Sexismus-Talkshow bei Anne Will

Am 30.Januar 2013 ging es bei der Anne Will Talkshow um eine neue Keule im „Ismen-Waffenarsenal“ der politisch Korrekten. Bisher wurde vor allem mit zwei Begriffen operiert, um in der Öffentlichkeit (wie z.B. einer Talkshow) spontanen Applaus zu bekommen: Rassismus und Antisemitismus. Die Keulen sind inzwischen so weit abgenutzt, daß sie als echte Waffen kaum noch taugen. Wer sich beispielsweise daran stört, daß immer mehr ganzkörperverschleierte Frauen in deutschen Innenstädten zu sehen sind, ist selbstredend ein Rassist, und letztes Jahr haben wir dazugelernt, daß auch alle Beschneidungs-Kritiker Antisemiten sind, was auch sonst. Kaum tritt man aus dem Haus, so ist man hierzulande von Rassisten, Antisemiten und seit neuestem auch von Sexisten umgeben.

Besonders aber an den Bars des Hotels Maritim. Denn nachdem Rainer Brüderle der STERN-Journalistin Laura Himmelreich an einer Bar des Hotels Maritim in Stuttgart vor gut einem Jahr nach einem Blick auf ihren Busen sagte:

„Sie können ein Dirndl auch ausfüllen.“

, war diese ein Jahr lang beleidigt, recherchierte hinter dem Frauenfeind Brüderle her und beschloß dann, ganz unabhängig natürlich von ihren Vorgesetzten und Kollegen im STERN, an die Öffentlichkeit zu gehen und für eine „schon längst notwendige breite Debatte“ über den alltäglichen Sexismus in Deutschland zu sorgen. Ob Brüderle diese wahnsinnig schrecklich verletzende und die Journalistin in ihrem Frau-Sein ganz eindeutig zutiefst herabwürdigende Äußerung wirklich getan hat, weiß kein Mensch mehr so richtig, weil es lediglich Himmelreich in ihrem Artikel schreibt und sonst niemand anders bestätigt.

Sieht man sich die Fotos von Frau Himmelreich an, so stellt sich allerdings auch die Frage, warum überhaupt jemand die o.a. Aussage ihr gegenüber hätte machen sollen. Aber es ist ja bekannt, daß mit fortschreitendem Alkoholgenuß die visuelle Wahrnehmung insbesondere des anderen Geschlechts sich verändert.

Doch unsere Medien haben sich nun mal das aus dem STERN-Artikel herausgegriffen, was ihrer Meinung nach die Bürger (die Menschen draußen im Lande, wie die Politiker zu sagen pflegen) am meisten interessiert: der Verstoß gegen feministisch begründete Anstandsregeln.

Und nun haben die Hersteller von Selbstklebe-Etiketten Hochkonjunktur: denn sexistisch ist ja fast die halbe Bevölkerung der Bundesrepublik, und allerorten, an Fabriktoren, Bürotüren und Haustüren klebt jetzt das Etikett „Sexist“. Feministische Kampftruppen und Einsatzteams mit Freiwilligen ziehen durch die Straßen, beobachten männliche Bürger beim Einkaufen, bei der Arbeit und an der Bar und notieren sofort alle Verstöße gegen unsere antisexistische Grundordnung.

Nun, ganz so weit ist es noch nicht gekommen, aber bei Anne Will waren drei der Teilnehmer der Meinung, daß es nun Zeit sei für eine neue „Frauenbewegung“, zumindest aber müsse es eine „breit angelegte, intensive Debatte über den alltäglichen Sexismus“ in unserer Gesellschaft geben. An der „Debatte“ bei Anne Will beteiligten sich:

Anke Domscheit-Berg, geb. Domscheit, verheiratet mit Daniel Domscheit-Berg, geb. Berg. Warum dieser nun nicht Berg-Domscheit heißt, kann man sich leicht denken: schließlich wurde seine Frau von Anne Will als „Anke Domscheit-Berg, Feministin“, vorgestellt. Wer mit einer hauptberuflichen Feministin verheiratet ist, hat gefälligst den Namen seiner Frau nach vorne zu stellen.

