Mina Ahadi, Ralph Giordano und Günter Wallraff in der Uni Köln

Aufklären statt verschleiern! – Islam in Deutschland

Das war der Titel der Podiumsdiskussion am 1.12.2007 in der Aula der Universität Köln, wo sich an die 400 Besucher vollkommen unverschleiert trafen. Nicht ein einziges Kopftuch konnte gesichtet werden. Die vom Vorstandssprecher der Giordano Bruno Stiftung, Michael Schmidt-Salomon,als „kontrovers“ angekündigte Diskussion verlief zumindest auf dem Podium so sachlich und einmütig, wie man es bisher nur von den Talkshows bei Kerner/Beckmann/Maischberger/Illner et.al. gewohnt ist. Mit einem grundlegenden Unterschied: In Köln war man sich einig, daß der Islam eine riesengroße Gefahr für die westliche Zivilisation darstellt, während die deutschen Fernsehmoderatoren incl. ihres einfältigen Publikums gerne mehr Verständnis für die „moderaten Muslime“ fordern.

Freunde unter sich

Die Frage ist: was kann man einer Veranstaltung abgewinnen, in der alle (fast) derselben Meinung wie man selbst ist? Nun, das versteht sich (fast) von selbst für jemanden, der im Berufsleben, zu Hause, bei den Freunden und im Urlaub für seine politisch inkorrekte Haltung tagtäglich kräftig Dresche bekommt: man fühlt sich einfach wohl, wenn man in einem Saal sitzt, in dem ausnahmsweise mal die Mehrheit der anwesenden Menschen der Meinung ist, die man selbst vertritt. So war es sicher für die meisten der Zuhörer ein Genuß, von rechts und links frenetischen Beifall für die Ausführungen von Mina Ahadi und Ralph Girodano zu hören, zwei Menschen, denen – bis auf wenige Ausnahmen – die Zuhörer wirklich „zuhörten“ und denen ihre Symphatien gehörten.

Bei Günter Wallraff gab es dagegen die ersten Pfiffe: einerseits zitierte er aus dem vor ihm liegenden Koran Stellen, wo Ungläubige mit dem Tode bedroht werden und erntete überwiegenden Beifall für seinen Einsatz zum Schutz von Salman Rushdie, den er einige Zeit in seiner Kölner Wohnung beherbergte, andererseits war er auf eine moderate Haltung gegenüber dem Islam aus, weil er (z.B.) meinte, der Koran bedürfe dringend einer neuen Interpretation. Und die brauche Zeit, schließlich habe das Christentum auch Hunderte von Jahren gebraucht, um von seinen irrigen Vorstellungen runterzukommen.

Wallraff: Koran muss neu interpretiert werden

Wallraff wie andere begehen hier einen grundlegenden Fehler: sie glauben, daß man den Koran nur „neu interpretieren“ muß, und schon sind die ganzen Fanatiker verschwunden, weil es dann einen neuen Koran gibt, in dem steht: liebt eure Feinde, versöhnt euch mit den Juden, schlagt niemals eure Frauen usw.

Aber das ist geradezu so, als wenn man Neonazis durch eine Uminterpretation von „Mein Kampf“ bekehren wollte.
Was sollte man mit den vielen Stellen im Koran machen, wo Ungläubige und vor allem Juden mit dem Tode bedroht werden? Streichen? Mit Anmerkungen versehen? Was kann man daran noch „neu interpretieren“? Es ist sinnlos und kennzeichnet den Interpretationsschwachsinn aller Theologen: Wenn ein Satz aus der Bibel, dem Koran oder dem Buch Mormon soviele Interpretationen hat, dass fast jeder Mensch eine passende Version herauslesen kann, dann kann man diesen Satz als im Sinne der Logik „leeren Satz“ getrost streichen. Leeres Geschwätz eignet sich nicht als Grundlage für eine Theorie, die die ganze Welt erklären will und die von fast allen Menschen verstanden werden sollte.

Das ist der eine Gesichtspunkt, der gegen Wallraffs Neuinterpretation oder Weiterentwicklung des Koran spricht. Der andere ist die unmißverständliche Sprache des Koran: an über 200 Stellen im Koran wird zum Mord an den „Ungläubigen“ aufgerufen, wie Ralph Giordano sagte, und Frauen sind Wesen auf unterster Stufe für den Korangläubigen, wie zahllose Abschnitte aus diesem Werk belegen:


Und wenn einige eurer Frauen eine Hurerei begehen, dann ruft vier von euch als Zeugen gegen sie auf; bezeugen sie es, dann schließt sie in die Häuser ein, bis der Tod sie ereilt oder Allah ihnen einen Ausweg gibt. (Sure 4, Vers 15)[1]

Wer ein solches Buch mit derart barbarischen und widerlich menschenfeindlichen Sprüchen „neu interpretieren“ will, der
hat zwar nicht den Verstand verloren, aber ist nahe daran, alle zivilisatorischen Maßstäbe über Bord zu werfen.

