Judith Butler, Laura Kajetzke und Theodor W.Adorno: wie man mit pseudowissenschaftlichem Geschwätz berühmt wird

Team_GWI_284(Foto: Stephan Röhl GW-Institut)
Kürzlich las ich auf einem Blog der GRÜNEN „Heinrich-Böll-Stiftung“ einen Artikel von Laura Kajetzke zum Thema „Beschneidung“ [1]. Kajetzke ist am Lehrstuhl für allgemeine Soziologie der Philipps-Universität Marburg tätig. Ihr Artikel erschien auf dem Blog „Was ist der Streit-Wert?“, der auf der Website des Gunda-Werner-Instituts administriert wird. Dort kümmert man sich um Feminismus und Geschlechterdemokratie, genauer gesagt:

Das Gunda-Werner-Institut in der Heinrich-Böll-Stiftung (GWI) bündelt geschlechterpolitische und feministische Themen, bietet einen Veranstaltungskalender und informiert über Stipendien und Stellenangebote.

Dieses „Institut“, an dem sich feministisch gesinnte Irre über

  • „geschlechtersensible Wirtschaftsethik“,
  • „gendersensible Ost-West-Dialoge“,
  • „bedingungsloses Grundeinkommen aus feministischer Sicht“ und
  • “ geschlechtergerechte Lebensformen “

austauschen, ist zwar – wie bei den meisten grün-alternativen „Inintiativen“, „Stiftungen“ und „Instituten“ – ein Sammelbecken von Menschen, die in normalen Arbeitsverhältnissen gar nicht überlebensfähig wären, aber es kommen in diesem Institut auch besonders jene zu Wort, bei denen alles irgendwie „inter-„, „trans- “ und „post-“ ist. Zur letzteren Gattung Mensch zählt auch die eingangs erwähnte Laura Kajetzke, deren Arbeitsschwerpunkte

„Soziologische Theorien, Poststrukturalismus, Wissenssoziologie, Raumsoziologie und Diskurstheorie sind, und außerdem beschäftigt sie sich mit Machtwirkungen von Schulräumen und dem Spießertum als Lebensform.“

Heinrich_boell_stiftung

Zusammenfassend könnte man also sagen, daß die Hauptbeschäftigung der Laura Kajetzke nachhaltige Phrasendrescherei ist, die in gewissen Bereichen deutscher Universitäten schon als „Wissenschaft“ gilt. Als besonders nachhaltig erweist sich dabei das Wort „Diskurs“, das von Kajetzke in fast jedem zweiten Satz in diversen Varianten verwendet wird. Da wimmelt es nur so von „diskurssimplifizierenden Akteuren“, die “ diskursanalytisch gesehen“ nach einer „regulierenden Diskursbeendigungsstragie“ suchen oder einfach nur eine diskursive Lawine lostreten wollten.

Kajetzke selbst zählt sich offensichtlich zu den „Diskurskomplizierer_innen, die einen problema­ti­sieren­den Diskurs führen wollen“ und ist beleidigt, weil sie trotzdem durchs „mediale Raster“ gefallen ist. Lediglich bei den GRÜNEN und ihrer mit 53 Millionen Euro Steuergeldern im Jahr 2013 geförderten Heinrich-Böll-Parteienstiftung hat man ein offenes Ohr für das Diskursgeschwätz der „Diskurs-Forscherin“. Andererseits hat sie für ihre Diplomarbeit von der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) immerhin einen mit 250,- Euro dotierten Preis bekommen, der ihr freudestrahlend von Frau Professorin Dr. Beate Krais am 9. Oktober 2006 in der Kasseler Stadthalle überreicht wurde. Ihre Diplomarbeit trug den Titel

„Der Begriff des Wissens in Aushandlungsfeldern diskursiver Praktiken.“

Seit 2006 arbeitet Kajetzke übrigens auch an ihrem Doktor zum Thema

„Die geisteswissenschaftliche Wissensproduktion unter den Bedingungen der sogenannten ‚Wissensgesellschaft’. Eine wissenssoziologisch-diskursanalytische Untersuchung.“

Da sie bis zum heutigen Tage nur als „Dipl.-Soz. Laura Kajetzke“ an ihrer Universität geführt wird, ist wohl in den vergangenen 8 Jahren diskursiven Geschwätzes nicht besonders viel Verwertbares herausgekommen.

annette-schavanVielleicht sollte sie sich mal bei „Frau Professorin“ Annette Schavan erkundigen, wie man eine Doktorarbeit in weniger als 8 Jahren abschließen kann. Schavan wurde immerhin in dieser Woche der Ehrendoktor der Universität Lübeck verliehen, sie hat einige Erfahrung mit Doktortiteln.

Für uns bescheidene Bürger ohne Doktortitel ist es allerdings schon erstaunlich, wie sich Kajetzke und andere Armleuchter_Innen aus ihrer Soziologenbranche als „Mitarbeiter an Lehrstühlen“ aufplustern und davon auch noch leben können. Aber sie haben Erfolg damit. Denn gerade dieses ihr aufgeblasenes pseudowissenschaftliches Kauderwelsch aus tausend Versionen des Wortes „Diskurs“, verbunden mit solchen Wendungen wie „…interdisziplinärer Diskurs einer emanzipatorischen Gesellschaft, die sich an den Bedürfnissen jedes_r Einzelnen orientiert“, empfinden weite Kreise unserer Gesellschaft als besonders tiefliegend und wissenschaftlich fundiert. Wobei wir in diesen Kreisen besonders viele Theologen, Soziologen, Psychotherapeuten und Gender-„Wissenschaftler“ finden.

