Menschenketten und Raketen gegen Israel

Raketen im Anflug!

Am vergangenen Montag, dem 25.02.2008, kam vom „Color Red“, dem Alarmsystem in Sderot, eine Warnung: Raketen im Anflug! Danach bleiben in der Regel 15 Sekunden, um in den nächsten Keller zu rennen und sich die Ohren zuzuhalten. Doch wenn man gerade auf dem Nachhauseweg von der Schule ist und beschlossen hat, noch eben mal einen Schulfreund zu besuchen, dann denkt man nicht unbedingt daran, den Weg danach auszuwählen, ob alle 50 Meter ein Bunker am Wegesrand liegt. Und so geschah es, daß drei Kassam-Raketen am Nachmittag in der südisraelischen Kleinstadt ihren Weg fanden und der zehnjährige Schüler Yossi Haimov schwer verwundet wurde, als eine von ihnen neben seiner Schule einschlug. Seine 8-jährige Schwester Maria, die ihn begleitete (Foto links im Krankenhaus), kam mit dem Schrecken davon. Den Ärzten im Ashkeloner Barsilai-Krankenhaus gelang es nur mit Mühe, seinen verletzten Arm zu retten: um ein Haar hätte man ihn amputieren müssen. Zwei weitere Israelis, eine Mutter und ihr Kind, wurden leicht verletzt. Infolge des Angriffs explodierten einige Gas-Tanks, und es entstand Sachschaden. Die Verantwortung für das Raketenfeuer übernahmen die sog. Volkswiderstandskomitees.

Bereits am Vormittag waren zwei Kassam-Raketen auf Israel abgefeuert worden, von denen eine noch im Gaza-Streifen landete und die andere auf freiem Feld südlich von Ashkelon.

Kilometerlange Menschenkette

Doch wie üblich nahm die internationale Presse kaum Notiz vom Geschehen in Sderot, denn wichtiger erschien den Redaktionen und Nahostkorrespondeten die Schlagzeile


Palästinenser protestieren mit kilometerlanger Menschenkette

Massenprotest gegen die Abriegelung des Gaza-Streifens: Tausende Palästinenser sind gegen die Blockade Israels auf die Straße gegangen und haben eine kilometerlange Menschenkette gebildet – sie forderten ein „Ende der Belagerung“.
[5]
Das sind Schlagzeilen, die dem Leser ein völlig falsches Bild der Situation vorgaukeln. Denn es waren nicht einfach „Palästinenser“, sondern zum größten Teil Schulkinder, die von der Hamas extra schulfrei bekommen hatten und mit Schulbussen zur Grenze gefahren wurden: ein organisierter Protest, an dem nicht teilzunehmen kaum möglich war. Kindergartenzwerge trugen leere Trinkfläschchen und hielten Schilder, auf denen stand: “Wir wollen Milch, wir brauchen Nahrung, beendet die unfaire Blockade.” Während auf der anderen Seite der Grenze 6500 israelische Polizisten sich auf den von der Hamas angekündigten Ansturm aus dem Gazastreifen vorbereiteten, konnten Journalisten und Reporter aus dem Ausland die „Menschenkette“ gebührend würdigen. Daß die Hamas hier wie gewohnt ein Medienspektakel inszenierte und dafür gezielt Kinder einsetzte, wurde von den anwesenden ausländischen Reportern weder berichtet noch bemängelt, und die Folgen des am selben Tage stattgefundenen Kassamraketenüberfalls auf Sderot waren dem SPIEGEL nur zwei Sätze in seinem „Menschenketten-Artikel“ wert – die Jerusalem Post [15] berichtete da schon ganz anders.

Zwei Tage nach der „Menschenkette“, am 27.02., waren die nächsten Opfer des Raketenbeschusses zu beklagen. Wie das isrealische Aussenministerium berichtet, schlug eine Rakete auf dem Campus des Sapir Colleges ein und tötete einen 47-jährigen Israeli. Mindestens eine weitere Person sei verletzt worden, zahlreiche andere mussten sich wegen Schocks behandeln lassen.


Bei dem Todesopfer des Raketenangriffs auf das Sapir College handelt es sich um den 47-jährigen Roni Yihya (Foto) aus dem Moshav Bitcha in Südisrael. Er hinterlässt seine Frau Esther und vier Kinder: Niv, der gerade seinen Armeedienst ableistet, die 17jährige Lital, die 14jährige Coral und den achtjährigen Idan.

