Lesben und Schwule wollen auch Eltern sein

KArl M. Sibelius

Karl M. Sibelius

Am 13.11.2012 zeigte das Magazin „kreuz und quer“ um 22.30 Uhr im österreichischen Fernsehen OR2 den Film „Familie andersrum: Homosexuelle mit Kind„, der homosexuelle Eltern porträtierte. Im Anschluß diskutierten dann bei Günter Kaindlstorfer die Ärztin Elia Bragagna, Schauspieler Karl M. Sibelius, Psychiater Christian Spaemann und die Juristin Stephanie Merckens.

Die Sendung liegt schon einige Zeit zurück, aber ein paar Dinge habe ich mir gemerkt und damals festgehalten. Besonders beeindruckend war für mich der frisurmäßig modern, sprich orkangeschüttelt in der Runde sich präsentierende Karl M. Sibelius, ein österreichischer Schauspieler, Theaterdirektor, Sänger, Regisseur und Friedensforscher. Ein vielseitig begabter Mensch also, auf jeden Fall beeindruckender, als säße da nur ein österreichischer Elektroingenieur, Direktor des Elektrizitätswerkes Wien, Radiobastler und Ego-Shooter-Landesmeister. Im Gegensatz zu der üblichen, mitleidig herablassend lächelnden Standardmiene von Talkshowgästen wie Dieter Graumann, Alice Schwarzer oder Jürgen Trittin zeugte Sibelius‘ permanente Zornesfalte in seinem strengen Gesicht davon, dass er es besonders ernst nahm.

Besagter Sibelius ist schwul und lebt mit seinem Partner, dem Wirtschaftswissenschaftler, Universitätsdozenten und HOSI-Aktivisten Rainer Bartel , zusammen.

Nun ist das nicht gerade besonders überraschend, daß zwei Schwule zusammenleben. In diesem Falle ist es aber wichtig, da die beiden ein „Elternpaar“ sind. Sie haben nämlich eine Tochter, die auf den netten Namen Ella-Pearl hört. Natürlich ist Ella-Pearl mit Sibelius und seinem Partner Bartel nicht genetisch verwandt, obwohl dies (rein theoretisch) auch möglich gewesen wäre.

Nein, in diesem Falle hat sich der „Friedensforscher“ Sibelius mit seinem Partner in die USA begeben und dort die im März 2005 in den Slums von Chicago geborene Ella-Pearl adoptiert. Und jetzt lebt Ella-Pearl in Österreich bei Papi und Mami – pardon, bei Papi 1 und Papi 2 – und wartet gespannt auf den Tag, wenn sie von ihren Eltern aufgeklärt wird – z.B. über die Frage, warum sie keine Mutter hat sondern einen Papi 2.

Doch Papi Nr.1 Sibelius beschäftigen ganz andere Fragen bei der Erziehung seiner „Tochter“.
Denn als engagierter Christ achtet er nämlich auch auf Fragen des Glaubens:

„Wir möchten Ella-Pearl im Frühling taufen lassen.“

Die Frage ist nur, ob die Kirche da mitspielt. Oder mitgespielt hat – der Vorgang liegt ja 2 Jahr zurück. Und neben der Kirche quälen die beiden Väter (oder Eltern?) auch die Fragen, die durch das Familienrecht aufgeworfen werden. Denn, so beklagt Sibelius, sein Partner tauche in keinem offiziellen Papier auf. Schlimm, schlimm. Was würde passieren, wenn er selbst stirbt?

