Wer zu spät bombt, den bestraft das Leben

Wenn es darum geht, dem verhaßten Judenstaat ein Ende zu bereiten, dieses „Krebsgeschwür“ „von der Landkarte“ auszuradieren, wie es im Oktober 2005 der iranische Staatspräsident vor 4000 Studenten formulierte, ist den iranischen Mullahs jedes Mittel recht. Seit langem weiß man, daß der Iran mit seinen Uran-Anreicherungsanlagen nicht nur zivile Zwecke verfolgt. Über kurz oder lang werden die religiösen Fanatiker genug spaltbares Material für Atombomben hergestellt haben. Die Hoffnung mancher westlicher „Friedenspolitiker“, daß es dann zu einem „stabilen“ atomaren Patt im nahen Osten kommt, ist mehr als naiv und nach den jetzt bekannt gewordenen Details zum „Kalten Krieg“ eine gefährliche defätistische Haltung gegenüber einem unberechenbaren Staat Iran. Wenn wir schon in den 40 Jahren vor 1990 mehrmals nur um Haaresbreite an einem atomaren Weltkrieg vorbeigeschrammt sind, und das, obwohl auf beiden Seiten relativ nüchtern denkende Politiker mit Verträgen, Gesprächen und „roten Telefonen“ das atomare Inferno verhindert haben, so ist nicht auszudenken, was passiert, wenn Fanatiker wie Ahmadineschad, bin Laden oder Hizbollah/Hamas den Finger am Abzug einer Atombombe hätten.

Bis dahin dauert es noch etwas, und es sind ja auch mehr als 1000 Km Luftraum zu überwinden. Da muß man einigen militärischen Aufwand treiben, um die „zionistische Entität“ auszuradieren. Zwei Wege sind denkbar: entweder man fliegt mit Kampfjets die weite Strecke, muß sie dann aber auch wieder zurück fliegen – es sei denn, man rekrutiert für diesen Job Selbstmordflieger. Oder man läßt Allah den zionistischen Erzfeind vom Weltraum aus vernichten – indem man ihm eine mit Atombomben bestückte Rakete schickt. Dieser zweiten Version ist der Iran angeblich am vergangenen Samstag nähergekommen. So berichtete Haaretz am Montag (18.08.08),

Der Iran hat am Samstag (16.08.08) erfolgreich eine Rakete getestet, die zukünftig einen Forschungssatelliten ins All schicken soll. Das Raumfahrtprogramm der Islamischen Republik sorgt ebenso wie ihr Atomprogramm international für Beunruhigung. Die Technologie, die für den Transport von Satelliten ins All verwendet wird, kann auch für den Transport von (atomaren) Sprengköpfen eingesetzt werden.

Erstmals hat der Iran im Jahr 2005 einen kommerziellen Satelliten mit einer russischen Trägerrakete ins All geschickt. Moskau ist offensichtlich der Hauptkooperationspartner des iranischen Raumfahrtprogramms.

Am Sonntag (17.08.08) gab der Iran außerdem bekannt, dass er die Einsatzmöglichkeiten seiner Luftwaffe erheblich erweitert habe. Das staatliche iranische Fernsehen zitierte Ahmad Mighani, den Generalstabschef der Luftwaffe, der behauptete, iranische Flugzeuge könnten nun ohne einen Zwischenstopp zum Tanken bis zu 3000 Km weit fliegen. Dies bedeutet, dass sie in einem Flug Israel erreichen und danach in den Iran zurückkehren könnten.

Schon am Dienstag aber dementierte Reuters [1] den vermeintlichen „Erfolg“ der Iraner: die Rakete habe weder ihre vorgesehene Flugbahn erreicht noch konnte sie einen „Dummy-Satelliten“ aussetzen, vielmehr stürzte sie schon kurz nach dem Start ab. Nach Meinung israelischer Analysten stellt die Entwicklung einer mehrstufigen Rakete keine neue Qualität der iranischen Bedrohung für Israel dar, eher aber für die Europäer. Denn Israel ist schon seit 2003 durch iranische Raketen vom Typ Shibab-3 bedroht, und Saddam Hussein hat mit seinen Scud-Raketen im ersten Golfkrieg bewiesen, daß man auch mit diesen von den Russen erworbenen Projektilen das kleine Israel treffen kann. Sollte Iran allerdings wirklich mehrstufige Trägerraketen entwickeln, die mit Atomwaffen bestückt werden könnten, so würde sich der Abwehrschild der USA in Polen im Nachhinein doch als nützlich erweisen.

