Arme Geier


Wenn es um Windenergie geht, sind die Autoren der Achse des Guten meist einer Meinung: „Kahlschlag für den Klimaschutz“ titelt etwa Michael Miersch [4], von einer „destruktiven Windenergie-Sekte“ oder vom „neuen Run auf die Windkraft-Kohle“ spricht Wolfgang Röhl [3], und selbst der von ihnen sonst so herablassend belächelte Tierschutz wird als Argument herangezogen, wenn es darum geht, Windräder als Landschafts- und Umweltkiller anzuprangern [1].

Daß der Run auf erneuerbare Energien etwas mit der allgemeinen Ökohysterie zu tun hat, daß es hier um Geld, um viel Geld, vorzugsweise Steuergeld der Bürger geht, ist gar nicht abzustreiten. Aber soll man es den „Abzockern aus allen Sparten der windigen Industrie“ [3] übelnehmen, wenn sie den Behörden die Stuben einrennen? Welcher Industriezweig würde das nicht machen, wenn ihm Subventionen in Milliardenhöhe winken? Wer wie die Achse des Guten auf seiner Website für seine schrecklich unterbezahlten Autoren in peinlicher Weise um Spenden bettelt, Autoren, die samt und sonders bei Verlagen, Zeitungen und anderen Medien gut bezahlte Jobs haben und besonders häufig ihren Blog dazu benutzen, um von ihren Auslandsreisen zu berichten, der würde genauso den Behörden die Bude einrennen, wenn es plötzlich Subventionen in Millionenhöhe für politisch inkorrekte Berichterstattung gäbe. Wie viele „Achsen“ könnten da mit der Hauptachse verbunden werden!

Nein, der „windigen“ Industrie ist nichts vorzuwerfen. Auch keine Verschwörung zum Landraub, zur planmäßigen Vernichtung von Geiern und Tauben oder zur Untergrabung des Naturschutzes. Noch weniger zur persönlichen Bereicherung durch Insiderkäufe an der Börse. Aber egal, wie man zu erneuerbaren Energien selbst steht, welchen Sinn man in der öffentlichen Förderung von Solareneergie und Windkraftanlagen sieht: wir sollten doch dem doktrinären und unfairen Gehabe, mit dem Teile der GRÜNEN, der LINKEN sowieso und besonders der radikalen Tierschützer jede rationale und naturwissenschaftlich begründete Diskussion bekämpfen, nicht mit ebensolchen irrationalen Argumenten entgegentreten.

Leider wird genau das gemacht, wenn man Filme wie diesen hier [2] bei Youtube als Beweise dafür empfiehlt, daß Windräder die Umwelt nicht schützen und daher auch nichts auf Kretas Bergen zu suchen haben. Es ist schade, daß jemand wie Michael Miersch es nötig hat, mit so einem schlechten Filmchen seine Theorie der Umweltschädlichkeit von Windrädern zu unterfüttern. Als im Film der von einem gigantischen Rotorblatt getroffene Geier herabstürzte und am Fuße des Betonsockels traurig mit gebrochenen Flügeln herumhoppelte, hätte nur noch gefehlt, daß nun Michael Moore ins Bild tritt und uns ins Gewissen redet, nie wieder Strom von Windkraftproduzenten zu kaufen. Das war ganz miese Propaganda.

Dabei gibt es genügend Quellen aus verschiedenen (!) Lagern , mit deren Hilfe man sich eine besser begründete Meinung bilden kann als durch solcherlei tendenziöse Meinunsmache. Dazu muß man allerdings bereit sein, die Argumente ALLER in diesem Fall beteiligter anzuhören, also z.B. auch der Windkraftproduzenten selbst.

Wie sagte es Cora Stephan doch dieser Tage auf der Achse des Guten:


Mit der „Atomlobby“ redet man nicht. Da könnte man sich auch gleich zur Teilnahme an einer Sitzung des Ku-Klux-Klan bekennen.

Insofern scheinen auch Miersch und Röhl Angst davor zu haben, nach einem Gesrpäch mit der „Windkraftlobby“ als Mitglieder des Ku-Klux-Klan verhaftet zu werden. Dabei hat der Bundesverband Windenergie e.V. in seinem Artikel über „Vogelschutz und Windenergie“ [5] zum größten Teil nur externe Gutachter sprechen lassen, und ob deren Aussagen samt und sonders „gesteuert“ und „bezahlt“ sind, müßte man mir erst mal beweisen. Bis zum Beweis des Gegenteils kann man dieser Quelle und vielen anderen folgendes entnehmen:

