Humanisten gegen Rassisten

Wenn ein sog. „Seitensprung-Portal“ im Internet seine Pforten öffnet und die Bürger dieses Landes dazu einlädt, sich auf Autobahnraststätten, an Baggerseen oder in abgelegenen Hotels zum ungezwungenen, aber heimlichen Sex zu treffen, können wir davon ausgehen, daß unsere Kirchenvertreter darüber nicht besonders glücklich sind. Es dürfte auch nicht erstaunen, daß sie in der Presse gehörig gegen die bösen Sünder wettern, etwa in einem Artikel in den Lübecker Nachrichten über die Reaktionen der Kirchen auf die Eröffnung des Portals, der im Original leider nicht mehr verfügbar ist. Erstaunlich ist dagegen aber, daß der hpd (Humanistischer Pressedienst) aus diesem Artikel der Lübecker Nachrichten zitiert:Kirche prangert Ehebruch-Portal an[2]. Das Erstaunliche hieran ist nicht die Tatsache des Zitats an sich, sondern daß hier ohne jeden Kommentar zitiert wird. So als wenn uns die Redakteure sagen wollten, daß die Leser des hpd als moderne, aufgeklärte Menschen schon genau wissen werden, was von solchen Klagen der Kirchenvertreter zu halten ist.

Man könnte sich aber auch fragen: warum überhaupt kein Kommentar? Warum nur diese zwei Ausschnitte aus dem Artikel? Warum kein Hinweis auf die Sichtweisen der Soziobiologen auf solche Probleme? Nichts mit Sex und Evolution? Keine Chemie der Liebe? Merkwürdig. Denn als reine Linksammlung incl. Copy/Paste-Dienst gibt es genügend Websites, die sich als „Nachrichtenportale“ aufblasen, dem hpd wäre da mehr zuzutrauen. Andererseits sollte man nicht bei jedem Zitat einer anderen Medienquelle eine aufwendige Analyse des Themas erwarten – auch das ist klar. Man kann die Redaktion verstehen – wenn, ja wenn da nicht noch andere „wortlose“ Zitate und Hinweise im hpd erschienen wären, die den Schluß nahe legen, daß hier gewisse Vorurteile gepflegt werden. Vorurteile, deren Begründung den Redakteuren überflüssig erscheint, weil sie im Axiomensystem des linken Mainstream verankert sind. Ein gutes Beispiel für diese „Ihr wißt schon, was man davon zu halten hat…“ – Haltung sind die hpd-Links zur Sarrazin-Debatte. Hier wurde z.B. ohne Kommentar am laufenden Band aus der „Jungen Welt“ zitiert, jener Zeitung, bei der ehemalige Stasi-Mitarbeiter bei Kost und Logis therapiert werden [11] und die ein besonders offenens Ohr hat für

linke Antisemiten, die Krokodilstränen über tote Juden vergießen, den lebenden aber den Ahmadinejad an den Hals wünschen[11]

Wer beim hpd als Suchbegriff den Namen dieses schmierigen Antizionistenblattes eingibt, kommt derzeit auf rund 93 Artikel, in denen aus der Jungen Welt zitiert wird. Und in denen geht es nicht nur um die Themen „Darwin“ oder „Evolution“, sondern leider auch um hauptberufliche Antizionisten wie

Evelyn Hecht-Galinski oder Hermann Dierkes, denen im Gegensatz zu Henryk Broder anscheinend die ganze Sympathie des hpd gehört. Es paßt ins Bild, wenn der hpd sich dann auch nicht scheut, so neutrale und hochqualifizierte Presseorgane wie das „Neue Deutschland“ (wohlwollend, d.h. kommentarlos) zu zitieren [7], jener Zeitung, die von Broder und seinem Kompagnon Hamed Abdel-Samad in der Fernsehreihe „Entweder Broder“ besucht wurde. Bei diesem Besuch stellten die befragten (und betagten) Mitarbeiter des Neuen Deutschland klar, daß sie auf keinen Fall die alte DDR zurückhaben wollten, denn die sei ihnen nicht hart genug gegenüber dem Westen gewesen, und außerdem wird ihrer Meinung nach der Iran ganz zu Unrecht verdächtigt, eine Atombombe zu bauen [12].

Wer nach der Lektüre der „Ihr wißt schon, was man davon zu halten hat…“ – Artikel dann trotzdem noch eine Diskussion über die angesprochenen Themen lesen möchte, findet diese nach ein paar Klicks auf den Facebook-Seiten des hpd [1]. Dort geht es um die Geschichte mit dem Seitensprung-Portal. Einer der Leser, der Kollege Andreas Müller, auf dessen Blog ich hier nicht umsonst verweise, hatte es dort gewagt, gegen die spöttisch-herablassende Grundhaltung gegenüber den „Pfaffen“ ein paar Fragen zu setzen, die einige Leser des Facebook-Eintrags auf die Palme brachten.

Man kann aus der Lektüre der Kommentare auf dieser Facebook-Seite einiges lernen. Z.B., daß auch der Titel eines „Dipl.Ing.“ nicht davor schützt, Unsinn zu reden und diesen dann mit gruseligen Wikipedia-Erklärungen zu begründen. Ich weiß nicht genau, ob es daran liegt, daß Architektur und Städtebau eher den „kreativen“ oder „künstlerischen“ Studiengängen zuzuordnen sind, aber wir wollen da nicht ungerecht sein, schließlich sind auch Leute wie Fritjof Capra oder Noam Chomsky irgendwann mal dem Wahnsinn verfallen.