Vor fünf Jahren kämpfte die Familie darum, eine neue Niere für ihn zu finden. Vor der Transplantation arbeitete er als Operateur eines Zementmischers für eine Baufirma. Nach seiner sich lange hinziehenden Rekonvaleszenz nahm er ein Logistik-Studium am Sapir College auf. Dort erlag er am Mittwoch einer Splitterwunde in der Brust, nachdem eine Rakete neben seinem Wagen auf dem Campus-Parkplatz eingeschlagen war.

Überzogene Reaktionen

Auch am 28.02. ging das Raketengeballere der Märtyrerbrigaden weiter:
Zehn Grad-Raketen schlugen in der Küstenstadt Ashkelon ein, eine davon direkt in einem Wohnhaus, zahlreiche Menschen wurden verletzt. In Sderot landeten etwa 30 Kassam-Raketen, wobei eine 70jährige Frau leichte Splitterwunden erlitt. Im nahe gelegenen Sapir College wurde ein Leibwächter des israelischen Ministers für innere Sicherheit, Avi Dichter, leicht verletzt.
Und worüber berichten die deutschen Medien? Natürlich über die „überzogenen Reaktionen“ israelischer Militärs:

  • Viele Tote bei israelischen Luftangriffen [6]
  • Israel bombardiert Hamas-Ministerien [7]
  • Palästinenser werfen Israel „verrückten Krieg“ vor [8]
  • Israelischer Vize-Minister droht Palästinensern gewaltige Katastrophe an [9]
  • Israel droht mit Einmarsch in Gaza-Streifen [10]
  • Israelischer Minister droht mit „Holocaust“ [3]

Insbesondere die Süddeutsche Zeitung, seit Jahren zuverlässiger Lieferant antizionistischer und antiamerikanischer Propaganda, leistete sich mit der Schlagzeile Israelischer Minister droht mit „Holocaust“ einen Fauxpas erster Sorte.
Denn der stellvertretende israelische Verteidigungsminister Matan Vilnai hatte zwar gesagt:
Wenn die Palästinenser noch mehr Raketen abschießen und deren Reichweite vergrößern, bringen sie sich in die Gefahr einer gewaltigen Katastrophe, weil wir alles in unserer Macht stehende tun, uns zu verteidigen.

Wo der SPIEGEL [9] immerhin noch die korrekte Übersetzung des hebräischen Wortes „Shoa“ wiedergab, da machte man sich bei der Süddeutschen nicht die Mühe und schrieb wie tausende andere englischsprachige internationale Medien vom Holocaust, der den Palästinensern drohe:


Der stellvertretende israelische Verteidigungsminister Matan Vilnai hat den Palästinensern mit einem „Holocaust“ gedroht. Wörtlich sagte er: „Wenn die Palästinenser noch mehr Raketen abschießen und deren Reichweite vergrößern, bringen sie sich in die Gefahr eines größeren Holocaust, weil wir alles in unserer Macht Stehende tun, uns zu verteidigen“, sagte Vilnai dem Militärrundfunk.

Nein, das hatte der Herr Minister eben nicht wörtlich gesagt, aber die Süddeutsche wollte es am liebsten so hören. Denn was kann man sich lieber wünschen als diesen Ausspruch eines Mitglieds der israelischen Regierung, der all das zu bestätigen scheint, was man in Deutschland ja schon lange weiß: daß nämlich Israel an den Palästinensern einen Holocaust verübt…

Vilnais Shoah

Kaum war am 29.02. um 11:24 Uhr auf Aljazeera der Minister Vilnai mit seiner Shoah-Aussage zitiert (und auch gleich wieder korrigiert) worden, stürzten sich rund um den Globus die Medien auf dieses gefundene Fressen. In den Diskussionsforen auf n-tv, http://www.politikforum.de, tagesschau und SPIEGEL war man sich einig, daß die Israelis nun endlich ihre Maske fallen lassen würden, und auch sonst lief die Empörungsmaschinerie auf der ganzen Welt wie geschmiert (siehe honestly concerned [16]):

Notorische „Israelkritiker“

Während also die weltweite Front der notorischen „Israelkritiker“ sich vor Freude über den Ausspruch des Ministers auf die Schenkel klopfte, verloren bei einer Operation der israelischen Armee im Gaza-Streifen zur Abwehr der Raketenangriffe 2 weitere Soldaten ihr Leben: Eran Dan-Gur und Doron Asulin. Doch israelische Soldaten, die an einer begrenzten Operation gegen die Zentren des Kassambeschusses vorgehen, gelten internationalen Medien als Verursacher von Massakern an der palästinensischen Zivilbevölkerung. Nichts kann diesen Generalverdacht ändern, auch nicht die Tatsache, daß die israelische Armee wie gewohnt vor der Operation Flugblätter verbreitete, auf denen die Zivilbevölkerung von dem bevorstehenden Angriff erfuhr und vor dem Betreten der Raketenabschußbezirke gewarnt wurde.