Beide sind Mitglieder der Piraten-Partei, in die man nur aufgenommen wird, wenn man weiß, daß ein Byte aus 23 = 8 Bits besteht. Ob sich die beiden schon mal klargemacht haben, daß ihre Enkel – würden sie ebenso gender-gerecht beim Heiraten auf gleichverteilte Nachnamen achten – womöglich 8 verschiedene Nachnamen in Kombination tragen müßten, halte ich für unwahrscheinlich. Denkbar wären z.B. schon in der nächsten Generation eine

Nadine Domscheit-Berg-Leutheuser-Schnarrenberger

oder auch ein

Kevin Gabriel-LaFontaine-Domscheit-Berg

woraus folgt, daß die Gleichstellungsbeauftragten der Städte demnächst weitere Aufgabenfelder bekämen wie z.B. die Festlegung einer aus maximal 2 Nachnamen bestehenden Kombination für den Familiennamen. Vielleicht brauchen die Gleichstellungsbeauftragten dafür auch eine weitere Halbtagskraft, so wird auf jeden Fall für Beschäftigung gesorgt. Mehr Feminismus = mehr soziale Gerechtigkeit und mehr Arbeitsplätze, würde jetzt Katja Kipping sagen .

Was bewog die beiden, sich bei den Piraten politisch zu engagieren? Bei Anke Domscheit-Berg ist dies klar: sie möchte gerne in den Bundestag. Da wird man dann 4 Jahre lang auf Diät gesetzt, kann nebenher Reden halten und in deutschen Talkshows als Feministin glänzen. Also hat sie sich nach ihrem Beitritt im Mai 2012 flugs um den Listenplatz 1 in Brandenburg für die Bundestagswahl 2013 beworben. (Leider klappte das nicht, sie kam nur auf den Platz 2, aber wenigstens ist sie noch Direktkandidatin im Bundestagswahlkreis Oberhavel – Havelland II. )

Womöglich hat Anke also auf das falsche Pferd gesetzt, auch weil den Piraten nur noch ganz schlechte Chancen für einen Einzug in den Bundestag eingeräumt werden – da wären die GRÜNEN als Sprungbrett für eine politische Karriere die bessere Wahl gewesen. (Für den Ehemann Daniel Domscheit-Berg, der zeitgleich seiner Frau in die Piraten-Partei folgte (warum wohl?) verweise ich nur auf die Wikipedia-Seite [2], die ein interessantes Bild dieses Menschen ergibt).

Neben Anke Domscheit-Berg saßen Renate Künast und Heiner Geissler , beide Dauergast in deutschen Talkshows – Geissler wurde bisher 41 mal eingeladen, Künast 34 mal (Statistik bis zum 23.01.2013). Daß Künast zur Sexismus-Diskussion eingeladen wurde, leuchtet jedem ein – bei Geißler lieferte Anne Will zu Anfang gleich die Begründung mit: manch einer habe schon gesagt, er sei die beste Frau der CDU.

Damit wäre die übliche politisch korrekte Mehrheit der Talkshow zusammengestellt. Die Ihnen gegenübersitzende Minderheit bestand zum einen aus Monika Ebeling, jener Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Goslar, die 2011 nach „teils heftiger Diskussion“ auf Antrag der LINKEN mit Stimmen aus allen Fraktionen ihres Amtes enthoben wurde [10]. Grund dafür war eine Kampagne der grünen Stadträtin Doris Juranek, derzufolge Ebeling die Benachteiligung von Männern aufzeigen und beseitigen wolle – dies sei nicht der politische Wille der GRÜNEN [10].

Verständlich, daß bei einem solchen Gegenüber die sowieso schon immer abwärts gerichteten Mundwinkel von Renate Künast nun schon fast bis zu den Schultern runterhingen. Zumal der neben Monika Ebeling sitzende SPIEGEL-Author Jan Fleischhauer auch nicht gerade ein Freund der GrünInnen ist, wenn er auf seinem SPIEGEL-Blog schreibt:

Die Verbindung von Brüderle-Affäre und Frauenquote zeigt, wohin die Sexismus-Debatte eigentlich zielt: auf die Eroberung von Machtpositionen über die moralische Abwertung des Gegners.

Hier trifft Fleischhauer den Kern: es geht letztendlich um Geld und Ressourcen. Das wird sowohl in dieser als auch bei der nächsten Diskussion mit Maybritt Illner an einigen Stellen deutlich.

Lesen wir, wie sich Renate Künast bei Anne Will von der „unanständigen Entgleisung des Rainer Brüderle“ über die sexistisch angemachte Supermarkt-Kassiererin zum Kern der Debatte durchstottert, nämlich der Frauenquote in Aufsichtsräten und Vorständen:

Künast:

Es wäre vielleicht anständig gewesen, wenn er sich am nächsten morgen gesagt hätte, das war eine Entgleisung, Entschuldigung, sind wir jetzt… also is‘ jetzt wieder gut? Das wär soz. anständig gewesen, wenn er gemerkt hätte, daß er sich – ja mindestens – im Ton weitgehend vergriffen hätte …

Von der unanständigen Entgleisung gehts dann flugs über zur völkischen „Bewegung“, jetzt der dritten ihrer Art, in der sich die Massen erheben und in hunderttausenden von Debattierclubs ihre Betroffenheit zum Ausdruck bringen, einen Paradigmenwechsel herbeiführen wollen und Fragen nach den Wurzeln stellen:

Künast:

daß wir jetzt alle in so ’ner Art dritter Frauenbewegung über den alltäglichen Sexismus diskutieren können und müssen und über die Frage: sind Frauen in diesem Land gleichgestellt?

