Freiburgs Badische Zeitung sympathisiert mit der Hamas

Wer in diesen heißen Sommertagen durch die Gassen der Freiburger Innenstadt schlendert, gerät schnell in Versuchung, es den Kindern dieser Stadt nachzumachen: einfach die Füße mal in die „Bächle“ halten, die an den Rändern vieler Strassen dahinplätschern. Das kühlt ab und verschafft Erleichterung in dieser im Sommer häufig durch unerträgliche Hitze geplagten Stadt.

Oder man läßt sich beim Radfahren vom Wind durchpusten, wie viele der rund 35000 Radfahrer, die täglich durch die Innenstadt radeln. Findet man auf dem Fahrweg eine Glasscherbe oder zerbrochene Bierflaschen, so gibts die „Scherben-Hotline“ (0761/76707-70), die dafür sorgt, daß ein Team der ASF-Strassenreinigung sich des Falles annimmt.

Man merkt es auf Schritt und Tritt: Freiburg ist eine „grüne“ Stadt, hat einen grünen Oberbürgermeister und eine ungewöhnliche Zusammensetzung des Gemeinderats: 23 der 48 Sitze entfallen auf die klassischen Parteien CDU/SPD/FDP, der Rest ist aus dem Spektrum „grün-alternativ-links“. Also die Mehrheit. Diese Mehrheit besteht aber nicht nur aus Umweltschützern, sondern hat einen gehörigen Anteil radikal-linker Sozialisten, Superemanzen und Esoteriker. Da gibt es

  • die Linke Liste/Solidarische Stadt,
  • die Unabhängigen Frauen,
  • die Listen Junges Freiburg und
  • Grüne Alternative Freiburg sowie
  • Kulturliste


Und so ist es kein Wunder, daß man in dieser Stadt alle Nase lang auf Schilder wie auf dem Foto links trifft, wo den Freiburgern eingeredet wird, sie könnten durch „Stoffwechseloptimierung“ schlank, gesund und vital werden. Wer mit solchen Sprüchen den Bürgern das Geld aus der Tasche ziehen will, braucht schon einen klangvollen Namen, wie z.B. diesen hier: metabolic centrum freiburg. Hat man erst den Namen, so ist das Programm, mit dem man Geld verdienen will, schnell zusammengeschrieben: man nehme einfach einen Haufen Wörter aus dem Esoterik-Jargon, würfele sie gut durcheinander und schneide sie auf die gewünschte Branche zu. Es ist ja so einfach, sich lächerlich zu machen: mit „positiver Energie“ bekämpfen wir die „negativen Gefühle“, „spirituelle Schwingungen“ durchfluten unseren „harmonischen Körper“ und reinigen ihn von den bösen Fettzellen, ganzheitlich und ohne Atomstrom.

Bietet man den Lesern der matabolic-Site [4] dann ein Transformations-Seminar zum Vorzugspreis von nur 975,- Euro an, in dem wir uns für positive Gefühle öffnen und Zugang zu tieferen Gefühlen von Glück und Lebensfreude bekommen, außerdem gratis einen Schlüssel, wie Sie negative Gefühle in positive Energie für Ihr Leben verwandeln können, dann sollten die Idioten, die auf uns hereingefallen sind, nach dieser Transformation am besten als nächstes Die Leicht und Schlank Wellness-Woche im Hotel „Hirschen“ im Glottertal (Schwarzwald) dazubuchen. Preis für die Woche im Einzelzimmer: Standard 1.276 €, Komfort 1.370 €, De Luxe 1.461 €. Wenn das nicht geschenkt ist!

Die Geschäftemacher des metabolic-Schwachsinns haben wie fast alle, die in dieser Seminarbranche ihr Geld verdienen, eine „Ausbildung“ als Heilpraktiker (PT), ärztl. zert. Ernährungsberater, Coach oder (noch besser) psychologischer Ernährungs-Coach, Trainer für NLP, Mental-Coaching, Hypnotherapie oder auch einfach: Kommunikationstrainer.
Sie sind kein Einzelfall, denn von dieser Sorte Angebote gibt es in Freiburg hunderte. Ob Ayurveda, astrologische Psychologie oder Pranaenergetik: für jeden noch so blöden Mumpitz gibt es Interessenten in der Esoterik-Hauptstadt Freiburg.

