Johannes B.Kerner: Hitlers Autobahn geht nicht

(update 05.12.2007)

Daran sollte man denken, wenn man im deutschen Fernsehen eine Meinung vertritt, die vom gutmenschlichen Mainstream abweicht. Dabei heißt Eva Herman nicht Braun mit Nachnamen, sondern nur Herman. Obwohl manche der Anwesenden sie am liebsten mit Eva Braun angeredet hätten. Doch Herman, die in den vorangegangenen 50 Minuten von Johannes B. Kerners Laber-Show am 09.10.2007 sich gegen die drei weiteren Teilnehmer Mario Barth, Senta Berger und Margarete Schreinemakers, einen sog. Faschismusexperten namens Wippermann sowie ein johlendes Publikum verteidigen sollte, wurde von allen Seiten mit Vorwürfen bombardiert und nun, als das Wort „Autobahn“ über ihre Lippen kam, vom Moderator Kerner freundlich aus dem Saal gewiesen. Anschliessend konnte die Runde um Kerner sich gegenseitig auf die Schulter klopfen, hatte man doch die Fernsehzuschauer vor dem gefährlichen braunen Gedankengut einer ehemaligen Tagesschausprecherin bewahrt, die Gesichter strahlten wieder, und über ihren Häuptern blinkte der Heiligenschein der politisch Korrekten: Gegen Nazis! Gegen Krieg!

Wie kam es zu diesem in der deutschen Talk-Show-Geschichte so ziemlich einmaligen Rausschmiss? War die von der Tagesschausprecherin und Moderatorin zur Buchautorin gewandelte Eva Herman etwa tatsächlich von NS-Ideologie infiziert, war sie der Meinung, dass Hitlers Autobahnen und die Familienpolitik der Nazis eine gute Sache darstellten, nützlich auch für das spätere Deutschland?

Genau das versuchte Moderator Kerner die ganze Zeit der sichtlich überforderten Herman in die Schuhe zu schieben. Mit gleichmäßig freundlich lächelnder Miene fuhr der Moderator immer größere Geschütze auf, von der einfachen Frage: „Hast du nicht selbst auch etwas falsch gemacht?“ über „Wie lange bist du bei Bischof Mixa in der Lehre gewesen?“ bis zur Konfrontation mit einer Kritik am „Individualismus“ in Alfred Rosenbergs faschistischem „Mythus des zwanzigsten Jahrhunderts“: Kerner kämpfte verbissen um den Sieg, wohl wissend, dass sein Gegenüber, von allen Seiten unter Beschuss genommen, sich schon irgendwann im Laufe des Gespräches verhaspeln würde.


Doch die Blamage ist ganz auf Seiten des Moderators und seiner Teilnehmer Senta Berger, Margarete Schreinemakers und Mario Barth, wobei man den letzteren als Blödel-Barden kaum ernst nehmen konnte („Du hast noch kein einziges mal gesagt, dass du das Kacke findest, was du da gesagt hast…“). Diese Blamage nahm Stefan Raab einen Tag nach der Sendung treffend aufs Korn:

  • Ich dachte erst, das waren Archivaufnahmen von den Nürnberger Prozessen…
  • die Sendung heißt ab heute „Richterin Barbara Kerner…Scharf-Richterin Barabara Kerner…“
  • beim ZDF gibts demnächst sicher noch so’n Historienfilm von Guido Knopp mit Senta Berger und Margarete Schreinemakers unter dem Titel „Kerners Helfer“…
  • aber gut, jeder fliegt doch mal raus, Eva Herman fliegt bei Kerner raus, und Margarete Schreinemakers bei Sat1, bei RTL, bei RTL2, bei „Let’s Dance“ und privat auch noch bei Jürgen von der Lippe, auch keine schlechte Bilanz, muss man sagen!


