Nacktscanner verletzen die Menschenwürde

Noch vor gut 40 Jahren wurden im Bahnhofskiosk der Paderborner Bischofsstadt gewisse Heftchen nur verdeckt angeboten, weil man als anständiger Katholik dem Bischof nicht unbedingt in die Quere kommen wollte, oder vornehmer ausgedrückt: man wollte ja nicht gegen die Menschenwürde verstoßen. Frauen mit nackten Brüsten, das wußten damals – und heute immer noch – die frommen Menschen im Weserbergland, sollten möglichst nur im Eheschlafzimmer gesehen werden, und dort bitte nur vom angetrauten Ehemann. Besonders fromme Menschen versagten sich selbst diesen Anblick und vollzogen den Geschlechtsverkehr im Schlafanzug resp. „Polter“, die für diesen unwürdigen Zweck mit entsprechenden Öffnungen versehen waren.

Nun hat sich seit dieser Zeit eine Menge geändert. Keine Zensurbehörde schreitet mehr ein, wenn im Fernsehen „liebestolle Stuten“ unter 0900-er Nummern ihre Dienste anbieten. Kein Mensch stört sich daran, wenn Dieter Bohlen einer Kandidatin seiner „Deutschland sucht das Supertalent“-Show zuruft, er fände als einziges an ihr gut, daß sie „Französisch“ könne. Und selbst in Paderborner Buchläden liegt Philip Roths Roman „Das sterbende Tier“ zum Verkauf aus, in dem es u.a. um große Brüste und perverse (?) Sexpraktiken zwischen einem alternden Literaturprofessor und einer jungen Studentin geht.

Nur eines hat sich nicht geändert: immer noch ist die „Menschenwürde“ die Allzweckwaffe religiöser, linker oder irgendwie „fortschrittlicher“ Gutmenschen gegen jeden Eingriff in ihre sog. „Privatsphäre“, die inzwischen von allzu vielen Menschen dazu mißbraucht wird, ihre ganz eigene Form von „Menschlichkeit“ auszuleben. Alles und jedes kann mit der Menschenwürde begründet werden. Besonders jene unter uns, die es als „unwürdig“ empfinden, wenn ihre Tochter einen zu „westlichen“ Lebensstil pflegt oder ihre Frau von einem Arzt untersucht werden soll, nutzen die vom Grundgesetz geschützte Menschenwürde weidlich für ihre Zwecke aus. So ist es auch kaum vorstellbar, daß ein Muslim seine Frau von einem Nacktscanner erfassen lässt. Dies wäre schlimmer als wenn sie einem anderen Mann mit Handschlag (ohne Handschuhe) begrüßt hätte, es wäre zu überlegen, ob Steinigung danach zur Wiederherstellung der Würde des Mannes ausreichen könnte.

(Foto von „Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung“)
Das schlimme an der Nacktscanner-Diskussion aber ist, daß sich hier auch aufgeklärte westliche Politiker aufführen, als sei ein gescanntes Nacktbild eines Menschen ein höheres Gut als das Leben desselben. Was nützt mir meine Menschenwürde, wenn ich über dem Atlantik von einem durchgeknallten Religionsfanatiker bedroht werde, nur weil man den nicht scannen wollte, um ihn wegen seiner Religion nicht zu diskriminieren? Genau das behauptete der Landesbeauftragte für Datenschutz von Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, gestern Abend in der Tagesschau: man müsse daran denken, daß bei uns Religionsfreiheit herrsche, und in machen Religionen sei das Zeigen des nackten Körpers eben ein Tabu. Daher sei er gegen Nacktscanner.
Wie blöde muß man eigentlich sein, um nicht zu erkennen, wohin eine solche ach so tolerante Einstellung führt? Ist Herrn Weichert nicht bekannt, daß im Islam schon das Zeigen „nackter“ Frauenhände gegen die Regeln dieser Irren-Religion verstößt?
Sollen wir in Zukunft Burka-Trägerinnen im Flugzeug neben uns dulden müssen?

Ganz so schlimm wird es sicher nicht werden, gibt es doch nicht nur Idioten in unserer Regierung, sondern auch ein paar vernünftige Menschen. Bei den meisten Medien allerdings ist der Widerstand gegen jegliche verschärfende Sicherheitsmaßnahme ungebrochen – es sei denn, man richtet sie gegen ewiggestrige braune Horden.