Zu letzteren ist auch Kajetzke zu rechnen, die immerhin von 2005 bis 2008 Frauenbeauftragte des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften und Philosophie der Philipps-Universität Marburg war und in ihrem Artikel für das Gunda-Werner-Institut beklagt, daß in der Beschneidungsdebatte leider


keine jüdisch-feministischen Positionen zu Wort kamen, die sich u.a. mit der Brit Mila als Frauen exkludierenden Initiationsritus befassen.

Judith_butlerKajetzke ist allerdings nur ein kleiner Fisch gegenüber Judith Butler, die sich durch hochtrabendes akademisches Geschwafel gepaart mit einer speziellen Abneigung gegen den Staat Israel auszeichnet. Bei Butler wimmelt es nur so von „Diskursen„, „vordiskursiven Differenzen zwischen Geschlechtern„, „diskursiven Machtmechanismen„, die Kategorie Geschlecht wird „diskursiv konstruiert“ und überhaupt ist alles irgendwie „diskursiv„, und wenn nicht, dann eben „performativ„, „inkohärent“ oder „übersubjektiv„. Vielleicht auch noch transkulturell oder intersexuell, auf jeden Fall aber postdiskursiv.

Und wenn etwas geschieht, dann nicht einfach so, das wär ja noch schöner, sondern immer ist es ein „Prozeß“. Butlers pseudowissenschaftliches Geschwafel wurde sogar beim alljährlich stattfindenden Bad Writing Contest wegen des folgenden Bandwurmsatzes preisgekrönt:


Der Schritt von einer strukturalistischen Erklärung, nach deren Verständnis das Kapital soziale Beziehungen auf relativ homologe Weise strukturiert, zu einer hegemonialen Ansicht, nach der Machtbeziehungen Wiederholung, Konvergenz und Reartikulation unterworfen sind, führte die Frage der Temporalität in die Überlegungen zur Struktur ein und markierte einen Wechsel von einer Form Althusser’scher Theorie, die strukturelle Totalitäten als theoretische Objekte begreift, zu einer Theorie, in der die Einsichten in die kontingente Möglichkeit von Struktur ein erneuertes Konzept von Hegemonie erschließen, das mit den kontingenten Orten und Strategien der Reartikulation von Macht verknüpft ist.

Diese Übersetzung findet man in Steven Pinkers Buch mit dem Titel „Das unbeschriebene Blatt“ auf Seite 572 (und nicht auf Seite 154, wie es irrtümlich bei Wikipedia heißt). Allein schon dieser eine Satz von Butler zeigt, daß uns hier das schiere Gelaber, ein hohlröhrendes Nichts (Wolf Schneider [8]) gegenübertritt. Und keinesfalls Satire, was man beim ersten Lesen vielleicht denken könnte. Es konnte nicht ausbleiben, daß Butler 2012 der Theodor-W.-Adorno-Preis der Stadt Frankfurt verliehen wurde. Das kann man gut verstehen, denn Adorno zählt ebenso wie Habermas zur Schwätzerelite unter den deutschen Soziologen. Adornos Behauptungen z.B. über Jazz sind inhaltlich nicht an Lächerlichkeit zu überbieten:


„Das sozial nicht konformierende Moment des Jazz mag in seiner Zwischengeschlechtlichkeit gelegen sein“,

das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen und dabei daran denken, daß ganze Generationen von Soziologen dieses Geschwätz ernst genommen und darauf aufbauend hunderte von Diplomarbeiten geschrieben haben. [9]
Gegen die Verleihung des Adorno-Preises an Butler hat es viele Proteste gegeben, insbesondere wegen Butlers Unterstützung der Boycott, Divestment and Sanctions Kampagne und ihrer ultra-radikalen Ablehnung des Staates Israel. Leider reden ihre Kritiker aber häufig in genau derselben mit geblähten Imponiervokabeln angereicherten Philosophensprache wie Butler selbst. Man kann das sehr schön an den Beiträgen von Alex Gruber und Magnus Klaue auf Facebook [10] verfolgen, die man beide ebenfalls für einen Preis beim Bad Writing Contest vorschlagen könnte.

Anmerkungen, Links und Literaturverweise

[1] Laura Kajetzke: Lasst euch nicht versimplifizieren: Beobachtungen zum Diskurs um religiöse Beschneidung
[2]Alan Posener in der WELT: Wenn Schafe blöken
[3] Vorhauthäuter und Vorhauthüter*
[4] Gunda-Werner-Institut
[5] Jahresbericht 2012 der grünen Parteienstiftung Heinrich-Böll-Stiftung
[6] Dipl.-Soz. Laura Kajetzke
[7] Herausragende Abschlussarbeit der Marburger Soziologin Laura Kajetzke
[8] Wolf Schneider: Deutsch für Kenner
[9] Das Saxophon klingt wie der Gesang eines kastrierten Negers: Theodor W.Adorno und das „sozial nicht konformierende Moment des Jazz“
[10] Adorno gegen seine Preisträger verteidigt – Gegenveranstaltung zur Preisverleihung an Judith Butler

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