Wer wird Millionär


Ich! Nicht bei Jauch, sondern bei Seti. Oder besser gesagt bei “Boinc”. Hier eine kurze Erklärung, um was es sich dabei handelt:

Seti ist die Abkürzung für Search for extraterrestrial intelligence, meistens noch mit dem Zusatz @home, um klar zu machen daß man zu Hause sucht.
Boinc ist die sog. Berkeley Open Infrastructure for Network Computing, eine Software-Plattform für verteiltes Rechnen.

Wer genaueres zu diesen Themen wissen möchte, sollte sich die Seite http://www.seti-germany.de/ anschauen. Hier wird erklärt, was genau BOINC und verteiltes Rechnen ist, es gibt ein Wiki, ein Forum und Informationen über zahlreiche andere Projekte. Ich selbst bin schon seit etwa 15 Jahren dabei, zwar nicht ununterbrochen, aber immer mit derselben Kennung. Meine Computer haben in dieser Zeit eine ganze Menge sog. Workunits berechnet, kleine Aufgaben, die zur Lösung eines Projektes beitragen.

Was habe ich dafür bekommen? Nichts. Genau wie Millionen anderer Teilnehmer weltweit. Sie alle lassen ihre Computer unentgeltlich für Projekte arbeiten, von deren Sinn sie überzeugt sind. Wenn jemand überzeugt ist, daß die Suche nach Außerirdischen keinen Sinn hat, so kann er sich andere Projekte suchen:

  • Malariacontrol hat zum Ziel, mehr über die Verbreitung von Malaria herauszufinden,
  • Docking@Home
    erforscht und optimiert Medikamente (z.B. gegen HIV),
  • und GPUGRID
    führt biomolekulare Simulationen auf der Grafikkarte durch.

Allen diesen Projekten ist eins gemein: mit einem einzigen Supercomputer wäre ihnen nicht geholfen, da die Berechnungen zu komplex sind, zudem sind Supercomputer immer noch extrem teuer. Und deshalb bedienen sich diese verteilten Projekte des größten Computers, der im Augenblick existiert: und das sind die parallel geschalteten Computer von Millionen Einzelpersonen. In Büros, Schulen, Universitäten und Betrieben: es gibt fast keinen Bereich unserer Gesellschaft, in dem nicht irgendein PC, eine AIX-Maschine oder ein HP-UX-System einen Teil seiner ungenutzten Rechenzeit für ein Boinc-Projekt einsetzt. Zahllose Teams haben sich zusammengefunden, um gemeinsam nach Klimalösungen, Primzahlen oder Außerirdischen zu suchen: Schulklassen, Studenten, Mitarbeiter in den EDV-Abteilungen von Betrieben: es wird gecruncht [1], daß die Schwarte knackt. Und keiner bekommt etwas dafür.

Wirklich? Nein, nicht wirklich. Denn ein bißchen Anreiz muß schon dabei sein, außer daß man seinem Nachbarn erzählen kann, wie edelmütig und selbstlos man sein Eigentum der Gesellschaft zur Verfügung stellt.

Anmerkungen und Links

[1] Numbercruncher sind die klassischen Zahlenknacker, in der Vergangenheit häufig Großrechner, die oft monatelang an mathematischen oder physikalischen Problemen rechneten und dafür spezielle Hardware einsetzten.

http://www.seti-germany.de/
http://de.wikipedia.org/wiki/Boinc
http://setiathome.berkeley.edu
http://www.astronomie.de/fachbereiche/seti/seti.htm
http://boinc.ssl.berkeley.edu/
Neuer Credit-Algorithmus des Seti
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