(Spontaner Beifall bei den langhaarigen, bärtigen und aus den 60ern durch Zeitreise in die Gegenwart gebeamten Männern, die zufällig in der Sendung anwesend und begeistert über die Beiträge von Künast und Geissler waren)
Richtig! Denn aus dem Blick in den Dirndl-Ausschnitt folgt, daß die betrachtete Frau nicht gleichgestellt ist. Das wäre ja auch schrecklich. Nur: wie ändern wir das? Sollen wir vielleicht einfach „die Menschen da abholen, wo sie sind„, und dann „ganz gezielt einfordern, worauf wir als echt irgendwo Betroffene“ Anspruch haben, oder nur „angemessene, sachorientierte Konfliktlösungsstrategien erproben„?

Fragen über Fragen, schaun wir, was Künast dazu meint:

Künast:

Ich will nicht da leben, wo ich dreimal am Tag sagen muß: Halt! Stop! Fass mich nicht an!…

Eine interessante Vorstellung: jemand möchte eine GRÜNEN-Politikerin auf offener Straße oder in einem vegetarischen Restaurant „anfassen“. Halt! Stop! So geht’s ja nun nicht!

Künast:

Und ich finde, wir sollten die Debatte führen: wie ändern wir die Strukturen, in Deutschland auch als Vorbild,

Das ist immer besonders wichtig, daß wirrrr Deutschen ein Vorrrbild sind! Und zwarrr fürrr die ganze Welt!

Künast:

damit Frauen mehr erwerbstätig sein können, damit Frauen Karriere haben können, und vielleicht isses dann so, wenn auch in großen Konzernen dann die Frauen in den Aufsichtsräten und Vorständen sitzen, daß dann schlicht und einfach bestimmte Dinge soz. tief in der Nacht, wo man noch überall so hingehen kann, um Frauen zu treffen oder so,

Tief in der Nacht, da kann man also „überall so hingehen“. Um Frauen zu treffen oder so. Das sollte man abschaffen. Zum Beispiel durch ein Ausgangsverbot für Männer zwischen 02:00 und 05:00 Uhr nachts. Dann könnten Frauen schön unter sich sein in den Bars und brauchten keine Angst haben, daß ihnen lüsterne Vorstandsvorsitzende oder Spitzenkandidaten von Parteien in den Ausschnitt gucken.

Künast:

….(daß dann solche Dinge ) NICHT mehr passieren, weil sie einfach transparent sind und nicht in so ner letzten Gruppe von reiner Männerherrlichkeit (8 Männer gehen zusammen irgendwohin) passiert. Frauen werfen einen Blick drauf und machen es deshalb in der Arbeitswelt anderen Frauen auch möglich, sich stärker zu bewegen und entwickeln (Geissler brummt dazwischen: richtig!). Und da müssen wir Vorbild sein. Denken wir an Indien und die Vorfälle mit den Frauen, die da wirklich vergewaltigt, geschlagen….

Das ist eine wirklich überzeugende Hinleitung zum Thema Quote. Bevor Renate Künast Bundesministerin für die Gleichstellung kinderloser Frauen wird, muß sie allerdings noch einige Hürden überwinden. Nicht schlecht wären z.B. ein Grundkurs für logisches Denken und ein paar Weiterbildungsseminare zum Thema „Arsch-Abwischen bei Babys mit Verdauungsbeschwerden“ oder „Schlaflieder in der Endlosschleife – wenn mein Baby mich nicht mehr schlafen läßt“. Danach könnte sie sich vielleicht mit Birgit Kelle in einer neuen Talkshow bei Anne Will über „Frauen mit und ohne Kinder“ unterhalten.

Ich habe allerdings wenig Hoffnung, daß sie den Logik-Grundkurs schafft. Logik ist für GRÜNE so etwas wie Evolutionstheorie für Kardinal Meissner oder Gene für Sigmar Gabriel: alles bähhh.

