Wissenschaft und Theologie

Am 03.11.09 hielt Bundespräsident Horst Köhler eine Laudatio auf Bischof Wolfgang Huber, den Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland. Das ist jetzt zwar schon 3 Monate her, ist es aber trotzdem wert, erwähnt zu werden.
Huber ging in Rente und eine Frau, die Bischöfin Margot Käßmann, trat seine Nachfolge an. In solchen Fällen, wenn also einer Ratsvorsitzender, Ministerpräsident oder wenigstens WDR-Intendant gewesen ist und in Rente geht, dann hält der Bundespräsident schon mal eine „Laudatio“.
Und nicht selten fragt man sich, warum gerade diese Personen mit einer „Laudatio“ geehrt werden mußten.

Aus der Rede von Köhler geht jedenfalls nicht hervor, was an Huber so besonders lobenswert sein könnte. Daß jemand „wie kaum ein anderer die ganz besondere protestantische Art und Weise, die Verantwortung des gläubigen Christen in dieser Welt und in dieser Gesellschaft zu leben“ verkörpere, ist nichts als aufgeblasenes Geschwätz, wie es Köhler und andere Politiker bei solchen Anlässen von sich geben. Köhlers nachfolgende „Präzisierung“

…Da ist zunächst die Wissenschaft, der Sie sich gewidmet haben, als Professor in Marburg und Heidelberg. Wissenschaft und Aufklärung sind in der evangelischen Theologie und Kirche nicht als Gegner oder Feinde betrachtet worden, sondern als kritische Gesprächspartner. Das ist gute evangelische Tradition, auf die gerade Sie immer wieder verweisen.

ist eigentlich eher ein Grund, Huber von der Liste der zu Ehrenden zu streichen. Denn Sozialethik bzw. Systematische Theologie, also jene Fächer, die Huber in Marburg und Heidelberg „lehrte“, haben mit Wissenschaft nichts zu tun. Genausogut könnte man behaupten, daß das Gebrabbel irgendwelcher Islam-Gelehrter zu gewissen Koran-Versen etwas mit Wissenschaft zu tun hätte und deshalb als Islam-Wissenschaft an der Uni gelehrt werden müsse. Was aber schwerer wiegt: Huber ist keineswegs der ach so moderne, aufgeschlossene und „kritische Gesprächspartner“:

Huber ist ein Gegner der Embryonenforschung. In der von ihm geführten Diskussion geht es zum einen um die Bestimmung des Menschen. Für ihn ist das Menschsein nicht abhängig von der biologischen Entwicklung, sondern grundsätzlich gegeben durch die Gottesebenbildlichkeit. Die Gleichsetzung des Menschen mit seiner naturalen Ausstattung ist der eine Weg dazu, die Person als Subjekt der Freiheit verschwinden zu lassen. Den anderen Grund sieht er in dem Fortschrittsglauben der Wissenschaft.

Warum jemand, der einen solchen grausamen Schwachsinn von sich gibt, auch noch vom Bundespräsidenten eine „Laudatio“ bekommen muß, ist mir ein Rätsel. Vollkommen klar ist dagegen, daß bei Huber wie bei allen religiösen Menschen die Meinung vorherrscht, der Mensch müsse einfach mehr sein als das, was seine „naturale Ausstattung“ sei. „Biologisch“ sieht zwar gut aus als Eitkett auf Salat, Kartoffeln oder Gemüse, aber ob der Mensch selbst biologisch ist – daran zweifelt man. Schrecklich die Vorstellung, wenn man selbst „nur“ biologisch wäre!

Dem religiösen Menschen, egal welcher Couleur, bieten sich mit der „Gottesebenbildlichkeit“ schon mehr Möglichkeiten, sich aufzuplustern. Grundsätzlich möchte man ja doch eher gottähnlich sein. Da steht man dann weit über dem Salat, Spinat und den Schweinen. Und auch wenn man „Wissenschaft und Aufklärung in der evangelischen Theologie und Kirche nicht als Gegner oder Feinde betrachtet hat“, so darf doch nicht die Warnung vor dem „Fortschrittsglauben der Wissenschaft“ fehlen. Hinterhältig könnte man Huber jetzt fragen, von welcher Wissenschaft er eigentlich redet. Wahrscheinlich ist ihm gar nicht aufgefallen, daß er seine „Theologie“ damit automatisch als „Nicht-Wissenschaft“ erklärt – aber wer nicht biologisch ist, ist erst recht nicht logisch.

[1] „Die Verantwortung des gläubigen Christen leben“ – Laudatio von Bundespräsident Horst Köhler auf Bischof Wolfgang Huber
[2] Johannes Barth: Auch die EKD-Bischöfe stolperten im Heiligen Land
[3] Wikipedia über Wolfgang Huber

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