Was von den großspurigen Ankündigungen iranischer Militärs und Politiker zum Thema Kampfjet zu halten ist, untersuchte noch am Montag die „Jerusalem Post“ [2]. Danach ist die iranische Behauptung über die erhöhte Reichweite ihrer Kampfjets keineswegs eine echte neue operative Fähigkeit.


Aber Yiftah Shapir, Leiter des „Middle East Military Balance project“ an der Universität von Tel Aviv, sagte, es sei ein großer Unterschied zwischen der Fähigkeit, mehr als 3000 km weit ohne Nachfüllen der Tanks zu fliegen und der tatsächlichen Durchführung eines erfolgreichen Luftschlags gegen ein so fernes Ziel.
Die Iraner seien möglicherweise in der Lage, unbewaffnet in großer Höhe eine längere Strecke zu fliegen. Eine andere Sache aber sei es, bei einer echten Kampfmission in niedriger Höhe zu fliegen, um den Kontakt mit dem gegnerischen Radar zu vermeiden. Hinzu kämen schwere Waffen, die den Treibstoffverbrauch erhöhen würden. Schließlich bräuchte man einen genauen Plan, wie man das Ziel erreichen kann, ohne schon vorher abgeschossen zu werden, müßte dort dann 5-10 Minuten für den eigentlichen Luftschlag einberechnen und auch heil wieder nach Hause kommen.

Nach Meinung von Shapir sind die Iraner jedoch weit davon entfernt, diese Art von komplexem Luftschlag durchzuführen. Von den 203 Kampfjets, die ihnen derzeit zur Verfügung stehen (SU-24, SU-25, Saegeh-80, F4, Azarkhsh, Phantom und Mirage), müßten dazu einige umgerüstet werden, aber den Piloten und dem Bodenpersonal fehlt das nötige Training für Langstrecken-Missionen.
Laut Jane’s Defense Weekly Report vom März 2007 wird das Training iranischer Piloten für Langstrecken-Missionen zwar intensiviert. Trainiert wird auf Sukhoi Su-24MK-Maschinen, einem Jagdbomber, der in der NATO unter dem Codenamen Fencer bekannt wurde. Ob sich das ganze aber für die Iraner lohnt, bleibt fraglich: im direkten Luftkampf mit israelischen Jagdflugzeugen hätten sie keine Chance, das haben alle bisherigen militärischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn gezeigt.

Es ist daher zu befürchten, daß der Iran weiter auf die Raketenkarte setzen wird. Dies auch vor allem deshalb, weil Raketen die bisher einzigen Waffen der Araber waren, bei deren Bekämpfung Israel Probleme hatte. Die Kassam-Raketen, selbstgebastelt und mit geringer Reichweite von wenigen Kilometern, können mit den bisherigen Mitteln nicht abgefangen werden, weil ihre Flugzeit zu gering ist: 10 – 15 Sekunden reichen nicht aus, um diese Objekte abzufangen. Von der Grenze in Gaza bis nach Sderot sind es etwa 4-5 Km – da wäre es sinnvoller, einen Sicherheitsstreifen anzulegen, um die Flugzeit zu verlängern. Eine neuere Variante der Kassams die Grad-Raketen, sind leichter gebaut, mit der doppelten Menge an Sprengstoff versehen und mit bis zu 20 Km Reichweite erheblich bedrohlicher für Israel. Militärexperten befürchten eine Reichweitenerhöhung in wenigen Jahren auf 40 Km. Damit könnten arabische Terroristen vom Westjordanland aus bis zum Mittelmeer schießen und von Ashdod bis Haifa das Land verwüsten. Ähnlich gefährlich ist die aus dem 2.Weltkrieg bekannte Stalinorgel, der von der Hisbollah im Libanonkrieg intensiv genutzte Rakentenwerfer, heute eher unter dem Namen Katjuscha bekannt. Auch diese Kurzstreckenrakete, die aus iranischen Fabriken stammt, ist mit herkömmlichen Mitteln kaum im Anflug abzufangen: die Raketen sind 1,5 bis 2 Meter lang und haben ein Kaliber von 122 Millimetern. Ihre Reichweite wird von Experten auf bis zu 25 Kilometer geschätzt. Ohne Laserwaffen, die ihre Ziele fast augenblicklich erfassen, ist da nichts zu machen. Die US-Armee hat zwar schon ein paar Katjuschas mit Laserwaffen abgeschossen [3], aber die Systeme sind insgesamt noch zu schwer und zu groß für den Einsatz auf dem Schlachtfeld.

