Dresden 1945: 25000 oder 250000 Tote?

Im Blog von Klaus Peter Krause [1] gab es im Februar 2015 eine kleine Diskussion über die Opferzahlen der Luftangriffe auf Dresden im Februar 1945. Unter der Überschrift „Wieviele Bombenopfer in Dresden waren es wirklich?“ wurde dort die seit 70 Jahren in gewissen Kreisen herumgeisternde Behauptung

Statt 25000 eher 250000 Tote des Bombenterrors von Briten und Amerikanern

als „beweisbar“ hingestellt, und zwar u.a. aufgrund einer „Analyse“ von einer Frau Karin Zimmermann ([6]).
Ich habe Herrn Krause daraufhin folgenden Leserbrief geschrieben, den er auch in seinem Blog veröffentlichte:

Es ist schon erstaunlich, mit wie wenig Fachkenntnis hier alle möglichen absurden nazikompatiblen Behauptungen aufgestellt werden. Wie zum Beispiel die Totenzahlen von Dresden.
Da sind es einmal 300.000, dann wieder „mindestens 250.000“, manchmal auch „nur“ 200.000, jedoch erscheint den meisten in diesen Kommentaren die Zahl 25.000 als völlig unwahrscheinlich.

Diese Meinung kann nur jemand haben, der Null Ahnung von der Arbeit der Historiker in den letzten 60 Jahren zu diesem Thema hat.
Oder überhaupt wie der Blogger Reinhard Lütkemeyer aus Bad Godesberg die Meinung vertritt,

„Die genaue Zahl der Bombenopfer konnte nie ermittelt werden. Jüdische pseudowissenschaftliche Propagandaschriften aus neuerer Zeit sprechen deshalb verharmlosend von nur 25.000 Opfern.“

Lütkemeyers Website “scusi” http://scusi.twoday.net/) wurde schon mal von Reinhard Mohr in Spiegel-Online (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,632499,00.html) explizit als antisemitisch bezeichnet.

Anscheinend vertrauen Sie, Herr Krause, ähnlich wie Lütkemeyer bei ihren „Recherchen“ offensichtlich lieber dem britischen Holocaustleugner David Irving, der die Tagebücher der Anne Frank als Fälschung bezeichnete und bei seiner Behauptung über 202.040 Tote in Dresden seinerseits einer Fälschung aufgesessen war. Den von ihm als Beweis über Jahrzehnte immer wieder vorgelegten “Tagesbefehl Nr.47″ des höheren SS- und Polizeiführers Dresden hatte nämlich das Goebbelsche Propagandaministerium passend korrigiert:

„In Ehlichs Abschrift betrug die damals aktuelle Zahl der Todesopfer 20.204, die Zahl der insgesamt erwarteten Opfer 25.000 und die der kremierten Leichen 6.865. Offenbar hatte irgendjemand, wahrscheinlich aus Goebbels’ Propagandaminsterium, das Dokument grob gefälscht, indem er einfach an jede dieser drei Zahlen eine Null anhängte.“

Einer der besten Kenner der Luftangriffe auf Dresden, der Historiker und Zeitzeuge Götz Bergander, hatte diese Fälschung schon 1977 aufgedeckt. Irving hat jedoch immer wieder versucht, die Opferzahlen in Dresden nach oben zu “korrigieren”, sogar nachdem er die obige Fälschung in einer neuen Ausgabe seines Buches “Der Untergang Dresdens” zugeben mußte. Seine Halsstarrigkeit kostete ihn schließlich 2 Millionen Pfund Gerichtskosten für den Verleumdungsprozesses, den er im Frühjahr 2000 in London gegen die amerikanische Historikerin Deborah Lipstadt und ihren Verlag Penguin Books angestrengt hatte. Seitdem ist er ein vom Gericht bestätigter “Antisemit und Holocaustleugner”.

