Nasser Al-Kharafi und die FAZ-Anzeige

(Foto:Ibrahim Khoury)
Wenn man 14 Milliarden Dollar auf dem Konto hat und eine ganzseitige Anzeige in der FAZ setzen möchte, dann fragt man nicht nach dem Preis. Denn 67000 Euro sind in so einem Fall „Peanuts“. Eher fragt man sich, ob man nicht gleich die ganze Zeitung aufkaufen sollte, um ihr den eigenen Stempel aufzudrücken. Doch ein Mann wie Nasser Al-Kharafi, der in der Liste der reichsten Menschen bei „Forbes“ den Platz Nummer 46 einnimmt, würde die FAZ höchstens dann kaufen, wenn Frank Schirrmacher wegen exorbitant hoher Schulden seines Blattes nach Kuwait fliegen und untertänigst um eine Finanzspritze bäte. So taten es jüngst die hochverschuldeten Eigentümer des FC Liverpool, Tom Hicks und George Gillete, in der Hoffnung, der reiche Scheich aus dem Orient werde ihrem Klub aus der Klemme helfen. Immerhin hatte der schon im letzten Jahr mal Interesse am Kauf des Konkurrenzklubs „Newcastle United“ gezeigt. Woher das Interesse rührt, ist klar: Al-Kharafi studierte Betriebswirtschaft am Liverpooler „College of Commerce“ und wurde wohl damals ein Fan des Klubs. Sein Interesse für die FAZ hat aber einen ganz anderen Hintergrund. Wie viele der Milliardäre im Nahen Osten ist er nämlich ein Feind Israels und bringt dies gerne mit ganzseitigen Anzeigen in international angesehenen Blättern zum Audruck. So meldete etwa aljazeera am 23.August 2006, die al-Kharafi Group habe eine einseitige Anzeige in einer amerikanischen Zeitung geschaltet. Gemeint war natürlich eine „ganzseitige“ Anzeige, aber einseitig paßt als Beschreibung auch ganz gut [5]:

(Zitat incl. Schreibfehler)
Sie zeigt verwundete und weinende Kinder im Libanon. Der Text ist an Präsident Bush gerichtet und sagt, daß es da ein Mißverständnis gebe. Bush hatte von muslimischen Terrorverdächtigen als Faschisten gesprochen. Bei allem Respekt, so der Präsident der Firma, Nasser al-Kharafi, Präsident Bush soll sich mal anschauen was mit den Kindern im Libanon passierte. Die Botschaft war an Bush gerichtet, weil „er ein Repräsentant Israeli ist und ihr Unterstützter.“

Anscheinend ist der Scheich beleidigt, weil ihn bisher kein US-Präsident zu einem Plausch ins Weiße Haus eingeladen hat. Dies wird auch so bleiben, denn seine neueste Anzeige in der FAZ ist miese Propaganda für die Hamas und obendrein noch mit einem grottenschlechten Text versehen:

(Klicken Sie auf das Foto links, um es vergrößert zu sehen)

Offener Brief an Seine Exzellenz Barack Obama
Präsident der Vereinigten Staaten
Sie haben Ihr Amt mit dem Versprechen von Veränderung übernommen. Wir bitten Sie, diese Veränderung auch auf die Politik gegenüber Palästina-Israel zu beziehen. Ihre Exzellenz, es wird gesagt, die Hamas feuere Raketen ab, greife Israel an, töte mehr als zweitausend Menschen einschließlich Frauen und Kinder, setze hoch entwickelte Waffen aus dem amerikanischen Arsenal ein und verletze internationale Gesetze. Man fragt dabei nicht, warum die Raketen abgefeuert werden, nämlich weil das Land besetzt ist, die Grenzen geschlossen sind und die Bevölkerung im Belagerungszustand lebt. Ihre Exzellenz, wir bitten Sie nur, gerecht zu bleiben. Wie würden Sie reagieren, wenn die USA besetzt wären?

