Gilad Shalit wird freigelassen

Immer wenn es in der Vergangenheit Meldungen über eine kurz bevorstehende Freilassung von Gilad Shalit gab, konnte man fast sicher sein, daß die Verhandlungspartner sich letztlich doch nicht einigen konnten. Nach spätestens einer Woche verschwand dann der Fall Shalit wieder aus der Presse. Doch diesmal scheint es anders zu sein. In der gestrigen Jerusalemer Kabinettssitzung entschieden sich 26 Minister für den Deal mit der Hamas, der zuvor in Kairo unter Beteiligung der Türkei, Qatars sowie des BND zustandegekommen war. 1027 palästinensische Gefangene sollen gegen diesen einen Soldaten ausgetauscht werden, und, man höre und staune, bereits wenn die ersten 450 davon der Hamas übergeben worden sind, werde man Shalit nach Hause schicken. Gegen die Vereinbarung stimmten nur 3 Minister, darunter Avigdor Liebermann, der durch die Freilassung verurteilter militanter Extremisten  neue Gewalt befürchtet.

Zu Beginn der Kabinettssitzung bemerkte Premierminister Netanyahu:

Heute bringe ich der Regierung einen Vorschlag für eine Vereinbarung, die Gilad Shalit gesund und munter nach Hause  bringen wird,   zu seinen Eltern Aviva und Noam, seinem Bruder Yoel, seiner Schwester Hadas, seinem Großvater Zvi, und  zum ganzen Volk Israel .  Vor zweieinhalb Jahren, als die Regierung gebildet wurde, nahm ich mir als erste Aufgabe vor, Gilad nach Hause zu seinem Volk zu bringen, zu seiner Familie -ihn  gesund und munter nach Hause zu bringen.

Zu diesem Zeitpunkt war Gilad bereits seit  zweieinhalb Jahren im Gefängnis,  er durfte weder vom Roten Kreuz noch von irgendjemand anderem Besuche empfangen, und wir wussten nicht, in welchem ​​Zustand er sich befand. In einem ersten Schritt habe ich mir zusammen mit der  Regierung eine Videoaufnahme von Gilad angesehen, und wir alle seuftzten vor Erleichterung, als wir  sahen, daß er noch lebte. Wir sahen, daß er physisch, mental und kognitiv ok war. Wir sahen, dass  es ihm gut ging. Wir wussten, dass er gesund ist und dass er am Leben war. Ich betrachtete das Video als eine Art Versicherung, weil es die Hamas vor der internationalen Gemeinschaft  verpflichtete,  ihn am Leben zu halten und für seine Gesundheit zu sorgen. Aber das war natürlich nur der erste Schritt.

Die wichtigste Aufgabe, die wir hatten, war eine größere Herausforderung – nämlich Gilad tatsächlich   nach Hause zu bringen. Zu diesem Zweck führten wir lange und zähe Verhandlungen mit Hilfe  deutscher Vermittler. Der Rahmen für diese Verhandlungen  war schon von der vorherigen Regierung festgelegt worden. Sie waren lang und anstrengend und trotz unserer Bemühungen konnte keine Einigung  erreicht werden.

Ich muss darauf hinweisen, dass kein Tag verging, an dem wir nicht verschiedene Möglichkeiten ausprobierten, um Gilad nach Hause. Wir haben es auf  jede nur erdenkliche Weise versucht, aber es   hat nicht funktioniert . In den letzten Wochen wurden die Verhandlungen in Kairo, diesmal mit der ägyptischen Regierung als Vermittler, erneuert. Ich habe unser Verhandlunsgteam  angewiesen, die Grundsätze und Rahmenbedingungen für die Sicherheit des Staates Israel strikt zu befolgen, worüber ich ausführlich in der Sitzung berichten werde.
Es gibt einen konflikt zwischen dem Wunsch,  einen entführten Soldaten oder Bürger zurückzubringen, und der Notwendigkeit, die Sicherheit der Bürger Israels zu halten. Als Ministerpräsident trage ich daher eine doppelte Verantwortung.

Die Vereinbarung, die ich der Regierung jetzt vorschlage. drückt die richtige Balance zwischen all diesen Überlegungen aus. Ich möchte nicht die Wahrheit vor Ihnen zu verbergen – es war eine sehr schwierige Entscheidung. Ich fühle mit den Familien der Opfer des Terrors, ich weiß von  ihrem Leid und dem Elend,  ich bin einer von ihnen.  Aber in Momenten wie diesem muß man Führung zeigen und in der Lage sein, schwierige, aber richtige  Entscheidungen zu treffen.

Zu diesem Zeitpunkt, wo  Stürme  über  den Nahen Osten fegen,  glaube ich,   haben wir das bestmögliche Angebot erreichen können. Ich weiß nicht, ob wir in naher Zukunft  in der Lage gewesen wären,  einen günstigeren  oder überhaupt einen Deal  erreichen zu können. Es ist durchaus möglich, dass dieses Fenster der Gelegenheit, dass sich aufgrund besonderer Umstände für uns öffnete, sich danach endgültig schließen würde, und es wäre uns womöglich nie gelungen, Gilad nach Hause zu bringen.

Aus  all diesen Gründen wies ich unser Verhandlungsteam an, die Vereinbarung vom letzten Donnerstag zu unterschreiben, und heute wurde sie endgültig von beiden Seiten fertiggestellt und unterzeichnet. Ich danke meinem Military Secretary Generalmajor Yohanan Locker, dem Chef des Shin Bet Yoram Cohen, meinem persönlichen Gesandten zu den Verhandlungen, David Meidan,  und seinem Vorgänger Hagai Hadas. Ich danke dem Team, das sie all die Jahre begleitet hat.

Ich danke der IDF und den Sicherheitskräften, die für  Gilad Shalit alles getan haben, was sie nur tun konnten. Ich danke dem deutschen Vermittler und Kanzlerin Angela Merkel, die seine Mission unterstützt hat. Und ich danke besonders der ägyptischen Regierung und den ägyptischen Geheimdiensten, die so viel Unterstützung geleistet haben und uns als Vermittler geholfen haben, dieses Abkommen zu erreichen.

Heute Morgen habe ich  Noam Shalit in meine Wohnung eingeladen, und ich sprach am Telefon mit der Mutter Aviva und senem Großvater Zvi. Ich habe ihnen gesagt, dass ich mein Versprechen halten  und ihren Sohn und Enkel wieder nach Hause bringen werde. Ich sagte ihnen: „Ich bringe ihn euch zurück.“ Ich bin froh, dass ich bei der Erfüllung der jüdischen Forderung nach Einlösung von  Gefangenen helfen konnte, und wenn alles klappt wie geplant,  wird Gilad  in den nächsten Tagen wieder in Israel  bei  seiner Familie und seinem Volk sein.

[…]Heute Abend mache ich also der Regierung einen Vorschlag zur Rettung Gilad Shalits, damit dieser nach fünf Jahren endlich wieder  nach Hause zu Israel kommen kann.


Anmerkungen und Links

[1] Newsletter der israelischen Botschaft 12.10.2011
[2] WELT-Online: Gilad Schalit gegen 1000 Gefangene

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