Jakob Augstein: im Zweifel gegen Israel

Am Donnerstag, den 12.04.2012, sprach man bei Maybritt Illner über das Thema „Grass am Pranger – Ist Kritik an Israel wirklich ein Tabu?“. Zu Gast waren u.a. Franziska Augstein, Tochter des verstorbenen SPIEGEL-Gründers Rudolf Augstein sowie Peter Scholl-Latour, der erst vor kurzem im Iran gewesen ist. Scholl-Latour („PSL“), der Obernuschler unter den Nahost-Kennern, ist in solchen Sendungen immer gerade in Nairobi, Kabul oder Teheran gewesen, er ist wie Jürgen Todenhöfer ein Weltreisender in Sachen Selbstdarstellung und weiß immer genau, was „der Westen“ falsch macht, nämlich alles. PSL vertrat in der Sendung die These, die Iraner sähen sich zunehmend „diskriminiert, weil sie keinen Zugang zur nuklearen Technik haben“. Dennoch gehe im Augenblick die größere Gefahr von Israel und dessen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu aus [12]. Nun haben ja weder Venezuela noch Saudi-Arabien oder Kuwait Zugang zur nuklearen Technik, brauchen diese aber auch gar nicht, weils dort überall schön warm ist und das Öl dafür sorgt, daß die Öfen nicht ausgehen. Sofern man dort überhaupt einen Ofen braucht. Wozu braucht also der Iran einen „Zugang zur nuklearen Technik“? Das Land schwimmt in Öl und Gas und liegt geographisch so, daß es nur einen Bruchteil der Energie zum Heizen braucht, die wir in Deutschland verbrauchen. Worin also die „Diskriminierung“ der Iraner liegt, ist mir schleierhaft, es sei denn, sie fühlten sich ungerechterweise vom Atombomben-Basteln ausgeschlossen.

Franziska Augstein dagegen fürchtet sich vor einem Angriff Israels auf Iran: „Das wäre für die ganze Welt – und auch wenn es nur mit konventionellen Waffen geschieht – fürchterlich.“ Dabei haben die Israelis schon einmal mit Erfolg einen Angriff mit konventionellen Waffen gegen einen sehr weit entfernten Gegner geführt – den Irak (siehe Bild links). Glaubt man Franziska Augstein, so würde sich die ganze Welt, auch die Malaysianer, die Australier und die Namibier, fuchtbar ängstigen. Und mit Sicherheit gäbe es einen gewaltigen Flächenbrand im Nahen Osten, der alle paar Wochen von deutschen Politikern warnend angekündigt wird, für den Fall, daß wir die Kriegstreiber im Apartheidsstaat Israel weiter mit U-Booten beliefern. Wie schrecklich! Und was wäre erst, wenn die Militärs in Jerusalem ihre Atomwaffen gegen die friedliebende Bevölkerung des Iran in einem Erstschlag einsetzen würden? Nicht auszudenken! Wie gut, daß es fortschrittliche Menschen wie Franziska Augstein gibt, die uns daran erinnern, daß wir ein Recht auf Widerstand haben!

Sie ist da übrigens derselben Meinung wie ihr Bruder Jakob Augstein, der ein paar Tage später, ebenfalls in einer Talkshow zum Thema Günther Grass, ähnlich überzeugende Thesen vertrat. Diesmal trafen sich bei Günther Jauch

  • der Schauspieler und Buchautor Michael Degen,
  • der Historiker und Publizist Michael Wolffsohn,
  • die ehemalige Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein, Heide Simonis,
  • Jakob Augstein, sowie
  • Dirk Niebel, dessen Posten als Talkshow-Dauergast demnächst vom Berliner Piraten-Abgeordneten Gerwald Claus-Brunner übernommen wird.