Sibelius:

Wir lassen und aus diesem Grund nicht verpartnern. Wenn wir verpartnert wären, dann hätte er noch weniger Rechte, d.h. wenn mir etwas passieren würde, würden die ihm das Kind eher abnehmen als dass er’s übernehmen darf. …

Ich glaube, dass ich sehr wohl in der Lage bin, mütterliche Liebe zu geben…

Wir sind eine ganz ganz tolle Familie und das lass ich mir von niemandem von aussen kaputtreden… und selbst wenn wirs nicht wären, dann scheitern wir halt, das ist das Leben!!! Man muss auch scheitern dürfen, ich muss jetzt nicht das homosexuelle Vorzeigepaar sein, ich weiß nicht, ob ich in 5 Jahren noch mit meinem Partner zusammen bin, ich hoffe es, ja, aber was wir immer gemeinsam machen werden ist, für unsere beiden Kinder zu sorgen…

Das ist ja prima. In Zukunft sagen alle, denen man irgendetwas in ihrer Familie und der Erziehung ihrer Kinder vorwirft: nein, nein, wir sind eine ganz ganz tolle Familie und das lass ich mir von niemandem von aussen kaputtreden…

Denn das hat Sibelius klar erkannt: es sind immer nur Leute „von außen“, die seine Familie kaputtreden wollen. Und das geht seiner Meinung nach ja schon mal gar nicht. Jeder hat ein Recht auf Privatsphäre! Was hinter der Tür zu seinem familiären Heim geschieht, geht diese Leute „von aussen“ überhaupt nichts an! Und auch, wenn da alle paar Wochen ein neuer Partner erscheint und ausgiebig auf „Verpartnerung“ getestet wird, geht das diese „Leute von aussen“ nichts an. Alles geschieht ja nur zum Wohle der „eigenen Kinder“, die selbstverständlich nie auf die Idee kommen werden, nach der echten Mutter zu fragen.

Denn wie sagt unser Sibelius in dieser Sendung:

Ich glaube, dass ich sehr wohl in der Lage bin, mütterliche Liebe zu geben…

Nein, das bist du nicht, Karl M. Sibelius. Was es bedeutet, eine Mutter zu sein und mütterliche Liebe zu geben, ein Kind im Bauch zu tragen und es auf die Welt zu bringen: davon hast du Null Ahnung. Oder wie ich als Mathematiker und NICHT-Theaterdirektor es formulieren würde: dein Wissen darüber und dein Einfühlungsvermögen sind von der leeren Menge kaum zu unterscheiden.


Anmerkungen und Links

[1] Akademie für Sexuelle Gesundheit AfSG
[2] Homepage von Eila Bragagna
[3] Mitglieder der Bioethikkommission in Österreich
[4] Karl M. Sibelius in Wikipedia
[5] Ungewöhnliche Familie bewegt ganz Österreich
[6] derstandard.at, 13.11.2012, 22:30 MAGAZIN
(Um 23.15 Uhr diskutieren bei Günter Kaindlstorfer die Ärztin Elia Bragagna, Schauspieler Karl M. Sibelius, Psychiater Christian Spaemann und Juristin Stephanie Merckens.)
[7] Familie andersrum, Kommentar von orf.at zum Film am 13.11.2012
[8] Doktorarbeit zum Thema gleichgeschlechtliche Erziehung

Anwesend in der Sendung waren auch noch:

———————–
Stephanie Merckens (Juristin, Mitglied der Bioethik-Kommission)

Dr.em. Rechtsanwältin, Mitglied im Beirat des Instituts für Ehe und Familie, Mitglied im Familienbeirat des Landes Oberösterreich, Mitglied im Kollegium des Landesschulrates Oberösterreich, Lebensschutzbeauftragte der Erzdiözese Wien, Mitglied der Europakommission der österreichischen Bischofskonferenz.
————————-
Elia Bragagna

http://eliabragagna.at/
ist Leiterin der Akademie für Sexuelle Gesundheit AfSG, auf deren Homepage es heißt:
Die Akademie für Sexuelle Gesundheit (AfSG) versteht sich als Plattform für sexualmedizinisch interessierte MedizinerInnen, (Sexual)-TherapeutInnen, (Sexual)-PädagogInnen, (Sexual)-BeraterInnen, ApothekerInnen und Pflegepersonal.

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Eine Antwort zu Lesben und Schwule wollen auch Eltern sein

  1. Martin schreibt:

    Es scheint mir inzwischen fast von naturgesetzlicher Regelhaftigkeit zu sein: Wer sich Friedensforscher nennt,hat nur Mist im Hirn.

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