Evelyn Hecht-Galinski in Freiburg


Freiburg im Breisgau, die sympathische Schwarzwaldstadt mit den „Bächles“ an den Strassenrändern, ist die Wiege der Anti-Atomkraft-Bewegung, hat nach dem Unfall von Tschernobyl ein vorbildliches Energieversorgungskonzept erstellt und setzt seitdem auf Energieeinsparung, neue Technologien und alternative Energien. Z‘ Friburg inner Stadt, gsuffer isch’s un glatt, so steht es auf den Wagen der städtischen Müllabfuhr, und so geht es wohl auch in den meisten Köpfen der Freiburger zu: sauber, glatt und fleckenlos umweltfreundlich. Von dieser Stadt mit ihrem grünen Oberbürgermeister und dem porentief sauberen Umweltgewissen ist es nicht weit zur deutschen Hauptstadt der Esoterik, denn auch das ist Freiburg: die Stadt der Quacksalber, die tachyonisiertes Wasser verkaufen, Goji-Lutschtabletten, Ohrkerzen, Kristallschädel-Essenzen oder auch einfach nur Sandalen, mit denen man sich Gesundheit erlatscht [4].

Wer im Sommer einen Spaziergang durch die Stadt macht, trifft allerorten auf glücklich vor sich hinlächelnde Menschen, die anscheinend gerade eben eine „Erleuchtung“ gehabt haben. Die Gespräche der Kunden im Altstadt-Cafe drehen sich um „Reiki“ und „Energiearbeit“, um „Quin“, „Deeksha“ oder das „heilende Tao“ für Frauen, kurz: um die zahllosen Möglichkeiten, am Wochenende das sauer verdiente Geld in sog. „Seminaren“ den Quacksalbern in den Rachen zu werfen, die so dumm sind, daß sie noch selber an den Unsinn glauben, den sie verzapfen. Wenn die für die Grünen im bayrischen Landtag sitzende ehemalige Schauspielerin

Barbara Rütting empfiehlt, den eigenen Urin zu trinken, so findet sie im Freiburger Esoterik-Publikum genügend Menschen, die glauben, das sei die bessere Alternative zum halbtrockenen Kaiserstühler „Viertele“. Was soll man von den Leuten auch anderes erwarten: wer seine Gewürzkräuter nur noch bei zunehmendem Mond anpflanzt, seine Ersparnisse totalitären Sekten anvertraut, um von denen als Mitglied akzeptiert zu werden, wer über dem Essen obskure Beschwörungsformeln murmelt und am Feierabend in Geheimgesellschaften an der Weltherrschaft herumbastelt, der wird auch noch an die „Heilkraft“ seines eigenen Urins glauben.

Hauptstadt der Esoterik

Es ist kein Zufall, daß es in Freiburg, der Bundeshauptstadt der Esoterik, vier Waldorfschulen gibt. In Städten mit vergleichbar vielen Einwohnern wie Magdeburg, Halle, Lübeck, Erfurt, Rostock, Mainz, Kiel, oder Chemnitz gibt es jeweils nur eine, in Oberhausen gar keine.

Waldorfschulen sind Schulen, an denen nach der von Rudolf Steiner (1861–1925) begründeten Waldorfpädagogik unterrichtet wird. Steiners Lehre der Anthroposophie fand in Rudolf Hess, dem Stellvertreter des „Führers“, einen ihrer glühendsten Verfechter. Nicht zu Unrecht, denn in Steiners Werk findet man solche Aussagen wie die Behauptung, daß „Neger“ aufgrund ihres Stoffwechsels ein „starkes Triebleben“ hätten oder daß „Indianer transformierte Neger“ seien. Steiner war ein lupenreiner Rassist, dessen Schriften von den Nazis 1938 posthum wieder zugelassen wurden, nachdem sie 1935 verboten worden waren, und zwar auf Veranlassung des Nazipädagogen Alfred Bäumler. Und die Waldorfschulen? Deren Fortbestand in Dresden, Hamburg und Hannover wurde 1939 noch einmal ausdrücklich genehmigt, zu einer Zeit, in der alles, was mit dem Nationalsozialismus nicht halbwegs kompatibel war, schon längst nichts mehr zu melden hatte. [4]
In diesem Klima des Okkultismus und der spirituellen Rechthaberei, wo Glaubensgrundsätze und unbeweisbare – meist auf die Apokalypse zielende – Behauptungen in „Arbeitsgruppen“, „Seminaren“, „Tagungen“ und „Zentren“ mit großem Ernst diskutiert werden, in diesem Klima also, wo man tief in seinem Innern verspürt, ein guter Mensch zu sein, und das Ungerechte dieser Welt weit draußen bei den anderen wahrnimmt – hier fallen Fernsehberichte über Frauen und Kinder, die im Gazastreifen Opfer einer „wahllos mordenden israelischen Soldateska“ geworden sind, auf besonders fruchtbaren Boden.

