Alan Turing

Heute kam ich im Rahmen des „dies academicus“ der Universität Bonn in den Genuß mehrerer Vorträge. Nur einer davon beeindruckte mich wirklich, nämlich ein Vortrag von Peter Koepke über „Berechenbarkeit und ihre Grenzen – zum 100.Geburtstag von Alan Turing“. Ich möchte gleich ohne Umschweife direkt auf den Punkt kommen, der mich wirklich zutiefst beeindruckte: Turing, dieser geniale Mathematiker, Begründer der Informatik und Inspirator jenes Teams von Wissenschaftlern in Bletchley Park, die den Code der deutschen Verschlüsselungsmaschine ENIGMA knackten und damit wesentlich zum Sieg über die deutsche Wehrmacht beitrugen, wurde nach dem 2.Weltkrieg in England wegen seiner Homosexualität vor die Wahl gestellt, entweder ins Gefängnis zu gehen oder sich einer Hormontherapie zu unterziehen. Nach einem Jahr Hormontherapie beging Turing Selbstmord – mit 41 Jahren. Das alles ist bekannt und heute, im Jahre 2012, wird zu seinem 100.Geburtstag in vielfältiger Weise dieses Mannes gedacht.

Doch Peter Koepke erwähnte einen Brief von Turing, den dieser nach dem frühen und plötzlichen Tuberkulose-Tod seines geliebten Schulfreundes Christopher Morcom an seine Mutter schrieb. Turing schrieb darin:

Liebe Mutter,

Ich bin mir sicher, daß ich Morcom irgendwo wieder treffen werde und daß es Arbeit für uns geben wird, die wir gemeinsam tun können, wie ich glaubte, daß es sie hier für uns gäbe. Nun, da ich übriggeblieben bin, um sie allein zu tun, darf ich ihn nicht im Stich lassen, sondern muß ebenso viel Energie hineinstecken, wenn auch nicht so viel Interesse, wie wenn er noch da wäre. Wenn ich Erfolg habe, werde ich geeigneter sein, mich seiner Gesellschaft zu erfreuen, als ich es jetzt bin….
Es tut mir leid, dass er weggeht. Es scheint mir niemals in den Sinn gekommen zu sein, zu versuchen, mir ausser Morcom noch andere Freunde zu machen…..

Hier ist der Punkt, wo jedem Menschen, der so etwas wie Mitgefühl und Empfindsamkeit sein eigen nennt, die Tränen kommen müssen. Ich bewundere Alan Turing, der seiner Mutter diesen und später noch andere Briefe schickte, die zeigen, daß er ein liebenswerter, genialer und bescheidener Mensch war, dem das Schicksal leider sehr übel mitspielte.

Anmerkungen und Links

Andrew Hodges: Alan Tunring, Enigma

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