Schamanen, Gurus und zum Islam Konvertierte bei Maischberger


Wenn Menschen bei Maischberger zusammensitzen, um sich zum Thema „Allah, Jesus, Manitu – Gebrauchsanweisung zum Glück?“ auszutauschen (wie am 02.06.09), dann gibt es für ungläubige Fernsehzuschauer einen guten Grund, das Programm zu wechseln oder die Kiste ganz auszuschalten. Wer dagegen nicht abschaltete und Maischbergers Irrenclub im ARD mitverfolgte, hatte dann wenigstens etwas zum lachen: eine indianische Schamanin, ein gealterter Bhagwan-Jünger, eine Dresdner Mutter Teresa und eine zur „Religion des Friedens“ konvertierte Ex-MTV-Moderatorin waren die Garantie für eine Stunde Lachtraining. Wie immer, wenn Maischbergers Runde sich mit fliegenden Untertassen, Wünschelruten oder Geistheilern beschäftigt, bestehen solche Diskussionsrunden zum größten Teil aus okkultistischen Quatschköpfen, denen höchstens ein oder zwei normale Mitmenschen gegenübersitzen. In diesem Fall waren das Werner Schneyder, dem „die Religionen auf die Nerven gehen“ sowie die frühere Ärztin Esther Vilar, die sich im Kreise der anwesenden Schamanen, Ex- oder Noch-Gurus und religiös Bekehrten an ihre Zeiten im Irrenhaus erinnert fühlte.

Das Irren-Spektakel begann damit, daß die „Schamanin“ Christa Schaffrik-Yellowtail allerlei Düfte aus einer Muschelschale in ihren Händen im Studio herumfächelte – natürlich mit einer echten Vogelfeder. Gefragt, warum sie das mache, antwortete sie:

Schaffrik-Yellowtail:

Ich räuchere, ich versuche diese Schwingungen hier im Studio zu reinigen und zu klären, und uns alle, unser aller spirituellen Anspruch etwas höher zu machen, also uns auf ’ne höhere Ebene zu bringen, und hoffe, daß es uns allen gut tut, bei dieser Sendung, bei der es ja auch um Geist geht, also ich versuche die Schwingungen anzuheben, daß wir eine geistreiche Sendung machen…
Die Verbindung zwischen Himmel und Erde, die Verbindung zwischen Ost und West und… und wie gesagt, die Energien zu reinigen und sie in ’ne höhere Schwingung zu versetzen, und wenn Sie erlauben, würde ich gerne mit einem kleinen Gebet starten…

Maischberger: bitte!

Schaffrik-Yellowtail:

Ich räucher zuerst in die vier Himmelsrichtungen…

Maischberger:Ich wüßte gar nicht, wo die jetzt bei uns sind…

Schaffrik-Yellowtail:

ja, da ist, hab ich mir sagen lassen, Norden, Süden, Osten, Westen, zum Himmel, und zur Erde (macht die entsprechenden wedelnden Bewegungen mit ihrer Feder). Also die 6 Richtungen. (…indianisches Gebrabbel…) Great Spirit, lieber Gott, du großes Geheimnis, ich danke dir von ganzem Herzen, daß du uns heute nach…so kurz nach dem Pfingstfest hier zusammengeführt hast. Und ich bitte dich:…äh…mache daß wir unsere Herzen öffnen und daß wir aus dem Herzen sprechen, und nicht aus unserem Ego und nur aus dem Verstand. Ich wünsche mir, daß es eine Sendung wird, die zum Wohle aller Lebewesen ist, und daß niemand durch das, was hier gesprochen wird …äh…verletzt ist, sich verletzt fühlt. Das ist mein Anliegen.
(…Unverständliches indianisches Gemurmel…) Dankeschön, ich danke Ihnen allen.

Maischberger: Dankeschön.

Während der vielen Dankeschöns rollten sich Werner Schneyders Augen gen Himmel, während Esther Vilar zu Boden blickte, um nicht in Gelächter ausbrechen zu müssen. Beide hätten aber besser so gehandelt wie seinerzeit Joachim Bublath, der schon einmal Maischbergers Studio vorzeitig verlassen hatte, nachdem ihm die durch Außerirdische und fliegende Untertassen erleuchtete Nina Hagen auf die Nerven gegangen war. Statt dessen mußten sie sich nun – sofern ihnen die Moderatorin das Wort dazu erteilte – mit dem Schwachsinn auseinandersetzen, den die anderen vier mehr dem Geist als dem Verstand zugewandten Idioten von sich gaben.

