Friedensvermittler wollen mit Hamas verhandeln

Altherrenclubs von „Ex-Friedensvermittlern“

Es gibt verschiedene Methoden, wie man der Welt kundtun kann, daß man ein Konzept zur Lösung des Nahostkonflikts kennt. Die einfachste besteht darin, einen Brief direkt an den US-Präsidenten zu schreiben und diesen in einer ganzseitigen Anzeige in der FAZ zu veröffentlichen. Die Anzeigengebühr in Höhe von 67000,- Euro spielt für Leute wie den Milliardär Scheich Nasser Al-Kharafi dabei keine Rolle. Die zweite Methode besteht in der Veröffentlichung eines Leserbriefes in einer Zeitung wie dem britischen Guardian. Dazu tut sich dann ein Haufen antisemitischer Akademiker und „Autoren“ zusammen, schreibt etwas von „Unverhältnismäßigkeit“, „Massaker“ und „asymmetrischer Kriegführung“, setzt das ganze mit 322 Unterschriften in den Guardian und kommt sich dann schrecklich „friedensbewegt“ vor ([4], [5]). Und drittens gibt es dann noch Altherrenclubs von „Ex-Friedensvermittlern“ [3], die mal was zu sagen hatten, als sie noch Frieden vermittelten, und sich jetzt gerne mit Leserbriefen an die Londoner „Times“ in Erinnerung rufen.

Zu dieser dritten Gruppe gehören vierzehn ehemalige Verhandlungsführer im Auftrage der UNO oder anderer internationaler Organisationen, die sich in einem offenen Brief an das Nahost-Quartett gewandt haben und die Einbeziehung der Terrororganisation Hamas in den Friedensprozeß fordern. Klar, daß SPON (Spiegel-Online) als einer der ersten diesen Leserbrief aus der Times kommentierte, zumal unter den „Friedensvermittlern“ immerhin ein ehemaliger israelischer Aussenminister war: Shlomo Ben-Ami, laut SPIEGEL merkwürdigerweise von 2001 bis 2001 als Außenminister in der Regierung von Ehud Barak. Vor lauter Begeisterung über den „Vorzeigejuden“ Ben-Ami hatten die SPON-Redakteure vergessen, ihren Text ein zweites mal zu lesen und die Amtszeit Ben-Amis zu korrigieren: November 2000 bis März 2001.

Frieden ohne Hamas

Doch auch die Mitarbeit eines ehemaligen israelischen Aussenministers an diesem Leserbrief läßt keinen Zweifel daran, daß die 14 mit ihrem Konzept „Kein Frieden ohne Hamas“ völlig falsch liegen. Denn genau die Umkehrung wäre richtig gewesen:Frieden nur ohne Hamas.

Wer behauptet, es könne keinen sinnvollen Friedensprozeß geben, in den nur die Repräsentanten des einen Teils der Palästinenser eingebunden sind,

während man gleichzeitig versucht, den anderen Teil zu zerstören,

den könnte man fragen, ob es sich denn hier um zwei gleichartige „Teile der Palästinenser“ handelt. Und gleichzeitig die Antwort mitliefern: liebe Ex-Friedensvermittler, es gibt keinen sinnvollen Friedensprozeß, solange man alle betroffenen Bevölkerungsgruppen und deren „Repräsentanten“ unterschiedslos an einen runden Tisch setzt und erwartet, daß sie sich auf einen Kompromiß einigen. Zumal die Repräsentanten des einen Teils, nämlich eine Terrororganisation namens Hamas, gar kein Interesse an solchen Verhandlungen haben. Haben die 14 Vermittler – bei allem Respekt vor ihren Leistungen in der Vergangenheit – vergessen, daß die Hamas im Artikel 13 ihres Parteiprogramms (der sog. „Hamas-Charta“) folgendes schreibt:

Friedensinitiativen und so genannte Friedensideen oder internationale Konferenzen widersprechen dem Grundsatz der Islamischen Widerstandsbewegung. Die Konferenzen sind nichts anderes als ein Mittel, um Ungläubige als Schlichter in den islamischen Ländern zu bestimmen … Für das Palästina-Problem gibt es keine andere Lösung als den Jihad. Friedensinitiativen sind reine Zeitverschwendung, eine sinnlose Bemühung.

Israel existiert bis der Islam es ausgelöscht hat

Deutlicher kann man seine Verachtung für Friedensbemühungen und Verhandlungen nicht ausdrücken. Und wie man diese Religionsfanatiker angesichts des in der Präambel zur Charta ausgedrückten Wunsches
„Israel existiert und wird weiter existieren, bis der Islam es ausgelöscht hat, so wie er schon andere Länder vorher ausgelöscht hat“
davon überzeugen will, daß der wichtigste erste Schritt für die Hamas die Einstellung jeder Art von Gewalt als Vorbedingung für ihre Einbeziehung in den Verhandlungsprozess ist, bleibt ein Rätsel. Seit Jahren wird diese Forderung gestellt, und genau das will die Hamas nicht: Gewalt ist für die Islamisten die einzige Sprache, die sie verstehen.