In dieser illustren Runde nun konnten wir Jakob Augstein erleben, wie er eifrig an der Phrasendreschmaschine des politisch korrekten Israel-Kritikers drehte:

Jakob Augstein:

…daß Israel, was diesen Weltfrieden betrifft, von dem er (Grass) spricht, wo man sich ja auch fragen muß: gibts den eigentlich, aber lassen wir das mal dahingestellt, aber daß Israel diesen Frieden – im Moment jedenfalls – mindestens genauso gefährdet wie der Iran, weil Israel nun mal das Land ist, das durch die Welt seine Emissäre schickt, um überall Unterstützung für einen Angriff auf den Iran einzuholen, für einen Angriff, der ja völkerrechtswidrig wäre, und in dem die BRD aufgrund der Worte von Angela Merkel in der Knesseth damals, die Sicherheit Israels sei Teil der deutschen Staatsräson, ja, mit hineingezogen wäre, insofern geht uns das was an. Phänomenal wichtiges Thema, über das meiner Meinung nach tatsächlich zu wenig geredet wird, und jetzt wird drüber gesprochen, und das macht das Gedicht auf jeden Fall wertvoll.

Nehmen wir als erstes das Wort völkerrechtswidrig. Es ist eines der beliebtesten Schlagworte in der Antisemiten-Szene. Egal ob man auf die Webseiten der Israel-Hasser ([8]) schaut oder die Aussagen von Rupert Neudeck, Evelyn Hecht-Galinski oder Udo Steinbach verfolgt: völkerrechtswidrig ist für diese Leute fast alles, was mit Israel in Verbindung gebracht werden kann.

  • Udo Steinbach bei „Hallo Ü-Wagen“ [7]:wir haben ganz konkrete Handlungen Israels kritisiert, wenn sie völkerrechtswidrig waren, aber das hatte mit einer antijüdischen Attitüde oder mit Antisemitismus nichts zu tun.
  • Der Grünen-Abgeordnete und Vorsitzende der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe, Jerzy Montag, sagte am Mittwochmorgen im SWR, die Bundesregierung müsse Israel “noch deutlicher” machen, dass der Siedlungsausbau in den besetzten Palästinenser-Gebieten völkerrechtswidrig sei [13]
  • Evelyn Hecht-Galinski bei „Hallo Ü-Wagen“ [7]:alle Siedlungen sind nach dem Völkerrecht widerwärtig und falsch
  • Reinhard Lütkemeyer in seinem Blog [8]:…von dem völkerrechtswidrigen Weiterbau sogenannter israelischer „Siedlungen“ auf geraubtem palästinensischem Land abzulenken
    …bevorstehenden völkerrechtswidrigen amerikanisch-israelischen Luftangriffe auf den Iran/Syrien
    ….um einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg des „Proisraelischen Westens“ gegen einen Staat aus dem muslimisch-mißliebigen „Rest der Welt“ handeln wird
    ….Im „Verdeckten US-/IL-Kampf gegen den Terror“ werden mit den Hellfire-Raketen der US-/IL-Drohnen in muslimischen Ländern inzwischen jede Woche völkerrechtswidrig irgendwo ein paar Dutzend Muslime gezielt getötet.
    …..seine völkerrechtswidrigen „Siedlungen“ in den besetzten palästinensischen Gebieten
    ….

Wer einen Blick auf die einschlägigen Seiten der linken antisemitischen Szene wirft, wird feststellen, daß auch dort – zumindest im Zusammenhang mit den Erzfeinden USA und Israel – der Terminus „völkerrechtswidrig“ mindestens genauso beliebt ist wie die Wortkombination „sozial gerecht“.
Woher kommt die Obsession auf das Wort völkerrechtswidrig? Die meisten Leute wissen ja gar nicht, was „Völkerrecht“ ist, sie benutzen das Wort nur, weil sie glauben, daß es eine Art „oberste Instanz“ bezeichnet, die von allen Menschen und Institutionen anerkannt wird. Derjenige, der sich auf diese „oberste Instanz“ beruft, kann davon ausgehen, von einer größeren Menge Menschen Beifall zu bekommen als wenn er sich nur auf seinen Nachbarn oder den bei Israel-Kritikern obligatorischen jüdischen Freund beruft. Genau derselbe Mechanismus wirkt, wenn diese Leute sich auf UNO-Resolutionen, Beschlüsse des UN-Menschenrechtsrates oder des Sicherheitsrates berufen. Es klingt einfach „amtlich“, und je weiter oben das „Amt“ angesiedelt ist, desto beweiskräftiger scheint die Behauptung zu sein. Und so verleiht Jakob Augstein seiner Behauptung, daß Israel einen Angriffskrieg gegen den Iran plane, die höheren Weihen, indem er den Terminus „völkerrechtswidrig“ hinzufügt.

