Freiheit der Wissenschaft und die Freiheit, beschnitten zu werden

Nicht selten denkt man als Leser der „Jüdischen Allgemeinen“, man müsse „!Einspruch!“ erheben – so wie es der Herausgeber Christian Böhme in der neuesten Ausgabe vom 11.12.2008 auf der ersten Seite tut. „Einspruch“ erhob Böhme

  • gegen eine seiner Meinung nach „boshafte Kampagne“ gegen den Leiter des ZfA (Zentrums für Antisemitismusforschung) Wolfgang Benz und sein Institut wegen dessen Konferenz über das Verhältnis von Antisemitismus und Islamophobie vom 08.12.2008
  • gegen eine massive „Mobilmachung vor allem in Internetblogs“ gegen den Forscher
  • gegen „den Vorwurf einer gefährlichen Parallelisierung der gegenwärtigen Islamfeindschaft und der historischen Judenfeindschaft“.

Wolfgang Benz: in Wirklichkeit geht es um Gesinnung

Zunächst einmal muß man klarstellen: niemand will die Wissenschaft von ihrer Freiheit „befreien“- wie es Böhme mit seiner Aussage

„In Wirklichkeit geht es um Gesinnung. Und die ist das Gegenteil von freier Wissenschaft“

suggeriert. Die Politiker-Leerformel „es geht doch nur um…“ bzw. „es geht uns um…“ ist meistens die Einleitung zu einer Aussage, die entweder nur noch entfernt etwas mit dem Thema zu tun hat oder aber davon ablenken will, daß die nachfolgende Aussage eine Behauptung enthält, deren Beweis angesichts ihrer „Offensichtlichkeit“ nicht erbracht zu werden braucht. Will sagen: ob die Kritiker von Wolfgang Benz allesamt einer gewissen „Gesinnung“ anhängen und diese gegen die „freie Wissenschaft“ durchsetzen wollen, bleibt zu beweisen und daß es so ist, kann nur jemand behaupten, der die bisherige Diskussion sehr oberflächlich verfolgt hat. Weder Matthias Küntzel noch Henryk Broder oder Walter Schmidt (allesamt auf der Achse der Guten zu lesen) wollten Benz und seinem ZaF ihre Gesinnung vorschreiben oder ihm verbieten, seine Forschungen zu veröffentlichen. Und Kritik muß gerade in diesem Falle erlaubt sein, wo ein „Forscher“ sich mit einem Thema beschäftigt, das in der Öffentlichkeit überaus kontrovers diskutiert wird.

Wir dürfen also Wolfgang Benz, seine Mitarbeiter und das ZfA kritisieren, wenn uns deren Aussagen in Zeitungen, Radio und Internet zum Tagesordnungspunkt „FEINDBILD ISLAM UND ISLAMISIERTER ANTISEMITISMUS“ nicht gefallen [1]. Fairerweise sollten wir aber, bevor wir mit süffisant-schadenfrohem Ton Benz und seine Mitarbeiter als

Propheten im Tal der Ahnungslosen

[2]

diffamieren, wenigstens andeutungsweise deren Verdienste um die Erforschung des Antisemitismus erwähnen. Nicht weil die Leser der Blogger von Achse des Guten etc. das alles nicht wüßten, sondern weil es einfach zu einem guten Diskussionsstil gehört und weil das Zentrum für Antisemitismusforschung es auch verdient hat.

Vorurteilsforschung an der 1,5 Milliarden-Minderheit der Moslems


Aber: laut Christian Böhme

„versteht [Benz] sich als Vorurteilsforscher, der das Wissen über Judenfeindschaft und Schoa nutzt, um auf heutige Mechanismen der Ausgrenzung und Diskriminierung von Minderheiten aufmerksam zu machen.“

