Free-Jazz war Scharlatanerie

Auf der DVD Jazz in the Black Forest von Elke Baur [1] erzählt der Tonmeister Rolf Donner eine amüsante Episode aus seiner Zeit bei dem Plattenlabel SABA/MPS. Ebenso wie Hans Georg Brunner-Schwer, Chef der Firma SABA und des gleichnamigen Labels SABA (später MPS), konnte auch Donner die „Musik“ der gelegentlich das Studio besetzenden Free-Jazzer nicht leiden. Brunner-Schwer, bei seinen Leuten nur als „HGBS“ bekannt, überließ solche Produktionen seinem Produktionsleiter Willi Fruth, der sich dann das Gekreische, Gefiepse und Geratter im Studio anhören mußte. Tonmeister Donner war der Meinung, es handle sich beim Free-Jazz um reine „Scharlatanerie“, seiner Meinung nach könnten diese Geräuschkulisse auch Leute erzeugen, die noch nie ein Instrument gespielt hätten.

An einem Wochenende, als Willi Fruth in München zu tun hatte und HGBS mal wieder (wie alle 14 Tage) zum Friseur nach Zürich entschwunden und kein Musiker im Haus war, beschloß Donner, mit ein paar Leuten, die weder Musik studiert hatten noch ein Instrument spielen konnten, im Studio eine eigene „Free-Jazz-Komposition“ aufzunehmen. Sein Hintergedanke war, diese Komposition dem damals als „Jazz-Papst“ bekannten und berüchtigten Joachim Ernst Berendt vorzuspielen und ihn zu fragen, ob man diese tolle Aufnahme nicht bei MPS veröffentlichen sollte.

Also hat er seiner Frau, einem Tontechniker, sich selbst und einem Verwandten von HGBS Instrumente in die Hand gedrückt und gesagt: „So Leute, spielt einfach los, jeder wie er will!“

Gesagt, getan: sie produzierten ein Stück, speicherten es auf Band und dann kam irgendwann Jazz-Papst Berendt, und Donner sagt zu ihm: „Der Willi Fruth hat ein Tonband aus Prag geschickt, das ist so eine Free-Jazz-Meute, die dort unerhört Furore macht. Er ist darauf reingefallen. Er hat gesagt, sie sollen dem Fruth telegrafieren, um die Formation unter Vertrag zu nehmen. Das hat er mir nie verziehen…“

Klar, daß Berendt sauer war. Denn besser kann man nicht demonstrieren, daß „moderne Kunst“ häufig nur Verarschung eines dummen Publikums ist.


Anmerkungen und Links

[1] MPS – Jazzin‘ The Black Forest

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Jazz veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s