Muslime in Bonn

Am Dienstag, den 26. Februar, trafen sich im Migrapolis – Haus der Vielfalt, Brüdergasse 16-18, in der Bonner Innenstadt Muslime und Musliminnen, Christen und Christinnen, Bürgerinnen und Bürger, um sich über den alltäglichen Rassismus der Bonner Bürgerinnen und Bürger gegenüber ihren muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern auszutauschen.

Angekündigt hatte diese Veranstaltung die Stabsstelle Integration der Bundesstadt Bonn unter dem Titel „Zusammenleben gestalten – Muslime in unserer Stadt“. Als Veranstaltungsort hatte man das seit dem 30.März 2011 für solcherlei Zusammenkünfte vielfach genutzte Migrapolis – Haus der Vielfalt gewählt, ein im Zentrum Bonns gelegenes Ladenlokal, in dem man sich u.a. zu folgenden Veranstaltungen trifft:

  • an jedem 1. Sonntag im Monat tagt dort das Café Palästina, eine Einrichtung des Instituts für Palästinakunde Bonn [8], das auf seinen Internetseiten die üblichen Klagen über den „Apartheidstaat Israel“ und den täglich stattfindenden Holocaust an den Palästinensern führt,
  • an jedem 1.Dienstag im Monat zur Gesprächsreihe Religionen und Gebet, Begegnung und Austausch über das Beten der Kulturen und der Religionen mit Beispielen aus den in Deutschland befindlichen Kulturen und Religionen,
  • KulturCafé mit Lesung und Brunch:
    Die interkulturelle und interaktive Schreibwerkstatt für Frauen mit und ohne Migrationshintergrund stellt sich vor.

Wir sehen: im Haus der Vielfalt herrscht keine Langeweile. Vorträge über den „Terrorstaat Israel“ werden dort ebenso regelmäßig gehalten wie „interreligiöse Exkursionen zur DITIB-Moschee und zum Bonner BuddhistTemple in Bad Godesberg“. Und genau in dieses Schema paßte auch die Podiumsdiskussion, die laut Bonner Generalanzeiger „durchweg gehaltvoll war“ [8], eine Aussage, die allerdings stark abhängig vom jeweiligen Standpunkt des Beobachters ist.

Betrachten wir ein paar Statements der Teilnehmer. Zunächst stellte die städtische Integrationsbeauftragte Coletta Manemann die Teilnehmer der Podiumsdiskussion vor:

Wir wollen nicht über Muslime reden, sondern mit Ihnen…
Deswegen haben wir heute abend eingeladen zu einer Gesprächsrunde mit Muslimen, die sich in vielerlei Hinsicht, in Vereinen, in Gruppen, in Initiativen, in den Schulen sehr intensiv und schon sehr lange …. und ich bin den Teilnehmern und den Teilnehmern (!!!) sehr dankbar…. Frau Dr. Sträter vom evangelischen Kirchenkreis Bonn…..

Frau Manemann hat wie alle Redner auf solchen Veranstaltungen das Problem mit der feministisch korrekten Sprechweise: sie wollte eigentlich sagen, daß sie den Teilnehmern und Teilnehmerinnen dankbar sei, aber inzwischen hat es sich sogar bei Reden im Bundestag so eingebürgert, daß man das „…innen“ wegläßt und nur noch etwas dahernuschelt von „Bürgern und Bürgern“, „Teilnehmern und Teilnehmern“ oder „Schülern und Schülern“. Wir sehen also großzügigerweise von einer Beschwerde bei der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Bonn ab und hören uns an, was die unterwürfig mit ihrem akademischen Titel angeredete Frau Dr.Sträter eingangs zu sagen hatte:

Frau Dr. Sträter:

Wir haben hier heute abend auf dem Podium Teilnehmerinnen und Teilnehmer… für ein friedliches und respektvolles Miteinander von muslimischen und nicht-muslimischen Bonner Bürgerinnen und Bürgern, wir haben auch Menschen hier, die hier in Bonn aktiv sind…
alle, möchte ich sagen, sind so an der Basis aktiv, in Dialogkreisen, in Stadtteil-Initiativen….

Sträter hat Theologie studiert und promovierte in Sozialwissenschaften. Sie hat ein Buch geschrieben mit dem Titel „Kopftuch und Kreuz: Muslimische Frauen aus evangelischer Sicht“ und hat auch mal als Pfarrerin gearbeitet. An diesem Abend war sie als Islambeauftragte des Evangelischen Kirchenkreises Bonn zuständig für die Moderation der Diskussion.

Wir wollen lieber nicht im einzelnen wissen, zu welchem Thema die Sozialwissenschaftlerin Sträter promoviert hat, es war schon anstrengend genug, das leere Geschwafel aus der Doktorarbeit von Annette Schavan auch nur ansatzweise in den Schavan-Plags zu lesen. Aber auch ohne Doktorarbeit ist das Gerede von den muslimischen und nicht-muslimischen Bonner Bürgerinnen und Bürgern, die allesamt ungeheur „aktiv“ sind, in Dialogkreisen, in Stadtteil-Initiativen, vielleicht noch in Gebetskreisen oder muslimisch-christlichen Gesprächskreisen, einfach nur abschreckend.

