Die Berliner Buchhandlung Dussmann und ihre Abneigung gegen Israel

politiker1Am 14.September 2014 gab es am Brandenburger Tor in Berlin eine Veranstaltung zum Thema “Steht auf! Nie wieder Judenhass in Deutschland!“. Aufgerufen dazu hatte der Zentralrat der Juden in Deutschland, der sich Sorgen darüber macht, daß “in vielen deutschen Städten blanker Hass auf Juden wieder offen ausgebrochen ist.”

Dagegen, so meinten auch die links abgebildeten Teilnehmer der Veranstaltung in Berlin, müsse dringend etwas unternommen werden. Also trat man gemeinsam um 15 Uhr auf die Bühne vor dem Brandenburger Tor, wo sich schon Stunden zuvor Presse und Fernsehen in Position gebracht hatten. Obwohl die Redner bei dieser Veranstaltung – wie üblich – die ach so schlimme Ausgrenzung von Minderheiten in Deutschland beklagten, war das gemeine Volk, also die vielen nach Berlin gekommenen Freunde der Juden und Israelis, durch einen Metallzaun von der erhabenen Politprominenz getrennt.

Dies geschah natürlich “nur” zum Schutz vor rechtsradikalen Antisemiten, die aber bei dieser Veranstaltung unsichtbar blieben.

Dafür gab es aber genügend Verrückte aus der linken und muslimischen palästinafreundlichen Szene, die sich unter die Zuhörer mischten und vor den 300 oder 600 (genau wußten sie es auch nicht) israelischen Atombomben warnten, wie z.B. dieser in Berlin stadtbekannte Herr, der keine Gelegenheit ausläßt, um gegen den “faschistischen Atomterror der Israelis” zu demonstrieren.
Auch die Vertreter christlicher Sekten waren zugegen, die sich über “Jesus liebt dich” – Plakate aufregten und deren Entfernung forderten. Nur der sehr starken Polizeipräsenz bei dieser Veranstaltung war es zu verdanken, daß es zu keinen gewalttätigen Ausschreitungen kam.
Doch von all dem bekamen unsere Politiker und die anderen Prominenten, die vom gemeinen Publikum auf riesigen Bildschirmen bewundert werden durften, nichts mit, weil sie nach der letzten Rede in die bereitstehenden Autos stiegen und sich schleunigst davonmachten.
Es waren u.a.

  • Bundespräsident Joachim Gauck,
  • SPD-Chef Sigmar Gabriel,
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel,
  • Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden,
  • Noch-Bürgermeister Wowereit,
  • Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
  • Nikolaus Schneider, EKD-Ratsvorsitzender.

die sich auf der Bühne mit wohlgesetzten Worten (Graumann: “Die meisten Muslime denken bestimmt anders” [8]) vom Antisemitismus auf der Strasse distanzierten. Die Reden waren so jämmerlich schwülstig und selbst-beweihräuchernd, daß es nicht lohnt, sie hier auseinanderzunehmen. Wer aber nun dachte, daß sich als Folge dieser hochpolitischen Ermahnungen der zuständigen Verbandsfunktionäre und Bundespolitiker in Berlin eine Welle der Sympathie für den Judenstaat Israel breit machte, der lag voll daneben.

Berlin_Schmierereien1Nur einen Tag später nämlich sah man im Berliner Tiergarten auf einem Denkmal diese netten Sprüche über die “Juden Kindermörder”. Da waren die Damen und Herren Minister, Bundespräsident, Bundeskanzlerin und Vorsitzender des Zentralrats aber schon lange wieder abgereist und mit wichtigeren Dingen beschäftigt als mit dem hastigen Wegpinseln antisemitischer Hetzsprüche auf Berliner Denkmälern.

Ich selbst konnte diese neuen, in schönem blau gehaltenen Inschriften auf dem Denkmal im Berliner Tiergarten leider nicht bewundern, da ich mir heute die bekannte Berliner Buchhandlung Dussmann ansehen wollte. Natürlich auch mit dem Hintergedanken, die Werke der Politprominenz der gestrigen Demonstration einmal näher in Augenschein zu nehmen.

Doch zunächst steuerte ich im 3.Stock von Dussmann die Abteilung “Politik und Zeitgeschichte” an, wo ich auch gleich in einem Regal das fand, was mich interessierte: Bücher zum Thema Israel und Palästina.. Und siehe da: 22 Bücher stehen dort, am 15.09.2014, in Dussmanns “Israel/Palästina-Abteilung”. Sie finden hier eine vollständige Liste aller dort ausgestellten Bücher. Ich habe sie mir alle einzeln angeschaut und konnte folgendes feststellen:


Von den 22 Büchern waren nur 4 von Autoren verfasst, die man als “israelfreundlich” bezeichnen kann. Rund 82% der von Dussmann angebotenen Literatur zum Thema “Israel/Palästina” schießt also aus vollen Rohren gegen Israel.

Nun könnte man natürlich sagen, daß es derzeit auf dem deutschen Buchmarkt hauptsächlich “israelkritische” Literatur gibt und den Buchhändlern gar nichts anderes angeboten wird. Doch davon kann keine Rede sein, wenn man sich die folgende Liste hochaktueller Bücher zum Thema Israel anschaut, die auf dem Buchmarkt erhältlich sind:

  • Michael Wolfssohn: „Wem gehört das heilige Land?“ ,
  • Sylke Tempel: „Israel. Reise durch ein altes neues Land“,
  • Tobias Jaecker : „Antisemitische Verschwörungstheorien nach dem 11.September“,
  • Ralph Giordano: „Israel, um Himmels willen, Israel“
  • Rolf Behrens: „Raketen gegen Steinewerfer“, Das Bild Israels im SPIEGEL
  • “Neu-alter Judenhass, Antisemitismus, arabisch-israelischer Konflikt und europäische Politik” (Klaus Faber, Julius H.Schoeps, et.al.)
  • Mitchell G. Bard: “Behauptungen und Tatsachen, der israelisch-arabische Konflikt im Überblick”,
  • Tilman Tarach: Der ewige Sündenbock,
  • Henryk M.Broder und Eric Follath: Gebt den Juden Schleswig-Holstein! Wenn Deutsche Israel kritisieren – ein Streit.

