entstehen hier oben, viele Ängste sind unberechtigt..

Ma’ ganz ehrlich, wieviele Veranstaltungen haben wir schon gemacht über Muslime und Islam?… Aber es sind immer wieder dieselben Vorurteile die ans Tageslicht kommen… Auch wenn eine Muslima sich engagiert und in die Dialogarbeit reingeht…

Ich bin selbst aktiv in der Dialogarbeit, nicht nur hier in Bonn.. da sind Menschen, die dich aufrichtig kennenlernen wollen, die Respekt vor dir haben, Respekt als MENSCH, die dich als MENSCH ernst nehmen. Und ich finde, es ist doch eine Schande, daß wir darum heutzutage kämpfen müssen….

und ich finde, ein Mensch, der keinen Zutritt zu sauberem Wasser hat, der hat ‘n ernsthaftes Problem…

Und so ging es weiter. Es gab nur am Ende der Veranstaltung einmal einen unruhigen Moment, als eine Zuhörerin den im Vorstand der Bonner DITIB-Moschee tätigen Abdlqalq Azrak auf die Tatsache ansprach, dass der Verfassungsschutz diese Moschee wegen der Auftritte von Salafisten überwache. Die Zuhörerin wurde durch einen empörten Aufschrei des gesamten Saales sofort daran gehindert, in dieser Richtung weiterzubohren.

Denn in einem waren sich die anwesenden Christen und Christinnen, Muslime und Musliminnen einig: in ihren Moscheen und Gotteshäusern wird ausschließlich gebetet, und das könne man ja Salafisten nicht verbieten.

Alle Zitate sind wortwörtlich von mir während der Veranstaltung notiert worden.


Anmerkungen und Links

[1] Gesprächsrunde: Zusammenleben gestalten – Muslime in unserer Stadt Bonn
[2] Integrationsratswahl am 7. Februar 2010
[3] Integrationsrat in Bonn
[4] Landesintegrationsrat NRW
[5] Bonner Institut für Migrationsforschung und Interkulturelles Lernen (BIM) e.V.
[6] Veggie-Tag: Bonn macht mit beim vegetarischen Donnerstag
[7] Bonner Generalanzeiger über die Veranstaltung am 22.02. im Haus Migrapolis
[8] Institut für Palästinakunde Bonn

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