Sträter selbst und den zahlreich im Saal anwesenden vorzugsweise weiblichen Christen, pardon: Christinnen, gefiel es dagegen, den muslimischen Podiumsteilnehmern in jedem 2.Satz ihren „Respekt“ zu bezeugen, überhaupt schwelgte der ganze Saal im ständigen Respekt-Geraune vor sich selbst und den anderen, weil ja doch alle nur „Menschen“ seien, Religion spiele da gar keine Rolle.

Das meinte auch Younis Kamil, ehrenamtlich tätiger Sportbetreuer, der von der einseitigen Presse enttäuscht ist. Er liest keine Zeitungen mehr und informiert sich nur noch über das Internet.

Kamil spricht als einziger der Podiumsteilnehmer in seiner Anfangsrede von einer spürbaren Radikalisierung der Muslime in seinem Erfahrungsbereich („Bei Edeka darf man klauen, weil das Ungläubige sind“).

Frau Sträter runzelte darauf die Stirn und fragte Kamil:

Denken Sie, daß da ein Zusammenhang besteht, zwischen der Erfahrung der Ausgrenzung und der Bereitschaft, dann auch solche radikalen Botschaften auch zu hören?

Natürlich, natürlich!
So wie sich verzweifelte Palästinenser mit Steinen gegen terroristische rechtsradikale israelische Siedler und Soldaten wehren, so sind auch bei uns die muslimischen extremistischen Jugendlichen nur verzweifelt und können sich nicht anders wehren. Mit Religion hat das alles nichts zu tun, es sind die Rechtspopulisten, die Rechtsradikalen, die Banken und Großkonzerne und alle, die nicht genügend RESPEKT vor den muslimischen Menschen haben. Die Schuldfrage ist also geklärt, man kann sich anderen Themen zuwenden.

Z.B. dem Thema Frauen, Familie und Menschenrechte. Hierzu sprach die von Sträter aufgeregt und erwartungsvoll als „Frauen- und Menschenrechts-Aktivistin“ angekündigte (stolze) Kopftuchträgerin Saloua Mohammed, doch hatte man hier den Eindruck, in einer Reality-TV-Show von RTL II zu sitzen, wo sich bekanntlich besonders gebildete Zeitgenossen zu schwierigen gesellschaftlichen Problemen äußern.

Sträter:
Welche Rolle haben nun muslimische Frauen in der Dialogarbeit?

Saloua Mohammed:

Es ist genug Platz auf dieser Welt für uns… ich weiß gar nicht warum man so einen Hehl daraus macht…du bist Muslim, du bist Buddist, du bist dies du bist das…. ich mein, im Endeffekt wir sind Menschen… auch eine muslimische Frau hat Ängste, hat Träume, hat Wünsche, …’n stinknormaler Mensche, ja? So lang man DEN Muslim verteufelt, DEN Muslim nicht kennenlernen möchte… wir müssen echt anfangen, in unseren Köpfen aufzuräumen… viele Ängste entstehen hier oben, viele Ängste sind unberechtigt..

Ma‘ ganz ehrlich, wieviele Veranstaltungen haben wir schon gemacht über Muslime und Islam?… Aber es sind immer wieder dieselben Vorurteile die ans Tageslicht kommen… Auch wenn eine Muslima sich engagiert und in die Dialogarbeit reingeht…

Ich bin selbst aktiv in der Dialogarbeit, nicht nur hier in Bonn.. da sind Menschen, die dich aufrichtig kennenlernen wollen, die Respekt vor dir haben, Respekt als MENSCH, die dich als MENSCH ernst nehmen. Und ich finde, es ist doch eine Schande, daß wir darum heutzutage kämpfen müssen….

und ich finde, ein Mensch, der keinen Zutritt zu sauberem Wasser hat, der hat ’n ernsthaftes Problem…

Und so ging es weiter. Es gab nur am Ende der Veranstaltung einmal einen unruhigen Moment, als eine Zuhörerin den im Vorstand der Bonner DITIB-Moschee tätigen Abdlqalq Azrak auf die Tatsache ansprach, dass der Verfassungsschutz diese Moschee wegen der Auftritte von Salafisten überwache. Die Zuhörerin wurde durch einen empörten Aufschrei des gesamten Saales sofort daran gehindert, in dieser Richtung weiterzubohren.

Denn in einem waren sich die anwesenden Christen und Christinnen, Muslime und Musliminnen einig: in ihren Moscheen und Gotteshäusern wird ausschließlich gebetet, und das könne man ja Salafisten nicht verbieten.

Alle Zitate sind wortwörtlich von mir während der Veranstaltung notiert worden.


Anmerkungen und Links

[1] Gesprächsrunde: Zusammenleben gestalten – Muslime in unserer Stadt Bonn
[2] Integrationsratswahl am 7. Februar 2010
[3] Integrationsrat in Bonn
[4] Landesintegrationsrat NRW
[5] Bonner Institut für Migrationsforschung und Interkulturelles Lernen (BIM) e.V.
[6] Veggie-Tag: Bonn macht mit beim vegetarischen Donnerstag
[7] Bonner Generalanzeiger über die Veranstaltung am 22.02. im Haus Migrapolis
[8] Institut für Palästinakunde Bonn

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