Statt dessen riefen Hamas und Islamischer Djihad die Zivilbevölkerung auf, sich genau an den Stellen zu sammeln, wo sie den israelischen Angriff erwarteten. Diese perfide Mißachtung menschlichen Lebens, offenbar ein Grundbestandteil des fanatischen Islam, erfordert von den israelischen Streitkräften ein hohes Maß an Disziplin und Zurückhaltung. Ihnen ist es zu verdanken, daß am 2.März in einer ersten Bilanz der Opfer der Operation festgestellt werden konnte, daß von 100 getöteten Palästinensern 90 Terroristen waren. Und nebenbei gesagt: es wurden Hunderte von Mörsern zerstört, ganze Lastwagenladungen mit Raketen vernichtet,einige der Hamas-Führer sind geflohen, alle Wohnquartiere der Führung sind leer.


Es bleibt aber abzuwarten, wann der eigentliche Schlag Israels gegen die Hamas kommen wird. Denn auch nach dem Ende der Gaza-Operation geht der Beschuß mit Raketen weiter, vor allem mit auffällig vielen 122mm-Grad-Raketen iranischer Herstellung, die zuvor nach Gaza geschmuggelt worden waren. Da diese Raketen auch die 120000 Einwohner zählende Stadt Ashkelon erreichen können, hat die Aufrüstung der Hamas-Fanatiker eine neue Qualität erreicht. Daß sie damit für sich selbst und die von ihnen unterdrückte Bevölkerung eine „Katastrophe“ heraufbeschwören, davor hat niemand anderes als der israelische stellvertretende Verteidigungsminister gewarnt.

Anmerkungen und Links

[1] 25.02.2008, Süddeutsche Zeitung: Protest im Gaza-Streifen „Wir brauchen Milch, wir brauchen Nahrung“
[2] 29.02.2008, Süddeutsche Zeitung: Israel droht mit Einmarsch in Gaza-Streifen
[3] 29.02.2008, Süddeutsche Zeitung: Israelischer Minister droht mit „Holocaust“
[4] 26.02.2008, Lukas Lehmann auf READERSEDITION: Was passierte, als die Palästinenser protestierten?
[5] 25.02.2008, Der SPIEGEL: Palästinenser protestieren mit kilometerlanger Menschenkette
[6] 28.02.2008, Der SPIEGEL: Viele Tote bei israelischen Luftangriffen
[7] 28.02.2008, Der SPIEGEL: Israel bombardiert Hamas-Ministerien
[8] 29.02.2008, Der SPIEGEL: Palästinenser werfen Israel „verrückten Krieg“ vor
[9] 29.02.2008, Der SPIEGEL: Israelischer Vize-Minister droht Palästinensern gewaltige Katastrophe an
[10] 29.02.2008, Der SPIEGEL: Israel droht mit Einmarsch in Gaza-Streifen
[11] 01.03.2008, Der SPIEGEL: Israel tötet Dutzende Palästinenser – Friedensgespräche abgesagt
[12] 01.03.2008, Der SPIEGEL: Blutiger Samstag in Dschabalija
[13] 02.03.2008, Der SPIEGEL: SDEROT UNTER DAUERBESCHUSS
Der Ort, in dem die Angst regiert

[14] 02.03.2008, Der SPIEGEL: Uno verurteilt Gewalt – Abbas setzt Friedensgespräche aus
[15] 25.02.2008, Jerusalem Post zur Menschenkette
[16]29.02.2008, Honestly-Concerned zu den „Holocaust-Vorwürfen gegen den stellvertretenden Verteidigungsminister“
[17] 29.02.2008, Aljazeera zu Holocaust-Vorwürfen gegen den stellvertretenden Verteidigungsminister
[18] 03.03.3008, Behind The Headlines, MFA

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