Atomkraft


Fast hätte ichs vergessen: beim Überarbeiten meiner Talk-Show-Statistiken fand ich noch eine Fukushima-Runde bei Sandra Maischberger vom 15.03.2011, in der sich der „Atom-Kritiker“ Erhard Eppler zum Thema ausliess:

Wir haben jetzt erlebt, wie unberechenbar die Natur ist, aber was mich immer umgetrieben hat, ist, wie unberechenbar die Menschen sind. Nicht wahr, also, die können Amok laufen, die können durchdrehen, die können sich selber umbringen und auch andere mitreißen, die können Flugzeuge zu Bomben machen, und von daher war ich immer der Meinung, diese Energie ist nichts für die Menschen.

„Von daher“ also ist „diese Energie“ nichts für Menschen. Mit Verlaub: selten habe ich einen Menschen einfältiger daherreden hören wie Erhard Eppler hier bei Maischberger. Es war, als hätten sich der Papst, Altbischof Huber und der Leiter des Schwachhausener Grünen Veganer-Arbeitskreises über die Gründe für den Abfall der Menschen vom Glauben unterhalten. Epplers „Argumente“ sind dumm, naiv und technikfeindlich und entbehren jeglicher Logik. Was will man auch mehr erwarten von einem, der seinen Dr. phil. mit einer Arbeit zum Thema Der Aufbegehrende und der Verzweifelnde als Heldenfigur der elisabethanischen Tragödie erworben hat.

Nein, lieber Erhard Eppler, weder Amokläufer noch Selbstmörder noch tiefgläubige Terroristen werden verhindern können, daß wir mit Autos fahren, Flugzeugen fliegen und uns die Wirbelsäule mit Röntgenstrahlen anschauen. Es gibt viel mächtigere Mechanismen als die von Ihnen so bezeichnete „Unberechenbarkeit“ der Menschen: Tsunamis, Vulkanausbrüche und Erdbeben. Falls es Ihnen noch nicht aufgefallen ist: alle drei erwähnten geologischen Ereignisse lassen sich immer noch nicht voraussagen. Es gibt ein „Restrisiko“, jenes Risiko, daß Sie und Ihre Gesinnungsgenossen gerne ganz ausschalten wollen. Aber das geht nicht. Das Wort sagt es ja selbst: es bleibt immer ein Rest an Risiko. Witzigerweise sind vor allem GRÜNE und ehemalige Kirchentagspräsidenten wie Erhard Eppler der Meinung, man könne ein Leben ohne Restrisiko führen und die Natur beherrschen: man müsse es nur „richtig organisieren“, die Menschen (draußen im Lande) zu ihrem Wohl zwingen und den Technikern und Ingenieuren sagen, was sie zu machen haben. Ausgerechnet die GRÜNEN, aus einer technikfeindlichen Umweltbewegung entstanden und bis heute voller Angst vor Elektrosmog, Gentechnik und Klimaveränderung, werden ärgerlich, wenn ihnen Ingenieure mit dem Einwand kommen, daß manche Techniken ein nicht vermeidbares Restrisiko haben. „Diese Energie ist nichts für Menschen“, meint der Christenmensch Eppler, nur wie will man die anderen Menschen davon abhalten, diese Energie zu nutzen? Z.B. Chinesen, Inder, Brasilianer oder gar Russen? Oder die besonders fortschrittlichen Iraner?

Da bleibt für einen wie Erhard Eppler nur eins: mit gutem Beispiel vorangehen! Wir Deutschen werden es mal wieder der Welt zeigen! Wenn nötig, mit Anti-Atom-Menschenketten von Berlin bis Teheran.

[1] Sendung Maischberger vom 15.03.2011

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