Der Chef der israelischen Luftwaffe Elyezer Shkedy besucht das KZ Sachsenhausen


Es kommt nicht allzu häufig vor, dass ein deutscher General ein ehemaliges KZ besucht und dabei auf israelische Kollegen trifft – daher freute sich der neue israelische Botschafter in Berlin, Yoram Ben-Zeev, auch besonders, als am 9.Januar dieses Jahres der Inspekteur der deutschen Luftwaffe, Generalleutnant Klaus-Peter Stieglitz, zu einem Besuch in Sachsenhausen eintraf. Stieglitz und sein israelischer Kollege Elyezer Shkedy, Generalmajor und Generalstabschef der israelischen Luftwaffe, betraten mit Sachsenhausen ein KZ, das unter all diesen Lagern in Deutschland eine Sonderrolle gespielt hat.

Denn hier wurden die SS-Wachmannschaften für die anderen KZs ausgebildet, hier testete man Wehrmachtsstiefel, schuftete in Zweigbetrieben diverser deutscher Rüstungsunternehmen und fälschte Dollar und Pfund-Noten für den Endsieg. Der Inspekteur der Luftwaffe hätte natürlich auch einen Vertreter schicken können, doch Stieglitz ist offensichtlich für das Thema „Juden in Uniform“ (insbesondere in deutscher) besonders senbsibel: so hielt er z.B. bei der Vorstellung des Buches von Oberleutnant Michael Berger über „Die Geschichte Jüdischer Soldaten in Deutschen Armeen“ in der Landesvertretung Baden-Württembergs am 06.09.2006 ebenfalls eine Rede. Daher dürfte es ihm ein besonderes Anliegen gewesen sein, dem israelischen Kollegen zuzuhören, der in seiner Muttersprache Deutsch das grausame Schicksal seiner Familie schilderte:


„Mein Vater Moshe sprang vom Zug auf dem Weg ins Inferno. Er war der einzige Überlebende des Holocaust in seiner Familie. Seine Eltern, meine Großeltern Sharluta und Layosh, und seine Schwestern Ella, Ana, Adel und Edith wurden in Auschwitz ermordet, nur weil sie Juden waren“
[2]

Wie es dem israelischen Botschafter zumute war, als er diese Worte des Generalstabschef verfolgte, geht aus einem Interview hervor, das die WELT am 18.01.2008 mit ihm führte:


YORAM BEN-ZEEV (Bild links): Vor einigen Tagen bin ich zum Konzentrationslager Sachsenhausen gefahren, zusammen mit dem Chef der israelischen Luftwaffe, der gerade Deutschland besuchte. Dort stand dann der Oberbefehlshaber einer der besten Luftwaffen der Welt mit Tränen in den Augen. Und ich dachte, Gott sei Dank haben wir ihn und seine Leute, verfügen wir heute über Macht und Stärke. Aber darüber hinaus war ich auch zu Tränen gerührt, weil neben mir der deutsche Luftwaffenchef stand (Generalleutnant Klaus-Peter Stieglitz, d.Verf.).

Er war nicht gedrängt worden dabei zu sein, wir hatten ihn nicht mal gefragt. Er hatte beschlossen, mit seinem Stab zu kommen. Und das hat mein Herz gewärmt, so dass ich meine Gefühle nur schwer kontrollieren konnte.
Er hörte sich all die schlimmen Dinge an, die 65 Jahre vorher dort passiert waren, wo die Baracken waren und der Erschießungsplatz. [1]

Und noch viel mehr war da. Das KZ Sachsenhausen ist nicht nur deshalb so bekannt, weil Martin Niemöller von März 1938 bis 1941 als „persönlicher Gefangener“ Hitlers bis zu seiner Überführung ins KZ Dachau dort inhaftiert war. Neben den vielen prominenten Gefangenen gab es dort auch talentierte jüdische Künstler, die die bislang größte bekannte Geldfälscheraktion der Geschichte (die Aktion Bernhard des Sicherheitsdienstes (SD) im Reichssicherheitshauptamt (RSHA)) ermöglichten. Diese Geschichte begegnete mir vor Jahren in Leon Uris‘ Roman „Exodus“ in Gestalt des polnischen Jugendlichen Dov Landau, der die „Selektion“ in Auschwitz nur deshalb überlebte, weil er den Ärzten an der Rampe seine Fähigkeiten als Unterschriftenfälscher perfekt demonstrierte. Das bewahrte ihn vor der Gaskammer, denn solche Leute konnten die Nazis gebrauchen, aber man rechnete wohl nicht damit, dass die Fälschungen von den Häftlingen so präpariert wurden, daß auch Aussenstehende erkennen konnten, was mit den Banknoten nicht stimmte:


