Israel schießt zurück

Israel schießt zurück

Seit Samstag, dem 27.12.2008 10:30 (MEZ) wird zurückgeschossen. Allerdings nicht wegen eines fingierten Überfalls auf einen gewissen Radiosender, sondern wegen des permanenten Raketenterrors der Hamas. Die israelische Luftwaffe bombardierte als erstes wichtige Einrichtungen der Hamas – punktgenau, versteht sich. Und kaum fielen die ersten Hauptquartiere und Ausbildungslager der Religionsfanatiker in Trümmer, hagelte es von allen Seiten Proteste: UNO, Nichtregierungsorganisationen, die EU und natürlich die „arabische Welt“ schlugen wie gewohnt einträchtig auf Israel ein. Norman Paech, antizionistisches Flaggschiff der LINKEN im Bundestag, redet von „Angriffen auf überwiegend zivile Einrichtungen“ und „vollkommen unverhältnismäßigen israelischen Reaktionen“ [7], für den STERN ist die Offensive „blutig, brutal, [und] beharrlich“ und wird in einem „Pyrrhussieg für Israel enden“ [4], und wie schon seinerzeit Joschka Fischer fürchtet sich auch Außenminister Frank Walter Steinmeier vor der „Spirale der Gewalt“, in der seiner Meinung nach der Gaza-Streifen zu versinken droht [6]. All diese Kommentare haben eines gemeinsam: einerseits betont man eilfertig das Recht Israels auf Verteidigung gegen den Raketenterror, um dann andererseits gleich im nächsten Satz ein dickes „Aber, aber…“ hinterherzuschieben:

….bei den Militäraktionen [solle man] das Gebot der Verhältnismäßigkeit respektieren und alles tun, um zivile Opfer zu vermeiden.

Das scheint deutschen Ratgebern nach dem 2.Weltkrieg die meisten Sorgen zu machen: wie man ihren früheren Opfern beibringt, bei Militäraktionen zivile Opfer zu vermeiden. Darin haben die Deutschen im 20.Jahrhundert ja reichlich Erfahrung sammeln können. Und die möchte man den Juden des 21.Jahrhunderts doch gerne weitergeben.
Für ihre herablassend-oberlehrerhafte, gönnerhaft-belehrende Haltung möchte man dieser Klasse Volksvertreter doch nur zu gerne ein paar deftige Arschtritte verpassen. Sind sie sich dieser Peinlichkeiten nicht bewußt? Tun die Israelis etwa nicht alles, um zivile Opfer zu vermeiden? Warum muß man jemanden an diese Selbstverständlichkeit der Vermeidung ziviler Opfer erinnern, wenn nicht deshalb, weil man ihm insgeheim unterstellt, er würde sich nicht an diese Regel halten? Wie kommt es zu dieser völligen Verdrehung der Tatsachen im Angesicht der von der Hamas, der Hisbollah und den anderen Irren in diesem Gebiet begangenen Verbrechen, die sich fast ausschließlich gegen Zivilisten richten?

Kartenspieler unter sich

Gehen einem die Politiker mit ihrer „Spirale der Gewalt“ schon mächtig auf den Wecker, so ergreift einen vollends das Grausen,
wenn man die Kommentare deutscher sog. „Nahost-Experten“ zum Geschehen in Gaza liest. Gestern wurde z.B. im ZDF Udo Steinbach gefragt, wie man den Konflikt am besten lösen könne. Steinbach, der das Vorgehen der Israelis gerne mit dem der Nazis beim Aufstand im Warschauer Getto vergleicht und auch sonst immer mal wieder über „das ständige Gerede von der Bedrohung Israels“ klagt, ist natürlich genau der richtige „Nahost-Experte“, um im ZDF diese (überaus schlau gestellte) Frage zu beantworten:

Udo Steinbachs „Lösung“ des Nahost-Problems

Israel zieht sich zurück aus den besetzten Gebieten, weitgehend jedenfalls, hält sich an das Völkerrecht, und dann wird man sehen, wie man sich sortiert, die Palästinenser sind zur Masse friedensbereit, und… nur eines ist klar: weder die Israelis selbst noch die Palästinenser sind aus eigenen Kräften heraus in der Lage, diesen Schritt zu tun, diesen Frieden zu stiften. Die internationale Gemeinschaft muß viel härter auftreten, das gilt für Amerika, das haben Sie gerade gesagt, das gilt aber insbesondere auch für die europäische Union, die ja fast sprachlos ist…und die europäische Union, die viele Karten in der Hand hat, die Beteiligten an den Verhandlungstisch zu bringen, insbesondere Karten in der Hand hat, die den Israelis nicht ganz gleichgültig sein können. Und diese Karten zu spielen, dazu müßte die europäische Union endlich in der Lage sein, die internationale Gemeinschaft bereit sein, dann wäre der Frieden, dann wäre ein gedeihliches Verhältnis zwischen Palästinensern und Israelis eine Frage von… ich würde fast sagen, ein bis zwei Jahren.