Israels Rüstungsindustrie arbeitet daher mit Volldampf an einem Raketenabwehrsystem, das „Eiserne Kuppel“ (Kipat Barsel) genannt wird. Laut einem Bericht des israelischen Rundfunks hat dieses Abwehrsystem Anfang Juli bereits in einem erfolgreichen Testlauf seine Flugfähigkeit erwiesen. Nun soll die „Eiserne Kuppel“ schon im nächsten Jahr einsatzbereit sein und nicht erst, wie ursprünglich geplant, 2010.[5]

Kostenpunkt:155 Millionen Euro. Dieses System kann allerdings nur Raketen mit einer Reichweite zwischen 4 und 70 Km abfangen. Es würde also nichts gegen iranische Schihab 3 – Raketen ausrichten können. Trotzdem ist Israel auch gegen diese Raketen nicht ganz wehrlos: mit der Abwehrrakete Chetz [4] können auch die Schihab-Raketen schon im Anflug vernichtet werden.Das „Chetz“-System war die Reaktion Israels auf das Versagen der „Patriot“-Raketen, mit denen man im ersten Golfkrieg die irakischen Scuds hatte abfangen wollen.

Trotz allem bleibt immer noch ein Problem: bei einem Angriff mit atomar bestückten Schihab-Raketen müßten ausnahmslos alle angreifenden Raketen bereits beim Anflug vernichtet werden, da eine einzige Atombombe genügt, um Israel komplett zu vernichten. Im Gegensatz zu Rußland, das aufgrund seiner Größe ein oder zwei Atombomben durchaus „verkraften“ könnte. Militärische System ohne Fehlerquote hat es allerdings noch nie gegeben, und daher gibt es logischerweise für Israel nur einen Weg, der es retten kann: es muß so früh wie möglich die Erstschlagsfähigkeit seiner Gegner beseitigen, also durch gezielte Angriffe die iranischen Fertigungsstätten für seine Atomwaffen vernichten.

Daher könnte sich die israelische Regierungs- und Militärspitze zu einem Präventivschlag gegen das iranische Atomwaffenprogramm genötigt sehen. Laut einem Bericht des amerikanischen Fernsehsenders ABC hält das US-Verteidigungsministerium einen israelischen Angriff auf iranische Atomanlagen noch vor Ende dieses Jahres für möglich. Wie Israel die gewaltigen dabei anfallenden operativen Schwierigkeiten überwinden würde, behalten die Militärplaner für sich. Dennoch könnte gelten: Wer zu spät bombt, den bestraft das Leben.
[5]

Anmerkungen und Links

[1] Reuters: Iranischer Raketenstart Fehlschlag
[2] Iranische Kampfjets fliegen 3000 Km weit: Israelische Experten warnen vor Überbewertung
[3] Laserwaffen gegen Katjuschas
[4] Chetz-Rakete schießt Scud ab
[5] Wladimir Struminski in der jüdischen Allgemeinen vom 24.07.2008

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