Und, liebe Freunde dieses Blogs von Karl Peter Krause, selbst wenn ihr nichts von der ganzen Problematik um die Opferzahlen wißt, dann hättet ihr euch wenigstens den Abschlußbericht der Historiker-Kommission der Stadt Dresden durchlesen können, die Ende 2008 ihr Ergebnis veröffentlichte:


„Im Ergebnis der Untersuchungen der Kommission sind bislang 18.000 Dresdner Luftkriegstote nachgewiesen worden, die den Luftangriffen zwischen dem 13. und 15. Februar 1945 zuzuordnen sind. Die Kommission geht von maximal 25.000 Menschen aus, die während der Februar-Luftangriffe in Dresden ums Leben gekommen sind. „

18.000 sind also definitiv nachgewiesen worden! Und wer saß in dieser Historikerkommission ?

Götz Bergander, Berlin, selbst Zeitzeuge der Bombardierung Dresdens und Autor der Publikation “Dresden im Luftkrieg”,
die Luftkriegsexperten Dr. Horst Boog, Steegen, und Dr. Helmut Schnatz, Koblenz,
Wolfgang Fleischer vom Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden,
der Amtsleiter des Stadtarchivs Dresden Archivdirektor Thomas Kübler,
Prof. Dr. Rolf-Dieter Müller vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt der Bundeswehr Potsdam,
Dr. Rüdiger Overmans, Freiburg, als ehemaliger Mitarbeiter dieses Institutes und
Dr. Alexander von Plato , Leiter des Bereiches “Oral History” an der Fernuniversität Hagen.

Weiterhin gehören zur Kommission Matthias Neutzner als Vertreter der Interessengemeinschaft “13. Februar 1945″ e.V.,
der am Stadtmuseum Dresden tätige Wissenschaftler Friedrich Reichert,
die Dresdner Historikerin Nicole Schönherr vom Frauenstadtarchiv und Zeitzeugenarchiv Dresden und
Dr. Thomas Widera vom Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. an der TU Dresden.
Die wissenschaftliche Leitung hatte Prof. Müller übernommen.

====> Und das sollen alles jüdische Geschichtsverfälscher sein?

Und noch ein letztes zu den ach so schlimmen Tieffliegerangriffen in Dresden. Erstens gibt es auch über dieses Thema Untersuchungen von Historikern, die garantiert mehr von der Sache verstehen als ein Klaus Peter Krause ([1] (z.B. Helmut Schnatz: Tiefflieger über Dresden? Legenden und Wirklichkeit, Mit einem Vorwort von Götz Bergander).

Und zweitens kann man sich auch einfach den Artikel „Warum gab es keine Tiefflieger über Dresden?“ (Untertitel: Obwohl zahlreiche Zeitzeugen das Gegenteil glauben, sind sich seriöse Historiker sicher: Am 13. und 14. Februar 1945 flogen alliierten Jäger keine Angriffe auf das bombenzerstörte Dresden.) verfasst von Sven Felix Kellerhoff in der Zeitung „Die Welt“ vom 22.05.13 durchlesen. Wer dann immer noch glaubt, daß mindestens 200.000 Deutsche in Dresden umgekommen sind, kann sich ja als Hilfsredakteur beim Panzerarchiv (http://forum.panzer-archiv.de/viewtopic.php?t=2506) bewerben. Da trifft er dann auf Gleichgesinnte.


In einem 2.Leserbrief habe ich folgendes geschrieben:

Die von Dr. Klaus Peter Krause als

sachkundige couragierte Frau Karin Zimmermann, Jahrgang 1941, die sich mit zahlreichen politischen Themen befasst und sich öffentlich dazu äußert

beschriebene Dame hat in ihrem Bericht, der dem Artikel von Krause zugrunde lag, auch mehrfach David Irving zitiert. Sie erwähnt ihn in ihrer “Untersuchung” über die Bombardierung Dresdens auf den Seiten 18, 27 und 44.

Natürlich nur als Kronzeugen für ihre Behauptung, daß die Historikerkommission in Dresden aus unfähigen, von der Stadt Dresden extra ausgewählten Personen bestand, allesamt US-Bewunderer, die die Anzahl der Toten auf jeden Fall unter die 25.000 drücken wollten.

Frau Zimmermann vergaß zu erwähnen, was über Irving bekannt ist, möglicherweise hält sie es auch für Wikipedia-Greuelmärchen:

“.. ist ein britischer Geschichtsrevisionist und Holocaustleugner. Er verfasste etwa 30 Bücher über die Zeit des Nationalsozialismus, darunter 1963 ein Buch über die Luftangriffe auf Dresden, das ihn bekannt machte.