Was schließen wir also daraus? Ja, der geneigte Leser weiß es schon: bei der Berliner Buchhandlung Dussmann wird die Abteilung “Israel/Palästina” von einem Mitarbeiter betreut, der in seiner Freizeit die Artikel von Evelyn Hecht-Galinski im Internet sammelt, die Hamas als Friedensbewegung einstuft und bei allen Veranstaltungen von Ken Jebsen und Jürgen Elsässer gerne in der ersten Reihe sitzt. Da kann die Auswahl der Bücher gar nicht anders sein.
non-zionist

wowereit

jesus-plakat


Anmerkungen und Links

Hier folgt die Liste der Bücher zum Thema “Israel/Palästina”, die bei Dussmann Anfang September 2014 im Regal standen.
In Klammern steht eine Bewertung der Autoren nach folgendem Punkteschema:
-10 = Extrem israelfeindlich
-5 = israelfeindlich
0 = neutral
+5 = israelfreundlich
+10 = sehr israelfreundlich

Andreas Altmann: Verdammtes Land, eine Reise durch Palästina (0)
Amar-Dahl: Das zionistische Israel (-10)
Ralf Balke: Israel, Geschichte, Politik, Kultur (+10)
Helga Baumgarten: Kampf um Palästina – Was Wollen Hamas und Fatah? (-10)
Henryk M. Broder: Die Irren von Zion (+10)
Judith Butler: Am Scheideweg, Judentum und die Kritik am Zionismus (-10)
Alexander Flores: Der Palästinakonflikt – Wissen was stimmt (-10)
David Grossmann: Diesen Krieg kann keiner gewinnen (-5)
Steffen Hagemann: Israel, Wissen, was stimmt (+10)
Dietmar Herz: Palästina (0)
Stephane Hessel, Elias Sanbar: Recht auf Frieden und Recht auf Land (-5)
Stephane Hessel, Elias Sanbar: Palästina: Das Versagen Europas (-5)
Margret Johannsen: Der Nahost-Konflikt (-5)
Moshe Machover: Irael und Palästinenser (-10)
Sari Nusseibeh: Ein Staat für Palästina? (-5)
Sari Nusseibeh mit Anthony David: Es war einmal ein Land, Ein Leben in Palästina (-5)
Pappe/Hilal (Herausgeber): Zu beiden Seiten der Mauer (-10)
Diana Pinto: Israel ist umgezogen (0)
Donna Rosenthal: Die Israelis (+10)
Shlomo Sand: Warum ich aufhöre, Jude zu sein (Ein israelischer Standpunkt) (-5)
Shlomo Sand: Die Erfindung des jüdischen Volkes (Israels Gründungsmythos auf dem Prüfstand) (-5)
Shlomo Sand: Die Erfindung des Landes Israel (Mythos und Wahrheit) (-5)
Marlene Schnieper: Nakba – die offene Wunde (-10)


[1] Dussmann: das “Kulturkaufhaus in Berlin”
[2] Zentralrat der Juden in Deutschland lädt zur Veranstaltung ein
[3] SPD ruft zur Demonstration auf
[4] Der STERN kommentiert die Veranstaltung in Berlin
[5] Die Tagesschau zur Veranstaltung in Berlin
[6] Die “Jüdische Allgemeine” berichtet über die “Großveranstaltung”
[7] Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Wortlaut
[8] Rede von Zentralratspräsident Dieter Graumann
[9] Zusammenfassung der Veranstaltung auf der Webseite der Deutschen Welle
[10] Anette Kahane in der Berliner Zeitung über die Veranstaltung vom 14.09.2014

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Rapper, DKP und “Die Linke” in Bonn: Juden raus aus Palästina

junge-frauenWie fast an jedem Samstag konnte man auch am 30.08.2014 an den bekannten, von der Stadt Bonn für Demonstrationen und politische Veranstaltungen freigegebenen Lokalitäten diverse Verrückte bei ihrem Bemühen beobachten, die vorbeigehenden Besucher für ihr jeweiliges Anliegen zu interessieren. Diesmal waren es zwei Gruppierungen, die schon seit langem in Bonn aktiv sind und keine Gelegenheit auslassen, ihren eigenen unterbelichteten Geisteszustand zur Schau zu stellen.

Um wen handelte es sich? Da waren zunächst am Münsterplatz die unermüdlichen Unterstützer der vom Völkermord bedrohten Palästinenser. Darunter waren diesmal

  • die Partei “Die Linke”,
  • die Uralt-Kommunisten-Partei DKP,
  • die Vertreter des Instituts für Palästinakunde Bonn e.V.
  • ein Rapper, der mit seinem monotonen Gejammer die Toten in Gaza beschwor,
  • und natürlich die unvermeidlichen weiblichen Befürworter des “Friedensprozesses” mit ihrer leicht abgenutzten “Peace”-Flagge.

die-linke-dkpLinks auf dem Foto sehen wir eine jene älteren Damen, die sich unermüdlich für den Frieden weltweit einsetzen, besonders aber für den Frieden in Gaza, der ihnen mehr am Herzen liegt als der Frieden im Sudan, Syrien oder im Irak. Die Friedens-Fahne, die sie hält, ist übrigens auch bei jenen sehr beliebt, die den Frieden weltweit per Fernheilung (also durch rein geistige Übertragung über Tausende Kilometer hinweg!) verbreiten wollen –

nämlich jenen Esoterikern, die zeitgleich am Bonner Friedensplatz mit Musik und allerlei mit geschlossenen Augen vorgetragenen Friedensansprachen die Vorbeigehenden langweilten. Anscheinend haben sie aber mit ihren Versuchen, den Frieden per Fernheilung in die Welt zu übertragen, an diesem Tag keinen Erfolg gehabt – zumindest bei den Religioten der IS im Irak und in Syrien sind die Bonner Friedensstrahlen nicht angekommen.

Die Palästina-Spezialisten hatten sich – sinnvollerweise – als Veranstaltungsort jenen Teil des Münsterplatzes ausgesucht, der samstags normalerweise vom Bonner Ökomarkt beansprucht wird.
Wer also heute “ökologisch korrekt” einkaufen wollte – und das sind in Bonn eine ganze Menge Leute -, bekam statt dessen den gähnend langweiligen und monotonen Singsang eines Rappers vorgesetzt, der mit seinen Texten die übliche Litanei über “die von den Israelis ermordeten Palästinenserkinder” anstimmte und dabei eher wie ein schlechter Abklatsch von Wasim Taha alias “Massiv” daherkam. [1]. Interessant an diesem Spektakel ausgeflippter Disko-Antisemiten war für den Aussenstehenden die Tatsache, daß es immer noch Vertreter von im Bundestag vertretenen Parteien schaffen, auf solchen Fanatiker-Veranstaltungen mit Büchertischen und Flugblättern für ihre Partei zu werben.