Denn gleich im Anschluß an diese kindische Vorstellung einer von einem listigen Indianer verführten frustrierten ehemaligen Chefsekretärin bestätigten die anderen drei Armleuchter deren herbeigeräucherte Erkenntnisse. Kristiane Backer (laut Untertitel wurde diese als „MTV-Redakteurin“ berühmt, was nicht gerade eine intellektuelle Auszeichnung ist) betet „auch zu dem einen Gott, den es gibt, und wünsche mir, daß sich die Herzen öffen, daß wir von Herzen sprechen, kann ich alles unterschreiben…“,
Sabine Ball „betet zwar zu einem anderen Gott, ja, und ich glaube, meine Gebete erreichen den Herrn auch, ja, is ’ne andere Richtung“, und Jörg Andres Elten, der Baghwan-Jünger, sagt nur „ja“.
Irre unter sich, könnte man denken. Sie sprechen dieselbe Sprache, reden denselben Unsinn, und haben dieselben Feinde. Ihr größter Feind ist der selbstbestimmte, vom Verstand gelenkte Mensch, den es „auszuschalten“ gilt, wie man in dieser Runde nicht müde wird zu behaupten. Das Ziel ist, so Schaffrik-Yellowtail, „die Gedanken zu verjagen“, einen „reinen“ Menschen zu schaffen, seine Energien und seine Aura sollen gereinigt werden, und dazu bedient man sich solch lachhafter Hilfsmittel wie Steine, Federn und ausgestopfter Schildkröten. Natürlich haben alle Krankheiten ausschließlich seelische Ursachen, davon ist die Runde ebenso überzeugt wie davon, daß man mittels Homöopathie nicht nur Zahnschmerzen, sondern auch Depressionen und Zappelphillip-Syndrome heilen kann. Denn, so

Kristiane Backer:

Gerade die Homöopathie wirkt auf seelische Probleme, emotionale, geistige und körperliche, also genau an die Ursachen rangehen…

Maischberger: Man lernt dazu…

Ja liebe Sandra Maischberger, man lernt vor allem, daß das Gedankengut der Esoterik (und dazu zählt selbstredend die Homöopathie), die schon seit eh und je unmittelbar kompatibel mit rechtsextremen Ideologien ist [1], in gewissen deutschen Fernsehstudios ganz ungeniert verbreitet werden darf. Denn, und das kennzeichnet die Maischberger-Runde, die Kritiker, die wenigen, die in dieser und anderen Sendungen zu Worte kommen dürfen, werden entweder schnell abgewürgt oder sind durch die Masse der Quacksalber dermaßen eingeschüchtert, daß ihre Beiträge fast wie eine Entschuldigung wirken, daß sie zufällig anderer Meinung sind.

All diesen „Heilsbringern“, seien es nun Koran-Gläubige, Ex-Sanyassins, indianische Schamanen oder zum Christentum übergetretene Ex-Millionäre, ist eines gemeinsam: sie träumen vom komplett manipulierbaren Menschen, jenem Lockeschen Ideal des „unbeschriebenen Blattes“, das schon Stalin, Hitler und Mao zur Verwirklichung ihrer Träume von einem Idealtypus Mensch brauchten. Und am besten manipulierbar ist eben immer noch derjenige, der keine dummen Fragen stellt, der den Befehlen der Gurus folgt und seinen Verstand am Eingang des Ashram abgegeben hat (Schuhe und Verstand bitte draußen lassen [2]) oder schon vorher durch indianische Schamanen seine unreinen Gedanken hat ausräuchern lassen.


Solchermaßen „geläutert“ sitzt dann so jemand wie der von Maischberger großartig angekündigte ehemalige „Star-Journalist“ des STERN Jörg Andrees Elten im Studio und erheitert die Zuschauer mit seinen intellektuellen Implosionen. Man fühlt sich sogleich an den anderen „Starjournalisten“ des STERN erinnert, Gerd Heidemann, der ebenso wie Jörg Andrees Elten auf einen Guru reingefallen war. Im Gegensatz zu Heidemann, dessen Dummheiten wenigstens noch den Stoff zu einer Filmkomödie mit dem Titel „Schtonk“ hergaben, ist die Geschichte von Elten weniger interessant, weil er am Ende das macht, was eigentlich alle in der Esoterik-Szene machen: Geld verdienen durch das Anbieten von „Seminaren“. In seinem „Institut für Kreativität & Meditation“ kann man sich z.B. für rund 1000,- Euro zum Meditationsleiter ausbilden lassen oder auch mal an einem Wochenende „Ausdrucksmalen“ für 185,- Euro teilnehmen. Die Unterbringung erfolgt natürlich im Bio- und Gesundheitshotel „Gutshaus Stellshagen“ mit vegetarischer Küche (Esoteriker sind häufiger als normale Menschen Vegetarier). Das Seminargebäude ist Teil dieses Bio-Hotels, und so kann man sich leicht vorstellen, daß das Geschäft mit den Kunden, die ihr Geld für diesen Schwachsinn ausgeben, bestens läuft. Guru Elten und seine Partnerin Martina Kaltenbach bekommen dann solche Leserbriefe wie den folgenden [3]:

