Gilad Shalit und Westerwelles geöffnete Fenster


Bis gestern, den 17.10.2011, konnten wir in den Newslettern der israelischen Botschaft am Ende lesen:

Wir vergessen dich nicht

Der israelische Soldat Gilad Shalit wurde vor 1940 Tagen von der Terrororganisation Hamas in den Gaza-Streifen entführt. Er befindet sich zu diesem Zeitpunkt noch immer in Geiselhaft.

Ab dem heutigen Tage werden diese beiden Zeilen fehlen, denn der Soldat Shalit ist wieder zurück in Israel. Um 12:45 landete er in einem Militärhubschrauber auf dem Flughafen von Tel Nof. „Bibi“ Netanyahu begrüßte ihn und dann kam der ersehnte Moment des Wiedersehens mit seinen Eltern:

Diese Bilder sind es gewesen, auf die wir jahrelang gewartet haben, und viele, auch ich, hatten resigniert und gedacht, daß Gilad Shalit dasselbe Schicksal wie Ron Arad erleiden würde, der am 16. Oktober 1986 über dem Libanon abgestürzt war. Arad war damals von libanesischen Milizionären gefangengenommen und verschleppt worden. Seit 25 Jahren gedenkt die Familie von Ron Arad jedes Jahr am 16. Oktober des jungen Piloten, und trotz der schrecklichen Gewißheit, daß ihr eigener Mann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon lange tot ist,

brachte Tammy Arad, die Frau des Vermißten, ihre Freude über die mögliche Rückkehr von Gilad Shalit zum Ausdruck. Die Familie und Freunde von Ron Arad hatten stets eine aktive Rolle bei den Bemühungen um die Freilassung Shalits gespielt.

(Newsletter der israelischen Botschaft)

Hier nimmt der Held des Tages erst mal einen Schluck aus der Pulle:

Die folgenden Fotos stammen von der Website der IDF und sprechen für sich:

Und als Gegensatz dazu unser pausbäckiger Aussenminister, der auf einer Pressekonferenz in Berlin seine umfassende Inkompetenz, was den Nahost-Konflikt angeht, beeindruckend unter Beweis stellte.

Hier öffnet sich vielleicht ein Fenster der Gelegenheit für neue Bewegung im Nahost-Friedensprozeß. Dieses Fenster der Gelegenheit sollte genutzt werden. Es ist jetzt ganz entscheidend, daß die neue Bewegung, die hoffentlich nach diesem Austausch der Gefangenen möglich geworden ist, auch in konstruktive Gespräche umgesetzt wird, für den Nahost-Friedensprozeß, damit die direkten und indirekten Gespräche wieder in Gang kommen.

„Konstruktive Gespräche…direkte und indirekte Gespräche“… Ja,lieber Guido Westerwelle, wir wissen schon, daß du als heimlicher Vorsitzender der deutschen Friedensbewegung einen „politischen Prozeß“ und „konstruktive Gespräche“ der Bombardierung des libyschen Diktators vorgezogen hättest. So sollte es deiner Meinung nach überall auf der Welt gemacht werden. Vorbildlich! Ist dir aber nie der Gedanke gekommen, daß dein belangloses, oberflächliches Gelaber über „direkte und indirekte Gespräche“, über „politische Prozesse“ und „geöffnete Fenster“ im Falle Israels wie das Eingeständnis eines Appeasement-Jammerlappen wirkt, noch dazu eines deutschen? Könnte es sein, daß du alle Hemmungen verloren hast, nachdem du dich auf anderen Pressekonferenzen vor zahllosen Journalisten schon zum Vollidioten gemacht hast? Ist dir wirklich nicht bewußt, daß es sich hier nicht um einen „Gefangenenaustausch“ handelt, sondern daß ein gefangener Soldat gegen mehr als tausend Verbrecher resp. Massenmörder eingetauscht wird?

Wir appellieren an alle Beteiligten, nichts zu unternehmen, was neue Chancen im Nahost-Friedensprozeß gefährden könnte.

Der deutsche Aussenminister appelliert also an alle Beteiligten. Ist er jetzt völlig übergeschnappt? Der Appel wird ungehört verhallen, Herr Minister, weil „die Beteiligten“ darüber nur lachen können. Die Israelis lachen darüber, weil sie nach 1945 zu keinem Appell mehr vor einem Deutschen antreten werden, und die Hamas lacht darüber, weil sie sich sowieso an keine Regeln hält, die zwischen aufgeklärten Menschen das Zusammenleben erleichtern könnten.

Es ist eine Möglichkeit, die jetzt entstanden ist, wir sollten jede Möglichkeit nutzen, um den Nahost-Friedensprozeß voranzubringen. Hier werden wir natürlich unterstützend tätig sein, ich begrüße, daß das Nahost-Quartett in wenigen Tagen zu ersten Gesprächen zusammentreffen wird mit den Parteien. Das ist mutmaßlich auch eine Chance, die durch den Gefangenenaustausch größer geworden ist. Da ist eine Bewegung jetzt in greifbare Nähe gerückt, und es sollte jede Gelegenheit genutzt werden, damit die Friedensgespräche auch wieder in Gang kommen.

Von den Journalisten, die sich in diesen Pressekonferenzen häufig aufhalten müssen, wird ein hohes Maß an Selbstbeherrschung verlangt, angesichts solcher gruseligen Plattheiten nicht den Saal zu verlassen. Westerwelles Worte zeugen sowohl sprachlich als auch inhaltlich von einer kaum glaublichen Beschränktheit. Es ist mir ein Rätsel, wie ausgerechnet so jemand deutscher Aussenminister werden konnte. Aber das hat man sich bei so manchem früheren deutschen Aussenminister auch gefragt.

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