Die Berliner Buchhandlung Dussmann und ihre Abneigung gegen Israel

politiker1Am 14.September 2014 gab es am Brandenburger Tor in Berlin eine Veranstaltung zum Thema „Steht auf! Nie wieder Judenhass in Deutschland!„. Aufgerufen dazu hatte der Zentralrat der Juden in Deutschland, der sich Sorgen darüber macht, daß „in vielen deutschen Städten blanker Hass auf Juden wieder offen ausgebrochen ist.“

Dagegen, so meinten auch die links abgebildeten Teilnehmer der Veranstaltung in Berlin, müsse dringend etwas unternommen werden. Also trat man gemeinsam um 15 Uhr auf die Bühne vor dem Brandenburger Tor, wo sich schon Stunden zuvor Presse und Fernsehen in Position gebracht hatten. Obwohl die Redner bei dieser Veranstaltung – wie üblich – die ach so schlimme Ausgrenzung von Minderheiten in Deutschland beklagten, war das gemeine Volk, also die vielen nach Berlin gekommenen Freunde der Juden und Israelis, durch einen Metallzaun von der erhabenen Politprominenz getrennt.

Dies geschah natürlich „nur“ zum Schutz vor rechtsradikalen Antisemiten, die aber bei dieser Veranstaltung unsichtbar blieben.

Dafür gab es aber genügend Verrückte aus der linken und muslimischen palästinafreundlichen Szene, die sich unter die Zuhörer mischten und vor den 300 oder 600 (genau wußten sie es auch nicht) israelischen Atombomben warnten, wie z.B. dieser in Berlin stadtbekannte Herr, der keine Gelegenheit ausläßt, um gegen den „faschistischen Atomterror der Israelis“ zu demonstrieren.
Auch die Vertreter christlicher Sekten waren zugegen, die sich über „Jesus liebt dich“ – Plakate aufregten und deren Entfernung forderten. Nur der sehr starken Polizeipräsenz bei dieser Veranstaltung war es zu verdanken, daß es zu keinen gewalttätigen Ausschreitungen kam.
Doch von all dem bekamen unsere Politiker und die anderen Prominenten, die vom gemeinen Publikum auf riesigen Bildschirmen bewundert werden durften, nichts mit, weil sie nach der letzten Rede in die bereitstehenden Autos stiegen und sich schleunigst davonmachten.
Es waren u.a.

  • Bundespräsident Joachim Gauck,
  • SPD-Chef Sigmar Gabriel,
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel,
  • Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden,
  • Noch-Bürgermeister Wowereit,
  • Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
  • Nikolaus Schneider, EKD-Ratsvorsitzender.

die sich auf der Bühne mit wohlgesetzten Worten (Graumann: „Die meisten Muslime denken bestimmt anders“ [8]) vom Antisemitismus auf der Strasse distanzierten. Die Reden waren so jämmerlich schwülstig und selbst-beweihräuchernd, daß es nicht lohnt, sie hier auseinanderzunehmen. Wer aber nun dachte, daß sich als Folge dieser hochpolitischen Ermahnungen der zuständigen Verbandsfunktionäre und Bundespolitiker in Berlin eine Welle der Sympathie für den Judenstaat Israel breit machte, der lag voll daneben.

Berlin_Schmierereien1Nur einen Tag später nämlich sah man im Berliner Tiergarten auf einem Denkmal diese netten Sprüche über die „Juden Kindermörder“. Da waren die Damen und Herren Minister, Bundespräsident, Bundeskanzlerin und Vorsitzender des Zentralrats aber schon lange wieder abgereist und mit wichtigeren Dingen beschäftigt als mit dem hastigen Wegpinseln antisemitischer Hetzsprüche auf Berliner Denkmälern.

Ich selbst konnte diese neuen, in schönem blau gehaltenen Inschriften auf dem Denkmal im Berliner Tiergarten leider nicht bewundern, da ich mir heute die bekannte Berliner Buchhandlung Dussmann ansehen wollte. Natürlich auch mit dem Hintergedanken, die Werke der Politprominenz der gestrigen Demonstration einmal näher in Augenschein zu nehmen.

Doch zunächst steuerte ich im 3.Stock von Dussmann die Abteilung „Politik und Zeitgeschichte“ an, wo ich auch gleich in einem Regal das fand, was mich interessierte: Bücher zum Thema Israel und Palästina.. Und siehe da: 22 Bücher stehen dort, am 15.09.2014, in Dussmanns „Israel/Palästina-Abteilung“. Sie finden hier eine vollständige Liste aller dort ausgestellten Bücher. Ich habe sie mir alle einzeln angeschaut und konnte folgendes feststellen:


Von den 22 Büchern waren nur 4 von Autoren verfasst, die man als „israelfreundlich“ bezeichnen kann. Rund 82% der von Dussmann angebotenen Literatur zum Thema „Israel/Palästina“ schießt also aus vollen Rohren gegen Israel.