Angesichts dieses Textes kann man sich nur fragen, wie der Mann eigentlich zu seinem Geld gekommen ist. Hat er den Originaltext in arabisch selbst entworfen? Wenn ja, warum hat er keine ordentliche Übersetzung anfertigen lassen? In einem grausigen Deutsch werden uns hier die üblichen Klischees angeboten und das ganze mit der Frage gekrönt, was Obama wohl machen würde, wenn die USA „besetzt wären“. Herr al-Kharafi, Sie sind – mit Verlaub – ein Trottel. Ein gewaltiger. Denn erstens ist Ihre „Frauen und Kinder“-Masche eines der verlogensten Argumente, welches die Propagandisten der Hamas/Hisbollah immer wieder gerne mißbrauchen, weil sie wissen, daß im Gegensatz zur islamischen Welt Frauen und Kinder in unserer westlichen Kultur einen besonderen Schutz in bewaffneten Konflikten genießen. Und zweitens ist der Gazastreifen schon lange nicht mehr „besetzt“. Sie hätten Ihre letzte Frage ganz anders formulieren müssen:

Mr. President, wie würden Sie reagieren, wenn von der mexikanischen Grenze her eine Bande von religiösen Fanatikern jahrelang Raketen über die Genze schießen würde, mit der erklärten Absicht, die Zivilbevölkerung in den USA zu terrorisieren?

Und da hätte jeder amerikanische Präsident die richtige Antwort gehabt: spätestens nach der 2.Rakete hätte man den Religionsfanatikern den Garaus gemacht.

Wie schlimm aber muß es um die FAZ bestellt sein, daß sie wegen 67000 Euro eine ganzseitige Anzeige veröffentlicht, noch dazu im ersten Teil auf Seite 9, die in ihrem Tenor nichts anderes als antizionistische Hetze gegen den Staat Israel ist? Hat die Finanzkrise jetzt auch die FAZ erreicht und sämtliche Hemmungen gegenüber potentiellen Anzeigenauftraggebern beseitigt? Können wir demnächst auf Seite 9 eine ganzseitige Anzeige der NPD bewundern?

Man könnte ja zugunsten des Herausgebers annehmen, daß er die Anzeige gar nicht gesehen hatte, als er die Ausgabe vom 09. Februar zum Druck freigab. So wie der Papst nichts von der Holocaust-Leugnung des Bischofs Williamson wußte. Wahrscheinlich liest Schirrmacher sowieso nur die Leitartikel und den Feuilleton-Teil, nicht zu vergessen seine eigenen Artikel. Trotzdem hätte er an den nachfolgenden Tagen wenigstens eine Erklärung abgeben können. Unter Joachim Fest jedenfalls hätte es diesen Lapsus nicht gegeben.

Eins aber ist sicher: in einer kuwaitischen Zeitung würde niemals der folgende offene Brief veröffentlicht:

Offener Brief an

Seine Exzellenz Nasser Al-Kharafi

Präsident der Al-Kharafi Group in Kuwait

Sie sind Präsident eines Unternehmens, das jährlich Milliardengewinne erwirtschaftet, im Nahen Osten Fast-Food-Ketten betreibt, in Fluglinien und Telekommunikation investiert und Luxus-Hotelanlagen wie das „Sun International at Port Ghalib“ errichtet hat. Wir bitten Sie, bei Ihren Investitionen nicht nur an deutsche Spießer zu denken, die gerne ihren Urlaub in ägyptischen Luxus-Hotels verbringen, sondern auch an ihre palästinensischen Brüder und Schwestern, deren Wirtschaft dringend Unterstützung braucht. Und bevor Sie der Hamas Geld spenden, sollten Sie bedenken, daß es sich hier um eine religiös motivierte Terroristenorganisation handelt, die Kinder zum Haß und Fanatismus erzieht, wie Sie auf den folgenden Bildern sehen können.
Wie würden Sie reagieren, wenn Ihre Hauptstadt jeden Tag mit Raketen beschossen würde?








[1] BILD zur FAZ-Anzeige
[2] homo homini lupus kommentiert die FAZ-Anzeige
[3] Original der Forbes-liste
[4] FC Liverpool wird verkauft
[5] inamo – Informationsprojekt Naher und mittlerer Osten

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