Wallraff macht eher den Eindruck, als wenn er nach vielen Jahren des linken Mißstände-Aufdeckers nun allmählich eine Wende durchmacht, ohne seine spezielle Art dieses Aufdeckungsjournalismus aufzugeben. Sein Vorschlag, aus Salman Rushdies Buch in der noch zu bauenden Kölner Großmoschee vorzulesen, ist genau die Art von Provokation, die er schon immer gerne praktiziert hat: mitten unter den Feinden zu stehen und Widerstand zu leisten. Es bleibt abzuwarten, was daraus wird.

Ralph Giordano: Handschellen für Männer


Ralph Giordano ist im Gegensatz zu Wallraff eher der Typ des intellektuellen Journalisten, schlagfertig und trotzdem argumentativ bedächtig. Ihm schlug an diesem Abend eine Welle der Sympathie aus dem Publikum entgegen. Vor allem auch wegen solcher Sätze wie dem folgenden:


“Wenn das Haar der Frauen die Männer in Erregung bringt, wäre es dann nicht besser, den Männern Handschellen anzulegen, als die Frauen unter Kopftücher zu zwingen?”

Das sind wahrscheinlich die Sätze gewesen, die den Islam-Versteher David Ohrndorf vom WDR [2] innerlich so auf die Palme gebracht haben, dass er nach dem Besuch der Veranstaltung auf der WDR-Seite von Argumenten schrieb, die nach billiger Propaganda klingen und sich so oder ähnlich auch in Pamphleten der Rechten finden würden. So oder ähnlich wie David Ohrndorf reden aber alle Multikulti-Gutmenschen, die in Einfamilienhäusern in absolut türkenfreien Vororten von Hamburg wohnen und an den Wochenenden nichts besseres zutun haben, als mit den Nachbarn vom NDR, Julia Westlake oder Jörg Pilawa, einen Schnack über die nächste politisch korrekte und Eva-Herman-freie NDR-Talk-Show zu halten…

Giordano hat an diesem Abend noch mehrfach unter Beweis gestellt, dass er nicht gewillt ist, unsere westlichen „Werte“ kampflos aufzugeben. Auf PI ([3]) gibt es einen hervorragenden Artikel darüber.

Dort wird am Ende eine junge Deutsch-Türkin beschrieben, die einen typisch muslimischen eisern nicht-lächelnden Bartträger vor versammeltem Publikum anschrie:


Endlich kommt nun einer der beiden Muslime im Publikum zu Wort, dessen ansteigenden Adrenalinpegel wir seit einiger Zeit mit Interesse beobachtet haben. In holperigem Deutsch wirft der Student den Anwesenden vor, von den Muslimen die Aufgabe ihrer Identität zu fordern. Schließlich seien die hier vertretenen Werte der Aufklärung eine Angelegenheit des christlichen Abendlandes, die man nun mit Gewalt der ganzen Welt, insbesondere den Muslimen in kolonialistischer Form aufzwingen wolle.

Einer jungen Deutschen in der Reihe hinter ihm platzt jetzt der Kragen. “Wie kannst du in dieser Veranstaltung neben unverschleierten Frauen sitzen?”, schreit sie den perplexen Mann an. “Wie kannst Du in unserem Land neben ungläubigen Frauen studieren? Es sind doch die gebildeten Muslime wie Du, die die Dummheit der einfachen Leute ausnutzen! Und wann lernt Ihr endlich unsere Sprache?” Der Gefragte schweigt beleidigt. Nach der Veranstaltung wird er auf dem Gang mit einer anderen deutschen Frau diskutieren.

Leider konnte ich die Frage des „perplexen Mannes“ nicht filmen, aber die Antwort der jungen Frau darauf ist hier zu sehen:
[4] und [5].
Über Mina Ahadi wird auf dieser Site noch genauer berichtet werden.

[1] Koran auf Deutsch beim Zentralrat der Muslime in Deutschland
[2] WDR zur Podiumsdiskussion
[3] Giordano in Hochform
[4] Youtube Köln I
[5] Youtube Köln II

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