1977 leugnete er Adolf Hitlers Initiative am Zweiten Weltkrieg und sein Wissen vom Holocaust bis 1943. Dadurch verlor er allmählich sein bisheriges Ansehen als seriöser Sachbuchautor. Seit 1988 bestreitet er öffentlich den Vernichtungszweck der Gaskammern und Krematorien der Konzentrationslager Auschwitz. Er wurde deshalb in mehreren Staaten strafrechtlich verurteilt und erhielt Einreiseverbote.

1977 bewies ein Fund Götz Berganders endgültig die Fälschung der Opferzahlen: Im Propagandaministerium von Joseph Goebbels war an jede Originalzahl zu bereits kremierten (6.865), registrierten (20.204) und erwarteten (25.000) Toten eine Null angehängt und so die Zahlen verzehnfacht worden, um die Luftangriffe in der Auslandspresse als Verbrechen darzustellen.”

Irving, der in mehreren seiner Bücher behauptet hatte, Anne Franks Tagebücher seien eine Fälschung, obwohl das BKA bereits 1980 in einem Gutachten ein für alle mal die Echtheit geklärt hatte, verstieg sich im Prozess gegen den Verlag Penguin Books und die amerikanische Religionswissenschaftlerin Deborah Lipstadt zu der Behauptung, dass „auf dem Rücksitz von Senator Edward Kennedys Auto in Chappaquidick mehr Frauen starben als in den Gaskammern von Auschwitz.“

Diese Tatsachen sind seit langem bekannt. Warum geht Frau Zimmermann mit keinem Wort auf die erwiesene Fragwürdigkeit von Irvings Ausführungen zum Thema Dresden ein?

Und warum stellen Sie selbst, Herr Krause, keinerlei kritische Fragen zum Thema “David Irving” in Zimmermanns Untersuchung?

Sie haben, um bei Ihren Worten zu bleiben, offensichtlich weder die Bücher von Götz Bergander noch die Ausführungen von Helmut Schnatz (incl. seiner neueren Nachträge zum Thema) gelesen.


Nach diesem Beitrag war der Herr Karl Peter Krause nicht mehr gewillt, einen weiteren Leserbrief von mir in seinem Blog zu veröffentlichen. Das kann ich gut verstehen!

Anmerkungen und Links

[1] Homepage von Klaus Peter Krause
[2] Klaus Peter Krause: Wieviele Bombenopfer in Dresden waren es wirklich?
[3] Gert Bürgel: Tiefflieger – Dresden 1945
[4] Sächsische Zeitung vom 30.03.2009: Hobbyforscher liefert Zeugen für Tiefflieger
[5] Panzer-Archiv.de über die Dresdner Opferzahlen
[6] Karin Zimmermann über die Opferzahlen und Tieffliegerangriffe
[7] Die WELT: Warum gab es keine Tiefflieger über Dresden?
[8] Helmut Schnatz: Nachträge Tiefflieger über Dresden
[9] Die WELT: Das Rätsel der Tieffliegerangriffe auf Dresden
[10] Die WELT Geschichts-Dossier über Tiefflieger über Dresden


Leserbrief von David Irving in der Times vom 7. Juli 1966:

Sehr geehrte Damen und Herren –

Ihre Zeitung genießt einen beneidenswerten Ruf, was Genauigkeit
angeht, und Ihre Bereitschaft, auch die kleinsten Fehler von
einem Tag auf den nächsten zu korrigieren, weckt gewiss die
Begeisterung Ihrer Leser; wie aber soll ein Historiker einen
Fehler korrigieren, wenn er feststellt, dass er sich geirrt hat?
Ich bitte Sie um Berücksichtigung auf Ihren Seiten.

Die Bombenangriffe von 1945 auf Dresden wurden in den letzten
Jahren von manch einem als Beweis dafür angeführt, dass
konventionelle Bombardements zerstörerischer sein können als
Atombombenangriffe, und andere haben versucht, daraus falsche
Lehren zu ziehen. Der Anteil meiner eigenen Schuld daran ist
nicht gering: In meinem 1963 erschienenen Buch The Destruction of
Dresden habe ich festgehalten, dass die Zahl der Todesopfer in
dieser Stadt zwischen 35.000 und mehr als 200.000 liegt.