Das jedoch unterscheidet sie nicht von vielen anderen Parteien in den Konfliktherden, in denen die 14 Ex-Friedensvermittler zuvor tätig waren: Tamilen-Tiger, Separatisten in Nordirland und dem Baskenland oder serbische Nationalisten haben in der Tat allesamt massiv Gewalt angewendet – zum Teil mit denselben Methoden wie die Hamas (Selbstmordattentate). Keine dieser Bewegungen hatte es sich aber zum Ziel gesetzt, gleich das ganze Land statt nur eines Teiles für sich zu beanspruchen. Nicht so dagegen die Hamas in Artikel 11 ihrer Charta:

Das Land Palästina ist ein Islamischer Waqf (Heiliger Besitz), der den kommenden Generationen der Moslems bis zum Ende der Zeiten als Vermächtnis gegeben wurde. Es darf weder darauf verzichtet werden, noch darf etwas davon abgetrennt werden.


Und vom Land Palästina (das es im übrigen ja gar nicht gibt) ist es für die Fanatiker der Hamas nur noch ein kleiner Schritt bis zur Weltherrschaft, wie der folgende Auszug aus einer Rede des politischen Führers der Hamas, Khaled Mashal, in der al-Marabat Moschee in Damaskus, live am 3. Februar 2006 vom arabischen Sender Al-Jazeera übertragen, zeigt:

Wir sagen dem Westen, Ihr werdet eine Niederlage in Palästina erleiden und diese Niederlage hat bereits begonnen. Israel wird besiegt werden und jeder, der Israel unterstützt und unterstützt hat, wird auch besiegt werden. Amerika wird im Irak besiegt werden. Das Volk Mohammeds wird in Palästina, im Irak und auf dem gesamten arabischen und moslemischen Boden siegen. Morgen wird unsere Nation der Herrscher der Welt sein! Morgen werden wir die Welt anführen!

Einbeziehung der Hamas: Garantie für das Scheitern eines Friedensprozesses

Die Einbeziehung der Hamas in irgendwelche Verhandlungen oder „Friedensprozesse“ ist daher keineswegs die Vorbedingung für Sicherheit und für das Zustandekommen eines funktionierenden Abkommens. Sie ist eher das genaue Gegenteil, nämlich die Garantie für das Scheitern eines Friedensprozesses, der von der Hamas verlacht wird und allerhöchstens der Durchsetzung immer neuer Forderungen an die westliche Welt dient.

All das müßte einem gebildeten Europäer verdächtig bekannt vorkommen. Schon einmal, von 1933 bis 1939, haben „Friedensvermittler“ versucht, mit einem terroristischen Regime Verhandlungen zu führen. Wohin die Appeasement-Politik führte, ist bekannt: 50 Millionen Tote und mehrere fast vollständig zerstörte Länder in Europa. Das hätte vermieden werden können, wenn man den deutschen Nazis rechtzeitig mit Gewalt entgegengetreten wäre.

Die Schlußfolgerung, Friedensvermittlungen seien in Nordirland, Bosnien oder Ceylon obsolet und müßten durch harte Militärschläge ersetzt werden, ist dagegen genauso unsinnig wie das Umwerben der Hamas für die Teilnahme an Verhandlungen. Denn in all diesen Fällen handelte es sich nicht um größenwahnsinnige Islamisten, die die Weltherrschaft anstreben und rund um den Globus mittelalterliche Verhältnisse einführen wollen. Verhandlungen sind nicht per se unsinnig und haben vielfach Konflikte lösen können. Nur: wer den Tod mehr liebt als das Leben, ist für Argumente in „Verhandlungen“ nicht zugänglich.

Obwohl man den Brief der 14 Ex-Friedensvermittler angesichts der erdrückenden Beweise für den Wahnsinn der Hamas kaum noch als ernstzunehmenden politischen Vorschlag einordnen kann, gibt es auch hier eine Steigerung, nämlich ein Interview mit einer deutschen Professorin namens Helga Baumgarten, bei der sich die letzte Gehirnzelle aus lauter Einsamkeit schon vor langer Zeit aufgehangen haben muß. Denn diese „Professorin für Politikwissenschaft an der palästinensischen Universität Bir Zeit“ schreibt in einem kommunistischen Internetmagazin namens „marx21“ zum Thema Hamas:

Die Hamas ist eine politische Bewegung. Sie ist eine religiös-nationalistische Organisation – mehr nationalistisch als religiös. Ihr Ziel ist die Beendigung der israelischen Besatzung der palästinensischen Gebiete und die Errichtung eines unabhängigen Staates. Ich halte die Hamas und ihre gegenwärtige Führung für eine Partei mit einer eher pragmatischen Ausrichtung. Sie ist bereit zu Kompromissen. Deswegen sollten mit der Hamas politische Beziehungen aufgenommen werden.

Anhang

Vollständiger Text des Times-Leserbriefes
[1] Offener Brief in der Londoner Times vom 26.09.2009
[2] Helga Baumgarten in „marx21“
[3] Spiegel-Online: 14 Ex-Friedensvermittler fordern Ende des Hamas-Boykotts
[4] Gaza: Israel muss verlieren – Eine kollektive Erklärung britischer Akademiker und Autoren im britischen Guardian
[5] Übersetzung der kollektiven Erklärung britischer Akademiker und Autoren im britischen Guardian
[6] Hamas-Sonderausgabe des Newsletters der israelischen Botschaft

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