Wie auch immer: die Antworten des Dipl.Ing.Reimann[1] sind , wenn man sie chronologisch betrachtet, ein typisches Beispiel für eine sich ins Absurde steigernde Verwendung linker Mainstream-Statements.

Der Anfang

man kann nicht eine Ethik benutzen um zu moralisieren

mag ja noch angehen, zumal solche Halbsätze wegen der in ihnen verwendeten dehnbaren Begriffe wie „Ethik“ und „moralisieren“ vom Informationsgehalt her eher gegen Null konvergieren. Das nachfolgende „Spießer!“ ist nur wenig konkreter, dafür aber in fast jeder Situation geeignet, den Beifall der Leser zu bekommen. Doch was soll man mit dem Satz

Mir ist das einfach egal, was da die Menschen machen, das geht nur die betroffenen an;im übrigen halte ich es mit Imanuel Kant: nicht ohne Not urteilen!!

anfangen? Einfach nur die Rechtschreibfehler unterstreichen? Oder „die Menschen“ fragen, ob sie „betroffen“ sind? Also „da die“? Oder „die da“? Aber „betroffen“ klingt ja auch irgendwie gut, und überhaupt wird das Leben doch viel einfacher, wenn uns all das, was „da die Menschen machen“, am Arsch vorbei geht oder vornehmer gesagt: egal ist. Und schließlich wirken solche großartigen Lebensweisheiten immer noch am besten, pardon: am nachhaltigsten, wenn sie durch ein Zitat eines Klassikers abgerundet werden.

Also noch ein bißchen Kant dabeigemischt, und schon ist der Kontrahent vom Sockel gestürzt. Meint Dipl.Ing.Reimann. Aber irgendwie ist der Kontrahent Andreas Müller widerspenstig. Er nörgelt weiter, und das versteht Reimann überhaupt nicht.

Denn dieser Müller ist ja auch noch leitender Redakteur des Portals http://www.darwin-jahr.de, betrieben vom „Darwin-Jahr-Komitee“ der Giordano Bruno Stiftung und dem AK Evo…lutionsbiologie im Verband Biologie, Biowissenschaften & Biomedizin. Das, so denkt Reimann, passt doch nicht zusammen. Einer, der Seitensprünge als „Vertrauensbruch“ und „ethisch verwerflich“ anprangert, darf doch nicht Redakteur des Portals http://www.darwin-jahr.de sein. Eigentlich müßte so einer Pressesprecher der evangelikalen Christen Deutschlands sein. Ist er aber nicht.

Und darüber ärgert sich Reimann. Also fährt er jetzt als letzte Steigerung das Neocon-Argument auf: Andreas Müller, dieser schlimme Moralisierer, „spricht für Kriege“ und „nennt sich selbst einen Neocon“. Und das kann Reimann „nicht goutieren“ (wer nichts zu sagen hat, bedient sich gerne solcher Fremdwörter). Neocons sind das Böse schlechthin, wie wir seit Bush wissen. Reimann, dem es egal ist, was „Betroffene“ hinter dem Seitensprungportal so alles machen, ist dagegen alles andere als so ein spießiger Neocon. Er kauft seine Lebensmittel im Bioladen, lacht über die „Paffen“ und ist „gegen den Krieg“, gegen „interventionistischen Außenpolitik“ und „unilaterale Hegemonieansprüche“, aber natürlich für das Völkerrecht! Was für ein edler, reiner, linker Mensch!

Solche Menschen müssen – auch bei Facebook – gegen Beschimpfungen geschützt werden, und deshalb ‎wurde Andreas Müller auch vom HPD ermahnt: „‎@Andreas Müller: Bitte nicht die hier Kommentierenden beschimpfen.“ Dabei hatte er dem Dipl.Ing. nur geraten, zur Hölle zu fahren, was eigentlich doch ein netter Rat ist, denn da treffen sich nur die Sünder, Ungläubigen und wahrscheinlich auch die Benutzer von Seitensprungportalen. Spießer bleiben außen vor.


Anmerkungen und Links

[1] Facebook Diskussion
[2] Humanistischer Pressedienst zitiert Lübecker Nachrichte
[3] Snews Nachrichtensammler über das Seitensprungportal
[4] wissenrockt.de: der Philosoph Frieder Otto Wolf zu den grundlegenden Mängeln von Thilo Sarrazins Thesen
[5] Berliner Zeitung: Türken zeigen Sarrazin wegen Volksverhetzung an
[6] Hannoversche Allgemeine: Sarrazin: Bei Integrationsunwilligen massiv streichen
[7] Neues Deutschland: Der Gen-Populist
[8] Junge Welt: zu Sarrazin
[9] Projekt zum Thema „Respekt“
[10] Junge Welt: Rechte Quereinsteiger (über die neue Partei „Die Freiheit“
[11] Junge Welt: Ballast-Existenzen
[11] Henryk Broder über Evelyn Hecht-Galinski und die „Junge Welt“
[12] Auseinandersetzung zwischen Neues Deutschland und Matthias Küntzel

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