So als wenn es Vorurteile nur gegenüber Minderheiten gäbe. Gewiß, die Juden sind weltweit eine Minderheit, ein winziges Völkchen, das noch dazu in aller Herren Länder verteilt ist und auch dort jeweils nur eine Minderheit darstellt. Hier ist es in der Tat angebracht, die „Mechanismen der Ausgrenzung und Diskriminierung von Minderheiten“ zu erforschen. Moslems stellen dagegen mit 1,5 Milliarden weltweit ganz sicher keine Minderheit dar. Möglicherweise sind sie in gewissen Ländern nur eine kleine Minderheit, aber weltweit? Warum also soll es dann gegen diese riesengroße Gruppe von Menschen Vorurteile geben? Und seit wann? Etwa schon seit Jahrhunderten? Plant man in Deutschland oder Frankreich schon ihre Vernichtung? Wo sind Anzeichen einer systematischen staatlichen Verfolgung von Muslimen erkennbar? In allen Ländern der EU ist eher das Gegenteil der Fall, und das hängt – vielleicht – damit zusammen, daß Muslime weltweit eben keine Minderheit sind und die westlichen Demokratien im Laufe des letzten Jahrhunderts sehr viel für den Minderheitenschutz getan haben (die deutschen Nazis fallen nicht unter den Begriff „westliche Demokratie“). Juden dagegen waren schon immer in allen Ländern eine kleine, sehr gut erkennbare (zudem noch erfolgreiche) Minderheit, und auch wenn es Arvid Vormann vom Wadi-Blog [5] nicht paßt, gerade diese Tatsache stellt aus soziobiologischer Sicht einen Grund für den Antisemitismus dar. Allerdings liefern Soziobiologen lediglich wahrscheinlichkeitstheoretische Aussagen [3], aber die sind wenigstens präziser als solche geballte Polemik wie man sie auf dem Wadi-Blog findet:

Wie das Amen in der Kirche offenbart sich denn auch das Ressentiment im Banalen. Wenn Benz schildert, was Feindbild Muslim und Feindbild Jude eine, dann ahnt man etwas von den intellektuellen Abgründen seiner Pseudo-Wissenschaft: “Ich definiere von der Mehrheit aus eine bestimmte Gruppe, stigmatisiere sie dann, dann kann ich sie ausgrenzen mit allen weiteren Erfolgen.”

Das klingt zwar ganz gut, ist aber meilenweit von einer sachlichen Argumentation entfernt und beweist gar nichts.

Antiamerikanismus – Alternative zum Forschungsgegenstand „Islamophobie“

Wie wäre es statt dessen mit folgender Empfehlung: statt sich mit einer angeblichen „Islamophobie“ auseinanderzusetzen, hätten Benz und seine Mitarbeiter lieber das Thema Antiamerikanismus untersuchen sollen, , das wissenschaftlich viel interessanter als die von den muslimischen Interessenverbänden herbeigeredete „Islamophobie“ ist: denn US-Amerikaner stellen einen nicht zu übersehenden Teil der Weltbevölkerung dar und sind als Minderheit in einzelnen Ländern überhaupt nicht wahrnehmbar. Ähnlich wie beim Antisemitismus haben wir es beim „Antiamerikanismus“ mit einer schon seit hunderten von Jahren bestehenden Erscheinung zu tun [4], die in zahllosen Aspekten Verwandtschaft zum Antisemitismus aufweist und gerade seit 9/11 einen mächtigen Auftrieb erfahren hat. Gerade weil dieses Ressentiment nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit schon als eine kulturelle Errungenschaft gefeiert wird, mit der man sich auf jeder Party schmücken kann, auf der man auch ein paar abfällige Sätze über die USraelis fallen lassen kann, gerade deshalb wäre es für Benz und sein Institut ein spannender Forschungsschwerpunkt.

Es stellt sich also die Frage, warum Benz und sein Institut ausgerechnet auf die „Islamophobie“ gekommen sind, als sie sich die berechtigte Frage stellten, auf welche weitere „Phobie“ man wohl die in den vergangenen Jahren der Forschungsarbeit gewonnenen Erkenntnisse über die Grundmechanismen des Antisemitismus anwenden könnte. Man kann hier nur Vermutungen anstellen, andererseits ist die Beantwortung dieser Frage nicht allzu wichtig, weil es sich bei diesem Thema meiner Meinung nach um einen einmaligen „Ausrutscher“ handelt, den das Institut nicht weiter verfolgen wird. Es sei denn, es würde seinen Namen in „Zentrum für Antiislam-Forschung“ ändern.

