Hart aber Fair: Frau Roth ohne Mimik ist tot


Das meinte Frank Plasberg in „hart aber fair“ am 3. September 2008, nachdem sich Serap Cileli über die ständig Grimassen schneidende Claudia Roth beschwerte. Der Moderator hatte recht, denn die Bundesbetroffenheitsnudel ist so wenig ohne ihre Mimik wie ohne ihr fortwährendes Multikultigeschwafel denkbar. Leider wurde diese Sendung aber ihrem Namen nicht gerecht: weder hart noch fair ging es in „hart aber fair“ am 3. September 2008 zu, als Frank Plasberg zum Thema

Deutsch ist, wenn’s vom Kirchturm läutet – wie angepasst müssen Zuwanderer sein?

folgende Personen eingeladen hatte und sie in seinem Newsletter so ankündigte:

  • Christian Wulff, CDU, Ministerpräsident des Landes Niedersachsen
  • Claudia Roth, Buendnis 90/Die Gruenen, Bundesvorsitzende
  • Serap Cileli, Buchautorin – Eure Ehre – unser Leid. Ich kämpfe gegen
    Zwangsehe und Ehrenmord – ; hält die Integration vieler Migranten für gescheitert
  • Oezlem Nas, Islamwissenschaftlerin, engagiert sich in der muslimischen Frauengemeinschaft Hamburg
  • Michel Friedman, Publizist und Fernseh-Moderator

Fair ging es aus mehreren Gründen nicht zu. Da waren z.B. die auffällig unterschiedlichen Redezeiten der eingeladenen Personen:

Wer hat wie lange gesprochen?


(Methodische Bemerkungen zu den Statistiken siehe im Anhang.)

Daß Plasberg selbst viel reden muß in seiner Sendung, sei ihm zugestanden, aber daß er die Oberschwatzbacke Claudia Roth nicht häufiger gestoppt hat, wurde ihm von vielen angekreidet. Im Gästebuch zur Sendung wimmelt es von Briefen, in denen sich die Leute über diese Ungleichbehandlung beschwerten, gleichwohl wurde keine dieser kritischen Mails erwähnt, statt dessen wurde eine Mail verlesen, die Plasberg als „harmlos und auf keinen Fall ausländerfeindlich“ ankündigte:

02.09.2008 22:26 Uhr
Markus (42 J)

Einbürgerungstest – Probleme mit Ausländern? Ich sag einfach mal so: Mit meinen italienischen und polnischen Arbeitskollegen kann ich mal ein Bier trinken gehen, wir gehen sogar alle zusammen zweimal im Jahr zusammen Kegeln: Mit unseren Frauen. Da wird auch mal ein leicht anzüglicher Witz gemacht oder vielleicht sogar geflirtet. Mit meinen muslimischen Kollegen geht das nicht – egal ob sie aus der Türkei, Marokko oder dem Irak kommen. Die gehen erst gar nicht mit. Und wenn sich doch einmal einer blicken lässt, sitzt seine Frau garantiert zu hause und er trinkt den ganzen Abend Wasser oder Tee.


Wie fast immer nach einer solchen Einspielung wurde als erstes Frau Roth nach ihrer Meinung dazu gefragt, die aus dem Inhalt dieser Mail in grotesker Weise eine Beziehung zum 11.September herstellte:

Claudia Roth:Ich finde auch, Ängste oder Erfahrungen muß man ernst nehmen, da kann man sich nicht drüber erheben, überhaupt nicht. Ich glaube nur, daß es Probleme gab, was…die Defizite im Bildungsbereich, was ähm…viele Probleme die wir tatsächlich haben, die gab es. Aber dann gibt es den 11.September.

Gekonnt, nicht wahr, wie sie den Schlenker vollzieht? Nicht die frommen und integrationsbesessenen Muslime sind dran schuld, wenn ihre deutschen Kollegen ohne sie Bier trinken und anzügliche Witze reißen, sondern der 11.September. Seit dem 11.September steht Claudia Roth in einer Reihe mit Milliarden „betroffenen“ Muslimen, die unter Terrorattentaten von christlichen Fanatikern zu leiden haben. Ob in der Türkei, im Iran, Syrien oder Saudi-Arabien: überall wollen Christen und Juden riesige Kirchen und Synagogen bauen und die friedfertigen Muslime unterdrücken.