Augstein benutzt in seinem Eingangsstatement eine weitere typische Verdrehung der tatsächlichen Verhältnisse. Er behauptet nämlich, daß über das Thema Israel und seine Angriffskriege „meiner Meinung nach tatsächlich zu wenig geredet wird“. Damit befindet er sich auf einer Linie
mit dem Berliner Piraten-Abgeordneten Gerwald Claus-Brunner, der der Meinung ist, daß seit 60 Jahren im Nahen Osten ein Konflikt herrscht und niemand kümmert sich darum.
Das alles ist völlig absurd. Augstein sollte es besser wissen, wird doch in seinem hauseigenen Blatt, dem SPIEGEL, fast in jeder Print-Ausgabe das Thema Israel behandelt. Und SPIEGEL-Online berichtet zusätzlich ebenfalls fast wöchentlich über Israel: Ulrike Putz, Andre Marty und Juliane Mittelstaedt sorgen dafür, daß die SPIEGEL-Leser das richtige Bild von Israel im Kopf behalten: Raketen gegen Steinewerfer, verzweifelte Selbstmordattentäter gegen militante Siedler, eine Apartheid-Mauer aus Beton und ein Massenmörder als Ministerpräsident.

Das alles aber ist ja nichts neues, denn Jakob Augsteins Stiefvater Rudolf Augstein hatte mit Juden im Allgemeinen und mit Israel im Besonderen, nun, sagen wir: ein Problem [9]. Liest man die folgenden Ausschnitte aus seinen Kommentaren, so muß man unwillkürlich an seinen Parteikollegen Möllemann denken:

Rudolf Augstein im SPIEGEL 29/1982:

„Denn wir täuschen uns, wenn wir uns trösten, der große, der Atomkrieg, werde nicht von den Eigendynamikern à la Arik Sharon inszeniert werden.“

Im SPIEGEL 42/1990:

„Es dürfen sich nun nicht dieselben Leute, die uns und denen, die nach uns kommen, die Erinnerung an die Rampe von Auschwitz für immer ins Gedächtnis brennen wollen […], den Palästinensern gegenüber als ,Herrenmenschen’ aufführen.“

Im Spiegel 18/1992:

„Möglichst viele Juden der ehemaligen Sowjetunion sollen nicht in andere, wohlhabendere Länder, sondern nach Israel auswandern. Sie sollen, dies der Hintergedanke, in den seit 1967 besetzten arabischen Gebieten siedeln, den dort ansässigen Arabern also weiteres Unrecht zufügen….

… [wurden die Palästinenser] Opfer der Anmaßung von Leuten, die in der eigenen Geschichte erfahren haben, wie man mit Minderheiten nicht umgehen sollte und wohin der Mangel an Toleranz führt.“


Im SPIEGEL 11/1988 [17]:

Es geht nicht, daß der Industrieminister Ariel Scharon, Mitverantwortlicher des Schlachtens in den Lagern Sabra und Schatila, sich wie ein ungekrönter König in der eroberten arabischen Altstadt niederläßt, gepanzert und bewacht (während wir in der Bundesrepublik noch dem letzten damals achtzehnjährigen SS-Schergen hinterherspüren, der sich 1945 an Leib und Leben diskriminierter Feinde vergangen hat)
….„Groß-Israel“, dieser Eroberungsstaat von Kriegern und Siedlern, hängt wie der sich selbst konservierende Buren-Staat vom Wohlwollen der USA ab, in denen eine mächtige jüdische Lobby verständlicherweise Einfluß ausübt.
…Beides sind „rassistische“ Staaten, in denen es Bürger gibt, Bürger zweiter Klasse und Menschen gänzlich ohne Recht. Während in Südafrika die Mehrheit der Schwarzen überwältigend ist, wird es in „Groß-Israel“ noch eine Weile dauern, bis besetzte und unbesetzte Araber zahlenmäßig den jüdischen Israelis gleichstehen, aber nicht mehr allzulange. Man wird dem Faschismusforscher Ernst Nolte recht geben müssen, und sei es nachträglich, der schon 1978 von einem „Scheitern“ der großen Ideologie des Zionismus schrieb

