Dieses Haus wurde abgerissen, um für den Neubau einer Moschee Platz zu machen. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

DSCN3785Eine freundliche Aufforderung zur Müllentsorgung findet man in Berlin auf Mülleimern, die wie hier in Neukölln von der Stadtreinigung am Wegesrand aufgestellt wurden. Das besondere am „Becherbutler“ ist dabei die Art, wie man den potentiellen Kunden anspricht: aus einer kriecherisch-dienenden Haltung heraus bittet man die vorüberziehenden „Herrschaften“, doch gnädigerweise ihre ausgesoffenen Becher, leeren Flaschen und vollgerotzten Taschentücher dem „Butler“ zu übergeben.

Dies erinnerte mich an die „Straßenbegleitimperative zum Kuscheln“, die Dietmar Wischmeyer in seinem „Deutschbuch der Bekloppten & Bescheuerten“ beschrieben hat. Dort zeigt er nämlich, wie sich aus früher eindeutigen Befehlen, „die selbst der Blödeste mit etwas Nachdenken begreifen konnte“, eine unterwürfig-bittende, gelegentlich auch kumpelhaft-anbiedernde oder übertrieben witzig daherkommende Schildersprache entwickelt hat.

Denn hieß es früher noch:

  • „Rasen betreten verboten“,
  • „Nicht in den Wald scheißen“,
  • „Ausfahrt freihalten“,

so entschuldigt man sich heutzutage quasi für die Unverschämtheit eines Verbotes:

  • „Bitte keine Werbungen oder kostenlose Zeitungen. Danke!
  • „Es wird höflich gebeten, die sanitären Einrichtungen sauber zu halten“
  • „Aus Respekt vor unseren Mitarbeitern und internationalen Gästen bitten wir Sie Zärtlichkeiten in unseren Räumlichkeiten zu unterlassen.“ [1]

Noch blöder sind dann die um Verständnis heischenden Ankündigungen von Verspätungen bei der Bundesbahn: Der ICE 335 von Stuttgart nach München hat voraussichtlich 35 Minuten Verspätung. Wir bitten um Ihr Verständnis. Zerstückelte Leichen von Selbstmördern auf den Gleisen, umgefallene Bäume, massenweise Fahrdienstleiter im Urlaub: wir bitten um Ihr Verständnis. Nähert man sich dann dem Zielbahnhof mit 2 Stunden Verspätung, so leiert der Zugbegleiter schnell noch die nicht mehr erreichbaren Anschlußzüge runter und verabschiedet sich mit

Wir danken für Ihre Reise mit der Deutschen Bahn.

Anschließend das ganze noch mal im speziellen Zugbegleiter-Eglisch:

…Sänk ju for träwellin wis deutsche Bahn.

Wischmeyer zählt in seinem Buch noch weitere Bahnansagen und Schilder-Anweisungen auf, die er (mit Recht) als eine Zumutung für den Normalbürger empfindet:

  • „Bitte verlassen Sie diesen Raum so, wie Sie ihn selber vorzufinden wünschen.“
  • „Danke, daß Sie das Geschirr abgeräumt haben.“
  • „Willkommen auf dem Nichtraucherbahnhof Köln!“
  • „Diese Baustelle besteht bis zum Jahre 2018. Vielen Dank für Ihr Verständnis!“

Was den Leser bei diesen Sprüchen so irritiert, ist das von der jeweiligen Behörde vorweggenommene Einverständnis, das man ja noch gar nicht gegeben hat. Wer nach 3 verpaßten Anschlußzügen und 2 Stunden Verspätung noch um „Verständnis“ gebeten wird, kommt sich da schon ein bißchen verarscht vor. Und wenn im Cafe Goldbraun steht „Danke, daß Sie das Geschirr abgeräumt haben“, so gerät man als Normalmensch ja doch in Versuchung, jetzt erst recht nicht abzuräumen.

Und was erwartet uns bei der nächsten Stufe der Freundlichkeitsoffensive, wenn wir abends nach Hause kommen und unser Haus abgerissen vorfinden? Ganz einfach ein schlichtes Schild vor dem Trümmerhaufen mit dem Hinweis

Dieses Haus wurde abgerissen, um für den Neubau einer Moschee Platz zu machen. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Anmerkungen und Links

[1] Kussverbot in Tiroler Lokal

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Islam veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s