Neben dem von Stefan Raab ehrenhalber zum TV-Scharfrichter ernannten Kerner tat sich noch besonders Margarete Schreinemakers im ständigen Unterbrechen Eva Hermans hervor, indem sie die Rolle der Claudia Roth in der Runde einnahm: die Augen rollten zur Decke, Zustimmung heischend blickte sie ins Publikum und verdächtigte messerscharf die Herman: deine Bücher verfolgen sicher auch einen kommerziellen Zweck….

Damit kennt sich die Schreinemakers aus, mit dem Kommerz. Auf welch hohem (kommerziellen) Niveau ihre früheren Sendungen bei den diversen Sendern standen, von denen sie dann geschasst wurde, verdeutlichen Themen wie

  • Latexfetischisten,
  • Babystrich,
  • Sex im Krankenhaus und Trucker-Sex,
  • Männer in Windeln oder Reinkarnation.
  • die Befragung von Personen nach ihrem Geschlechtsleben, wie beispielsweise zwei an der Schläfe zusammengewachsenen siamesischen Zwillingen.

Schreinemakers-TV und andere Sendungen der schrecklichsten Moderatorin aller Zeiten haben ihr die Millionen nur so in die Kasse gespült: dank ihrer stark voyeuristischen Ausrichtung auf Themen, an denen Interesse zu zeigen der „gute“ Geschmack verbietet, die man daher gerne zu Hause vorm Fernseher verfolgt, dem öffentlichen Zugriff entzogen.
Und wie schon in ihren früheren Sendungen verstand es Schreinemakers vorzüglich, die hochgradig betroffene Gefühlsnudel zu spielen: „Das ist unerträglich, auch für’n Sender, sorry, ich krieg erhöhten Puls..sorry“

Nicht viel besser stellte sich Dauer-Talkshowgast Senta Berger dar. Mit langatmigen Erzählungen über die schauspielernde weibliche Verwandtschaft und deren Schwierigkeiten, ihren Beruf mit den Mutterpflichten zu verbinden und belehrenden Ausführungen über die Errungenschaften der 68er nervte sie die wenigen kritischen anwesenden Zuschauer.
Interessanter war da schon der sog. „wissenschaftliche“ Berater der Sendung, der in der Historiker-Szene nicht gerade übermäßig bekannte Prof. Wolfgang Wippermann, auch er keinesfalls prädestiniert für seine Aufgabe in dieser Sendung. Wippermann ist Mitglied im Corps Hildeso-Guestphalia Göttingen und im Corps Vandalia Rostock im Kösener Senioren Convents-Verband (KSCV), einer obskuren elitär-konservativen schlagenden Burschenschaft, zu der z.B. auch der ehemalige Reichsjugendführer Baldur von Schirach gehörte. Jungle World schreibt dazu:
Elitedünkel, Protektionismus, eine nicht aufgearbeitete Vergangenheit, die Ausgrenzung von Frauen und eine fehlende Abgrenzung zur extremen Rechten sind noch heute im KSCV zu finden.

Wippermann ist darüber hinaus ein ausgewiesener Verharmloser kommunistischer und stalinistischer Verbrechen. Er meint, unter Lenins Herrschaft seien in der Sowjetunion die Opfer „nach streng wissenschaftlichen Kriterien“ ausgewählt worden, die Mitarbeiter der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen sind ihm ein Dorn im Auge (alles nur „Neue Rechte“) und die Verbrechen in der Sowjetunion, China, Kambodscha oder Nordkorea gingen ja gar nicht auf das Konto des Kommunismus, weil das keine „echten kommunistischen oder sozialistischen“ Regimes gewesen seien.