Und so geht es weiter, Rudolf Augstein hat hunderte von Kommentaren geschrieben, man kann sie alle im SPIEGEL-Archiv nachlesen, und wo er Gelegenheit hatte, hat er gegen Israelis als Kriegstreiber und Juden als Drahtzieher in den USA gehetzt. Rolf Behrens [16] Seite 35 spricht von antisemitischen Ideologemen, durch die Augsteins Kommentare geprägt seien, Esther Schapira und Georg Hafner [16] Seite 73 berichten vom „Entlastungsantisemitismus in Deutschland“ und belegen dies mit zahllosen Stellen aus dem SPIEGEL, der Süddeutschen Zeitung, der taz, der NZZ, der Berliner Morgenpost und der Frankfurter Rundschau. Jakob Augstein muß also auf einem Auge blind sein, wenn er meint, daß über Israel und den Nahost-Konflikt in Deutschland zu wenig (kritisch-negativ!) geredet werde und deshalb erst einer wie Günther Grass kommen müsse, um die Leute wachzurütteln.

Bei der letzten von Günther Jauch an Jakob Augstein gerichteten Frage ging es um die angeblich so geringe Anzahl von Journalisten, die Grass unterstützt hätten. Darauf erklärte

Jakob Augstein:

…weil ich als Journalist über Journalisten rede. …Ich glaube aber schon die Erfahrung gemacht zu haben, daß gerade im außenpolitischen Kommentatorenbereich die Leute sehr ähnlich denken alle. Und das muß nicht zwangsläufig damit zusammenhängen, daß die alle soz. Adepten der Wahrheit sind, sondern die haben alle eine bestimmte Art von Schulung soz. durchlaufen, soz. alle Teilnehmer eines Zirkels, und da haben es tatsächlich abweichende Meinungen sehr, sehr schwer. Das ist so.

Das klingt ja schon fast wie „Ausgrenzung“, „Diskriminierung“, am Ende sind gar Rassisten am Werk! Oder das ganze wird vom Mossad, den jüdischen Lobbys in den USA und den Rechtspopulisten in Israel gesteuert! Das ist so! Oder doch nicht?


Es könnte auch genau andersrum sein. Also nicht so. Sondern so: es steht überhaupt nicht fest, daß die überwiegende Mehrheit deutscher Journalisten gegen Grass argumentiert hat. Mir ist keine Statistik bekannt, die alle Artikel in deutschen Zeitungen und deren Online-Ausgaben über Günther Grass gezählt und analysiert hätte. Umgekehrt wird schon eher ein Schuh draus, wenn man bedenkt, welche Einstellung deutsche Politik-Journalisten haben. Darüber gibt es eine nette kleine Studie von Magreth Lünenborg und Simon Berghofer, die 789 Politik-Journalisten befragt haben [18]. Dabei kam bzgl. der Neigung zu einer bestimmten politischen Partei folgendes heraus:

Auf die Frage, welcher Partei sie am nächsten stehen, antwortet über ein Drittel der befragten  Journalisten,  dass  sie  keiner  Partei  zuneigen (36,1%).  Als  zweithäufigste  Nennung  wurden  von  gut  einem  Viertel  der  Politikjournalisten  Bündnis 90/Die Grünen (26,9%)  genannt,  gefolgt  von  der  SPD (15,5%), CDU/CSU (9,0%) , der FDP (7,4%) und Die Linke (4,2%).
….Das Einkommen der Politikjournalisten hängt jedoch stark davon ab, bei welchem Medium  sie  beschäftigt  sind. 
Am meisten verdienen Politikjournalisten beim Fernsehen, direkt gefolgt vom Radio,
den Tageszeitungen, Nachrichtenagenturen, Zeitschriften und Magazinen, Sonntags‐ 
und Wochenzeitungen,  und, an letzter Stelle, den Online‐Medien.  