Vielleicht sehen wir sie demnächst mit der Sammelbüchse in der Hand, wenn sie Spenden für den Wiederaufbau von Gaza sammeln – der soll ja nach EU-Schätzungen 5-6 Milliarden Euro kosten, inkl. Instandsetzung der Tunnel für die tapferen Kämpfer der Hamas.

Anmerkungen und Links

[1] Jungle World: Ralf Fischer über die Facebook-Seiten einiger Deutsch-Rapper
[2] Ber­li­ner Neo­na­zi-​Rap­per Pa­trick Kil­lat alias „Vil­lai­n051“

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Religioten in Bonn

“200 Schiiten trauerten friedlich um ihren Imam”: so titelte die Internetausgabe des Bonner Generalanzeigers noch am Abend des 24.08.2014, als nach stundenlangem Geschrei, Gejammer und Gebrüll die “Gedenkveranstaltung” der Schiiten an den “Märtyrertod al-Husains” endlich beendet war. Stattgefunden hatte das ganze in der Wenzelgasse, also an einer der belebtesten Stellen der Innenstadt von Bonn: hier schlendern täglich tausende von Bonnern an den Geschäften entlang, und an Sonntagen wie diesem 24. August kommen noch viele Touristen hinzu.

Diesen bot sich in der Wenzelgasse nun ein Bild, das man eigentlich nur von Berichten aus arabischen Ländern im aktuellen Fernsehen kennt: rund 200 schwarz gekleidete Männer saßen barfuß auf der Strasse und hörten dem wild gestikulierenden “Redner” zu, dessen (in einer Fremdsprache gehaltene) Ansprache auf den gebildeten Zuhörer den Eindruck machte, als habe hier einer intensiv die Redetechnik des Gröfaz Hitler studiert.

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Streng getrennt von den Männern saßen ein paar – ebenso pechschwarz verhüllte – Frauen mit ihren Kindern, die dem Jammer-Singsang des Redners ehrfürchtig zuhörten. Allerdings entsprach die Frauenquote auf dieser Veranstaltung ganz sicher nicht den Vorstellungen grün-roter Feministinnen, dominierten hier doch eindeutig die Männer.

Auch fragt man sich, warum keine der anwesenden Damen das Wort ergreifen durfte – vom Standpunkt eines unbefangenen Beobachters her war diese “Frauengruppe” fast “unsichtbar”, sieht man von ihren Gesichtern ab, die teilweise sogar unverhüllt waren. Das wäre doch mal ein Fall für die Bonner Gleichstellungsbeauftragte Brigitte Rubarth [5] gewesen, die ihre Aufgaben u.a. so definiert:


Die Gleichstellungsstelle ist Ansprechpartnerin für alle Bonnerinnen und Bonner, unabhängig davon, ob es sich um Erwerbstätige, nicht Erwerbstätige, ältere und jüngere oder ausländische Frauen und Männer handelt, deren Situation unter Gleichbehandlungs- und Gleichberechtigungsgesichtspunkten als besonders schwierig anzusehen ist.

Anscheinend ist das Interesse der Gleichstellungsbeauftragten an der Situation ausländischer Frauen unter “Gleichbehandlungs- und Gleichberechtigungsgesichtspunkten” nicht besonders hoch, sucht man doch vergebens nach Stellungnahmen aus feministischen Bonner Kreisen zu solchen Veranstaltungen der “Religion des Friedens”.
Bonn-schiiten3Man interessiert sich hier mehr für so wichtige Aufgaben wie die Durchsetzung der sog. “geschlechtergerechten Sprache” an der Universität und in den Bonner Behörden. So sucht man in sämtlichen offiziellen Formularen, Anträgen und Broschüren der Bonner Universität vergebens nach “Studenten”, weil diese inzwischen durch “Studierende” ersetzt wurden. Es gibt also keine Studenten, die Islamwissenschaften studieren, sondern nur noch Studierende der Islamwissenschaften.

Die Durchsetzung solcher Dümmlichkeiten ist den Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Bonn offenbar wichtiger als eine Änderung der Lebensverhältnisse von muslimischen Frauen, die in einer eklatant frauenfeindlichen – hier trifft das Wort wirklich einmal zu – und von Männern total dominierten Welt leben müssen.

schiiten-bonn1Doch das Schlagen der eigenen Frau ist auf Dauer auch für den männlichen Angehörigen der “Religion des Friedens” langweilig. Deswegen schlägt er bei solchen Gelegenheiten wie der Veranstaltung zum Gedenken an den “Märtyrertod al-Husains” gerne auch mal sich selbst, natürlich nur symbolisch, wie mir ein Teilnehmer bedeutungsvoll erklärte. Er vergaß mir aber zu erklären, woher die vielen Narben auf den Rücken der Männer kamen, die sich nach dem Ende der Reden erhoben hatten und nun mit bloßen Oberkörper dastanden, um sich “symbolisch” mit den Händen auf die Brust zu schlagen. Ob sie sich wohl zum Ausgleich von ihren Frauen abends im Schlafkämmerchen ab und zu auspeitschen lassen und deshalb vernarbt waren?

Oder haben sie einfach nur zu häufig das Ashura-Fest in Afghanistan besucht, wo man sich nicht nur auf die Brust schlägt, sondern auch gerne mal mit Messern im Gesicht herumschnippelt? [4] Wie auch immer: der unbefangene Zuschauer mußte beim Anblick des Rituals den Eindruck gewinnen, daß der Bildungsstand der Teilnehmer dieser Veranstaltung sich nicht wesentlich von dem ihres vor 1500 Jahren verstorbenen Imams unterscheidet. So ist es kein Wunder, daß die vorbeigehenden und manchmal auch kurz verweilenden Bonner dem Treiben doch recht konsterniert zuschauten.

Der Reporter des Generalanzeigers hat diese Veranstaltung religiöser Fanatiker mit ganzen 9 Sätzen auf der Webseite seines Arbeitgebers beschrieben [2]. Rund die Hälfte seines Artikels aber diente dazu, die Teilnehmer und Organisatoren in den höchsten Tönen zu loben: die Veranstaltung sei “friedlich” verlaufen, die Polizei habe mitgeteilt, die”Anmelder dieser rein religiösen Veranstaltung verhalten sich äußerst kooperativ”, es seien keine Salafisten.