Lesen Sie zum Abschluß noch einen kleinen Ausschnitt dessen, was Heiner Geissler (Künast: Heiner Geissler, unser Ehrenfeminist!) an diesem Abend von sich gegeben hat, nicht wahrrr:

Heiner Geissler:

Er ist nach meiner Auffassung über das hinausgegangen, was man machen darf.
–….
er hat sich nicht entschuldigt, das ist für ihn ein Nachteil, aber es ist insgesamt ein Vorteil, weil wir nun endlich diese überfällige Diskussion über den Sexismus in Deutschland

sondern der Ort… jetzt bitte, soll niemand erschrecken, ähm, in dem am meisten und am intensivsten, aber auch am verstecktesten Sexismus ausgeübt wird, d.h. verbale oder physische Gewalt, ist die Ehe und die Familie. Darüber muss man diskutieren. Das ist der Dunkelraum, den wir in unserer Gesellschaft haben, …

Was Frau Ebeling sagt, sind alles nur Ablenkungsmanöver, die uns wegbringen sollen von dem eigentlichen Thema, nämlich verbale, psychische oder physische Gewalt gegen Frauen, und nicht umgekehrt, das ist die Realität!…

ja Moment, auf der Welt gibt es drei Milliarden Frauen, das ist der größte Bevökerungsanteil der Menschheit, es gibt keinen Bevökerungsteil auf der Erde, heute, der mehr diskriminiert und entrechtet wird als die Frauen, das kann doch kein Mensch bestreiten! Und was wir hier in Deutschland haben, ist in Deutschland längst nicht mehr so, ist richtig, wir haben 100 Millionen Analphabeten, äh… eine Milliarde Analphabeten, und davon sind 80% Frauen, aber doch nicht deswegen, weil die dümmer sind, sondern weil sie in dem von Männern veranstalteten Herrschaftsstrukturen und den Bildungsssystemen ferngehalten werden, das war bei uns vor 100 Jahren noch genauso, die konnten kein Abitur machen, kein Universitätsexamen, das hat sich bis heute gebessert, aber es ist immer noch nicht besser geworden!

Über 50% der Studierenden sind Frauen, bei uns in Deutschland, aber nur 8 % Professorinnen, sie schaffen es nicht, weil sie nach wie vor in einer Gesellschaft arbeiten müssen, nicht wahr, wo sie nicht gleichberechtigt arbeiten dürfen.


Anmerkungen und Links

[1] Anke Domscheit-Berg bei Wikipedia
[2] Daniel Domscheit-Berg bei Wikipedia
[3] Dirndl-Fantasien und Sexismus (Teil II) von Gideon Böss
[4] Dirndl-Fantasien und Sexismus (erster Teil) von Gideon Böss
[5] Wie Sexismus entsteht – und warum es dafür keine Entschuldigung gibt, von Bernd Lassahn
[6] Anne Will hat Sexismus-Talk besser im Griff als Jauch (Alexander Jürgs in der WELT)
[7] Dann mach doch die Bluse zu! (Birgit Kelle)
Leher Dr.Specht 1998 über Neger, Zigeunerschnitzel und links/grüne Political Correctness
[9] STERN Artikel von Laura Himmelreich
[10] Wikipedia über Monika Eberling

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2 Antworten zu Sexismus-Talkshow bei Anne Will

  1. Komödchen schreibt:

    Gut gemacht Junge , habe mich schon während der Sendung köstlich amüsiert , Suverän waren eh nur Herr Fleischhauer u. Frau Ebeling ! Danke , armes Dt. das es ist mit solchen ……….. !!!

    • Momo schreibt:

      Souverän heißt das, SOUVERÄN! Tja, die armen Männer, alle über einen Kamm geschoren. Dabei gibt es tatsächlich welche, die würden gar nicht auf die Idee kommen, einen sexistischen Spruch gegen eine Frau zu schleudern, ganz einfach, weil diese Männer eine Frau in erster Linie als MENSCHEN wahrnehmen und behandeln … Na, ja und dann gibt es halt solche wie meinen Ex-Kollegen, dem mein Rock zu lang war (ich lach‘ mich schlapp). Weil ich ihn vorher als MENSCHEN wahrgenommen und behandelt hatte, hat mich das wohl doch ein bisschen getroffen, vor allem, weil das nicht die einzige fiese Attacke in seinem sexistischen Machtspielchen war. Finde ich nicht witzig, wenn das Geschlecht genutzt wird, jemanden zu demütigen. Demütigung finde ich sowieso überhaupt nicht witzig und Sexismus ist für mich genau das. Seine Hose war mir übrigens nie zu lang, geht mich ja schließlich auch nichts an.

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