Lünenborgs Studie stammt aus dem Mai 2010, ist also noch ziemlich aktuell. Wenn über 46% der Politikjournalisten dem rot-grünen Parteienspektrum zuzuordnen sind und davon wiederum die Bestverdiener beim Fernsehen arbeiten, so kann jeder politisch halbwegs Gebildete daraus Schlüsse ziehen. Die Berichterstattung in ARD und ZDF über Fukushima, die Schweinegrippe, das EHEC-Virus, das Waldsterben, die Vogelgrippe, die Klimakatastrophe, Tschernobyl, über Libyen, den Gaza-Krieg, die Libanon-Kriege, über den Irak und die USA, über orthodoxe Juden in Jerusalem, die Siedler und immer wieder die Palästinenser: alle diese Berichte werden von Menschen gemacht, die eine bestimmte Art von Schulung soz. durchlaufen, soz. alle Teilnehmer eines Zirkels sind. Ja, da hat der Jakob Augstein schon recht. Das ist so.

 


Anmerkungen und Links

Thomas Nehls, Tagesschau 04.04.2012:

Unter dem Strich könnte für den Literaturnobelpreisträger die Ausweitung auf den Friedensnobelpreis in Erwägung gezogen werden

[1].

Michael Wolffsohn bei Günther Jauch am 15.04.2012:

Historisch muß man richtigstellen: die BRD hat 1973, als Israels Existenz Spitz auf Knopf stand, im Jom-Kippur-Krieg, in der Regierung Brandt-Scheel den Amerikanern verweigert, Waffennachschublieferungen nach Israel zu gestatten… 1991, als die Raketen von Saddam Hussein auf Ramat Gan bei Tel Aviv gefallen sind, haben die Israelis durchaus um Unterstützung gebeten und nicht bekommen, und als dann Genscher, damals Aussenminister, die Einschußstelle besucht hat in Israel, stand er da wie ein begossener Pudel und das war die Situation, in der über die Lieferung von U-Booten beschlossen wurde.

Jakob Augstein bei Günther Jauch am 15.04.2012:

Deutsche Verbrechen werden kein Stück besser, wenn Israel seinerseits jetzt Verbrechen begeht.

Jauch am 15.04.2012:
Herr Wolffsohn, sie wird ja immer wieder beschworen, die deutsch-israelische Freundschaft. Gibt es die tatsächlich?

Antwort von Wolffsohn:
Nein,die gibt es nicht. Das ist ein Eliteprojekt, von Anfang an, seit der Adenauer-Regierung mit Unterstützung der Sozialdemokraten, damals die FDP noch solala, die Kommunisten auch dagegen, die Rechten ohnehin, und wenn wir uns die Umfragen ansehen in der BRD seit 1981, kann man nicht grob vereinfachend sagen, daß Israel- aus meiner Sicht leider – zu den ständig drei unbeliebtesten Staaten dieser Welt gehört .


Antisemitismusstudie 2012 der Bundesregierung:[5]

Was die Verbreitung antisemitischer Einstellungen in der Bevölkerung anbelangt, so geben die durch den Expertenkreis ausgewerteten demoskopischen Untersuchungen übereinstimmend eine Größenordnung von etwa 20 Prozent latentem Antisemitismus an

Nach einer Untersuchung von Zick/Küpper [6] aus dem Jahre 2004 stimmten 57% der Deutschen den Aussagen

Israel führt einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser. Was der Staat Israel heute mit den Palästinensern macht, ist im Prinzip auch nichts anderes als das, was die Nazis im Dritten Reich mit den Juden gemacht haben

zu, die in der Untersuchung als „antisemitische Aussagen“ vorgestellt werden. So gesehen ist auch der ehemalige Arbeitsminister Norbert-die-Rente-ist-sicher Blüm einer, der gelegentlich antisemitische Aussagen von sich gibt.

[1] Thomas Nehls, WDR am 04.04.2012
[2] Klaus Bittermann in Jungle World über Grass
[3] Der SPIEGEL über die Jauch-Sendung am 15.04.2012
[4] Die WELT über die Jauch-Sendung am 15.04.2012
[5] Antisemitismusstudie 2012 der Bundesregierung
[6] Kurzbericht aus dem GMF-Survey, 2005/1 (Zick/Küppers)
[7] Hallo Ü-Wagen: Reden über Israel
[8] Aus dem Weblog von Reinhard Lütkemeyer
[9] Claudio Casula über Rudolf Augstein
[10] Otto Köhler über Rudolf Augstein
[11] Wikipedia über Franziska Augstein
[12] Franziska Augstein bei Maybritt Illner
[13] Grünen-Abgeordneter Jerzy Montag über Siedler
[14] Pirat mit Palästinensertuch
[15] Raketen gegen Steinewerfer, Das Bild Israels im SPIEGEL
[16] Deutsche Medien und der Nahostkonflikt
[17] RUDOLF AUGSTEIN: Vom Kriege, oder Kindern die Knochen zu brechen
[18] Magreth Lünenborg, Simon Berghofer: POLITIKJOURNALISTINNEN UND -JOURNALISTEN