Claudia Roth:Und ab diesem Moment werden plötzlich Probleme sehr stark mit einer einzigen Religion verbunden. Und das glaub ich is ’n Fehler, plötzlich werden aus allen türkischstämmigen Menschen, die hier leben, tendenziell Moslems gemacht…

Das war selbst dem Moderator der Sendung zu viel des Schlechten und er unterbrach die Grüne, um sie darauf hinzuweisen, daß die o.a. Mail in ihrer Schlichtheit nichts mit dem 11.September zu tun habe. Das meinte dann auch Christian Wulff:

Christian Wulff:Frau Roth ist nicht nur idealistisch, sondern in manchen Dingen auch wirklich naiv, und deswegen haben Sie ein Problem mit diesen Realitäten.

Woraufhin die grüne Claudia schnell die Mimik wechselte: eben noch „betroffen“, jetzt die „oooch..hörn Sie doch mit dem Scheiß auf“ – Miene. Während Wulff vom Islam forderte, daß er sich in gewisser Weise aufklärerisch öffnen müsse, fiel Frau Roth ihm mit der Bemerkung ins Wort, deswegen müsse man ja nicht unbedingt anzügliche Witze erzählen. Wie schon damals bei Maischberger, als Claudia Roth sich mit der Bemerkung „Gewalt ist immer auch ein Hilferuf“ blamierte, zeigt diese bestechend logische Erwiderung, daß sie seither nichts dazugelernt hat. Zwei Semester Theater“wissenschaften“ und ein bißchen Groupie bei einer Rockband sind nicht gerade das richtige Gehirntraining für Politiker, und ob Frau Roth auch ohne Kopftuch ihren eigene Ansprüchen genügt, kann man tunlichst bezweifeln:

Roth zur Kopftuchfrage:Ich glaube aber doch mit Verlaub, daß es darauf ankommt, was im Kopf ist, und nicht darauf, was oben drauf ist!

Richtig. Deswegen sind Glatzenschläger ja auch immer freie Mitarbeiter bei Amnesty International.

Auffällig unfair an der Sendung war leider auch, daß der Moderator die einzige Person, die an diesem Abend wirklich unbequeme Fragen hätte stellen können, nämlich Serap Cileli, am wenigsten in der Diskussion berücksichtigte.

„Wer wurde wie oft von Frank Plasberg um seine Meinung gefragt?“

Die wenigen Male, wo Cileli zu Wort kam, wurde ihr dann auch noch obendrein durch den Moderator das Wort abgeschnitten: insgesamt 4-mal konnte sie nicht mehr weiterreden, bei Roth gab es immerhin 2 Unterbrechungen dieser Art durch Plasberg, was bei ihrer Gesamtredezeit aber nicht viel ausmachte.

Daß ein Moderator einen Teilnehmer in seinem Redefluß unterbricht, ist nicht nur sein gutes Recht sondern auch seine Pflicht gegenüber den Zuschauern. Nur fragt man sich nach dieser Sendung, warum Plasberg ausgerechnet den Redefluß von Frau Cileli gleich 4 mal unterbrechen mußte, obwohl diese selbst am wenigsten in der Sendung zu Wort kam“?

Und hart ging es in der Sendung auch nicht zu, weil jede auch nur ansatzweise kontroverse Diskussion – wie z.B. über die kopftuchtragende Frau Nas – von Frank Plasberg schnell abgebrochen wurde. Anstatt Frau Cileli noch ein paar Sätze zu diesem Thema sagen zu lassen, bat Plasberg unterwürfig die Kopftuchträgerin Nas um Redeerlaubnis für Friedmann:

Frau Nas, gestatten Sie Herrn Friedmann ein Wort dazu, vielleicht das letzte zu diesem Kopftuch?

