Uri Avnery im WDR5

Mehr als tausend Jahre lang war die jüdische Besiedlung des Westjordanlandes und Jerusalems ein ganz normaler, erlaubter Vorgang. Erst nachdem die Jordanier 1948 den Ostteil Jerusalems und das Westjordanland besetzten, war es damit vorbei: der Verkauf von Land an Juden galt als Kapitalverbrechen. 1967, nach dem Israel aufgezwungenen 6-Tage-Krieg, änderte sich die Lage wieder.

Nun drehten die Israelis nicht etwa den Spieß herum und verboten Arabern, im Westjordanland oder Jerusalem Wohnungen zu erwerben oder Häuser zu bauen. Im Gegenteil: seither sind hunderte von Wohnungen in jüdischen Stadtvierteln und im Westteil der Stadt von arabischen Einwohnern erworben bzw. angemietet worden, es gibt kein Verbot arabischen Wohnungskaufs im Westteil der Stadt und kein Verbot jüdischen Wohnungskaufs oder -baus im Ostteil der Stadt. Dasselbe gilt auch für das Westjordanland.

Allen Einwohnern Jerusalems steht es frei, in beliebigen Teilen der Stadt zu wohnen,
unabhängig von Rasse, Religion oder ethnischer Zugehörigkeit. So wie die
arabischen Einwohner in vorherrschend jüdischen Stadtvierteln wohnen können,
so können auch Juden frei wählen, wo in der Stadt sie gern leben würden. Die in
gewissen Kreisen erhobene Forderung, Juden zu verbieten, irgendwo in der
Stadt zu leben, ist genauso bodenlos – und widerrechtlich – wie die Forderung,
Juden könnten nicht in bestimmten Gegenden von London, Paris, Moskau oder
New York leben.[6]

Irgendwas kann daran nicht stimmen. Denn regelmäßig empören sich Palästinenser und ihre Freunde in Europa über die unverschämten Ansprüche „rechtsradikaler jüdischer Siedler“ auf palästinensische Gebiete und beklagen sich über die riesigen Siedlungen der „rechtsradikalen“ Juden, die ja immerhin etwa 1,7% des Gesamtgebiets des Westjordanlands in Anspruch nehmen. Zu diesen „Freunden“ aus Europa gehören auch fast alle Rundfunkanstalten Deutschlands, jenes Landes, in dem man vor nicht allzu langer Zeit 6 Millionen Juden umbrachte, weil man meinte, daß diese Untermenschen weder ein Recht auf Wohnung noch auf Überleben in einem rassisch reinen Staat Deutschland haben.

(Bildquelle: WDR)
Auch dem WDR5 erschien der Wunsch der Einwohner des jüdischen Staates Israel, in ihrer eigenen Hauptstadt Wohnungen zu bauen und zu mieten, als höchst merkwürdig. Schließlich gehört doch mindestens die Hälfte dieser Hauptstadt den unterdrückten Palästinensern, und wo die ihre Häuser haben, da sollen Juden sich gefälligst nicht breit machen.

Das dachte sich vermutlich auch Valentina Dobrosavljevic, jene 31-jährige Volontärin beim WDR, die sich in einer Sendung zum Thema „Siedlungsbau in Jerusalem“ erstmals als Redakteurin versuchte. Dobrosavljevic, deren Hobbies Klettern, Kino, Kunst und Kochen sind, nicht aber Denken, Lernen oder Recherchieren, hatte einen besonders intelligenten Einfall, wie man dem deutschen Publikum das zum Himmel schreiende Unrecht der geplanten Siedlungen in Jerusalem näherbringen könnte: indem man nämlich einen bekannten Vertreter der Spezies „israelischer Friedens- und Menschenrechtsaktivist“ in ihrer Sendung auftreten läßt. Denn wenn so jemand die eigene Regierung kritisiert, wirkt das allemal glaubwürdiger als wenn ein „rechtsradikaler Siedler“, ein noch rechtsradikalerer israelischer Soldat oder der „ultrarechte“ jetzige Aussenminister Avigdor Liebermann zu Worte kommen.

(Foto: B.Straub, Deutschland-Radio Kultur)
Valentina Dobrosavljevic und ihre Moderatorin Liane Billerbeck, Jahrgang 1957, beschlossen also, Uri Avnery, bekannt als Johannes Heesters der Israelkritik oder auch Guru der antisemitisch kontaminierten “kritischen Freunde” Israels, in der WDR5-Sendung vom 23.03.2010 das Wort zu geben. Genauer gesagt: sich ein weiteres mal zu blamieren. Avnery, der mit dem Verteufeln von Juden, speziell den Siedlern, Soldaten und „rechtsradikalen Hardlinern“ seiner ehemaligen Heimat Israel sein Geld verdient, verdankt seine Stellung als weltbester Israelhasser insbesondere seinen deutschen Bewunderern, hauptsächlich antisemitischen, die ihn überall untertänigst oder auch frenetisch beklatschen. Denn was lieben die Deutschen mehr als einen Juden, der ihnen immerzu bescheinigt, daß sie selbst ja gar nicht so schlimm sind wie die jüdischen Völkermörder in Israel, die das GKZAZ, das größte KZ aller Zeiten in Form des Gazastreifens errichtet haben. Aber das ist ja alles nur ein großes Mißverständnis, wie uns Avnery, der „Darling der deutschen Israelkritikerszene“ (Claudio Casula), erklärt. Denn die Israelis meinen das alles ja nicht so, erklärt er uns augenzwinkernd…


Vom Jammer immer missverstanden zu werden

von Uri Avnery

Israel macht keine Propaganda. Um Gotteswillen nicht. Propaganda ist ja etwas, was Diktatoren tun. Und Israel ist bekanntlich die einzige Demokratie im Nahen Osten. Darum machen wir keine Propaganda – Ta’amulah auf Hebräisch – sondern Hsabarah, Erklärung. Wir werden ja immer missverstanden. Wenn man missverstanden wird, muss man die Dinge eben so lange erklären, bis es auch die Borniertesten unter uns verstehen.
Hasbarah – Erklärung – spielt im israelischen Diskurs eine gewaltige Rolle. Das ist auch ganz natürlich. Da wir immer Recht haben – und zwar nicht zu 99 Prozent, sondern 100 prozentig – brauchen wir uns nicht zu rechtfertigen, wir müssen uns nur erklären.

Lesen Sie weiter beim WDR5: [1]

Anmerkungen und Links

[1] WDR5 am 23.03.2010: Vom Jammer immer missverstanden zu werden, Diplomatische Spannungen zwischen Israel und den USA
[2] Programmvolontärinnen und -volontäre 2008/09 auf WDR5: Valentina Dobrosavljevic
[3] Moderation: Liane von Billerbeck
[4] Nazi-kompatible Vorzeigejuden wie Michael Warschawski, Ilan Pappe und Uri Avnery
[5] Homepage von Uri Avnery
[6] Der Friedensprozess mit den Palästinensern: Fragen und Antworten

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