Allerdings:

  • Daß Schiiten genauso wie Sunniten glühende Antisemiten sind,
  • daß diese Leute gerade erst am 26.Juli auf einer Demo in Bonn, in der “Frieden und Freiheit für Gaza” gefordert wurde, auf arabisch Haßsprüche gegen Juden und Israel brüllten, [6]
  • daß die Hisbollah im Libanon eine von der EU offiziell als Terroristenorganisation eingestufte schiitische Gruppe ist,
  • daß Schiiten im Iran, in Afghanistan und Irak seit Jahrzehnten zur Vernichtung des Staates Israel aufrufen,

all das scheint dem Generalanzeiger, der Polizei und den Behörden, die solche Veranstaltungen genehmigen, nicht bekannt zu sein. Es fragt sich nur, wie lange die Verantwortlichen noch den Kopf in den Sand stecken wollen. Nach dem nächsten gelungenen Bombenattentat auf den Bonner Bahnhof, so kann man hoffen, könnte man ja vielleicht ein oder zwei Stellen bei der Gleichstellungsbeauftraten der Stadt einsparen und das Geld für eine bessere Präsenz der Bonner Polizei nutzen.


Anmerkungen und Links

[1] Bonn: Schiiten-Selbstgeißelung vor Sexshop
[2] 200 Schiiten trauerten friedlich um ihren Imam
[3] Schiitische Ashura-Feiern: Erlösung durch Buße und Leiden, von Prof. Dr. Christine Schirrmacher
[4] FOCUS: Millionen Schiiten geißeln sich
[5] Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bonn
[6] Leserbriefe zum Artikel “Stoppt das Blutvergießen” vom 26. Juli über eine Demo in Bonn, in der “Frieden und Freiheit für Gaza” gefordert wurde

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Alte Meister in jungen Händen

1960_482k
1963_Schulorchester_374kDer in diesem Artikel der Gevelsberger Zeitung vom 19./20.03 1960 erwähnte Dieter Rück war bis zu meinem Weggang von der Schule mein Flötenlehrer. Da meine Mutter mir mangels Geld keine richtige Querflöte kaufen konnte, habe ich während dieser Zeit auf einer Rarität gespielt: als Leihgabe von Dieter Rück hatte ich eine Böhmflöte aus Holz, versehen mit einigen wenigen Metallklappen.

Bemerkenswert an dem Bericht in der Zeitung ist der ehrfurchtsvoll-unterwürfige Ton, in dem der Redakteur von den “Werken alter Meister in jungen Händen” spricht. Da mag es zwar auch mal “nicht immer ganz fehlerfreie Vorträge” der Schüler geben, aber


“Wichtig und wesentlich ist, daß junge Menschen an die großen und hohen Werte des europäischen Kunstschaffens herangeführt werden“.

Und nicht etwa amerikanische Negermusik in der heiligen Aula des Gymnasiums Einzug hält. “Herangeführt” werden die Schüler, so möchte es der Redakteur, von “berufenen Menschen”, die sie lehren, die “alten Meister nachzuempfinden und zu würdigen”. Gut, daß wir auf den heutigen Schulen eine etwas vielfältigere Musikwelt haben!

Nein nein, lieber Herr Redakteur, deine Recherchen waren miserabel. Denn hättest du auch nur eine Probe im Orchester des Gymnasiums angesehen, so hätte sich dir ein ganz anderes Bild geboten. Da gab es nämlich einige Schüler, die sich über die ganze Sache auch noch lustig machten. Aus dem “Priestermarsch” wurde der Priesterarsch, und die regelmäßigen Rühranfälle des Orchesterchefs Ernst Boucke führten bei einigen – den hohen Werten des europäischen Kunstschaffens noch nicht ganz so aufgeschlossenen – Schülern zu anhaltendem Gekicher.

Das ganze hatte aber einen durchaus nützlichen Wert: wer im Orchester mitspielte, bekam von der Musiklehrerin automatisch eine 1.

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SpitzenmitbewohnerIn sucht eineN ZwischenmieterIn in Köln

Auf der Seite der Facebook-Nutzerin Juana Magon findet man folgende Sätze:

ZWISCHENMIETERiN GESUCHT für WG-Zimmer in Köln-Deutz März – Mitte Juli.
Da ich den Frühling an der Ostküste verbringe, suche ich für die Zeit eineN ZwischenmieterIn…. SpitzenmitbewohnerInnen und mehr nette Menschen im Haus.

Das finde auch ich “spitzenmäßig”:

“suche ich für die Zeit eineN ZwischenmieterIn.”

Wie man sich vor dem Millionenpublikum von facebook zum Vollidioten macht, bleibt ja jedem selbst überlassen. Die Wahl der Mittel ist völlig frei. Vermuten kann man allerdings, daß hier vor lauter geschlechtergerechter Dummsprache jemandem die letzte Gehirnzelle davongelaufen ist.

In diesem Zusammenhang empfehle ich auch die Seite “Gegen jeden Antisemitismus”, für die besagte Dame anscheinend mitverantwortlich ist. Nach der Lektüre des dortigen Artikels “Aufruf zur Kundgebung am 17. August 2014, 16:00 Uhr, Hauptbahnhofs- Vorplatz Köln” empfehle ich den Schreiberlingen/Autoren_I*nnen eine Reise nach Israel.

In Israel nämlich wird man ihnen mitteilen, daß man an Unterstützung durch Beauftragte der Reichsschrifttumkammer für geschlechtergerechte Sprache keinerlei Interesse hat.

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“Free Gaza” in Bonn

2014-07-15_18-33-46Immer wenn auf dem Münsterplatz in Bonn für Palästinenser, Gaza oder die “völkerrechtswidrig besetzten Gebiete im Westjordan-Land ” demonstriert wird, sehen wir vorwiegend Menschen wie die hier abgebildeten. Es ist schon fast rührend: 80-jährige, die “Schluss mit der Besatzung” fordern, stehen neben jungen Kopftuchfrauen, die Schilder mit “Free Gaza” hochhalten. Ergänzt wird diese bunte Zusammenstellung “friedensbewegter” Menschen durch eine Reihe älterer Damen, die bei fast allen Bonner Veranstaltungen zum Thema Palästina anwesend sind. Unter diesen befinden sich regelmäßig auch engagierte “Christinnen” wie z.B. Frau Dr. Sträter vom evangelischen Kirchenkreis Bonn, die sich gerne für ein friedliches und respektvolles Miteinander von muslimischen und nicht-muslimischen Bonner Bürgerinnen und Bürgern einsetzen, vorzugsweise in einer Umgebung, wo man unter sich ist, etwa im Migrapolis – Haus der Vielfalt im Zentrum Bonns [1].