Warum ein Professor Wipperman, der als „Alter Herr“ einer schlagenden Verbindung deren Ziel, auch weiterhin national gesinnte Menschen in alle führenden Berufe unserer Gesellschaft zu entsenden (so sein Bundesbruder Manfred Kanther, ehemals Innenminister unter Kohl) unterstützt und als linker Verharmloser kommunistischer Gewaltverbrechen in der Historikerzunft überaus kontrovers diskutiert wird, warum ausgerechnet dieser von Schreinemakers als „kompetenter Wissenschaftler“ apostrophierte Nationallinke sich erdreistet, die 1958 geborene Eva Herman aufzufordern, sich „von diesem rassistischen Frauenideal zu distanzieren“, als habe er nicht Eva Herman vor sich, sondern die wiedergeborene Eva Braun, bleibt uns ein Rätsel. [7]

Die Reaktion der Herman, zu den Ausführungen des Professors nicht mehr Stellung zu nehmen, war die einzig richtige, wie Henryk Broder im Spiegel [7] schreibt:


Dabei war das der einzige Satz, den Eva Herman sagte, der richtig war und an dem es nichts auszusetzen gab. Dass er eine solche Empörung auslöste und schließlich zu Hermans verfrühtem Abgang führte, zeigte nur eines: „Was trifft, trifft auch zu.“ (Karl Kraus)

Und es sind nicht nur die Autobahnen, die zum gerne und selbstverständlich benutzten Erbe des Dritten Reiches gehören. Der Historiker Götz Aly hat in seinem Buch „Hitlers Volksstaat“ an vielen Beispielen belegt, woher der Reichtum der Bundesrepublik kommt und welche sozialen Regelungen von den Nazis übernommen wurden, darunter das sogenannte Ehegattensplitting und die Krankenversicherung für Rentner. Wer sich heute glaubwürdig und nachhaltig von den Nazis distanzieren wollte, müsste nicht nur die Autobahnen meiden, sondern auch auf das Kindergeld verzichten, schließlich wurden im Dritten Reich Ehestandsdarlehen gewährt, die durch die Geburt von vier Kindern vollständig getilgt werden konnten.

Doch was steckt hinter den Äußerungen (Original siehe hier:[0]) der Herman auf Pressekonferenzen und im Fernsehen? Alles braunes Gedankengut? Die Antwort darauf ist enttäuschend unspektakulär: gar nichts. Auf jeden Fall keine braune Soße. Jeder, der die Aussagen der Herman Wort für Wort gelesen und bei Kerner mitverfolgt hat, wer mal einen kurzen Blick in ihre Bücher geworfen hat, weiß genau, was Herman auf jeden Fall nicht ist: eine Eva Braun, die irgendwelche „Leistungen“ (O-Ton Kerner) des nationalsozialistischen Regimes rechtfertigen wollte. Das zeigt schon ein kurzer Ausschnitt aus ihrem Buch „Das Eva-Prinzip“ ([14]). Daraus wird insbesondere deutlich, dass das ganze Geschrei von Schreinemakers, Kerner & Co. über die Äußerungen der Herman auf Pressekonferenzen völlig überflüssig war: hätten sie doch nur die Bücher gelesen, bevor sie darüber diskutierten. Im Gegenteil geht aus den schriftlichen und mündlichen Auslassungen der Herman zum Thema eindeutig ihre (Eva Hermans) Aussage hervor, dass insbesondere die Nazis den Wert der Frauen als Mütter diskreditiert hatten, und die 68er taten dasselbe dann unter dem Banner ihrer eigenen Ideologie, die sich in machen Teilen kaum noch von der ihrer angeblichen Feinde unterschied: beispielsweise dem Antisemitismus.
Da man ihr kein Wort der Entschuldigung zu den Pressekonferenz-Äußerungen entlocken konnte, versuchte Kerner es dann mit der Brechstange: sie habe eben doch das Wort „Gleichschaltung der deutschen Medien“ gebraucht.
Schon wieder ein Nazi-Wort! Während die Sex-Moderatorin Schreinemakers vor Empörung auf ihrem Platz fast an die Decke ging und der schlagende Professor düster kommentierte:“Gleichschaltung – ein böses Naziwort!“, konterte Eva Herman sehr richtig: Wenn auch im SPIEGEL dieses Wort zigtausend mal in allen möglichen Zusammenhängen gebraucht werde, so dürfe sie das ja wohl auch, und ausserdem würden wir doch alle auf den Autobahnen fahren, die die Nazis gebaut hätten.