Nun könnte man natürlich sagen, daß es derzeit auf dem deutschen Buchmarkt hauptsächlich „israelkritische“ Literatur gibt und den Buchhändlern gar nichts anderes angeboten wird. Doch davon kann keine Rede sein, wenn man sich die folgende Liste hochaktueller Bücher zum Thema Israel anschaut, die auf dem Buchmarkt erhältlich sind:

  • Michael Wolfssohn: „Wem gehört das heilige Land?“ ,
  • Sylke Tempel: „Israel. Reise durch ein altes neues Land“,
  • Tobias Jaecker : „Antisemitische Verschwörungstheorien nach dem 11.September“,
  • Ralph Giordano: „Israel, um Himmels willen, Israel“
  • Rolf Behrens: „Raketen gegen Steinewerfer“, Das Bild Israels im SPIEGEL
  • „Neu-alter Judenhass, Antisemitismus, arabisch-israelischer Konflikt und europäische Politik“ (Klaus Faber, Julius H.Schoeps, et.al.)
  • Mitchell G. Bard: „Behauptungen und Tatsachen, der israelisch-arabische Konflikt im Überblick“,
  • Tilman Tarach: Der ewige Sündenbock,
  • Henryk M.Broder und Eric Follath: Gebt den Juden Schleswig-Holstein! Wenn Deutsche Israel kritisieren – ein Streit.

Was schließen wir also daraus? Ja, der geneigte Leser weiß es schon: bei der Berliner Buchhandlung Dussmann wird die Abteilung „Israel/Palästina“ von einem Mitarbeiter betreut, der in seiner Freizeit die Artikel von Evelyn Hecht-Galinski im Internet sammelt, die Hamas als Friedensbewegung einstuft und bei allen Veranstaltungen von Ken Jebsen und Jürgen Elsässer gerne in der ersten Reihe sitzt. Da kann die Auswahl der Bücher gar nicht anders sein.
non-zionist

wowereit

jesus-plakat


Anmerkungen und Links

Hier folgt die Liste der Bücher zum Thema „Israel/Palästina“, die bei Dussmann Anfang September 2014 im Regal standen.
In Klammern steht eine Bewertung der Autoren nach folgendem Punkteschema:
-10 = Extrem israelfeindlich
-5 = israelfeindlich
0 = neutral
+5 = israelfreundlich
+10 = sehr israelfreundlich

Andreas Altmann: Verdammtes Land, eine Reise durch Palästina (0)
Amar-Dahl: Das zionistische Israel (-10)
Ralf Balke: Israel, Geschichte, Politik, Kultur (+10)
Helga Baumgarten: Kampf um Palästina – Was Wollen Hamas und Fatah? (-10)
Henryk M. Broder: Die Irren von Zion (+10)
Judith Butler: Am Scheideweg, Judentum und die Kritik am Zionismus (-10)
Alexander Flores: Der Palästinakonflikt – Wissen was stimmt (-10)
David Grossmann: Diesen Krieg kann keiner gewinnen (-5)
Steffen Hagemann: Israel, Wissen, was stimmt (+10)
Dietmar Herz: Palästina (0)
Stephane Hessel, Elias Sanbar: Recht auf Frieden und Recht auf Land (-5)
Stephane Hessel, Elias Sanbar: Palästina: Das Versagen Europas (-5)
Margret Johannsen: Der Nahost-Konflikt (-5)
Moshe Machover: Irael und Palästinenser (-10)
Sari Nusseibeh: Ein Staat für Palästina? (-5)
Sari Nusseibeh mit Anthony David: Es war einmal ein Land, Ein Leben in Palästina (-5)
Pappe/Hilal (Herausgeber): Zu beiden Seiten der Mauer (-10)
Diana Pinto: Israel ist umgezogen (0)
Donna Rosenthal: Die Israelis (+10)
Shlomo Sand: Warum ich aufhöre, Jude zu sein (Ein israelischer Standpunkt) (-5)
Shlomo Sand: Die Erfindung des jüdischen Volkes (Israels Gründungsmythos auf dem Prüfstand) (-5)
Shlomo Sand: Die Erfindung des Landes Israel (Mythos und Wahrheit) (-5)
Marlene Schnieper: Nakba – die offene Wunde (-10)


[1] Dussmann: das „Kulturkaufhaus in Berlin“
[2] Zentralrat der Juden in Deutschland lädt zur Veranstaltung ein
[3] SPD ruft zur Demonstration auf
[4] Der STERN kommentiert die Veranstaltung in Berlin
[5] Die Tagesschau zur Veranstaltung in Berlin
[6] Die „Jüdische Allgemeine“ berichtet über die „Großveranstaltung“
[7] Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Wortlaut
[8] Rede von Zentralratspräsident Dieter Graumann
[9] Zusammenfassung der Veranstaltung auf der Webseite der Deutschen Welle
[10] Anette Kahane in der Berliner Zeitung über die Veranstaltung vom 14.09.2014

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