Frank Plasberg, Sandra Maischberger, Anne Will, Günther Jauch und Maybritt Illner, Statistik Dezember 2002 bis 2017-08-31


(Wer das nachfolgende Vorwort schon kennt: hier geht es direkt zu den Auswertungen!)
Wer eine Talkshow bei den Öffentlich-Rechtlichen sehen will, muß nicht lange nach einem Sendetermin suchen: ARD und ZDF bieten laut Wikipedia mindestens 17 Sendungen dieses Formats an, die meistens einmal pro Woche ausgestrahlt werden. Es wird gequatscht, was das Zeug hält, und wenn die Quote nicht mehr stimmt, wird der Sendetermin verlegt, der Moderator ausgetauscht oder gleich die ganze Sendung gegen eine neue Talkshow. Die Sender mögen von ihren Talkshows nicht lassen – sie sind zu einem Dauerbrenner im Fernsehen geworden, von dem auch die Online-Redaktionen der großen Tageszeitungen profitieren. Kaum hat Frank Plasberg seine peinliche Endbefragung der Gäste eingeleutet(„Stellen Sie sich vor, sie wären zusammen mit den anderen hier anwesenden Gästen …“), da stürzen sich die Online-Redakteure von SPIEGEL, WELT und FAZ auf ihre Computer und schreiben die ersten bissigen Kommentare zur Sendung. Je schlechter die Sendung, je peinlicher die Entgleisungen der Gäste, desto größer ist die Freude bei den Journalisten, die die Sendung zerpflücken dürfen.

Für den Statistiker sind die Talkshows aber auch noch aus einem anderen Grund interessant: fast alle Sendungen sind gut dokumentiert, die Themen und die Gäste sind bekannt, und auf den Servern von ARD und ZDF findet man Kopien, sofern die Sendung nicht älter als ein Jahr ist. In Gästebüchern und Internetforen können die Zuschauer sich schon Tage vor der Sendung über die Themen austauschen, und Plasbergs „Faktencheck“ nach der Sendung prüft noch mal alle unklaren Behauptungen der Gäste. Wer also eine statistische Aufbereitung der Talkshows vorhat, kann aus dem Vollen schöpfen.

Es ist allerdings nicht immer einfach, an die Sendedaten aller vergangenen Talkshows zu kommen, zumal nach dem neuen Rundfunkgesetz die Sendungen nicht länger als ein Jahr im Internet stehen dürfen. Wenn man Daten zu den frühen Sendungen von Maischberger und Illner bekommen will, stellen sich die Redaktionen schon mal quer, weil es angeblich „rechtlich“ nicht möglich sei, das Thema einer Talkshow zu nennen, die mehr als 8 Jahr zurückliegt. Das von mir erfasste Datenmaterial beginnt daher mit dem 05.Dezember 2002 und führt bis zum aktuellen Tagesdatum (hier der 31.08.2017), die davor liegenden Jahre konnten – bisher – nicht erfasst werden. Eine weitere Lücke sind die Themen der Sendungen von Sandra Maischberger zwischen dem 0.2.09.2003 und dem 05.03.2008, deren Bekanntgabe mir die Redaktion bisher verweigerte. Bis auf diese Themenlücke sind aber alle Daten vollständig, insbesondere die Gästeliste der erfassten Talkshows.

Die folgenden Tabellen und Grafiken basieren auf Auswertungen einer Datenbank, in der die Talkshows, die Sendungen und die Gäste gespeichert sind. In diesen Tabellen ist häufig die Rede von „mehrfach Eingeladenen“, „mehrfach Erfassten“ oder „mehrfach gezählten Personen“. Was bedeutet das? Zunächst haben wir eine Grundmenge G von eingeladenen Personen:

G={„Gregor Gysi“, „Renate Künast“,…}

Da Gysi aber – siehe diese Tabelle – mehrere male eingeladen wurde (wir nehmen mal an, er wäre n-mal eingeladen), dann ist er in der Menge der Eingeladenen auch in n-facher Kopie vorhanden, dasselbe gilt für die anderen Personen aus der Grundmenge G, die mehrfach eingeladen wurden. Die Menge E der Eingeladenen ist also erheblich größer als die Grundmenge G, und das ist der Grund, weshalb Prozentangaben wie „40% der Gäste sind Frauen“ genauer spezifiziert werden müssen (siehe Frauenanteile ).
Sie sehen den Unterschied zwischen der Grundmenge G und der Menge der Eingeladenen E sehr deutlich an den Grafiken Gegenüberstellung einfach/mehrfach eingeladene Teilnehmer.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Klassifizierung der Themen. Diese mag in vielen Punkten verbesserungswürdig sein, es ist aber wichtig, nicht zu viele Klassen zu definieren, weil sonst keine Unterschiede mehr zwischen diesen gemessen werden können. Da alle Auswertungen für die einzelnen Talkshows in getrennten Tabellen und Grafiken vorliegen, kann man hier sehr gut erkennen, wo die einzelnen Moderatoren ihre Schwerpunkte haben.

Zum Schluß noch eine erstaunliche Erkenntnis: eine Frauenquote bei den Gästen scheint es nicht zu geben, denn im Schnitt sitzen bei den Eingeladenen zu 75% Männer, obwohl die Mehrheit der Moderatoren weiblich ist. Das könnte damit zusammenhängen, daß die Moderatoren und Redaktionen sich bei der Auswahl der Gäste (oder wie man in Österreich schon sagt: „Gästinnen“) nur von sachlichen Kriterien leiten lassen – und nicht von sexistischen. Hoffentlich bleibt das so.


Seit dem 14. Oktober 1999 sendet Maybritt Illner im ZDF ihre Talkshow, Sandra Maischberger gibt es es seit dem 2.September 2003, Frank Plasbergs „Hart aber Fair“ kann man seit dem 31. Januar 2001 im ersten Programm des ARD verfolgen. Die restlichen zwei Talkshows sind neueren Datums: Anne Will sendet seit dem 16. September 2007 und Günther Jauch seit dem 11. September 2011. Seit dem 29.11.2015 gibt es die Talkshow von Günther Jauch nicht mehr.


Klicken Sie hier, um sich die Auswertungen der Talkshows anzusehen!

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3 Antworten zu Frank Plasberg, Sandra Maischberger, Anne Will, Günther Jauch und Maybritt Illner, Statistik Dezember 2002 bis 2017-08-31

  1. Autor schreibt:

    Reblogged this on GEGENREDE.net.

  2. Pingback: Hinweise des Tages | NachDenkSeiten – Die kritische Website

  3. philgeland schreibt:

    Danke für die Aufstellung, das war die Mühe wert. Trotzdem ist es immer noch besser, sich zuweilen besagte Quatschsendungen anzugucken (kurz überlegt, ob hier Gänsefüsschen angebracht wären), als Blockbuster oder Soaps zu gucken. Erstere haben nämlich meiner Meinung nach, schon ein gewissen Unterhaltungswert, welcher „the industry“ leider abkommt.

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