Demonstration am 23.06.2013 in Bonn gegen Erdogan

In Bonn trafen sich zwar nicht 40000 wie einen Tag zuvor noch in Köln, aber trotzdem war gegen 14:00 Uhr das Beethoven-Denkmal am Münsterplatz umringt von einer bunten Schar türkischer Mitbürger, die sich hier zur Veranstaltung Bonn versammelt sich für die TÜRKEİ! einfanden. Diese schleppten einen Haufen phantasievoll bemalter und beschrifteter Plakate mit, wie z.B. die nebenstehende junge Frau. Besonders die Kinder fielen mir in dem Getümmel auf: viele noch im Kinderwagen, einige Dreikäsehochs hielten schon große Fahnen mit dem Bild von Atatürk hoch oder mit Überschriften wie „Europa braucht keinen Hitler mehr“.
Die Bilder sprechen für sich: hier trafen sich auf jeden Fall keine fanatischen Muslime, sondern moderne, laizistische Türken, denen der radikal-islamische Trend der AKPisten in der Türkei ein Greuel ist.

Nachdem die Demonstranten zum Bonner Marktplatz gezogen waren, konnte ich dort kurz mit einem der Zugbegleiter sprechen, einem jungen Mann, der Flugblätter verteilte.


Ich sprach ihn darauf an, daß es bedauerlich wäre, daß sich fast gar keine Deutschen an der Demonstration beteiligten. Auch er bedauerte das, aber er war guter Hoffung: über 60% der Türken seien laizistisch eingestellt, die Vertreter der AKP seien in Deutschland inzwischen in der Minderheit und in der Türkei werde sich der brutale Polizeistaat nicht lange halten können. Der Mann war übrigens seit 6 Tagen unterwegs, er wohnt eigentlich in Mönchengladbach und begleitete die Demonstrationen der letzten Tage in ganz Deutschland.

Am Rande der Demonstration standen auch ein paar AKPisten, erkennbar an ihren finsteren Mienen und gelegentlichem wütendem Geschrei in Richtung der Redner auf der Bühne am Marktplatz. Glücklicherweise war hier mit drei Einsatzwagen die Polizei ausreichend präsent, so daß nichts passierte.

Insgesamt hatte ich einen überwältigend guten Eindruck von dieser Versammlung, ich habe selten so viele sympathische, offen wirkende und freundliche Menschen auf einer politischen Veranstaltung gesehen, mit Kindern und Familien, ein krasser Gegensatz zu den Demonstrationen  und Veranstaltungen von Palästinensern, Feministinnen oder grünen Verbotsfanatikern. Die Türkei wird es mit diesen Menschen schaffen, den Diktator Erdogan  zum Teufel zu jagen.





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2 Antworten zu Demonstration am 23.06.2013 in Bonn gegen Erdogan

  1. Paul schreibt:

    Türken demonstrieren in Deutschland gegen die Regierung Erdogan. Darin kann ich keinen Sinn erkennen. Diese Demonstration ist ohne jede Wirkung in die Türkei hinein. Sie trä-gt mit Sicherheit nicht dazu bei, dass dieser unsägliche Erdogan gestürzt wird.
    Es ist auch nicht bedauerlich, wenn fast keine Deutschen daran teilnehmen, sondern nur folgerichtig. Mit welcher Berechtigung sollten Deutsche in Deutschland gegen die türkische Regierung demonstrieren.

    Vor einigen Jahren, als Erdogan in Deutschland war und seine Landsleute begrüßte, hatten die Türken Gelegenheit gehabt ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen.
    Was haben sie getan? Lautstark Erdogan zugejubelt.

    Nur mal zum nachdenken.
    Was würde es bewirken, wenn Deutsche in der Türkei gegen Merkel demonstrieren?
    Wenn man darüber nachdenkt wird einem, so glaube ich, die ganze Idiotie dieser Demonstration bewusst.

    • meli schreibt:

      Lieber Paul
      Bei uns ist die Mäntalietät nun mal anders. Die ganzen Demos in Deutschland die Veranstaltet werden, soll unseren Bürgern in der Türkei zeigen das wir auch protestieren und das wir mitfühlen was alles dort geschieht. Es gibt viele Möglichkeiten das die Bürger dort das sehen können. Sie sehen das sie nicht alleine sind, sie sehen das wir (egal wo wir sind) zusammenhalten, sie sehen das wir bereit sind zu kämpfen und sie sehen, obwohl uns nicht so schlecht geht wie ihnen das wir uns in ihren Lagen hineinversetzen und für die Gerechtigkeit kämpfen. Am Anfang war mit Erdogan natürlich alles akzeptabel nur mit der Zeit hat er sein Wahres Gesicht gezeigt. Das ganze kann er natürlich nicht sofort in den ersten Jahren so radikal verändern. Nach und nach kahmen die neuen Regelungen, z.B Abtreibungen werden verboten jeder Haushalt soll mindestens 3 Kinder haben, unsere Bundeswehr hat nicht mehr diese Kraft und Macht wie früher weil die wichtigsten Generale in Gefängniß sind, die wichtigsten Feste von Atatürk wird nicht mehr gefeiert, alles was Atatürk erschaffen hat wurde in den letzten 2 Jahren abgeschafft, die 3. Brücke die in Istanbul gebaut wird soll den Namen Yavuz Sultan Selim bekommen er herrschte die Osmanische Zeit und töte tausende Aleviten. In Deutschland wird irgendwas auch nicht mit dem Namen Adolf Hitler benannt. Nun und wie er unsere Wirtschaft und Ekonomie wieder belebt hat das kann man sich ja schon vorstellen (verkauft verkauft verkauft). Osmanisches Reich soll wieder kommen ja das versuchte er jetzt zuletzt.Wir wollen eine moderne Türkei und nicht die extreme islamische Osmanische Zeit. Ein Diktator der gedacht hat mein Volk kann ich so regieren Sie haben bis jetzt ja das Mund gehalten. Tja und das Resultat lebt und sieht man jetzt. Es hat alles seine Zeit Paul. Man kann sich vieles gefallen lassen aber nicht alles. Ob Deutsche mitmachen oder nicht das ist dennen ihre Sache, Meinungsfreiheit gibt es ja hier noch zum Glück was in der Türkei es schon nicht mehr gibt. Wir würden uns natürlich darüber freuen wenn Deutsche mitmachen, so könnte man sehen das Türken und Deutschen sich in den vielen Jahren zusammen geschweißt haben. Wenn die Deutschen für etwas protestieren würden, hätte ich direkt mitgemacht um zu zeigen ich lebe hier mit euch und ich gehöre auch zu euch ich kämpfe für euch. Etwas mitgefühl muss man schon haben um das alles zu verstehen. Diese Sachen sind nur das minimum von Erdogan, ich hoffe nur das ich damit etwas deine Fragen beantworten konnte und warum diese Demos stattfinden.

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