Jetzt war der Ofen aus. Kerner & Co wussten nicht mehr weiter, der Professor wäre am liebsten als Tanzpartner der Schreinemakers zu Gast nach Let’s Dance gewechselt und die Berger nach Hause gegangen, weil sie noch kein einziges Wort über ihre eigene Sendung sagen konnte. Rechtzeitig schalteten sie alle gleich: „Autobahn“ und „Nazis“ sagen = Rechfertigung der Familienpolitik der Nazis. Also raus mit der Herman!


Eva Herman war der Abgang zu gönnen. Es fehlten eigentlich nur noch faule Eier und Farbbeutel, die man ihr hinterhergeworfen hätte….

Und das wars dann. Millionen deutsche Zuschauer hatten gesehen, dass die Bewältigung der Nazi-Vergangenheit umso besser funktioniert, je weiter man sich zeitlich vom Dritten Reich entfernt. Kerner & Co hatten, wie es Henryk Broder im Spiegel formulierte, eine der längsten Antifa-Sitzungen im deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen beendet.

Solchermaßen moralisch entlastet können die Deutschen sich wieder ihrer Rolle als Unterstützer von Regimes wie dem Iran zuwenden, die den nächsten Holocaust, der dann der letzte am jüdischen Volk sein wird, mit deutscher Technologie planen.

Denn immerhin basieren etwa zwei Drittel der iranischen Industrie auf deutschen Ingenieursprodukten, wie der ehemalige Präsident der deutsch-iranischen Handelskammer in Teheran, Michael Tockuss, letztes Jahr im Focus-Interview zugab. Und da können Sanktionen und die politische Isolierung des Iran weder im Interesse der Islamischen Republik noch im Interesse des Westens sein..([16])

Die überlässt man dann lieber den Amerikanern, damit man deren „unilaterale völkerrechtswidrige“ Überfälle auf andere Länder in der Öffentlichkeit anprangern kann.
Und überhaupt redet die Mehrheit der Deutschen lieber

  • vom Völkermord an den Palästinensern
  • vom Massenmörder Scharon (wie der Spiegel)
  • davon, dass Israel einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser führe (so der ehemalige Arbeitsminister Norbert Blüm)
  • vom „kolonialistischen Apartheidsstaat“ Israel (Frankfurter Rundschau am 1.10.2002)
  • von „mutigen palästinensischen Selbstmordattentätern“ (wie der evangelische Theologe Jörg Zink in Flieges Talk-Show)
  • vom rassistischen Staat Israel und seiner Herrenvolk-Demokratie (Ludwig Watzal in der taz vom 1.4.2003)
  • davon, dass Israel Massaker verübt, Massengräber für getötete Palästinenser einrichtet und tausende gefangener Palästinenser in großen Lagern konzentriert, wo diesen Nummern in die Hand tätowiert wird (der grüne Abgeordnete Jamal Karsli am 15.3.2002 in einer Pressemitteilung)

Um es kurz zu machen: dieselben Leute, die sich bei Kerners Show vor Begriffen wie „Gleichschaltung“ oder „Mutterbindung“ ekeln, die sie den Nazis anlasten, verwenden nur zu gerne die Nazi-Terminologie (s.o.) zur Beschreibung der angeblichen israelischen Gräueltaten. Und fühlen sich erleichtert: schaut her, die Juden sind ja selbst noch schlimmer als die Nazis!