(Foto von Philipp Neuhaus, wikipedia@dodekatex.de )

So schreibt etwa Kai Biermann, Ressortleiter „Wissen | Digital | Studium“ bei ZEIT-Online [1], folgendes:

Zum Ersten: Auch die neuen Terahertzscanner garantieren keineswegs, dass alles erkannt wird, was gefährlich ist. Sie sind bloß ein minimaler Gewinn an Sicherheit, für den einmal mehr eine Schamgrenze geopfert wird.

Wird etwa keine Schamgrenze geopfert, wenn wir uns am Flughafen von Sicherheitsleuten befingern lassen müssen? Was ist das speziell Beschämende, wenn ein Computerprogramm eine Datei nach Verdachtsmomenten durchsucht und ein Ergebnis ausspuckt, wo noch nicht mal ein Mensch draufgesehen hat? Selbst wenn Beamte dann ein solches gescanntes Bild sich ansehen: sind dann auch sämtliche Ärzte, Arzthelfer und Krankenschwestern sexhungrige Spanner, wenn sie sich Röntgenbilder anschauen? Oder ist die Aufgabe der Sicherheitsleute in den Augen mancher Zeitgenossen moralisch weniger wert als das, was Mediziner machen?

Dabei werden diese Datensammellisten gezielt mit dem Zweck eingeführt, ein Verhaltensprofil jedes Passagiers zu erstellen, ihn also durchschauen zu können.

Ja das ist ja furchtbar. Wir sollen „durchschaut“ werden! Es geht also gar nicht um ans Bein geschnallte Sprengstoffpakete oder verschluckte Zeitbomben, nein, erklärtes Ziel der bösen Politiker „da oben“ ist, daß wir alle wie Roboter gesteuert werden sollen, vollkommen durchschaubar. Da kann man nur sagen: ZEIT-Ressortleiter Biermann zählt zu den zahlreichen Journalisten dieser Tage, die maßlos übertreiben. Aber mit dieser Masche spricht man auch viele Leser an, die sowieso vermuten, daß „die da oben“ und der Staat als solcher uns rechtschaffenen, fleißigen Bürgern alles wegnehmen will, was uns gehört, insbesondere unsere Freiheit, mit unseren Mitmenschen machen zu können was wir wollen.

Vor diesem Hintergrund ist eigentlich die ganze Bundeswehr nicht mehr zu rechtfertigen. Was brauchen wir Tausende von Panzern, Jagdflugzeugen, Artillerie, wenn auch die doch „keineswegs garantieren“, daß sich keine Teroristen einschleichen und Bomben legen? Wie dürfen wir uns eigentlich überhaupt noch vorbeugend verteidigen? Ist nicht der Blick eines Sicherheitsbeamten in das Gesicht einer Muslima schon eine Diskriminierung derselben? Welche Sicherheitskontrolle an den Flughäfen verletzt denn nicht die Menschenwürde, diskriminiert nicht irgendeine Bevölkerungsgruppe?

Der angesehene Sicherheitsexperte Bruce Schneier – der längst nicht der Einzige mit dieser Haltung ist – glaubt nicht daran. „Nur zwei Dinge haben das Fliegen (seit 9/11) wirklich sicherer gemacht: verstärkte Cockpittüren und die Tatsache, dass Passagiere inzwischen wissen, dass sie sich gegen Hijacker wehren können.“

Zivilcourage also. Mit technischen Überwachungsinstrumenten aber wird die nicht unbedingt gefördert.

Aha. So einfach ist das also. Bürger, helft euch selbst! Justiz und Sicherheitsorgane dürfen nur dann helfen, wenn sie nackt daherkommen, bar jeder Technik. Und während der Selbstmordbomber in aller Ruhe seinen Sprengstoff in der Passagierkabine zündet, sitzen die Piloten hinter „verstärkten Cockpittüren“ und erzählen sich Witze. Wer einen solchen Unsinn wie der (von wem auch immer) „angesehene Sicherheitsexperte Bruce Schneier“ erzählt, sollte lieber Würstchenverkäufer oder Müllsortierer im dualen System werden, da richtet er weniger Unheil mit seinem Gerede an.

[1] ZEIT-Online: Nacktscanner:Wir sind doch längst nackt

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