Weltuntergang: Dänen wollen das Beschneidungsalter auf 15 Jahre heraufsetzen

(Foto links von Chesdovi)
Doch nicht nur die „Freiheit der Wissenschaft“, sondern überhaupt die „Freiheit“ wird beschnitten: so schreibt es die „Jüdische Allgemeine“ am 27.11.2008 auf der Seite 2. Diesmal wird nicht die Freiheit der Wissenschaft, die Islamophobie als eine weitere Variante des Antisemitismus zu entlarven, angegriffen, nein, diesmal fürchtet man sich davor, daß die „Freiheit, Jungen in den ersten 30 Tagen nach ihrer Geburt“ einen Teil ihres Geschlechtsorgans aus rein religiösen Gründen wegzuschneiden, von einer „bürgerlichen Minderheitsregierung“ abgeschafft werden soll. Katharina Schmidt-Hirschfelder beklagt in ihrem Artikel „Wenn Freiheit beschnitten wird“, daß das dänische Parlament möglicherweise das Beschneidungsalter von Jungen auf 15 Jahre heraufsetzen will. Schmidt-Hirschfelders Ausführungen zum Thema Beschneidung und der durch das drohende Verbot infrage gestellten Glaubensausübung lassen leider erkennen, daß hier ein grauenhafter Brauch mit geradezu lächerlichen Argumenten aus der Mottenkiste religiöser Eiferer gerechtfertigt werden soll.


So schreibt sie, der staatliche dänische Kinderrat argumentiere, die Beschneidung von Jungen sei der Beschneidung von Mädchen gesetzlich gleichzustellen, da der Eingriff dem Kind irreparablen Schaden zufüge, ohne dass es sich dagegen wehren könne. Den Vergleich zwischen Beschneidung und Verstümmelung der weiblichen Geschlechtsorgane hält Rabbiner Lexner (der Oberrabbiner von Dänemark), der auch der offizielle Mohel der Gemeinde sei (also der oberste „Beschneider“), für kompletten Unsinn. Warum Lexner das für kompletten Unsinn hält, wird nicht weiter ausgeführt. Anscheinend sind die Aussagen eines Oberrabbiners schon so etwas wie „heilige Sätze“, gesprochen „ex Cathedra“. Man mag sich ja darüber streiten, ob die Beschneidung von Jungen dasselbe sei wie die Beschneidung von Mädchen, aber daß es sich um einen Eingriff handelt, der dem Kind einen irreparablen Schaden zufügt, gegen den es sich nicht wehren kann, ist eindeutig richtig. Oder hat schon mal jemand eine abgschnittene Vorhaut wieder angenäht? Diese Feststellung des dänischen Kinderrates einfach durch Nichtbeachtung vom Tisch zu wischen, so zu tun, als sei das „kompletter Unsinn“, zeigt deutlich, daß hier nicht mehr logisch, sondern religiös „argumentiert“ wird.

Noch schlimmer sind die „Begründungen“ des niedersächsischen Landesrabbiners Jonah Sievers für das barbarische Ritual der Beschneidung:

Eine Verknüpfung der Verstümmelung junger Mädchen und der Brit Mila sind, vorsichtig formuliert, abstrus, sagt Sievers. Die Brit Mila wird schon seit Jahrtausenden praktiziert und ist unabänderlicher Bestandteil des Judentums und jüdischer Identität.

Die Beschneidung von Jungen im Alter von 8 Tagen – man glaubt es kaum – sollte man beibehalten, nur weil sie seit 3400 Jahren praktiziert wird? Wenn alle Reformen im Laufe der Jahrhunderte mit diesem Argument abgeblockt worden wären, säßen wir heute noch in einer Steinzeithöhle. Nichts, aber auch gar nichts ist deshalb richtig, weil es seit 3400 Jahren „untrennbarer Bestandteil“ der jüdischen oder einer anderen Religion ist. Umgekehrt wird ein Schuh draus: es wäre nach 3400 Jahren der fortgesetzten Körperverletzung endlich einmal angesagt, sich von diesem völlig überflüssigen Ritual zu trennen.

Schweden: Körperverletzung unter Aufsicht der Krankenschwester

Aber selbst in einem ach so fortschrittlichen Sozialstaat wie Schweden wird die Beschneidung immer noch praktiziert und staatlich geduldet. Aber wie:

Inzwischen habe man aber in Schweden eine Lösung ausgehandelt, mit der alle zufrieden seien. Krankenschwester plus Betäubung, lautet dieser Kompromiss. Er sieht vor, dass bei einer Brit Mila neben dem Mohel immer auch eine ausgebildete Krankenschwester anwesend sein muss. Das funktioniere schon seit zwei Jahren ausgezeichnet.