Die Fälschungen waren so perfekt, dass sie fast nicht vom Originalgeld unterschieden werden konnten. Einer der ehemaligen Häftlinge konnte jedoch zur Überraschung seiner britischen Befrager mit erstaunlicher Schnelligkeit gefälschte Noten erkennen. Als Erklärung gab er an, dass die druckfrischen Noten noch nachbearbeitet wurden, um diesen Aussehen gebrauchter Scheine zu verleihen. Dazu gehörte auch das Zusammenheften von Scheinen mittels Sicherheitsnadeln, ein damals übliches Vorgehen, das Einstichlöcher im Papier hinterließ. Im Bestreben, die Pläne ihrer Auftraggeber zu hintertreiben, stachen die Häftlinge dabei durch das Wappen, was kein patriotischer Brite tun würde.
[3]


Man sieht: in Sachsenhausen wurde ganze Arbeit geleistet. Und auch in der näheren Umgebung schufteten KZ-Häftlinge in deutschen Unternehmen wie Siemens, DEMAG-Panzer, Henschel Berlin, Daimler-Benz, I.G. Farben und AEG.

Auf der 1940 auf dem Appellplatz angelegten Schuhprüfstrecke mit unterschiedlichen Bodenbelägen mussten Häftlinge des Strafkommandos durch tagelanges Marschieren Sohlenmaterial für die Wehrmacht testen. Es hat alles nichts genutzt: die alliierten Panzer waren dann doch schneller als die deutschen Soldaten mit ihren im KZ getesteten Stiefeln.
Gott sei Dank….

Seit mehr als 60 Jahren gibt es kein KZ Sachsenhausen mehr, Israel ist ein freier, demokratischer Staat mit einer starken Armee und einer Luftwaffe, die weder mit Flächenbombardements noch Atombomben-Abwürfen von sich reden macht. Und doch gilt bei der BBC der Luftwaffenchef Eliezer Shkedy als ein Mann des Militärs, als einer der schlimmsten zionistischen Kriegstreiber, die den Palästinensern im Gazastreifen Kollektivstrafen auferlegen, andere bezeichnen ihn als Kriegsverbrecher und Mörder Tausender von Palästinensern. [4]

Ist er das? Natürlich nicht. Er ist studierter Mathematiker und Informatiker, Familienvater, hat drei Kinder, besucht ein ehemaliges KZ in Deutschland und unterhält sich dabei mit dem deutschen Luftwaffenchef. Und vielleicht hat er ihm dabei von der Graduiertenfeier des 155.Pilotenlehrgangs erzählt, von der die folgenden Fotos stammen, die uns Spirit of Entebbe vermittelt hat:





Foto von der festlichen Buchvorstellung in der Landesvertretung Baden-Württembergs am 06.09.2006:
Eisernes Kreuz und Davidstern: Die Geschichte Jüdischer Soldaten in Deutschen Armeen
von Klaus P. Stieglitz (Vorwort), Wolfgang Reinhart (Vorwort), Charlotte Knobloch (Vorwort), Michael Berger (Autor)

von links: General Wolfgang Schneiderhan, Generalinspekteur der Bundeswehr, Frau Rohrlich-Berger, Charlotte Knobloch, der Autor Oltn. Michael Berger, Generalleutnant Klaus-Peter Stieglitz, Inspekteur der Luftwaffe.

[1]Yoram Ben-Zeev: „Die Deutschen machen es sich nicht einfach“
[2] 09.01.2008: Nie die Menschlichkeit verlieren
[3] Aktion Bernhard
[4] „IDF-Terrorist Shkedy“

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