Deutsche Journalisten kämpfen für Minarette in der Schweiz


Kaum wurde am Sonntag (29.11.2009) das Ergebnis der Schweizer Volksabstimmung über den Bau von Minaretten bekannt, da quollen die deutschen Medien über vor Entsetzen über die „reaktionären Schweizer“, diese von „rechtspopulistischen“, „rechtskonservativen“ oder einfach nur „rechtsextremen“ Kräften dominierten Bürger eines Landes, das „nun eine Religion völkerrechtswidrig diskriminiert“ [2]. Ob Tagesschau, taz oder FAZ, ob SPIEGEL, WELT oder ZDF, es wurde aus vollen Rohren in Richtung Schweiz geballert, so als wolle man die von den Nazis aufgeschobene Invasion der Schweiz jetzt schnellstens nachholen und den Schweizern zeigen, wer in Europa was zu sagen hat.

Aus der gigantischen Presse- und Medien-Schlammschlacht gegen die „Schweizer Reaktionäre“ möchte ich nur zwei Ereignisse besonders hervorheben: zum einen den Artikel des 31-jährigen Schweizer Journalisten und SPIEGEL-Redakteurs (Spiegel Special) Mathieu von Rohr [2], sowie den Auftritt von Claudia Roth in einer Diskussionsrunde bei Phoenix am Abend des 29.11. zum Thema „Religion und Meinungsfreiheit: Schluss mit lustig?“.

von Rohr, der Anfang des Jahres in Gaza war [3] , „einem der traurigsten Orte der Welt”, von wo er im Stile von Ulrike Putz in höchstem Maße „authentisch“ berichtete, mit anderen Worten „pragmatischen“ Hamas-Mitgliedern die Hände schüttelte und die Israelis ausschliesslich als unmenschliche, gnadenlose Militaristen darstellte, dieser von Rohr also sah sich nun in seinem Heimatland Schweiz einem ähnlich gnadenlosen, reaktionären Feind gegenüber:

Das Land, das sich gerne als neutrale Hüterin der Menschenrechte sieht, das Land, in dem das Rote Kreuz gegründet wurde und die Genfer Konvention beschlossen wurde – dieses vermeintliche demokratische Musterland missachtet das Menschenrecht der freien Religionsausübung und diskriminiert eine einzelne Religionsgruppe, die Muslime.

Zunächst einmal sollte man festhalten: auch wenn in den meisten Verfassungen das Recht auf freie Religionsausübung verankert ist, so schließt das keineswegs das Recht auf Ausübung einer als Religion getarnten menschenverachtenden politischen Ideologie ein. Nur weil jemand an irgendeinen Gott „glaubt“ und ansonsten aber seine Frau(en) schlägt, sie zwangsverheiratet oder

ihre Genitalien verstümmelt, darf er noch lange nicht in einer Moschee, einem Gotteshaus oder meinetwegen auch einer Bretterbude in einem Hinterhof dieses sein Verhalten zusammen mit anderen Vertretern seiner „Religion“ von Gott (welchem auch immer) absegnen lassen.

Zweitens kann, wenn man den Islam als Religion anerkennt, jeder Schweizer nach wie vor diese Religion ausüben. Oder steht etwa nun in der Verfassung des Alpenlandes, daß der Islam als Religion verboten wäre? Mitnichten. Jeder Schweizer kann, sofern er es für nötig hält, ohne Probleme zum Muslim werden und sich diesen ganzen Schwachsinn aus dem Koran als „heilige Wahrheit“ aneignen. Sollte er aus dem Verein allerdings wieder austreten wollen, so kann er von Glück reden, in der Schweiz zu leben und nicht in Kabul, wo man Religionskonvertiten gerne mal zum Tode verurteilt. Wer also aus dem Verbot des Baues von Minaretten auf eine „religiöse Diskriminierung“ schließt, der ist ein Opfer des Beleidigungsdogmas in der islamischen Welt geworden, demzufolge schon der Anblick einer unverschleierten Frau für einen Muslim eine Beleidigung seiner religiösen Gefühle ist. Das Verbot des Kopftuchs für Lehrerinnen in einigen Bundesländern ist ja schließlich auch keine Mißachtung des Menschenrechts auf freie Religionsausübung. Oder etwa doch? Für Claudia Roth ganz sicher!