Weitere Links zum Thema Grass:
http://www.welt.de/debatte/article106162791/Stuemperhafte-Prosa-Eine-literarische-Todsuende.html?wtmc=nl.wdwbaufmacher
http://www.welt.de/politik/deutschland/article106163175/Reich-Ranicki-spricht-von-ekelhaftem-Gedicht.html?wtmc=nl.wdwbpolitik
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,826246,00.html
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,826228,00.html
http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,826153,00.html
http://www.fr-online.de/israel-iran-konflikt/guenter-grass–eine-gestoerte-beziehung-zu-israel-,11950234,14681238.html
http://www.focus.de/politik/deutschland/broder-zu-gedicht-von-guenter-grass-damals-war-er-ein-ss-mann-heute-schreibt-er-wie-einer_aid_733075.html
http://www.welt.de/debatte/kommentare/article106156211/Guenter-Grass-seltsames-Verhaeltnis-zu-den-Fakten.html?wtmc=nl.wdwbaufmacher
http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article106152894/Guenter-Grass-Nicht-ganz-dicht-aber-ein-Dichter.html
http://www.pnn.de/titelseite/637884/
http://www.stern.de/news2/aktuell/guenter-grass-sorgt-mit-israel-gedicht-fuer-empoerung-1809693.html
http://flatworld.welt.de/2012/04/04/die-faktenfreie-wahnwelt-des-gunter-grass/
http://www.ndr.de/ndrkultur/grassgedicht101.html
http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=10025498
http://flatworld.welt.de/2012/04/05/warum-die-ard-grass-zum-vortrag-ladt/
http://www.mdr.de/mdr-figaro/podcast/feuilleton/audiogalerie130.html

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8 Antworten zu Jakob Augstein: im Zweifel gegen Israel

  1. Martin schreibt:

    Und was die vortreffliche Behandlung der Juden im Iran angeht, kann man ja auch mal was Anderes als Elsässer und Konsorten durchlesen:
    http://tangsir2569.wordpress.com/israel/iranische-juden/

  2. lonestar schreibt:

    Nun, mit der Unterdrückung und der Landbesetzung habe ich so meine Probleme. Da es nun keinen palästinensischen Staat gibt, und wohlgemerkt nie gegeben hat, sind mir die Eigentumsverhältnisse nicht so ganz klar. Ich gebe aber zu, dass ich bezüglich der Eigentumsverhältnisse und der internationalen Rechtsprechung diesbezüglich einige Wissenslücken habe. Aber was soll ich machen, wenn mein Volk größer wird, wo soll ich hin?
    Die besetzten Gebiete sind Folgen der Agriffskriege durch die arabischen Nachbarstaaten, da hält sich mein Mitleid so ein wenig in Grenzen. Die Selbstbestimmung haben die Palästinanser in ihren Gebieten, sie kriegen es nur nicht auf die Reihe und da ist die Hamas mit ihren Terroristenkumpanen nicht ganz unschuldig. Zynisch finde ich es allerdings, wenn man die heimtückische Ermordung von Frauen und Kindern als Widerstand bezeichnet. Der Unterschied ist, wenn eine israelische Kugel einen Zivilisten tötet, hat sie ihr anvisiertes Ziel verfehlt. Wenn eine Hamas Kugel einen israelischen Zivilisten tötet, hat sie ihr anvisiertes Ziel getroffen. Was soll ich denn von solchen Leuten halten? Und vor allem, wie soll ich solchen Leuten vertrauen? Und glauben Sie wirklich, liebe/r Scorpio, dass sich mit einem palästinesischen Staat irgendetwas ändern würde? Es sind einfach Glaubenskriege, die Muslime werden die Juden niemals tolerieren, nicht dort und nirgends anders.