Friedmann: Also ich finde, es ist das Recht eines jeden Menschen, seinen Kopf und seinen Körper, solange es frei und freiwillig entschieden ist, so zu bekleiden wie er oder sie will, und ob man damit fremd wirkt oder nicht, ich bin sicher, wenn jetzt hier ein Punk sitzen würde, würde er gegenüber meinem Anzugsstil auch fremd wirken…

Friedmann, der vorurteilslose Gutmensch, der gerne neben Punks und gepiercten Gothics sitzt. Ihm ist es recht, wenn seine Nachbarn in Springerstiefeln und Nazi-Lederjacken vor seinem Haus aufmarschieren, solange sie es nur „frei und freiwillig“ machen.

Einwurf von Cileli:
Aber das ist doch kein normales Kleidungsstück mehr!

>Friedmann: aber es entscheidet der Mensch selbst, ob er das will oder nicht. Solange er mich nicht zwingt, es zu tragen, und solange damit keine ideologischen Bedingungen für andere geknüpft sind, ist das ein Stück der Freiheit, die ich an meinem Land Deutschland liebe, daß wir das zulassen. Und dafür würde ich jederzeit kämpfen. Kämpft sie mit mir, daß ich es tragen soll oder meine Frau, dann würd ich ärgerlich werden.

Basta und das Publikum klatscht. Das muß man ihm lassen: Friedmann weiß genau, wie man sich bei diesem Publikum anbiedert. Da Multikulti und Islamfreundlichkeit angesagt waren, präsentierte sich Friedmann – geschickterweise von Plasberg genau zwischen die Kontrahenten gesetzt – als obertoleranter Schlichter, der sich aber in Wahrheit bei der Kopftuchträgering Nas anbiederte und der neben ihm sitzenden Claudia Roth mit „Liebe Claudia…“ zeigte, daß er das unkomplizierte „Du“ der Grün-Alternativen trotz Anzug und Krawatte beherrscht. Und was meint der Jude Friedmann nun zum Islam?

Friedmann: Die Realität ist aber doch das eine, nämlich daß die islamische Religion von den monotheistischen Religionen, die es gibt, momentan die gewalttätigste ist,…

So weit so gut. Oder auch nicht. Denn Claudia schaute wie üblich empört, und die Kopftuchträgerin Nas blickte skeptisch, denn so ein Satz entspricht nicht ihrer Weltanschauung. Doch während Nas weiter in den Himmel schaut, wo sie während der ganzen Sendung offensichtlich irgendetwas suchte, was sie in der Teilnehmerrunde nicht gefunden hat, schaltete Friedmann sofort einen Relativierungsgang ein:

Friedmann: die am meisten ausgebeutet wird für politische Zwecke

Bestätigendes Nicken von Roth…

Friedmann: und daß es die intoleranteste Religion ist, die mit Gewalt und Unterdrückung von ihren Repräsentanten teilweise gegenüber den eigenen Menschen, aber auch Menschen anderen Glaubens mißbraucht wird. […] Es ist nicht hinzunehmen, daß eine Religion gebraucht wird als Vorwand, um Menschen zu unterdrücken, Kriege anzuzetteln und Terror druchzuführen. Und das muß man auch in aller Deutlichkeit mal klar machen.

War der Nationalsozialismus vielleicht doch keine so schlechte Idee? Diente er nur als Vorwand zur Unterdrückung der Menschen, um „Kriege anzuzetteln und Terror druchzuführen“? Nein, das wissen wir ja inzwischen nach 50 Millionen Toten, daß der Nationalsozialismus selbst eine verbrecherische Ideologie war. Das gleiche vom Islam zu behaupten, traut sich Friedmann nicht, da ist er nicht so mutig wie Ralph Giordano, dem dieser Fakt in der Öffentlichkeit leicht von den Lippen geht.