Ich kann immer wieder neu anfangen, auch wenn alles ganz schwarz und braun aussieht… und dies nicht nur auf dem Papier, sondern auch im Leben! Gerade dann, wenn ich nicht mehr weiter weiss, lohnt es sich, etwas neues auszuprobieren, z.B. eine neue Farbe.

Das sind die tiefliegenden Erkenntnisse, die die Kunden aus diesem Institut mitnehmen: Wenn man nicht mehr weiter weiß, einfach mal die Farbe wechseln. Vom Braunhemd zum Rothemd, vom Rothemd zum grünen Hemd, und wenn man für Deutschlands einzige Esoterik-Partei, Die Violetten [4], in den Bundestag ziehen will, reicht auch einfach ein violettes Hemd. Oder ein weiteres Mal-Wochenende bei Elten/Kaltenbach mit vegetarischer Zwangsverpflegung.
Eines jedenfalls hat Elten aus seiner Zeit beim Bhagwan in Poona gelernt: wie man sich an der Psychoszene bereichert. Denn die Ausbeutung seiner Anhänger beherrschte schon der Oberguru Osho, wie sich der gottgleiche Depp Bhagwan damals nannte, perfekt: bis zu 93 Rolls-Royce hatten die ihm „geschenkt“, soz. als Spende für den einsamen alten Mann, so wie auch Christa Schaffrik-Yellowtail ganz selbstverständlich von sich behauptet, sie lebe von den „Spenden“ ihrer Kundschaft.
Von Maischberger befragt, wozu der „Erleuchtete“ diese Autoflotte brauchte, meinte Elten, der Bhagwan sei eben wie alle Meister auch umstritten gewesen:

Elten:
Wenn dieser Mann unumstritten wäre, dann wäre er kein Meister.

Maischberger:
Das müssen Sie mir erklären.

Elten:

Na ja, war Jesus unumstritten, zu seiner Zeit?

Maischberger:

Ja, aber wenn man im Umkehrschluß alle, die umstritten sind, zum Meister macht, dann haben wir eine Welt von Meistern!

Elten:
nein, das meine ich nicht. Wenn er…

Schneyder:

Jesus hat dem Vernehmen nach eher Geld verteilt, oder?
Und der Bhagwan hat eisern kassiert…ich kenn Väter, deren Kinder…

Elten:
Können Sie mir mal sagen, wo Osho seine Hochseeyacht und seine Immobilien hat? Können Sie mir das mal beweisen? Oder sagen, wo das Geld geblieben ist?

Schneyder:
Ich weiß von Vätern, wo Kinder bei dem Bhagwan waren, und da kam der halbjährliche Hilferuf, sie brauchen Geld, sonst müssen sie dieses Camp verlassen.

Elten:

Haben Sie das jetzt aus der Bild-Zeitung oder von anderen?

Schneyder:
Vom Vater, vom verzweifelten Vater.

Elten:
Ich hab drei Töchter dort gehabt. Und diese Kinder haben diese Nöte nicht gehabt. Jeder ist für sich selbst verantwortlich.

Klar haben die diese Nöte nicht gehabt. Entweder haben sie sich als Prostituierte in den benachbarten Orten verdingt oder sie bekamen von Papi regelmäßig ihren monatlichen Scheck – denn der verdiente schon bald mit seinen Berichten aus Poona ordentlich Kohle. Aber von dieser niederen materiellen Ebene mochte Elten im Studio wohl nicht so gerne reden, statt dessen fragte er nun die Moderatorin, ob sie auch das Gefühl habe, daß

Elten:
es in unserer Zeit ein Ungleichgewicht zwischen Materie und Geist gibt? Würden sie das unterschreiben?