Doch von Rohr behauptet nicht nur, daß es jetzt in der Schweiz mit der freien Religionsausübung vorbei ist, sondern er ist auch der Meinung, daß bis zum 30.11. die Schweizer Welt noch in Ordnung war:

… Denn das Land hatte bisher trotz eines Ausländeranteils von rund 22 Prozent relativ wenige Probleme mit der Integration seiner rund 400.000 Muslime. Die meisten von ihnen sind wenig orthodoxe Bosnier, Kosovo-Albaner und Türken, ihre gut 160 Moscheen sind praktisch unsichtbar.

Soso. Die 9/11-Attentäter waren vor ihrem Abflug zu den 72 Jungfrauen auch „praktisch unsichtbar“, und zwar genau deswegen, weil man den Muslimen in ihren Moscheen nicht genügend auf die Finger geschaut hat. Erst nach 9/11 gab es plötzlich Forderungen, die Predigten der Imame zu überwachen, Deutsch als Predigtsprache zu fordern und den Terrorismus fördernde „Erziehungsmaßnahmen“ im Umfeld der Moscheen zu unterbinden. Je „unsichtbarer“ Menschen in unserer Gesellschaft sind, denen alles zuzutrauen ist, vom Abstechen der eigenen Schwester bis zum Sprengstoffanschlag auf Vorortzüge, desto gefährlicher wird es für uns alle. Nur nicht für Mathieu von Rohr und seine Kollegen aus der Hochkultur des deutschen Journalismus, die selbstredend alle in renovierten Altstadtvillen im Süden ihrer Städte fern von den Brennpunkten der Konflikte mit den Islamisten leben. Da gibt man sich tolerant und überlässt es anderen, sich mit der Gewalt in den Schulen oder auf der Straße auseinanderzusetzen, in Stadtbezirken, in denen Migranten aus der Türkei und arabischen Ländern den Ton angeben.

So ist Mathieu von Rohr einer der vielen etablierten Journalisten, die fernab des Geschehens ihren Zeigefinger erheben und Toleranz predigen, solange sie nicht selbst von der „Religion des Friedens“ bedroht werden. So wie seinerzeit CSU-Wähler, die erst dann auf die Straße gingen, als Wackersdorf direkt vor ihrer Haustür gebaut werden sollte.

Mit dieser besonderen politischen Kurzsichtigkeit ist von Rohr nicht alleine: auch Claudia Roth, die Bundesbetroffenheitsnudel, ist beim Thema Islam regelmäßig so betroffen, daß ihr die Augen fast aus dem Kopf fallen. So sagte diese noch am Abend des 29.11., vielleicht in Unkenntnis des Ausgangs der Abstimmung in der Schweiz:

Wenn Sie Untersuchungen sich anschauen, daß Frauen – oder junge Frauen – die sich entschieden haben, ein Kopftuch zu tragen, und zwar selbstbewußt entschieden haben, nicht Druck von irgendjemand, vom Vater oder sonstwas, daß die unglaublich viel Schwierigkeiten haben, in unserer Gesellschaft ’ne Ausbildungsstätte zu bekommen oder ’ne Arbeit zu bekommen.

Abgesehen davon, daß für die Zuschauer der Sendung das Gestottere der Bundesvorsitzenden der Partei „Bündnis 90/Die Grünen“ den Eindruck festigte, daß sie von der Betroffenheit inzwischen zur Besoffenheit gewechselt war, muß man sich auch fragen, von welchen „Untersuchungen“ Frau Roth eigentlich spricht. Nehmen wir mal an, es gebe eine solche „Untersuchung“. Was, wen und wie hat man untersucht? Ich frage mich, wie die Durchführenden herausbekommen haben, ob die von ihnen Befragten „sich selbstbewußt entschieden“ haben, ein Kopftuch zu tragen? Wer hat den Einfluß „vom Vater oder sonstwas“ für den Zeitpunkt der Untersuchung ausgeschaltet? Roth hat einfach keine Ahnung und möchte gerne, daß ihre Behauptungen „wissenschaftlich abgesichert“ erscheinen. Leider könnte sie nicht eine einzige „Untersuchung“ nennen, die ihren Unsinn belegt. Aber es macht sich immer gut, in einer Talkshow als Bundesbesoffenheitsnudel den Anschein der überlegenen Wissenschaftlichkeit zu erwecken….