Wir haben schon früher [5] auf dieser Seite über esoterisch verpacktes rechtes Gedankengut berichtet, wie es sich in den in Freiburg interessanterweise besonders zahlreich vertretenen Waldorf-Schulen mit ihrer Rudolf-Steiner-Pädagogik offenbart. Zitat:

Es ist kein Zufall, daß es in Freiburg, der Bundeshauptstadt der Esoterik, vier Waldorfschulen gibt. In Städten mit vergleichbar vielen Einwohnern wie Magdeburg, Halle, Lübeck, Erfurt, Rostock, Mainz, Kiel, oder Chemnitz gibt es jeweils nur eine, in Oberhausen gar keine.

Waldorfschulen sind Schulen, an denen nach der von Rudolf Steiner (1861–1925) begründeten Waldorfpädagogik unterrichtet wird. Steiners Lehre der Anthroposophie fand in Rudolf Hess, dem Stellvertreter des „Führers“, einen ihrer glühendsten Verfechter. Nicht zu Unrecht, denn in Steiners Werk findet man solche Aussagen wie die Behauptung, daß „Neger“ aufgrund ihres Stoffwechsels ein „starkes Triebleben“ hätten oder daß „Indianer transformierte Neger“ seien. Steiner war ein lupenreiner Rassist, dessen Schriften von den Nazis 1938 posthum wieder zugelassen wurden, nachdem sie 1935 verboten worden waren, und zwar auf Veranlassung des Nazipädagogen Alfred Bäumler. Und die Waldorfschulen? Deren Fortbestand in Dresden, Hamburg und Hannover wurde 1939 noch einmal ausdrücklich genehmigt, zu einer Zeit, in der alles, was mit dem Nationalsozialismus nicht halbwegs kompatibel war, schon längst nichts mehr zu melden hatte. [6]
In diesem Klima des Okkultismus und der spirituellen Rechthaberei, wo Glaubensgrundsätze und unbeweisbare – meist auf die Apokalypse zielende – Behauptungen in „Arbeitsgruppen“, „Seminaren“, „Tagungen“ und „Zentren“ mit großem Ernst diskutiert werden, in diesem Klima also, wo man tief in seinem Innern verspürt, ein guter Mensch zu sein, und das Ungerechte dieser Welt weit draußen bei den anderen wahrnimmt – hier fallen Fernsehberichte über Frauen und Kinder, die im Gazastreifen Opfer einer „wahllos mordenden israelischen Soldateska“ geworden sind, auf besonders fruchtbaren Boden.

Und natürlich auch die Kommentare von Inge Günther in der Badischen Zeitung zum Thema Israel. Inge Günther hat 10 Semester Heilpädagogik in Köln studiert, an welcher Hochschule auch immer. Die Heilpädagogin Günther lebt seit 1996 als Nahost-Korrespondentin die meiste Zeit in Jerusalem, jener Stadt, die weltweit zu den Städten mit der höchsten Journalistendichte zählt. Von dort kann man besonders gut über den „Apartheidsstaat“ Israel herziehen: man sitzt im klimatisierten Hotel und läßt sich von den palästinensischen Kameramännern und „Journalisten“ das Material liefern, was man in Deutschland so gerne liest.

Nämlich: daß wir früher mal als Deutsche gar fürchterlich unter den Juden gewütet haben, aber jetzt machen es die Juden genauso mit den Palästinensern. Deshalb, nur um die Juden in Israel davor zu bewahren, dieselben Fehler wie die Deutschen zu begehen, berichtet Inge Günther aus Jerusalem permanent kritisch. Nicht über die Palästinenser, sondern über Scharon, die Mauer und die Siedler. [7]

So schreibt sie am 17.08.2009 in der Badischen Zeitung:

Nach der blutigen Niederschlagung einer Al-Qaida-Gruppe in Gaza hat die palästinensische Hamas am Wochenende der islamistischen Konkurrenz den Kampf angesagt. Wer seine Waffen nicht herausrücke, werde hart bestraft, sagte der Hamas-Sprecher Taher al-Nunu.