Glücklicherweise heißt unser Aussenminister Frank-Walter Steinmeier, der Mann mit der Gewaltspirale im Kopf, und nicht Professor Udo Steinbach, der bei der nächsten Nahost-Quartetts-Versammlung mit einem Kartenspiel in der Hand erschienen wäre. Steinbach spielt zwar im ZDF nur mit verdeckten Karten, aber welches seine Trumpfkarten beim großen Nahost-Spiel wären, kann man sich schon denken.

Richard C.Schneider aus Tel Aviv im ARD-Brennpunkt

Nicht alle deutschen Sender hauen aber in die gleiche Kerbe und jammern über die „Hardliner“ aus Israel, die mit der Aktion „gegossenes Blei“ die seit Jahren immer gleiche und bislang immer erfolglose Strategie der dumpfen Gewalt fortsetzen (STERN). Im Brennpunkt der ARD am 29.12.2008 wurde Richard C.Schneider, ARD-Korrespondent in Tel Aviv, befragt, was er von der geplanten Boden-Offensive halte. Und fand deutliche Worte der Sympathie für das israelische Vorgehen:

Richard C.Schneider aus Tel Aviv im ARD-Brennpunkt:

Israel hat mit wochenlangen Luftangriffen gegen die schiitische Hisbollah im letzten Libanonkrieg nicht viel errreicht. Sie wissen also: sie müssen mit den Bodentruppen rein, wenn sie der Hamas wirklich den Garaus machen wollen, sie müssen hinein, um die Infrastruktur der Hamas komplett zu vernichten.

Neben der ARD, die einen relativ ausgewogenen Brennpunkt am 29.12. zum Thema Gaza brachte, glänzt natürlich der SPIEGEL mit zahllosen Artikeln seines Online-Magazins, und aus vielen dieser Berichte gewinnt der Leser den Eindruck, daß es für die „Eskalation der Gewalt“ in der Hauptsache einen Schuldigen gibt, nämlich Israel. So beginnt z.B. der Artikel mit der Überschrift Merkel verteidigt Israels Gaza- Offensive mit folgendem Satz:

Israel droht der Hamas mit einer Bodenoffensive, setzt die Luftangriffe im Gaza-Streifen fort – und wird von der Bundesregierung in Schutz genommen.

Deutlicher kann man es mit dem Gedankenstrich „-“ nicht formulieren: die Bundesregierung erfrecht sich, den jüdischen Staat in Schutz zu nehmen, der sich nicht etwa verteidigt, sondern mit einer Bodenoffensive „droht“, ja sogar seine Luftangriffe „fortsetzt“ anstatt sie einzustellen. Wortwahl und Satzbau sind darauf angelegt, den Leser Schritt für Schritt auf der nach oben offenen Empörungsskala weiter zu schubsen. Bis er der Meinung ist: jetzt reichts, jetzt werden wir die brutalstmögliche Karte von Udo Steinbach ausspielen.

Martin Heller: Israel ist nicht immer schuld

Aber: auch beim SPIEGEL sollte man genauer hinsehen. Nicht alle Berichte aus dem Nahen Osten werden von Hamas-Bewunderern wie Ulrike Putz geschrieben, nicht alles sollte nur wegen einer Überschrift gleich in die Tonne „Antizionismus“ geworfen werden. Ein gutes Beispiel dafür ist der Video-Bericht von Martin Heller [8], dem eigentlich nichts hinzuzufügen ist.

Anmerkungen und Links

[1] Hilfslieferungen in den Gazastreifen während des ‚Waffenstillstandes‘
[2] Israel stellt Hamas Ultimatum
[3] Israel droht Hamas mit Angriff – scharfe Raketen im Libanon gefunden
[4] STERN: Ein Pyrrhussieg für Israel
[5] Israel will Krieg bis zum bitteren Ende
[6] Aussenminister Steinmeier am 28.12.2008 in der BILD-Zeitung
[7] Norman Paech: Kampfhandlungen müssen sofort eingestellt werden
[8] Martin Heller: Israel schlägt zurück

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