Mich kann niemand zwingen, ’nen Kopftuch aufzuziehen, niemand. Das wird niemand schaffen.
Ähm…aber ich will auch nicht jemand…von jemandem verlangen, weil ichs besser weiß, daß sie dann das Kopftuch runternehmen muß. Und da mein ich, da ist der Islam in unserer Gesellschaft nicht gleichberechtigt angekommen…

Es hätte nur noch gefehlt: „auf gleicher Augenhöhe“. Warum sollte der „Islam in unserer Gesellschaft gleichberechtigt ankommen“ ? Warum sollte er überhaupt ankommen?

Oder: Wenn in Köln oder in München gläubige Muslime um ein Gotteshaus kämpfen müssen und sich beschimpfen lassen müssen…

Ja, das ist schon eine Katastrophe. Die armen gläubigen Muslime kämpfen um ihre Gotteshäuser, natürlich nur mit Flugblättern und Luftballons, während die rechtsextremen deutschen Bürger in Köln oder München sich in den Moscheen mit umgeschnallten Sprengstoffgürteln in die Luft jagen, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Ungerecht, allemal.

Das meinte denn auch die Bischöfin Käßmann, als sie ein wenig auf Ausgewogenheit pochte:

Käßmann:Wir sind eine Land mit Religionsfreiheit. Aber genau so erwarte ich von Muslimen, in Pakistan, in Indonesien…

Roth: Ja natürlich!!!

Käßmann: Ich denke das ist Teil des Dialogs, wo die freie Gesellschaft ihre Freiheit auch verteidigen muß. Ich verteidige, daß Frauen natürlich ein Recht haben, das Kopftuch zu tragen, wenn sie das denn wollen, aber in dem Dialog, in dem wir sind, müssen wir auch sagen, ich möchte dann auch ohne Kopftuch in andere Länder reisen können. Das werden Sie nämlich nicht können, Sie werden in bestimmte Länder nicht ohne Kopftuch reisen können…

Roth (protestierend): Aber Moment! Moment, Frau Dr. Käßmann….nee aber.. also mit Verlaub…ich setze nicht die Maßstäbe einer demokratischen Bundesrepublik Deutschland, die für mich nicht verhandelbar sind, da gibt es Religionsfreiheit, da gibt es Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, da gibts überhaupt kein Vertun, da kann keine Religion sagen: ja, Genitalverstümmelung, ist bei uns aber, gehört dazu…. gehört nicht dazu, weils die Verletzung der Würde der Frau ist.
Aber Frau Käßmann, ich vergleiche doch nicht MEINE Gesellschaft mit unserer Demokratie, (rudert mit den Armen) mit der Situation im Iran oder in Saudi-Arabien…
Also was ich in Saudi-Arabien falsch finde, unerträglich finde… da sag ich doch nicht: wenn das so ist, dann kann man da bei uns relativ anders mit umgehen.. also ich find den Vergleich einfach nicht richtig…

So ist das eben, wenn man ständig besoffen oder betroffen ist: mit dem logischen Schließen ist es dann vorbei. In nüchternem Zustand hätte die Antwort lauten müssen:

Wenn ich die Zustände in Saudi-Arabien so unerträglich finde, im Gegensatz zu den unseren, dann wäre es gut, sie in Saudi-Arabien zu ändern. Kein Handabhacken mehr, keine Steinigung, keine Schleier und Burkas, und ich, die Claudia Roth, darf sogar ohne Kopftuch aus dem Flugzeug in Er-Riad steigen und mich mit meinen Freunden von der Grünen Islam-Partei treffen.

Wär das was? Nein. Warum nicht? Weil Claudia Roth dann nichts mehr zum Jammern hätte.

[1] Tagesschau am 29.11.2009
[2] Der SPIEGEL:Die Schweiz wählt die Islam-Angst
[3] Mathieu von Rohr über den Gaza-Krieg
[4] Koran auf Deutsch

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