Daß diese Sendung in höchstem Maße unbefriedigend war, geht auch aus den zahllosen kritischen Einträgen im Gästebuch hervor. Hier zwei Beispiele:

Gästebuch 04.09.2008 20:35 Uhr Anonym
Schade um die Sendung – nach gut 20 Minuten haben wir weggeschalten. Was hier von Frau Roth zum Besten gegeben wurde , und die Art und Weise wie es geschah,konnten wir nicht mit anhören. Unzusammenhängende Satzbrocken und Argumente jenseits der Realität haben uns schlicht geärgert ! Herr Blasberg hätte hier durchaus mal in seiner unnachahmlichen Art energisch dazwischen gehen können – nein – müssen ! Wenn man dann noch das bekannte Interview von C. Roth zum Thema Türkei im Sinn hat , dann kann man sich nur mit Grausen abwenden , und hoffen , dass Politiker dieser Geiteshaltung niemals unser Land regieren.
—————————————————————-

04.09.2008 21:15 Uhr Ingeborg (60 J):

Ingeborg(60) Au weia, lieber Herr Plasberg, zum ersten Mal haben Sie sich das Heft von Roth-Grün aus der Hand nehmen lassen! Sie wird Ihnen für den kostenlosen Wahlkampf dankbar sein. Und wir mußten uns naive Plattheiten und muslimische Anbiederungen anhören. Wenn Plasberg mal auf die wirkliche Roth trifft – schade. Serap Cileli, deren Meinung unbedingt zu teilen ist, und die bestimmt den Kopf geschüttelt hat, über das was wir völlig unkritisch in Deutschland zulassen, haben Sie zugunsten von Rothem Geschwätz nicht zu Wort kommen lassen – so schwach und hilflos habe ich Sie noch nie erlebt .

Wer nun gedacht hat, die Redaktion von „Hart aber Fair“ würde wenigstens im Faktencheck ausgewogener urteilen, der wurde auch hier enttäuscht: Claudia Roth bekam dreimal ein grünes „+“ und einmal ein „Stimmt teilweise“ (gelbes „-„), Friedmann bekam zweimal ein grünes „+“ („stimmt“) und einmal gelb. Und die anderen? Die Behauptungen von Frau Nas wurden überhaupt nicht geprüft, und Frau Cileli und Ministerpräsident Wulff bekamen ausschließlich rote Minuszeichen („stimmt nicht“).
Aber das schönste kommt noch: einer der Prüfer im Faktencheck war ausgerechnet der notorisch linkslastige PDS/WASG/DieLinke-Sympathisant Christoph Butterwegge, der selbstverständlich an den Ausführungen der Claudia Roth – wie seinerzeit auch am Mauerbau der DDR – nichts auszusetzen hatte.

Über so viel Ausgewogenheit freuen wir uns natürlich und sind gespannt, wann Frank Plasberg die nächste Runde mit Claudia Roth bestückt. Hoffentlich gönnt sie sich mal eine Auszeit beim Fernsehen. Ansonsten: gut zu wissen, wo der Ausschaltknopf bei der Fernbedienung ist.

Anhang:

In der Statistik „Wer hat wie lange gesprochen?“ wurden lediglich die Redezeiten der einzelnen Beteiligten gemessen und addiert. In der „Gesamtredezeit“ sind also weder die kurzen Filmsequenzen, die Plasberg zwischendurch aufruft, noch der Beifall des Publikums enthalten. Jeder Teilnehmer wurde mit einer separaten Stoppuhr vermessen, so daß auch die Zeiten gleichzeitig redender Teilnehmer exakt berechnet wurden.

In der Statistik „Wer wurde wie oft von Frank Plasberg um seine Meinung gefragt?“ bedeutet „fragt“, daß der Moderator diese Teilnehmer direkt mit einer Frage angesprochen hat (in Erwartung einer längeren Stellungnahme), etwa nach einem der Kurzfilme oder z.B. zu Beginn der Sendung. Hier wurden keine Fragen an die Teilnehmer mitgezählt, die innerhalb eines „Gesprächs“ stattfanden – auch Unterbrechungen wurden nur gezählt, wenn die unterbrochene Person dann wirklich für längere Zeit nicht weiterreden konnte.

Links:
[1] Hart aber Fair Homepage

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