Neben dem leicht durchschaubaren Bedürfnis der Deutschen nach „Entschuldung von Nazi-Verbrechen“ gibt es aber noch andere Gründe, warum die Thesen der ehemaligen Tagesschausprecherin Eva Herman (nur deshalb werden sie überhaupt wahrgenommen, hätte die Sekretärin Susanne Müller sie veröffentlicht, kein Mensch hätte sich dafür interessiert) so ein starkes Echo gefunden haben:

Herman trifft mit ihren Aussagen über frühkindliche Bindung und die Rollen von Frauen und Männer in der Familie den Nerv von Diplom-Soziologen wie Margarete Schreinemakers oder naiven Linksliberalen wie Senta Berger, denen schon das Wort „Mutterbindung“ als biologistische Wortschöpfung erscheint. Leider haben eben Linksliberale, Nationallinke und grüne Gleichmacher sowieso eines mit Nationalsozialisten und Kommunisten gemeinsam: sie sind der irrigen Meinung, das Lockesche Ideal des Menschen als „unbeschriebenes Blatt“ habe auch heute noch Gültigkeit. Man müsse den Menschen nur genügend „steuern“, dann werde er sich zu dem entwickeln, wie man ihn haben wolle.

Mao Tse Tung etwa sagte:

Ein unbeschriebenes Papier ist makellos, daher kann man die unverbrauchtesten und schönsten Worte darauf schreiben, die unverbrauchtesten und schönsten Bilder darauf malen.

Leider wollten sich etwa 75 Millionen Menschen nicht so einfach bemalen lassen, deshalb liess sie der große Revolutionsführer Mao umbringen. Nicht ganz so viele Menschen brachten die Roten Khmer um, aber auch sie huldigten demselben Ideal:

Nur das Neugeborene ist ohne Makel.

Und die Nazis? Die hatten im Gegensatz zu den Kommunisten mit ihren dialektischen Prozessen der Geschichte und der sozialen Interaktion eine extreme Form des Sozialdarwinismus zur staatstragenden Ideologie erkoren: Gruppen (bei den Nazis „Rassen“) sollten als Selektionseinheiten dienen und der Kampf zwischen diesen Gruppen als Grundlage nationaler Kraft und Stärke dienen.
Alle diese „Theorien“ sind schon lange von der Evolutionsbiologie widerlegt, aber diese selbst ist noch nicht in den Köpfen der Politiker, geschweige denn der Medienmenschen angekommen.
Es wird wohl noch etwas dauern, ehe im deutschen Fernsehen wirklich kluge Leute eine Diskussion über Mutterbindung, die Rolle der Familie in der Gesellschaft oder den Einfluss der Gene auf das gesamte Verhalten des Menschen führen können – ohne aus dem Saal gewiesen zu werden.

Update: Stellungnahme des Programmdirektors Dr. Thomas Bellut

Am 26.10.07 gab der ZDF-Programmdirektor Dr. Thomas Bellut eine Stellungnahme zur Eva-Herman-Sendung ab:


Das ZDF achtet die Meinungsfreiheit als sehr hohes Gut und unverzichtbar für das Funktionieren einer Demokratie. Unser Programm wird diese Haltung auch zukünftig transportieren. Bei Diskussionsrunden setzt das ZDF hohe Maßstäbe an seine journalistischen Sorgfaltspflichten. In einer Debatte müssen demnach beide Seiten gleichermaßen Ihre Positionen darstellen können…..
Mit dem Verlauf der Sendung waren sowohl wir als auch Johannes B. Kerner nicht glücklich. Es war weder die Absicht der Redaktion noch des Moderators, eine Situation zu schaffen, in der Frau Herman gegen ein Übergewicht weiterer Gäste Stellung nehmen sollte. Schon gar nicht sollte die Anmutung eines „Tribunals“ entstehen.
Es war stattdessen geplant, mit Eva Herman über das Thema „Familienpolitik in der heutigen Zeit“ und ihr neues Buch zu sprechen. Ausgehend von den Äußerungen in der Pressekonferenz zur Vorstellung ihres neuen Buches sollte sie Gelegenheit haben, zu den Vorwürfen in der Presse Stellung zu nehmen. Margarete Schreinemakers sollte in der Diskussion eine eher kontroverse Position zu Frau Hermans Buch einnehmen. Der Historiker Prof. Dr. Wolfgang Wippermann sollte zudem die Debatte über die Äußerungen von Frau Herman nach ihrer Pressekonferenz und die ihr vorgeworfene missverständlichen Begrifflichkeiten historisch einordnen. Senta Berger sowie Mario Barth waren zu eigenen Gesprächsthemen als Gäste in der Sendung. Im Nachhinein müssen wir eingestehen, dass die Besetzung für ein so vielschichtiges Thema nicht optimal gewählt wurde.