Nun schaut also eine ausgebildete Krankenschwester zu, wie einem wehrlosen Baby ein Teil seines Körpers weggeschnitten wird. Es ist nicht zu fassen. Leben wir im 21.Jahrhundert? Gibt es nicht Gesetze, die das Schlagen von Kindern in Schulen verbieten, obwohl dies jahrzehntelang zur „Tradition“ einer autoritären Erziehung gehörte? Warum wird bei der „rituellen Beschneidung“ vom Gesetzgeber ein Auge zugedrückt, obwohl dieser den Tatbestand der Körperverletzung ziemlich eindeutig geregelt hat [6]:


In jeder Beschneidung ist eine Körperverletzung im Sinne des § 223 Absatz 1 StGB zu sehen.

Der Grund ist klar: es handelt sich hier um ein Ritual, das nicht nur Juden, sondern auch Muslimen zwingend von ihrem Glauben vorgeschrieben ist. Glaubensvorschiften haben in unserem Staat leider immer noch einen höheren Stellenwert als weltliche Gesetze. Muslime haben allerdings noch viel weitergehende Vorschriften, wie sie ihren Körper den Wünschen eines ominösen Gottes zum Wohlgefallen verunstalten müssen:


Aussage des Propheten in einem Hadith:
„Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete: Der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: Zur Fitra (natürlichen Veranlagung) gehören fünf Dinge: Die Beschneidung (der Männer/Jungen), das Abrasieren der Schamhaare, das Schneiden der (Finger- und Fuß-) Nägel, das Auszupfen (bzw. Rasieren) der Achselhaare und das Kurzschneiden des Schnurrbarts.“

Sexualfeindliche Begründung für die Beschneidung

Wenns nicht so traurig wäre, könnte man hier ja auch einmal lachen. Aber wenn man daran denkt, daß im Iran die Religionspolizei auf den Straßen systematisch nach Menschen sucht, die sich diesen absurden Regeln nicht unterwerfen wollen, dann ist das alles eher zum Heulen.

All diese Maßnahmen, den menschlichen Körper „gottgemäß“ zu trimmen, beziehen sich ziemlich eindeutig auf die Sexualorgane des Menschen und haben natürlich nur einen Zweck: den solchermaßen „getrimmten“ Menschen vor unsittlichen Anwandlungen zu bewahren. Durch die Beschneidung sollten die Geschlechtsorgane so verletzt und geschwächt werden [7], daß sie zwar noch ihre Aufgabe erfüllen, aber den Menschen nicht durch „überschüssige“ Lust von seiner eigentlichen Aufgabe ablenken: Gottes Willen auf Erden durchzusetzen, wenn nötig mit Gewalt.

So empfahl der Schweizer Arzt Dr. Samuel Tissot die Beschneidung von Jungen und Mädchen als Kur gegen Masturbation, die er als Ursache für „jugendliche Rebellion“ und Krankheiten wie Epilepsie, „Erweichung von Körper und Geist“, Hysterie und Neurosen ansah [7].

Beschneidung in Schweden oder Deutschland zur Ausübung der religiösen Freiheit

All diese Gesichtspunkte spielen aber im Artikel von Schmidt-Hirschfelder überhaupt keine Rolle.
Dort geht es allein um die vermeintliche Ungerechtigkeit, die eine Heraufsetzung des Beschneidungsalters für Juden bedeutet würde(und damit auch für Muslime, aber diese werden mit keinem Wort in dem Artikel erwähnt, obwohl uns die dänischen Muslime noch gut in Erinnerung sind vom Karikaturenstreit). Schlimmer noch: Oberrabbiner Lexner droht schon mit der Auswanderung bzw. mit der „Ausübung seiner religiösen Freiheit“ in Deutschland, Schweden oder Israel, so wie Muslime ihre Töchter in den Schulferien zur Beschneidung nach Marokko schicken, natürlich nur zur „Ausübung ihrer religiösen Freiheit“. Die Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Schweden, Lena Posner-Körösi, versteigt sich gar zu der Behauptung, unter der bürgerlichen Minderheitsregierung, toleriert von der rechtspopulistischen dänischen Volkspartei, herrsche ein aufgeheiztes nationalistisches Klima; der eigentliche Skandal sei die antidemokratische Haltung. In Europa redeten immer alle gerne von multikultureller Gesellschaft und gegenseitigem Respekt, und den vermisse sie jetzt in Dänemark.

