Polare Eiskappen schmelzen – und der Meeresspiegel steigt trotzdem nicht

Maxeiner und Miersch haben auf der Achse des Guten darauf hingewiesen, daß Schulkindern immer noch das Märchen vom schmelzenden Nordpol und dem dadurch ansteigenden Meeresspiegel eingebläut wird.

Das ist ein schönes Beispiel für die naturwissenschaftliche Blindheit der Lehrbuchverfasser. Denn auch wenn man ein Rechtschreibheft für Grundschüler („Schreib richtig 4”, Westermann-Verlag) entwirft, sollte man offensichtlichen Unsinn wie diesen möglichst vermeiden. Ein Blick in ein Physik-Lehrbuch oder Wikipedia hätte den Autoren gezeigt, daß es sogar genau anders herum kommen könnte: daß nämlich die Meeresspiegel durch das Abschmelzen der Eismassen absinken.

Dabei reicht eigentlich schon die Erinnerung an den Physikunterricht in der Schule. Dort hat man nämlich irgendwann mal etwas vom Auftrieb gehört und gelernt, daß Schiffe auf dem Wasser deshalb schwimmen, weil der in das Wasser eingetauchte Teil leichter ist als das verdrängte Wasser und dieses verdrängte Wasser genauso viel wiegt wie das ganze Schiff. Der Gewichtskraft, die das Schiff unter Wasser drücken will, wirkt also der Auftrieb entgegen, und der ist als Kraft so groß wie das Gewicht des verdrängten Wassers. Sowie das Schiff (oder der Eisberg) weiter unter Wasser gedrückt werden – z.B. bei einem Sturm – taucht es gleich wieder auf, weil dann durch das zusätzlich verdrängte Wasser die Auftriebskraft stärker als die Gewichtskraft ist.

Besonders eindrucksvoll kann man diese schon Archimedes bekannte Tatsache in Israel erleben: nämlich beim Baden im toten Meer. Durch den hohen Salzgehalt ist die spezifische Dichte des Wassers im toten Meer größer als in den großen Weltmeeren, so daß dort ein Kubikcentimeter Wasser mehr wiegt als an der Nordsee. Und deshalb kann man dort im Wasser liegend Zeitung lesen! Man muß aber nicht gleich nach Israel fahren, um mit einem einfachen physikalischen Experiment die Schulbuchautoren ad absurdum zu führen:

man nehme ein Glas Wasser und lege einen Eiswürfel hinein, so daß das Glas randvoll mit Wasser ist, aber noch nicht überfließt. Der Eiswürfel schwimmt also obenauf und ragt zu einem Teil über die Wasseroberfläche hinaus. Warum schwimmt das Eis wie ein kleines Schiff auf dem Wasser des Glases? Es liegt daran, daß Wasser in Form von Eis ein um 10% größeres Volumen einnimmt – man denke an die platzenden Bierflaschen im Eisfach des Kühlschranks! – und daher kann natürlich nur ein Teil des Eiswürfels eintauchen. Ist das Eis geschmolzen, nimmt es genau den Raum des vorher verdrängten Wassers ein. Es kann also kein Wasser überlaufen – höchstens bei Grundschullehrern, die in ihren Lehrbüchern gerne den Weltuntergang predigen.

Einer vorurteilsfreien, sachlichen und naturwissenschaftlich begründeten Diskussion des Themas „Klimawandel“ leisten solche Lehrbücher leider einen Bärendienst. Denn daß die Meeresspiegel ansteigen, kann man getrost als bewiesen annehmen, aber Skeptikern des anthropogenen Temperaturanstiegs sollte man nicht mit solchen Argumenten kommen. Es gibt ja bessere.


Anmerkungen und Links:

[1] Wikipedia über Polkappen und absinkende Meeresspiegel
[2] Was ist Auftrieb?

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