Zu dieser Sorte frommer Menschen gehörte auch die Rednerin auf dieser Aufnahme, die ein Gebet des Rabbi Levi Weinman-Kelman für die Kinder von Gaza vorlas [3], ein Text, der ohne weiteres auch von Margot Käßmann hätte stammen können. Daß man hier als Alibi-Juden den Rabbi Levi Weinman-Kelman sprechen ließ, hat natürlich seinen besonderen Grund – seine Reformgemeinde in Jerusalem hat ein eigenes Gebetbuch herausgegeben: zum Abschluss jedes Sabbatgottesdienstes sprechen sie ein Friedensgebet, das auch einen Vers aus dem Koran enthält.[2]

Die fromme Rednerin machte sodann Platz für einen weiteren älteren Herrn, der sich den Zuschauern als aufrechter Alt-68er präsentierte: er habe an diesem Platz schon einmal demonstriert, nämlich gegen den Vietnamkrieg, und jetzt demonstriere er gegen die kriegerische Auseinandersetzung zwischen Israelis und Palästinensern. Diese Einleitung erforderte erst mal kräftigen Beifall der Zuhörer. Sodann bekamen wir die Standardfloskel über die “wahren Schuldigen” an dem “Massaker” in Gaza zu hören:


Die Europäer sind schuld daran, daß die Juden aus Europa vertrieben sind. Das müssen wir klar sehen. Die Last dieser Verantwortung tragen die Palästinenser! Sie werden aus ihrer Heimart vertrieben, ihnen werden die Grundstücke abgenommen, abgebaut, kaputt gemacht mit Bomben. Und aus Protest gegen diese Politik sage ich Ihnen 2 Gedichte, eins für die Kinder, und eins… ähm…wegen der Angst, die ich habe, der Befürchtung, daß dieser Konflikt im Mittelosten sich ausdehnen kann zu einem Weltkrieg.

Leider waren in diesem Augenblick weder Joschka Fischer noch Frank Walter Steinmeier zugegen, um den Mann mit ihren Warnungen vor dem gefürchteten Flächenbrand im Nahen Osten zu unterstützen.

Die erste Behauptung des tapferen Anti-Vietnamkriegs-Demonstranten hingegen, daß nämlich “die Europäer” schuld an der Vertreibung der Juden aus Europa seien, schien in dieser Runde niemanden zu erstaunen. Eher fühlte man sich erleichtert, zu hören, daß nicht nur die Deutschen die Schuldigen waren, sondern auch die anderen Europäer, also z.B. die Dänen, Schweden, Spanier und Franzosen.


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(Klicken Sie auf den Pfeil, um den Youtube-Film zu sehen) Die Rednerin in diesem kurzen Filmausschnitt hingegen sprach über “die Kinder”. Die Kinder in Gaza nämlich, die durch die “Massaker” der Israelis täglich umkommen. Denen wolle sie eine Stimme geben:
Aber die Kinder in Gaza haben keine Stimme…sie zählen nicht, nicht einmal die toten Kinder.

Ja, so ist das mit den Kindern. Keiner will sie zählen, selbst wenn sie tot sind. Niemand weiß ja auch genau, ob sie nicht im nächsten Augenblick aufstehen und im Davonrennen den UNO-Totenzählern einen Vogel zeigen…
Aber noch nicht einmal diese als Reichsbetroffenheitsnudel auftretende Rednerin aus dem Bonner Umfeld diverser Palästinenser-Organisationen schaffte es, das Publikum für die Solidaritätsveranstaltung am Bonner Münsterplatz zu vergrößern. Die “Kernmannschaft” rund um die Redner blieb bestehen, keiner der vom Kaufhof zur Post oder zur Bahn hastenden Menschen wollte sich dazugesellen. Die Revolution wollte einfach nicht ausbrechen.

So blieb man unter sich, um in freundlicher Atmosphäre einfach mal ein wenig Gedankenarmut auszutauschen.


Anmerkungen und Links

[1] Gesprächsrunde: Zusammenleben gestalten – Muslime in unserer Stadt Bonn
[2] Katholische Christen begegnen Rabbi Levi Weinman-Kelman in Jerusalem
[3] Gebet des Rabbi Levi Weinman-Kelman für die Kinder von Gaza.
[4] Institut für Palästinakunde Bonn
[5] Bonn: Stoppt die israelische Aggression!
[6] Demonstranten greifen israelisches Paar in Berlin an
[7] Ein Prediger in einer Berliner Moschee fordert öffentlich den Tod der “zionistischen Juden”
[8] Linke und Rechtsextreme protestieren gegen Israel
]9] Berliner Morgenpost: Demonstranten in Berlin greifen israelisches Paar an
[10] Postkarte an Düsseldorfer Juden: Vernichtet die Juden!
[11] Christian Ortner: der Irrtum der Paliversteher.
[12] Bonn: Stoppt das Massaker in Gaza!
[13] Millionenhilfen der EU für die Palästinenser
[14] Der Mythos von der Belagerung Gazas
[15] Reinhard Lütkemeyer: Deutsche zahlten Billionen Mark an Wiedergutmachung an Israel
[16] Blog von Reinhard Lütkemeyer aus Bad Godesberg: Protokolle eines Verrückten
[17] Der zynische Krieg mit den Opferzahlen in Gaza
[18] Independent Media: Tuesday, August 5, 2014:IDF Operation Data
[19] S.P.O.N. – Der Kritiker: Die Deutschen und ihr Lieblingskrieg
[20] Die dubiose Rolle der UN im Gazastreifen
[21] Matthias Küntzel (08.August 2014):Warum starben 400 Kinder in Gaza?
[22] Offener Brief 150 Kulturschaffender in Deutschland zum Krieg in Gaza
[23] Henryk M.Broder: Die Erben der Firma Hinkel (*)

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“Wir sind die Neuen” – und deutsche Filmemacher bleiben die Alten

wir-sind-die-neuenIn der Filmkritik zu “Wir sind die Neuen” lese ich gerade, wie sich deutsche Filmemacher und -kritiker die personelle Zusammensetzung von Wohngemeinschaften (WGs) vorstellen.

Bei den “entspannten Oldies” aus der Alten-WG denken die Filmemacher dabei natürlich an Alt-68er, “die nachts trinken, philosophieren und alten Hits lauschen” und früher mal Rechtsanwalt oder allenfalls “Biologin” (die Anfang- 60erin) waren. In der jüngeren WG sind sie auch nicht besser: da studiert man Kunstgeschichte oder Jura (statt Germanistik und Psychologie).