Die höheren Zahlen habe ich nicht als absurd empfunden, als ich
die Begleitumstände gewürdigt habe. Drei Jahre lang habe ich
versucht, die deutschen Dokumente in Zusammenhang mit den Schäden
ans Licht zu bringen, doch die ostdeutschen Behörden konnten mich
nicht unterstützen. Vor zwei Jahren konnte ich aus einer privaten
ostdeutschen Quelle ein Dokument bekommen, das anscheinend ein
Auszug aus dem Bericht des Polizeipräsidenten war. Dort wurde eine
endgültige Opferzahl von „einer Viertelmillion“ genannt. Die
übrigen dort enthaltenen Statistiken waren akkurat, doch
inzwischen ist klar, dass diese Statistik der Todesopfer eine
wahrscheinlich 1945 entstandene Fälschung war.

Die ostdeutschen Behörden (die sich ursprünglich weigerten, mir
die Dokumente zu überlassen) haben mir eine Kopie des 11-seitigen
„Schlussberichts“ gegeben, der etwa einen Monat nach den Luftangriffen
auf Dresden vom Bezirkspolizeichef verfasst wurde. An der
Echtheit dieses Dokuments besteht kein Zweifel. Kurz gesagt zeigt
der Bericht, dass die Zahl der Todesopfer in Dresden sich
weitgehend in der gleichen Größenordnung bewegt wie bei den
schwersten Luftangriffen auf Hamburg im Jahre 1943. Man sollte
noch anmerken, dass der Verfasser des Dokuments, der Höhere SS-
und Polizeiführer Elbe, in Dresden für die Zivilverteidigung
zuständig war.

Seine Zahlen waren viel niedriger als jene, die ich zitiert habe.
Der entscheidende Abschnitt lautet: „Personenschäden: am 10. März
1945 waren 18.375 Tote, 2.212 schwer Verletzte und 13.918 leicht
Verletzte und 350.000 Obdachlose und dauerhaft umquartierte Personen
registriert.“ Die Gesamtzahl der Todesopfer, „vor allem Frauen
und Kinder“, sollte 25.000 erreichen; weniger als einhundert Tote
waren Soldaten. Von den bis dahin geborgenen Toten waren 6.865
auf einem Platz in der Stadt eingeäschert worden. Insgesamt
35.000 Personen waren als „vermisst“ registriert.

Die Echtheit des Berichts steht völlig außer Zweifel, da ich nur
wenige Tage nach dem ersten aus einer westlichen Quelle einen
zweiten deutschen Lagebericht erhalten habe. Er wiederholt exakt
die im oben erwähnten Bericht genannten Zahlen, auf denen er
offensichtlich beruhte.

Der zweite Bericht, eine Zusammenstellung der Berliner Polizei
über die „Luftangriffe auf das Reichsgebiet“ vom 22. März 1945
wurde durch Zufall, nachdem er falsch eingeordnet worden war,
zwischen den 25.000 Akten des Reichsfinanzministeriums gefunden,
die derzeit im westdeutschen Bundesarchiv erschlossen werden. Er
wurde mir von Dr. Boberach, einem Archivar, übermittelt.

Ich habe kein Interesse, falsche Legenden zu verbreiten und
aufrecht zu erhalten, und deshalb ist es mir ein Anliegen, dass
die Dinge diesbezüglich richtig gestellt werden.

Ich verbleibe mit vorzüglicher Hochachtung

David Irving, 25 Elgin Mansions, W.9.

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Eine Antwort zu Dresden 1945: 25000 oder 250000 Tote?

  1. Martin schreibt:

    Eigentlich reicht als Argument gegen die maßlos übertriebenen Opferzahlen schon die Frage, wieso genau denn die Zahl der Opfer um das zehnfache größer sein sollte, wie bei den mindestens ebenso schweren Angriffen auf Hamburg inkl. Feuersturm, Köln etc. etc.

    Und mehr als 2.5mal so hoch wie bei den schwersten Angriffen auf Tokio.

    Wäre ja schon erklärungsbedürftig, wie bei nicht schwereren Angriffen auf nicht-dichter bevölkerte Areale plötzlich zehnfache Opferzahlen zustande kommen sollten….

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