Kennen wir das nicht alles schon von den Moschee-Debatten? Müssen wir „Respekt haben“ vor der Körperverletzung eines 8 Tage alten Babys? Nein, das müssen wir nicht. Wir sollten anklagen und die Dinge beim Namen nennen.

Wem das nun zu viel der Polemik war, der kann sich ja noch mal im deutschen Ärzteblatt durchlesen, was man dort zu den Schäden durch Zirkumzision schreibt:

Der Schaden bei einer Zirkumzision liegt im irreversiblen Verlust von Körpersubstanz. Manche halten den Verlust der Vorhaut allerdings für unbedeutend, weil der Vorhaut keine Funktion zukomme (5). Eine solche Sicht ist nicht überzeugend, weil es sehr wohl Funktionen gibt, die die Vorhaut erfüllt (1). Fehlt sie, wird etwa die Eichel nicht mehr feucht gehalten, ist vielmehr ständig einer trockenen äußeren Umgebung ausgesetzt – weswegen die Empfindungsfähigkeit abnimmt (6).

Bedacht werden müssen zudem mögliche Risiken einer Zirkumzision. Schwere Komplikationen (zum Beispiel eine Harnröhrenfistel) sind sicherlich selten, kommen aber gerade nach nicht ärztlich durchgeführten Beschneidungen vor. Komplikationen, die ohne Verschulden des Operateurs auftreten, sind dagegen viel häufiger und müssen dementsprechend gewürdigt werden: In bis zu 32 Prozent werden Meatusstenosen nach Neugeborenenzirkumzisionen beobachtet (1). Schließlich sind die möglichen psychischen Auswirkungen zu berücksichtigen: Es gibt Hinweise darauf, dass ältere Kinder den Eingriff als Angriff wahrnehmen, der dem Körper Schaden zufügt (7). Selbst bei Feten ist Schmerzempfinden vorhanden, spätestens ab der 22. Schwangerschaftswoche, ganz zu schweigen von einem „Schmerzgedächtnis“ nach der Geburt (8).

Die Beschneidung ist als Identifikationsmittel ausgesprochen wichtig. Es ist unbestreitbar, dass der Verzicht auf ein Identifikationsmittel weitreichende Folgen haben kann, es in der Regel sogar stigmatisierend ist, in den die Beschneidung praktizierenden Sozialgemeinschaften nicht beschnitten zu sein. Dieser Umstand allein vermag religiöse Beschneidungen indes nicht zu rechtfertigen. Denn eine Rechtsfrage lässt sich nicht lösen, indem man das Problem auf eine rechtsfreie Ebene verschiebt. Genau das würde aber geschehen, ließe man eine Handlung allein deshalb zu, weil sie eine Tradition darstellt. Das Milieu eines Kindes darf erst recht nicht zum alleinigen Maßstab gemacht werden, wenn es um die Abwehr von Gefahren für das Kind geht, denn sonst hinge es von den Einstellungen und Präferenzen der Gemeinschaft ab, ob minderjährigen Mitgliedern Körperschäden zugefügt werden dürfen. Das gilt in noch stärkerem Maß, wenn sich das Milieu bei Beachtung des Verbots automatisch änderte. Denn je mehr Jungen nicht beschnitten werden, umso weniger wird dieser Zustand Anlass für Stigmatisierung sein.

Anmerkungen und Links

[1] Inhaltsangabe Jahrbuch 17 (2008) des Zentrums für Antisemitismusforschung
[2] Propheten im Tal der Ahnungslosen von Walter Schmidt
[3] William F. Allman: Mammutjäger in der Metro (Wie das Erbe der Evolution unser Denken und Verhalten prägt)
[4] Andrei S. Markovits: Amerika, dich haßt sich’s besser (Antiamerikanismus und Antisemitismus in Europa)
[5] Arvid Vormann: Feindbild Vorurteilsforscher
[6] Dtsch. Arztebl. 2008: Zirkumzision bei nicht einwilligungsfähigen Jungen: Strafrechtliche Konsequenzen auch bei religiöser Begründung
[7] Wikipedia zur Zirkumzision
[8] Klaus Faber am 20.12.2008 in der WELT: Ein schiefer Vergleich
[9] Dr. Holm Putzke: strafrechtliche Relevanz der Beschneidung

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Religion abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.