Den Machern des Films kommt nicht in den Sinn, daß heute 65-Jährige, auch wenn sie seinerzeit in einer WG wohnten, vielleicht auch Elektrotechnik, Maschinenbau oder Physik studiert haben könnten. Oder Mathematik, Informatik und Chemie. Und daß sie in ihrer Alten-WG nachts möglicherweise etwas anderes machen als zu trinken, zu philosophieren und alten Hits zu lauschen. Wie wäre es z.B. mit Besuchen der Kinder unserer “Alt-68er”? Vielleicht wollen die mit ihren Vätern oder Müttern auch mal gerne ihren neuen Quadrocopter ausprobieren oder brauchen Ratschläge für die Programmierung ihres Content Management Systems? Oder möchten einfach nur Papi bitten, ihnen schnell mal eben Miles Davis “So what” zu transscribieren?

angela_merkelNein, das paßt nicht ins klischeegesättigte Weltbild der Drehbuchschreiber und Regisseure. Da sehen sie die Welt genauso einfältig wie Angela Merkel [1], die in einem Interview mit BILD der FRAU im März 2013 folgendes sagte:


„Es gibt so viele Menschen, die härtere Belastungen als ich tragen, wenn ich nur sehe, was Pflegerinnen und Pfleger in Altenheimen oder Krankenhäusern leisten, die oft über Jahrzehnte mit Menschen in Notsituationen arbeiten.“

Daß es hunderte andere Berufe gibt, in denen Menschen hart arbeiten und dafür sorgen, daß wir uns morgens warm duschen können und tagsüber statt eines Plumpsklos eine Toilette mit Wasserspülung aufsuchen dürfen, das fällt anscheinend noch nicht mal der Bundeskanzlerin ein, die immerhin Physik studiert hat. Mit ihrem Gerede von den “Pflegerinnen und Pflegern” biedert sie sich lieber bei den Gutmenschen aus Politik und Medien an, die wie
andrea_nahlesAndrea Nahles, Claudia Roth oder Claus Peymann das Rechenzentrum eines Kraftwerks oder einer Steamcrack-Anlage nur aus den stinklangweiligen Tatort-Filmen der ARD kennen.

Doch nicht nur die Oldies-WG im Film “Wir sind die Neuen” setzt sich so zusammen, wie es dem eigenen Werdegang der Drehbuchschreiber höchstwahrscheinlich entspricht: auch bei der jungen Studenten-WG sucht man vergebens nach Elektroingenieuren, Chemielaboranten oder wenigstens einem schlichten Programmierer, der dem gebildeten Filmregisseur eher unter dem Begriff Nerd bekannt ist. Auch eine kaufmännische Angestellte, die sich tagsüber mit der Koordinierung der Montagearbeiten von Abluftanlagen, der Erstellung von Rechnungen und Terminlisten herumschlägt und abends Bücher von Henryk M. Broder liest, auch solche Menschen haben in den “Youngster”-WGs deutscher Filmregisseure nichts zu suchen.

Doch könnte man das alles ja noch verkraften, wären da nicht die extrem langweiligen, schauspielerisch erbärmlich schlecht gespielten und aufgesetzt wirkenden Szenen aus dem Trailer, die mich davon abhalten, diesen Film in ganzer Länge anzusehen. Da könnte ich mir ja auch die ARD-Serie “Um Himmels willen” anschauen, bei der man nach spätestens 2 Minuten zum nächsten Sender zappt, um nicht dem Irrsinn zu verfallen.

Ja, es ist schon erstaunlich, daß der Drehbuchschreiber Ralf Westhoff drei Jahre an diesem Drehbuch “gefeilt” hat, das angeblich “bissig-frische Dialoge, gutes Timing und sichere Figurenzeichnung” enthält. Weniger erstaunlich ist es, daß deutsche Filme dieser Sorte international kaum Erfolge aufweisen können, wohingegen uns aus den USA jede Menge Serien wie “Breaking Bad”, “Homeland” oder “Sex and the City” erreichen, die offensichtlich gerne gesehen werden. Aber das gemeine Volk, das weder Kunstgeschichte noch Psychologie noch Theaterwissenschaften studiert und noch nicht mal in einer WG autonome Lebens- und Widerstandsformen ausprobiert hat, weiß anscheinend die Filme aus den USA mehr zu schätzen.

Die weit über dem gemeinen Volk stehenden “gebildeten” Deutschen wissen hingegen, daß die “Amis” ein kulturloser Haufen von primitiven Waffenfanatikern sind, gesteuert von Riesenkonzernen, Geheimdiensten und Rassisten.

Anmerkungen und Links

[1] Kanzlerin Merkel: Altenpfleger haben härteren Job als ich

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Mathematische Analphabeten: warum sich die Werbung für Roulette-Systeme auf Facebook lohnt

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Auf Facebook findet man gelegentlich Werbung für Methoden zum Geldverdienen, die sich eigentlich eher an Esoteriker, Verschwörungsfanatiker oder nach dem richtigen Glauben Suchende wenden. Schon die Überschriften sind wirklich überzeugend:

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Wer dann so doof ist und auf dein-online-erfolg.com klickt, der wird mit einem schwungvollen

Herzlichen Glückwunsch, dass Sie Ihren Weg hierher gefunden haben!

begrüßt und erfährt dann schnell, wohin die Reise geht. Was die Autoren dieser Webseite wünschen ist nämlich nichts anderes, als daß man sich bei einem der von ihnen empfohlenen Spielcasinos im Internet anmeldet und dort sein Geld verjuxt. Und damit man das macht, wird dem unbedarften Leser eine “wissenschaftlich” geprüfte “Systemmethode” zum Gewinnen erklärt: es ist die seit Jahrhunderten bekannte Verdoppelungsstrategie, von der auch seit ebenso langer Zeit bekannt ist, daß sie nur zu einem führt: nämlich dem finanziellen Ruin des Roulette-Spielers. Doch davon lesen wir auf der Seite von dein-online-erfolg.com, die sich auch mal als “der-reiche-sack.com” präsentiert, natürlich nichts, statt dessen erfahren wir folgendes:

DIESE MATHEMATISCHE TATSACHE WIRD IHNEN TAUSENDE DOLLAR EINBRINGEN!

Ja Potzblitz, da freun wir uns schon auf die vielen Dollars, die wir demnächst mit mathematisch bewiesenen Tatsachen verdienen werden, aber was sagen denn andere Leute, die wie wir bei ihrem letzten Pauschalurlaub in Malle oder Ägypten in der Wüste keinen Platz zum Surfen gefunden haben, zu diesen tollen Möglichkeiten?

bitte entschuldigen Sie mein Deutsch. Ich nutze Methode und verdiene 2340 € in vier Tagen. Ich habe nie so fiel Geld gehabt. Ein großes Dankeschön
Victor, Madrid (Spanien)

Ähnlich überzeugende Dankesbriefe lesen wir von Victoria, Kapstadt (Südafrika), Christopher, Berlin (Deutschland) und Mark R. (Toronto, CAN), die jetzt alle schon Millionäre sind und mit den Gewinnern des Dschungelcamp am Strand von Rio jeden Abend richtig einen draufmachen können.