  • Der BUND rechnet mit durchschnittlich 0,5 toten Vögeln pro (Wind-)Anlage und Jahr, derzeit also statistisch rund 8.000 jährlich.
  • Jeweils ca. 5 – 10 Millionen Vögel sterben im Straßenverkehr und an Hochspannungsmasten pro Jahr in Deutschland.
  • „Dass Langzeitstudien über den Einfluss von Windrädern auf die Vogelwelt unerlässlich sind, glaubt auch der emeritierte Biologie-Professor Hans-Heiner Bergmann. Vögel können sich laut Bergmann an die menschliche Zivilisation und ihre technischen Errungenschaften mit der Zeit gewöhnen. So lag etwa die Fluchtdistanz von arktischen Wildgänsen gegenüber Bundesstraßen vor zwanzig Jahren noch bei 500 bis 1.000 Metern, während die Wildgänse heute bis auf 100, manchmal sogar 30 Meter an die Straße heranrücken. Auch an Windräder hätten sich einige Schwärme bereits gewöhnt.“
  • Schätzungen in den USA gehen für das Jahr 2001 von 10.000 bis 40.000 toten Vögel durch Windkraftanlagen und 60 bis 80 Millionen toten Vögeln durch Fahrzeuge aus [6].

Wie das dann 8 Jahre später aussieht, kann man sich ja so ungefähr denken.
Um Vögel vor dem Aussterben zu retten, wäre es also eher notwendig, den Autoverkehr einzuschränken, aber das ist ein Tabuthema, an das sich natürlich auch niemand von der Achse des Guten heranwagt.
Dafür kann man sich aber wie Wolfgang Röhl mit den „Natur-Touris“ solidarisieren, die im “ Elbe-Weser-Dreieck“ die Wälder in Gefahr sehen:


Da Wälder aus daddelnden Windrädern und ein florierender naturnaher Tourismus zusammen passen wie Rasenmäher und Frösche, steht der Verlierer schon fest. Der Hype um die globale Erwärmung zahlt sich für die Branche aus. Seit über 12 Jahren schickt sie Propagandisten aufs platte Land, um die Akzeptanz der gewaltigen Stahlkolosse zu erhöhen, die jetzt bis zu 150 Meter hoch werden sollen.

Der Vergleich ist wirklich miserabel. Rasenmäher mögen zwar mal Frösche töten, aber daß Touristen, „naturnahe“ allenthalben, von „daddelnden Windrädern“ niedergemäht wurden, ist mir noch nicht zu Ohr gekommen. Im übrigen ist es überaus fraglich, ob der Anblick von „daddelnden Windrädern“ wirklich von allen Bürgern als Belästigung und ästhetische Zumutung empfunden wird. Windräder als „Lanschaftsverschandelung“ zu bezeichnen ist das gute Recht eines jeden Bürgers, aber es ist ein rein subjektives Empfinden, das keineswegs für die Mehrheit der Bürger zutreffen muß. Es gibt nachweisbare Kriterien für „Schönheit“ in vielen Bereichen des Lebens, aber ob Windräder allgemein in die Landschaft passen oder sie verschandeln ist nirgends nachgewiesen. Auch wenn es befremden mag: es gibt Leute, die Atom-U-Boote, Schlachtschiffe und Industrieanlagen weniger als „Verschandelung“ denn als eine ästhetische Bereicherung empfinden, und ob die paar älteren Herren von der Achse des Guten mit ihrer Theorie der „Windkraft-Häßlichkeit“ im Einklang mit der Masse der Bevölkerung urteilen, ist nicht erwiesen.

Damit keine Mißverständnisse aufkommen: ich habe nichts gegen Atomenergie. Es wäre schön, wenn unsere Atomkraftwerke längere Zeit laufen würden, wenn wir neue und noch sicherere Atomkraftwerke bauen würden, aber ich habe etwas gegen irrationale Argumente in dieser Energiedebatte. Egal, von wem sie vorgebracht werden: sei es von Naturschutzverbänden, Greenpeace, dem BUND oder von der Atomlobby, der Windkraftlobby oder der Achse des Guten.


[1] Maxeiner und Miersch auf der Achse des Guten
[2] Windmühle verletzt Geier auf Kreta
[3] Wolfgang Röhl: Jugend auf der schiefen Bahn. Der Fall des Schülers Mirko
[4] M.Miersch: Kahlschlag für den Umweltschutz
[5] Vogelschutz und Windenergie
[6] Umweltschützer: Vogeltod durch Windräder unbedeutend

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2 Antworten zu Arme Geier

  1. Pingback: Die Politik der toten Vögel « arprin

  2. kaputier schreibt:

    jetzt muss man dem blöden geier nur noch klar machen, dass er sich das nächste mal gefälligst rechtzeitig an die klimaschützenden errungenschaften zu aklimatisieren hat, bevor er so dämlich in den rotor fliegt! der blöde hund, äh geier, soll sich gefälligst von einem auto überfahren lassen, wie das die anderen umweltbewusten viecher auch machen (am bestem von einem benz oder bmw, dann kann man die hinterher gleich anzünden)!

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