So ging es weiter. Unerträglich, widerlich, dümmlich und lachhaft. Natürlich war auch das, was die Muslimin und die christliche Mutter Teresa Dresdens zur Diskussion beitrugen, nicht dazu geeignet, der Sendung einen irgendwie gearteten ernsthaften Touch zu verleihen. Vier Menschen, die irgendwo weit weg von der Realität leben, zwei kritische, die kaum gefragt wurden, und eine Moderatorin, die ihre eigenen gelegentlichen kritischen Äußerungen schon im nächsten Satz entschuldigend abmildert („Wie fühlen Sie sich? Was hat es für Sie gebracht? Was unterscheidet Sie von dem, der Sie früher waren?“), das alles führte dann doch vorzeitig zum Abschaltknopf: Schluß mit lustig!


Anhang

  • Indianer sind die besseren Menschen: Hallo Ü-Wagen am 30.05.2009 zum Thema: „Quietscht das? Sex im Alter“

    Dr. Ulrike Brandenburg (Paar- und Familientherapeutin aus Aachen), auf die Frage „Wann beginnt das Älterwerden in Bezug auf Sex?“:

    Ich glaub, ’s gibt zwei verschiedene Alter. Ich glaube wenn Sie die Frauen z.B., ich sprech jetzt mal von den Frauen, oder wenn ich auch an mich persönlich denke, fragen: wie fühlen Sie sich denn eigentlich, fühlst du dich „alt“? Dann würden die glaub ich zunächst mal antworten die meisten Frauen so wie sie denken, daß man sie wahrnimmt. Wir haben z.B. mal ne Befragung gemacht, 50 Frauen über 65 befragt, von denen eigentlich viele sagten „ich fühl mich noch relativ jung, aber ich bin doch alt“. Also ich glaub, Susan Sonntag, eine Schriftstellerin, hat es mal so schön gesagt, die hat gesagt: für die Frau gibt es eigentlich nur ein Alter, wo sie wirklich wertvoll ist, und das ist so das Alter des jungen Mädchens. Ne, und so glaub ich gelten wir ja als Frauen nur etwas in der Öffentlichkeit, für den Mann, sagt sie, gibts zwei Alter, nämlich das des „knackigen Burschens“, und das des „älteren Herrn mit den grauen Schläfen“.

    Julitta Münch: Der wird dann auch wieder attraktiv.

    Brandenburg: Der wird dann auch nomma attraktiv. Und deswegen ist es glaube ich gerade für uns Frauen so wichtig hinzugucken: wie fühl ich mich, und wie bewerten mich, was sich die Normen, die Medien usw. Ich mein das ist son schleichender Prozeß, daß wir uns dem wie wir so von außen, und da glaub ich isses wirklich knallhart, da gehts mit 40 los, also ich hab gesagt, da sollte man ab 40 vielleicht in Kulturen, es gibt ja andere Kulturen, wo die Frau an Wert nich so sehr verliert wie bei uns, durch das Alter. ’ne, ’s gibt alte indianische Kulturen, wo einfach Frauen mit steigendem Alter an Wert gewinnen. Das ist schon spannend, ne also, gesagt, wir sollten da mit 40 spätestens um Asyl bitten oder sowas…

  • Oliver Kalkofe veräppelt eine Sendung von Telemedia.

    Hallo, ich bin Ursula Kiara-Schubert,indianische Schamanin, Kartenlegerin, Numerologin, bin hellsichtig/hellfühlig, und arbeite in allen Bereichen Ihres Lebens. Meine Schwerpunkte sind neben den Vierbeinern die jungen Zweibeiner, die Kinder, das innere verletzte Kind aber auch die Kristallkinder, die Sternenkinder und die Indigokinder.

    Oliver Kalkofe (als Frau Schubert verkleidet):
    Kindische Schamanin, indianische Schimpansin und windige Schabrackin, Kartenabreißerin, Eierlegerin, Numerologin, Urologin und Schlumpfologin, ich bin auch hellhörig, kurzsichtig und unwichtig, und ich arbeite in allen Bereichen Ihres Lebens, die mich nichts angehen. Meine Schwerpunkte sind im Hüft-, Hintern- und Bauch-Bereich, und besonders kümmere ich mich neben den Einzellern um die jungen Dreibeiner, aber auch um die Kinder, das innere Kind, das äußere Kind, das Doppelkinn, Kinder aus Kristall, aus Holz mit Strippen dran, Sternenkinder, Nachbarskinder, Computer-Inder, Katzenschinder und BSE-Rinder. Eigentlich kann ich alles außer normal sein und keinen Schwachsinn reden, haha, ich freue mich auf Ihren Anruf!

  • Links

    [1] Colin Goldner: Die Psychoszene, Alibri-Verlag
    [2] WIKIPEDIA über den Bhagwan Osho
    [3] Institut für Kreativität & Meditation
    [4] Partei „Die Violetten“

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