Und damit meine Leser auch genau wissen, wie man jetzt ganz leicht jeden Tag 1200,- Euro im Internet-Casino verdienen kann, habe ich alles noch mal ganz genau aufgeschrieben:
Wie funktioniert das Verdoppelungsprinzip beim Roulette?


Anmerkungen und Links

[1] Der reiche Sack

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Judith Butler, Laura Kajetzke und Theodor W.Adorno: wie man mit pseudowissenschaftlichem Geschwätz berühmt wird

Team_GWI_284(Foto: Stephan Röhl GW-Institut)
Kürzlich las ich auf einem Blog der GRÜNEN “Heinrich-Böll-Stiftung” einen Artikel von Laura Kajetzke zum Thema “Beschneidung” [1]. Kajetzke ist am Lehrstuhl für allgemeine Soziologie der Philipps-Universität Marburg tätig. Ihr Artikel erschien auf dem Blog “Was ist der Streit-Wert?”, der auf der Website des Gunda-Werner-Instituts administriert wird. Dort kümmert man sich um Feminismus und Geschlechterdemokratie, genauer gesagt:

Das Gunda-Werner-Institut in der Heinrich-Böll-Stiftung (GWI) bündelt geschlechterpolitische und feministische Themen, bietet einen Veranstaltungskalender und informiert über Stipendien und Stellenangebote.

Dieses “Institut”, an dem sich feministisch gesinnte Irre über

  • “geschlechtersensible Wirtschaftsethik”,
  • “gendersensible Ost-West-Dialoge”,
  • “bedingungsloses Grundeinkommen aus feministischer Sicht” und
  • ” geschlechtergerechte Lebensformen ”

austauschen, ist zwar – wie bei den meisten grün-alternativen “Inintiativen”, “Stiftungen” und “Instituten” – ein Sammelbecken von Menschen, die in normalen Arbeitsverhältnissen gar nicht überlebensfähig wären, aber es kommen in diesem Institut auch besonders jene zu Wort, bei denen alles irgendwie “inter-“, “trans- ” und “post-” ist. Zur letzteren Gattung Mensch zählt auch die eingangs erwähnte Laura Kajetzke, deren Arbeitsschwerpunkte

“Soziologische Theorien, Poststrukturalismus, Wissenssoziologie, Raumsoziologie und Diskurstheorie sind, und außerdem beschäftigt sie sich mit Machtwirkungen von Schulräumen und dem Spießertum als Lebensform.”

Heinrich_boell_stiftung

Zusammenfassend könnte man also sagen, daß die Hauptbeschäftigung der Laura Kajetzke nachhaltige Phrasendrescherei ist, die in gewissen Bereichen deutscher Universitäten schon als “Wissenschaft” gilt. Als besonders nachhaltig erweist sich dabei das Wort “Diskurs”, das von Kajetzke in fast jedem zweiten Satz in diversen Varianten verwendet wird. Da wimmelt es nur so von “diskurssimplifizierenden Akteuren”, die ” diskursanalytisch gesehen” nach einer “regulierenden Diskursbeendigungsstragie” suchen oder einfach nur eine diskursive Lawine lostreten wollten.

Kajetzke selbst zählt sich offensichtlich zu den “Diskurskomplizierer_innen, die einen problema­ti­sieren­den Diskurs führen wollen” und ist beleidigt, weil sie trotzdem durchs “mediale Raster” gefallen ist. Lediglich bei den GRÜNEN und ihrer mit 53 Millionen Euro Steuergeldern im Jahr 2013 geförderten Heinrich-Böll-Parteienstiftung hat man ein offenes Ohr für das Diskursgeschwätz der “Diskurs-Forscherin”. Andererseits hat sie für ihre Diplomarbeit von der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) immerhin einen mit 250,- Euro dotierten Preis bekommen, der ihr freudestrahlend von Frau Professorin Dr. Beate Krais am 9. Oktober 2006 in der Kasseler Stadthalle überreicht wurde. Ihre Diplomarbeit trug den Titel

„Der Begriff des Wissens in Aushandlungsfeldern diskursiver Praktiken.“

Seit 2006 arbeitet Kajetzke übrigens auch an ihrem Doktor zum Thema

„Die geisteswissenschaftliche Wissensproduktion unter den Bedingungen der sogenannten ‚Wissensgesellschaft’. Eine wissenssoziologisch-diskursanalytische Untersuchung.“

Da sie bis zum heutigen Tage nur als “Dipl.-Soz. Laura Kajetzke” an ihrer Universität geführt wird, ist wohl in den vergangenen 8 Jahren diskursiven Geschwätzes nicht besonders viel Verwertbares herausgekommen.

annette-schavanVielleicht sollte sie sich mal bei “Frau Professorin” Annette Schavan erkundigen, wie man eine Doktorarbeit in weniger als 8 Jahren abschließen kann. Schavan wurde immerhin in dieser Woche der Ehrendoktor der Universität Lübeck verliehen, sie hat einige Erfahrung mit Doktortiteln.

Für uns bescheidene Bürger ohne Doktortitel ist es allerdings schon erstaunlich, wie sich Kajetzke und andere Armleuchter_Innen aus ihrer Soziologenbranche als “Mitarbeiter an Lehrstühlen” aufplustern und davon auch noch leben können. Aber sie haben Erfolg damit. Denn gerade dieses ihr aufgeblasenes pseudowissenschaftliches Kauderwelsch aus tausend Versionen des Wortes “Diskurs”, verbunden mit solchen Wendungen wie “…interdisziplinärer Diskurs einer emanzipatorischen Gesellschaft, die sich an den Bedürfnissen jedes_r Einzelnen orientiert”, empfinden weite Kreise unserer Gesellschaft als besonders tiefliegend und wissenschaftlich fundiert. Wobei wir in diesen Kreisen besonders viele Theologen, Soziologen, Psychotherapeuten und Gender-“Wissenschaftler” finden.

Zu letzteren ist auch Kajetzke zu rechnen, die immerhin von 2005 bis 2008 Frauenbeauftragte des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften und Philosophie der Philipps-Universität Marburg war und in ihrem Artikel für das Gunda-Werner-Institut beklagt, daß in der Beschneidungsdebatte leider


keine jüdisch-feministischen Positionen zu Wort kamen, die sich u.a. mit der Brit Mila als Frauen exkludierenden Initiationsritus befassen.