Und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, daß selbst der Rektor der Universität Freiburg mit solchen Sätzen wie

…die Moderne kann nicht erfolgreich sein, solange sie die religiösen und spirituellen Werte vernachlässigt.

[2]

in offiziellen Presseerklärungen seine Sympathie für einen Mann durchblicken läßt, während dessen Amtszeit als Staatspräsident des Iran (und auch davor, als er für die Zensur verantwortlich war) Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung waren. Den Gegenstand dieser Presseerklärung, nämlich einen hochoffiziellen Besuch dieses Mullahs in Freiburg, hat David Harnasch in einem Augenzeugenbericht[3] beschrieben: er war dabei, als am 28.Oktober 2008 Dr. h.c. Mohammad Khatami im Audimax der Universität einen Vortrag in der Reihe „Interkultureller Dialog“ halten durfte.

Daß religiöse Schwätzer und Erleuchtete auch in der Universität ihren Schwachsinn verbreiten dürfen, ist zwar bedauerlich aber institutionell abgesichert. Es gibt ja auch Fakultäten für katholische und evangelische Theologie. Nehmen wir das noch als gerade ertragbar hin, so sind aber sturzdumme[3] Vorträge eines religiösen Fanatikers, dessen spirituell verbrämter Rassismus auch dem Rektor der Universität Freiburg, Professor Dr. Hans-Jochen Schiewer, übel aufstoßen müßte, ein Zeugnis für das „sturzdumme spirituelle Geistesklima“ dieser Stadt.

Friedliche Mahnwache am Bertoldsbrunnen

Und in diesem Klima gedeihen auch bestens solche Demonstrationen wie die vom 02.01.2009 am Bertoldsbrunnen, als man nicht etwa für den jüdischen Staat und sein Recht auf Verteidigung demonstrierte, sondern auf den mitgebrachten Plakaten den „kriminellen Krieg“ in Gaza gerne stoppen wollte. Über solche Ereignisse berichtet die Badische Zeitung natürlich gerne, wohingegen die letzten antisemitischen Ausfälle des iranischen Präsident Ahmadinejad vor der UNO der badischen „Zittig“ keine Zeile wert waren. Stehen jedoch „geschätzte 250 Menschen, die Mehrheit davon in Freiburg lebende Palästinenserinnen und Palästinenser,“ am Bertoldsbrunnen rund um ein mit Friedhofskerzen gemaltes Wort „GAZA“ auf dem Pflaster, so ist BZ-Reporter Frank Zimmermann sofort zur Stelle. Und flugs hat er auch gleich die richtigen am Reportermikrophon: die Kinder.

Wir hören von Maryam El-Aklok, der 16-jährigen Tochter von Gaby Weber, daß „in dem Dorf Nuseiarat ein Haus in unmittelbarer Nachbarschaft ihrer Großeltern bombardiert“ wurde und ihr Großvater aus Angst nach draußen gelaufen sei, aber das sei natürlich auch nicht besser als drinnen zu sein. Wir können dem uneingeschränkt zustimmen, denn wenn man per SMS oder Flugblatt aufgefordert wird, ein Haus zu verlassen, das in der nächsten Stunde bombardiert werden soll, muß man schon ein bekloppter „Märtyrer“ sein, um dann noch im Gebäude auszuharren. Reporter Zimmermann ist aber gar nicht auf die Idee gekommen, dem Mädchen die Frage zu stellen, ob denn das Haus in der Nachbarschaft nur eine Schule, ein Krankenhaus oder eine Bäckerei gewesen sei, jeweils mit angebauter Raketen-Bastelwerkstatt für die Jungs von der Hamas.