    • H-Scorpio schreibt:

      Die „Eigentumsverhältnisse“ sind völlig egal. Das Gebiet ist seit Jahrhunderten Heimat der Araber, während die Juden in der Zeit verstreut in aller Herren Länder lebten ohne praktische Verbindung zu dem Gebiet. Was übrigens gleichzeitig die Frage aufwirft, inwieweit die Juden damals überhaupt wirklich ein Volk waren, aber das nur nebenbei. Die Araber wollten sich diesen Landraub durch ein fremdes Volk jedenfalls nicht gefallen lassen, was ich auch verstehen kann.
      Und Ihr letzter Satz ist doch reiner Blödsinn, sorry. Zunächst einmal ist Antisemitismus oder Antijudaismus früher im Islam praktisch unbekannt gewesen, es ist hauptsächlich ein westliches, christliches Phänomen. Außerdem leben z.B. im Iran mehrere zehntausend Juden, die meines Wissens nach nicht schlecht behandelt werden oder in ihrer Religionsausübung behindert werden.
      Und die Tötung von Zivilisten ist in den Augen der Terroristen auch eine Form des Widerstands. Eine, die ich nicht gutheiße und deren Nutzen für die palästinensische Sache ich auch nicht sehe, aber diese Methoden sind in der Geschichte ja durchaus öfter schon angewendet worden.

      • Martin schreibt:

        Tja, was soll man sagen? Sie haben die palarabischen Propagandamärchen ja wirklich vollends aufgesogen.
        Vom angeblich nicht vorhandenen Antijudaismus bis zu den Juden, denen es im Iran so vortrefflich geht, lassen Sie ja nichts aus, was auch von Elsässer und den anderen bezahlten Propagandisten so kolportiert wird.

        Es handelte es sich bei der Gründung Israels nicht um Landraub. Das Gebiet wurde halt vom osmanischen Reich verloren. So gehts halt, wenn man Kriege führt, man kann auch was verlieren. Es gab also nichts zu rauben.
        Wer das bereits in Frage stellen will, der soll dann aber auch bitte den Abzug der Türken aus Konstantinopel fordern…Und dann halt auch direkt die Araber wieder aus Afrika vertreiben, da waren sie ja auch nicht immer ansässig.
        Aber das scheint immer nur dann eine Rolle zu spielen, wenns um Palaraber geht…
        Es stellt sich auch die Frage, warum denn die palistinensischen Vertriebenen schwerer wiegen sollten, als die aus den arabischen Ländern vertriebenen Juden.

        Ist schon lustig. Seit die Propaganda vor 50 Jahren anfing hat der palarabische Anti-Impi Müll denselben Mist im Kopf.

  3. H-Scorpio schreibt:

    Nun liebe/r lonestar, der Holocaust ist zwar eine furchtbare Tatsache, hat aber mit Palästina und den dort lebenden Arabern nichts zu tun. Die Einwanderung von Juden dorthin begann ja auch schon vor der Nazi-Zeit. Wie würden wir reagieren, wenn heute ein anderes Volk nach Deutschland käme und einen Teil dieses Landes für sich beanspruchen würde, weil es hier mal vor 2000 Jahren ansässig war? Wir würden doch denken, die sind bekloppt. Sich unter den gegebeben Umständen über die Hamas zu empören ist ja schon fast zynisch. Wenn man andere unterdrückt, ihr Land besetzt und ihnen Selbstbestimmung vorenthält, dann muss man mit jeder Art von Widerstand rechnen. Auch wenn nicht jede Art von Widerstand zu rechtfertigen ist. Und das „Argument“ mit der „einzigen Demokratie“ liebe ich ja besonders. So hätten manche Leute damals bestimmt auch die Kolonialmächte verteidigt. Ob die Briten die Inder oder die Franzosen die Algerier niederknüppeln, ist ja egal, sind ja Demokraten 😉
    Was das Grass-Gedicht angeht neige ich sogar dazu, den Kritikern in vielem Recht zu geben. Denn das Gedicht ist leider inhaltich und was die Wortwahl angeht ein ziemlicher Griff ins Klo. Sollte Ahmadinedschad tatsächlich Israel mit Vernichtung gedroht haben, dann muss er sich auch nicht über eine Reaktion der Israelis wundern, egal, ob er nur ein Maulheld ist.