Judith_butlerKajetzke ist allerdings nur ein kleiner Fisch gegenüber Judith Butler, die sich durch hochtrabendes akademisches Geschwafel gepaart mit einer speziellen Abneigung gegen den Staat Israel auszeichnet. Bei Butler wimmelt es nur so von “Diskursen“, “vordiskursiven Differenzen zwischen Geschlechtern“, “diskursiven Machtmechanismen“, die Kategorie Geschlecht wird “diskursiv konstruiert” und überhaupt ist alles irgendwie “diskursiv“, und wenn nicht, dann eben “performativ“, “inkohärent” oder “übersubjektiv“. Vielleicht auch noch transkulturell oder intersexuell, auf jeden Fall aber postdiskursiv.

Und wenn etwas geschieht, dann nicht einfach so, das wär ja noch schöner, sondern immer ist es ein “Prozeß”. Butlers pseudowissenschaftliches Geschwafel wurde sogar beim alljährlich stattfindenden Bad Writing Contest wegen des folgenden Bandwurmsatzes preisgekrönt:


Der Schritt von einer strukturalistischen Erklärung, nach deren Verständnis das Kapital soziale Beziehungen auf relativ homologe Weise strukturiert, zu einer hegemonialen Ansicht, nach der Machtbeziehungen Wiederholung, Konvergenz und Reartikulation unterworfen sind, führte die Frage der Temporalität in die Überlegungen zur Struktur ein und markierte einen Wechsel von einer Form Althusser’scher Theorie, die strukturelle Totalitäten als theoretische Objekte begreift, zu einer Theorie, in der die Einsichten in die kontingente Möglichkeit von Struktur ein erneuertes Konzept von Hegemonie erschließen, das mit den kontingenten Orten und Strategien der Reartikulation von Macht verknüpft ist.

Diese Übersetzung findet man in Steven Pinkers Buch mit dem Titel “Das unbeschriebene Blatt” auf Seite 572 (und nicht auf Seite 154, wie es irrtümlich bei Wikipedia heißt). Allein schon dieser eine Satz von Butler zeigt, daß uns hier das schiere Gelaber, ein hohlröhrendes Nichts (Wolf Schneider [8]) gegenübertritt. Und keinesfalls Satire, was man beim ersten Lesen vielleicht denken könnte. Es konnte nicht ausbleiben, daß Butler 2012 der Theodor-W.-Adorno-Preis der Stadt Frankfurt verliehen wurde. Das kann man gut verstehen, denn Adorno zählt ebenso wie Habermas zur Schwätzerelite unter den deutschen Soziologen. Adornos Behauptungen z.B. über Jazz sind inhaltlich nicht an Lächerlichkeit zu überbieten:


“Das sozial nicht konformierende Moment des Jazz mag in seiner Zwischengeschlechtlichkeit gelegen sein”,

das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen und dabei daran denken, daß ganze Generationen von Soziologen dieses Geschwätz ernst genommen und darauf aufbauend hunderte von Diplomarbeiten geschrieben haben. [9]
Gegen die Verleihung des Adorno-Preises an Butler hat es viele Proteste gegeben, insbesondere wegen Butlers Unterstützung der Boycott, Divestment and Sanctions Kampagne und ihrer ultra-radikalen Ablehnung des Staates Israel. Leider reden ihre Kritiker aber häufig in genau derselben mit geblähten Imponiervokabeln angereicherten Philosophensprache wie Butler selbst. Man kann das sehr schön an den Beiträgen von Alex Gruber und Magnus Klaue auf Facebook [10] verfolgen, die man beide ebenfalls für einen Preis beim Bad Writing Contest vorschlagen könnte.

Anmerkungen, Links und Literaturverweise

[1] Laura Kajetzke: Lasst euch nicht versimplifizieren: Beobachtungen zum Diskurs um religiöse Beschneidung
[2]Alan Posener in der WELT: Wenn Schafe blöken
[3] Vorhauthäuter und Vorhauthüter*
[4] Gunda-Werner-Institut
[5] Jahresbericht 2012 der grünen Parteienstiftung Heinrich-Böll-Stiftung
[6] Dipl.-Soz. Laura Kajetzke
[7] Herausragende Abschlussarbeit der Marburger Soziologin Laura Kajetzke
[8] Wolf Schneider: Deutsch für Kenner
[9] Das Saxophon klingt wie der Gesang eines kastrierten Negers: Theodor W.Adorno und das “sozial nicht konformierende Moment des Jazz”
[10] Adorno gegen seine Preisträger verteidigt – Gegenveranstaltung zur Preisverleihung an Judith Butler

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Also jetzt passen Se mal auf, ich zeig Ihnen dat jetzt mal.

Da ich mich vor einigen Monaten mal intensiv mit der Technik von Küchenmaschinen befasst hatte, beschloss ich, eine neue Version von Dieter Krebs im Eisenwarengeschäft zu schreiben:

Verkäufer (V.): Sie wollen eine Küchenmaschine haben? Ja was denn für eine?

Kunde(K.): Na einfach ‘ne Küchenmaschine!

V.: Also eine mit Wiederanlaufsicherung und Überlastungsschutz? Oder lieber mit Sollbruchstelle an der Antriebswelle?

K.: ??

V.: Nehmen Se doch einfach diese hier, die hat ein einfaches Planeten-Rührsystem. Oder wolln Se lieber die hier mit dem dynamischen 3-D Rührsystem und dem Spritzgebäckvorsatz?

K.: Ich wollt eigentlich nur ‘ne Küchenmaschine!

V.: Freistehend oder unterbaufähig?

K.: Ähm… in der Küche!

V.: Also jetzt passen Se mal auf. Ich zeig Ihnen dat jetzt mal. Sie nehmen die Rührschüssel, setzen sie bündig in die Aussparung des Gerätesockels und befestigen dann den Knethaken oder den Rührschlagbesen oder den Teigrührer am unteren Antriebskopf des
Multifunktions-Schwenkarms.
Vorher müssen Se natürlich den Multifunktions-Schwenkarm mit der Entriegelungstaste entriegeln, sonst tut sich da nix!
Und vergessen Se nich, den Antriebsschutzdeckel auf den oberen Antriebskopf des Schwenkarms zu setzen, so lange nicht der Durchlaufschnitzler benutzt wird!

Danach können Se den Multifunktions-Schwenkarm wieder nach unten senken und mit der Entriegelungstaste sichern. Das zu bearbeitende Rührgut tun Se dann mit dem Rührschlagbesen oder dem Teigrührer oder dem Knethaken bearbeiten.

Alles klar?

K.: Ach – ich hätt dann doch lieber nur ‘nen Kochlöffel.:-)

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