Die Drohung richtete sich insbesondere gegen Mitglieder der Gruppierung „Dschund Ansar Allah“, eine sektenhafte Organisation. Ihr Anführer Abdel-Latif Moussa, 47 Jahre alt und Universitätsprofessor, hatte beim Freitagsgebet in Rafah „ein islamisches Emirat im Dienste von Osama bin Laden“ ausgerufen.

Daß die Hamas selbst eine Sekte ist, fiel Inge Günther beim Schreiben gar nicht auf. Denn die Heilpädagogin ist wie so viele andere Frauen von der Hamas fasziniert. Viktoria Waltz [10]von der Uni Dortmund, Helga Baumgarten [9],[11] von der Birzeit-Universität bei Ramallah, die deutsche Historikerin Katiana Orluc [12] oder Ulrike Putz [11]von SPIEGEL-Online: sie alle sind der Meinung, daß man mit der Hamas nur reden müsse. Dann werde alles gut. Aber die bösen Israelis wollen das ja nicht….


Statt mit der Hamas zu reden könnte man sich ja auch mit der Fatah an einen Tisch setzen. Auch dazu macht uns Inge Günther Mut: denn immerhin sei da ja ein Jude in den Revolutionsrat gewählt worden. Nämlich der 67 Jahre alte Uri Davis. Und jetzt habe „die jüngere Generation auch im Revolutionsrat das Sagen“.
Mehr schreibt sie zu diesem „Vorzeigejuden“ nicht. Unbedarften Lesern suggeriert sie auf diese Weise, daß die Fatah sich gewandelt habe: man ist toleranter geworden, es dürfen jetzt sogar Juden im „Revolutionsrat“ sitzen.

Um was für einen „Juden“ es sich in Wahrheit allerdings handelt, hat der Schweizer Tagesanzeiger beschrieben: [8]

Uri Davis, der an der El Kuds-Universität im Westjordanland Soziologie lehrt, gehört der Fatah seit 1984 an. Der 66-jährige Professor besitzt die doppelte israelisch-britische Staatsbürgerschaft, betrachtet sich aber selbst «an erster Stelle» als Palästinenser. Im Revolutionsrat der Bewegung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas will er alle «nicht-arabischen Aktivisten vertreten, die sich am palästinensischen Kampf beteiligt haben»
Davis engagiert sich seit den 1960er Jahren für das Anliegen der Palästinenser. Zunächst kämpfte er als Menschenrechtsaktivist gegen die Beschlagnahme von Land der arabischen Minderheit in Israel. Mit seinen zunehmend radikaleren Ansichten brachte er über die Jahre jedoch selbst fast die gesamte israelische Linke gegen sich auf.

Regelmässig prangert er Israel als «Apartheidsstaat» an, fordert einen Boykott seiner Institutionen sowie die Ersetzung des jüdischen Staats durch einen «demokratischen Staat gemeinsam mit den Palästinensern». Gemeinsam mit seiner palästinensischen Ehefrau lebt Davis im Westjordanland.

Obendrein ist Uri Davis 2008 auch noch zum Islam übergetreten. Wie man einen solchen antisemitischen Hetzer als Kronzeugen für eine angebliche Wandlung der Fatah von einer Terrororganisation hin zu einer toleranten politischen Vertretung der Araber in Palästina hochstilisieren kann, bleibt das Geheimnis der Heilpädagogin Günther.


Anmerkungen und Links

[1] Inge Günthers Vertreibung der Wahrheit
[2] Wikipedia über Freiburg
[3] Freiburg im Breisgau, Internetseite
[4] meatabolic centrum freiburg
[5] Evelyn Hecht-Galinski in Freiburg
[6] Marcus Hammerschmidt: Instant Nirwana,Verlag Alibri
[7] Inge Günthers FR-Artikel
[8] Der Tagesanzeiger über Uri Davis
[9] Friedensvermittler wollen mit Hamas verhandeln
[10] Ester Schapira über Viktoria Waltz
[11] Ulrike Putz von SPIEGEL-Online: Schalits Entführung bedeutet Hoffnung für Hunderte palästinensischer Familien
[12] Katiana Orluc: Sprecht mit der Hamas!

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