Kinder als Heilmittel „heillos zerrütteter Beziehungen“


Daß Lesben und Schwule gute Eltern sein wollen, haben wir früher schon einmal auf dieser Webseite gewürdigt. Aber wir sollten unbedingt auch an die Eltern von behinderten Kindern denken. Um die geht es also auch in diesem Beitrag, zu dem ich durch einen Leserartikel von Olaf Schäfer auf ZEIT-Online angeregt wurde.

Olaf Schäfer, das wissen wir nach einem Blick auf die Seite http://www.buerger-energie-berlin.de/unterstuetzer, ist besorgt um die Energieversorgung der Berliner Bürger. Oder der Bürgerinnen und Bürger, um in der Sprache seiner alternativlos grünen, linken und antirassistischen Freunde zu sprechen. Auch sorgt er sich, wie man seinem „Nutzerbeitrag von Saltadoros“ auf Jakob Augsteins „Freitag“ entnehmen kann, weniger um die Zeichner von Charlie Hebdo als um Leipziger bzw. Dresdner Bürgerinnen und Bürger, die sich – völlig unbegründet – ihrerseits wiederum darum Sorgen machen, daß man ihnen eine „art- und lebensfremde Religion aufzwingen könnte“. Da lachen ja die Hühner oder sogar die Leser des Satire-Artikels von Olaf Schäfer alias „Saltadoros“ (Der ewige Sachse).

Aber: das sind sehr gefährliche Entwicklungen, denen man Einhalt gebieten muß. Z.B. indem man wie Olaf Schäfer durch seine vorbehaltlose Unterstützung der Genossenschaft „Bürger-Energie-Berlin“ ein Zeichen setzt. Oder indem man Petitionen wie „Für ein buntes Deutschland – eine Million Unterschriften gegen Pegida!“ oder „Stoppen Sie die Plastikverpackung von ‚Einkauf Aktuell‘ “ bei Change.org unterschreibt.

Daß jemand wie Olaf Schäfer, der also, wie wir sehen, täglich in vorderster Front gegen Konzerne, Banken und rechte Umweltverschmutzer kämpft und unablässig für die Unterschrift von Change.org-Petitionen wirbt, daß der sich auch für Behinderte einsetzt, dürfte ja wohl eine Selbstverständlicheit sein.

Und so bekommen wir aus seinem Artikel auf ZEIT-Online die volle Bandbreite seiner überragenden gutmenschlichen Fähigkeiten mitgeteilt. Wir erfahren z.B., daß sich in ihm alles gegen eine „künstliche Befruchtung“ sträubte, gegen diese „durchgestylte Kinderwunschpraxis“. Wo doch heutzutage alles in Richtung „natürlich“ geht! Eine künstliche Befruchtung, das ist für den promovierten Philosophen Olaf Schäfer schon fast so etwas wie genmanipulierter Reis. Nein, das möchte er nicht, obwohl er schon „von Anfang an damit gerechnet hatte, dass ich einmal ein behindertes Kind haben würde“.

Olaf Schäfer ist also sogar ein Hellseher, der schon im zarten Kindesalter die Zukunft vorhersehen konnte – eine Eigenschaft, die er mit vielen Umweltaktivisten teilt, die jetzt schon wissen, daß spätestens in 100 Jahren unsere Erde durch Klimawandel, Plastikmüll und Genmais unbewohnbar geworden ist.

Warum läßt sich also einer wie Olaf Schäfer, der schon beim Gedanken an „mit Babyfotos gefüllte Pinnwände“ in Kinderarztpraxen das Kotzen kriegt, dann doch zu dieser unmenschlichen, durchtechnisierten, unnatürlichen und von Anthroposophen, Zeugen Jehovas und IS-Schlächtern abgelehnten Methode der Fortpflanzung hinreißen?

Ja, wir ahnen es schon: auch hier ist es der vorbildlich altruistische, gutmenschliche und allem sozialem aufgeschlossene Character des Olaf Schäfer. Denn mit dem Kind wollte er „die damals schon heillos zerrüttete Beziehung retten“.

Anscheinend hat aber auch dieses Heilmittel gegen die Krankheit „heillos zerrüttete Beziehung“ nicht geholfen. Deshalb hat dann Olaf Schäfer nach – oder auch vor – der Trennung beschlossen, das „Heilmittel“ einfach für sich selbst zu behalten. Kann man ja auch verstehen, wenn man bedenkt, daß das Kind (also das Heilmittel) „auf Drängen der Mutter mehrere diagnostische Verfahren durchlaufen mußte“! Womöglich noch solche Verfahren, in denen statistische (!) Auswertungen von medizinischen Versuchen mit seiner Tochter – also dem Heilmittel – gemacht wurden.

Nach vielen Jahren Kampf mit der Mutter, den Gerichten und der rechten Lügenpresse, die ja grundsätzlich nie über Behinderte und deren unter der Behinderung leidenden Eltern berichtet, konnte Olaf Schäfer sich endlich zurücklehnen und den Alltag genießen. Er war froh, seine Tochter „nicht in ein Heim oder zur Familie der Mutter abgeschoben zu haben“. Abschieben, das wissen wir, geht gar nicht. Auch nicht in ein Heim oder zur Familie der Mutter, bei Flüchtlingen geht das nicht und schon gar nicht bei Behinderten. Aber irgendwie, sagt sich Olaf Schäfer, hat es die Vorsehung dann doch auch gut mit ihm gemeint:

„Ich bin kein religiöser Mensch, aber ich habe oft gedacht, dass es irgendwie gut war, dass ausgerechnet dieses Kind bei mir gelandet ist.“

Ja, „irgendwie“ haben eben auch alle grün-links gestrickten Menschen einen Hang zur Religiosität, selbst wenn sie sich als „nicht religiös“ bezeichnen.

Aber abseits aller Polemik sollte man Olaf Schäfer doch mal fragen, warum er auf ZEIT-Online dieses Sammelsurium von Sozial-Protzerei, Beleidigtsein und Hochstilisieren seiner Tätigkeit zum sich jahrelang aufopfernden alleinerziehenden Vater einer behinderten Tochter veröffentlichen mußte?
Hat das Heilmittel „ich habe eine behinderte Tochter“ doch nicht ausgereicht und mußte daher der Herr Philosoph unbedingt seinen Mitmenschen über diese Leserartikel-Spalte einer nicht unbedeutenden deutschen Wochenzeitung aus seinem ach so ergreifenden, ach so bewundernswerten Alltag berichten?

Und als letztes: wie wäre es, wenn Olaf Schäfer zusammen mit Jakob Augstein bei einer Talkrunde von Peter Sloterdijk im Fernsehen auftreten würden?

Da würde sogar ich einschalten!

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Eine Antwort zu Kinder als Heilmittel „heillos zerrütteter Beziehungen“

  1. American Viewer schreibt:

    Ich finde der Artikel von Olaf Schäfer ist gut geschrieben. Nicht aggressiv, nicht belehrend, nicht allwissend, nicht prätentiös und gerade deshalb berührend. Der Mann scheint in sich zu ruhen.

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