Badische Hausfrau: Israel im Blutrausch

Denn BZ-Reporter Zimmermann bahnt sich zielstrebig durch die 250 Palästinenser seinen Weg zu jener badischen Hausfrau, deren „Spezialität antisemitisch-antizionistische Statements“ sind [8]: Evelyn Hecht-Galinski durfte hier nicht fehlen, und Frank Zimmermann nahm zutiefst beeindruckt die Statements der EHG entgegen:

  • Als deutsche Jüdin schäme ich mich für die Bundesregierung. Zu diesem Unrecht darf man nicht schweigen.
  • Die Blockade muss beendet werden,und wo sind die katholische und die evangelische Kirche?

Leider mußte Frau Hecht-Galinski schnell weiter nach Düsseldorf zur nächsten Demo, denn sie ist sehr gefragt in diesen Tagen. Täglich demonstriert und „mahnwacht“ man in Deutschland, und alle wollen natürlich einen Vorzeigejuden dabei haben. So konnte Frank Zimmermann nur noch in die Redaktion eilen und seinen Artikel aufsetzen, in der Hoffnung, daß ihn mehr Leser registrieren würden als z.B. den Leserbrief von Dr. Hans-Joachim Ballstaedt, Freiburg [6]. Der hatte nämlich in seinem BZ-Leserbrief vom 30.10.2008 aus lauter Ärger darüber, dass der Zentralrat der Juden in Deutschland die badische Hausfrau als Antisemitin bezeichnet,einen Haufen jüdischer Kronzeugen für seine geliebte Evelyn aufgeboten. Leider hatte er dabei vergessen, seine Kronzeugen ein bißchen genauer unter die Lupe zu nehmen, sonst wäre ihm nämlich aufgefallen, daß die von ihm zitierte Quelle Gerard Menuhin (Die Antwort, Verlag FZ) ein Kolumnist der rechtsradikalen deutschen Nationalzeitung ist und sich auch schon gerne mal in der NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“ äußert (siehe Wikipedia zu Menuhin). Na gut, solche Patzer können einem schon mal unterlaufen, und ob die Leser der BZ dahinterkommen, kann mit Fug und Recht bezweifelt werden, wissen wir doch, daß Esoteriker im fortgeschrittenen Stadium gerne auf Fernsehen und Radio verzichten. Als Zeitung reicht die BZ, und den Rest an Informationen besorgen sie sich aus irgendwelchen „besseren, reineren, höheren Quellen des Wissens“, vorzugsweise aus dem fernen Osten.

Zum Schluß gehen wir wieder zurück in den „nahen Westen“ und werfen von dort einen Blick durch die Brille der Hecht-Galinski auf den Nahen Osten:

O-Ton Evelyn Hecht-Galinski auf der Düsseldorfer Demo vom 03.01.2009[9]:
Der jüdische Staat befindet sich durch eigene Überhöhung und propagandistische Euphorisierung der Kampfesstärke als fünfgrößte Militärmacht der Welt, angestachelt und bestärkt durch die USA und insbesondere auch durch die deutsche Regierung in einem nationalen kollektiven Blutrausch.

Anmerkungen und Links

[1] 31.10.2008: Offener Brief zum Besuch des ehemaligen iranischen Staatspräsidenten Chatami in Freiburg, Breisgau
[2] 28.10.2008: Presseerklärung der Uni Freiburg zum Khatami-Besuch
[3] Freiburg macht sich zum Clown, von David Harnasch
[4] Marcus Hammerschmidt: Instant Nirwana,Verlag Alibri
[5] Dietmar Koester zu Khatamis Besuch in Freiburg
[6] Juden in Südbaden
[7] Henryk M. Broder: Aus südbadischen Augen in die Welt geschaut
[8] ANTISEMITISMUS-STREIT: Publizist Broder obsiegt vor Gericht
[9] Henryk M. Broder: Rund um Gaza (05.01.2009)

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