Claudia Roth: Karriere statt Kinder

Die WELT erzählt uns, die Bundesbetroffenheitsnudel Claudia Roth habe in einem Interview mit dem Privatsender MAIN FM eingestanden, sie habe wegen ihrer politischen Karriere auf zwei Dinge verzichtet, nämlich auf

  • ein richtiges Privatleben und
  • eigene Kinder.

Beides zusammen habe sie sich nicht zugetraut, außerdem sei die Infrastruktur damals noch weniger da als sie jetzt da ist für die Vereinbarkeit von Kind und Beruf.

Da faßte sie dann mutig den Entschluß, dafür zu kämpfen, daß es für Frauen selbstverständlicher wird, Kind und Berufsleben miteinander zu verbinden.

Wir müssen der Bundesbetroffenheitsnudel hier entschieden widersprechen. Zum einen wird sie uns nicht weismachen können, daß sie wegen ihrer politischen Karriere auf ein Privatleben verzichten mußte. Das hat schon Petra Kelly nicht getan, deren „Privatleben“ aus eben dieser beruflichen Karriere bestand – und in ihrer Bonner Wohnung im Kellerarchiv spiegelte sich dieses „Privatleben“ wieder: das Archiv dort [1] bestand ausschließlich aus Zeitungsartikeln über sie selbst. Es ist nicht auszuschließen, daß inzwischen Claudia Roth über ein etwas umfangreicheres Archiv verfügt, in dem sie ihre Karriere verfolgt. Und nicht ihre Kinder.

Zum anderen definieren Politiker Begriffe aus dem bürgerlichen Alltag immer so, daß sie selbst dabei gut wegkommen. Deshalb hat auch Claudia Roth bei „Privatleben“ eher an Urlaubsreisen in die Türkei, Flohmarkt-Stöbern nach verkratzten Ton-Steine-Scherben-Platten oder Sortieren der Heiratsanträge türkischer Verehrer gedacht als an vollgeschissene Windeln. Daß Privatleben und nächtliches Kindergeschrei für viele Familien jahrelang dasselbe sind, scheint gerade für diejenigen undenkbar zu sein, die immerfort für soziale Gerechtigkeit und gegen Diskriminierung derjenigen „eintreten“, deren (Privat-) Leben sie dann doch lieber nicht führen wollen.

In einer Gesellschaft, in der alltäglich neue „Opfergruppen“ entdeckt werden, deren Diskriminierung, Benachteiligung und Unterdrückung angeprangert werden muß, sind Leute wie Claudia Roth, die auf ein Privatleben „verzichten“, vermeintlich selbst zum Opfer geworden: als „Betroffene“, besser gesagt von der eigenen Gutmenschlichkeit „Besoffene“ opfern sie sich selbst. Wir, die wir Privatleben, eigene Kinder, Familie und den Beruf irgendwie auch unter einen Hut bekommen haben, werden nun aufgefordert, unsere „Solidarität“ mit diesen Opfern an der grünen Spitze zu zeigen, die zwar sehr gerne im Schichtdienst als Operator in der EDV-Abteilung einer Bank gearbeitet und in den Zwischenschichten die Windeln ihrer Kinder gewechselt hätten, aber sie konnten leider nicht, da sie sich zu Höherem berufen fühlten. In der Opferhierarchie stehen sie also über uns. Sie sind einfach die besseren Opfer.

Zumindest können sie sich in der Öffentlichkeit besser darstellen als jene 45-jährige Mitarbeiterin einer Frankfurter Großbank, die mir einmal sagte, das sei ja schließlich ihre eigene Entscheidung, wenn sie keine Kinder haben wolle, außerdem würde sie dann ja ihre Stellung bei der Bank verlieren, und überhaupt: sie habe ja eine Patenschaft für ein Kind im Kongo übernommen, ob das denn nicht auch reiche?

[1] Aussage einer ehemaligen grünen Mitarbeiterin, die 6 Wochen im „Kelly-Archiv“ gearbeitet hatte
[2] Homepage Claudia Roth

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