  4. lonestar schreibt:

    Nun lieber/e Scorpio, vielleicht sollte man sich mit den Hintergünden der Staatgründung doch etwas näher befassen. Dieser lag darin, dass die Deutschen, mit besonderer Unterstützung der Waffen SS in der Herr Grass Mitglied war, 6 Millionen (!) Juden umgebracht haben und der Rest der Welt hat dazu leise Na Na gemurmelt. Beendet wurde diese Angelegenheit nicht weil man den Juden helfen wollte, sondern weil es sich Deutschland mit zu vielen Ländern geichzeitig verschissen hatte. Hätten wir den Krieg gewonnen, hätte uns die Geschichte Recht gegeben. Kaum war der jüdische Staat gegründet wurde er von drei Seiten gleichzeitig angegriffen. Haben wir geholfen? Nein, haben wir nicht. Wir haben wieder nur Na na gemurmelt. Insofern verstehe ich Israel, wenn es sich ausschliesslich auf sich selber verläßt und die guten Ratschläge der weltweiten linken in den Ofen haut. Nun finde ich es auch nicht unbedingt richtig, dass man Kritik an einem Israeli sofort mit Antisemitismus gleichsetzt, ein Jude der besoffen Auto fährt macht es nicht besser als ein Katholik der besoffen Auto fährt, aber die ungleiche und voreingenommene Berichterstattung treibt einem schon sehr oft die Zornesröte ins Gesicht. Wer empört sich denn über die täglichen Raketenangriffe auf Israel? Was würde die Presse losheulen, wenn Israel sagen würde, dass es den Iran von der Landkarte fegt, was ein Geschrei wenn jeden zweiten Tag ein Israeli ein Pali -Kind töten und dafür noch als Held gefeiert würde. Vielleicht sollten wir Israel einmal ganz nüchtern in der Realtion zu den anderen Staaten der Welt sehen. Israel ist eine demokratie, die einzige im nahen Osten. Und diejenigen, die permanent die Menschrechte anprangern (insbesondere dieser unsäglicheMenschrechtsrat der UNO) haben wesentlich mehr Dreck am Bein, als Israel jemals haben wird.

  5. H-Scorpio schreibt:

    Dieser Artikel ist ebenso tendenziös wie das Gedicht von Grass. Israel ist ein Staat, der auf einer völkisch-nationalistischen Ideologie gegründet wurde, der sich auf einem Gebiet gründete, welches seit über 1000 Jahren von einem anderen Volk besiedelt war und diese Menschen anschließend vertrieb und ihnen Selbstbestimmung vorenthielt, Siedlungen errichtete, mit dem südafrikanischen Apartheid-Regime sogar in Atomfragen eng zusammenarbeitete. Dass viele gerade eher linksorientierte Menschen Israel da nicht besonders mögen, sollte einleuchten. Von daher kann man sich Polemik a la „linke Antisemiten“ auch ruhig sparen. Und die deutschen Medien sind eigentlich sehr pro-israelisch. Nicht ohne Grund schwieg man sich über die Verbrechen des Mubarak-Regimes in Ägypten hier lange aus, während missliebige, aber eigentlich weniger schlimme Machthaber wie z.B. Putin täglich scharf attackiert werden. Israels bester Freund in der Region kann ja nur gut sein.

  6. Lonestar schreibt:

    das einzig beruhigende ist, dass es die Israelis einen Scheiß interessiert, was ein deutscher Schlaumichel zu erzählen hat. Wenn Israel angegriffen wird, ist mit Sicherheit kein Grass und kein Augstein mit im Schützengraben. Aber sie werden genau wissen, warum Israel mal wieder selbst schuld ist. Ähnlich wie in Entebbe, als sich die Augsteins dieser Welt ereifert haben, wie die Juden einfach einen souveränen Staat angreifen konnten, anstatt mit Anstand zu sterben. Liebe Israelis, es ist gut was Ihr macht und wie Ihr es macht. Die Augsteins sind nur laut, aber keine Mehrheit.

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