„Die Besetzung war nicht optimal gewählt“…das ist noch schwer untertrieben: die Besetzung war mit Absicht so gewählt, und sollte Herr Bellut der Meinung sein, daß Kerner aus der absichtlich gewählten Besetzung in keiner Weise einen Schluss auf die Haltung der übrigen Teilnehmer gegenüber den Hermanschen Thesen ziehen konnte, so sollte er Kerner schnellstens entlassen. Das können wir doch von einem Moderator einer solchen Talkshow erwarten, dass er in der Lage ist, bei Personen, die wie Senta Berger, Margarete Schreinemakers und Mario Barth in der medialen Welt nicht gerade unbekannte Wesen sind, deren Meinung zu den Themen in der aktuellen Sendung zu recherchieren.

Programmdirektor Bellut tut nur so, als sei dies ein einmaliger Ausrutscher seines Quotenbringers Kerner gewesen. Davon kann jedoch keine Rede sein. Denn Kerners Sendung, das hat das Tribunal gegen Richard Dawkins gezeigt, ist weit davon entfernt, die Anforderung: „…in einer Debatte müssen demnach beide Seiten gleichermaßen Ihre Positionen darstellen können…“ zu erfüllen.

Wir sind gespannt, wer das nächste Opfer wird.


Anmerkungen und Links


[0] Originalzitat Eva Herman

“Wir müssen den Familien Entlastung und nicht Belastung zumuten und müssen auch ‘ne Gerechtigkeit schaffen zwischen kinderlosen und kinderreichen Familien.
Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68er wurde damals praktisch alles das alles, was wir an Werten hatten, es war ‘ne grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt – das wurde abgeschafft. Es durfte nichts mehr stehen bleiben….“

Eva Herman, im September 2007

[1] BILD über die Vermögensverhältnisse der Schreinemakers
[2] Anke Müller: Öffentliche und private Sphäre in der Sprache der Massenmedien am Beispiel von „Schreinemakers-Live“

[3] 11.10.2007: Ein Kommentar von Andreas Zielcke in der Suedeutschen
[4] Die WELT über Kerner und den Rausschmiss

[5] Fakten und Fiktionen über den „Faschismusexperten“ Wippermann

[6] Jungle World über Wolfgang Wippermann
[7] Henryk Broder zum Rausschmiss bei Kerner

[8] Sueddeutsche vom 10.10.2007
[9] 09.10.2007: Interview der Süddeutschen Zeitung mit Hubert Ginder, Vorsitzender des Forums deutscher Katholiken
[10] 10.10.2007: Der Stern zu Eva Hermans Rausschmiss bei Kerner
[11] Frankfurter Rundschau zum Rausschmiss bei Kerner
[12] ZDF-Archiv: Hier kann man die Sendung ansehen
[13] Wikipedia über Wolfgang Wippermann
[14] Auszug aus „Das Eva-Prinzip“

[15] Steven Pinker: Das unbeschriebene Blatt (die moderne Leugnung der menschlichen Natur)

[16] Focus-Interview mit Michael Tockuss


Transscription der Sendung

—————————————

Johannes B. Kerner: Guten Abend und Ihnen allen ein recht herzliches Willkommen. Das Thema unserer heutigen Sendung ist im weitesten Sinne die Rollenverteilung von Mann und Frau.

Wir sprechen über Familie, über Emanzipation, über politische Ansätze und auch über Äußerungen in der Öffentlichkeit. Ich begrüße sehr herzlich die Fernsehmoderatorin Margarethe Schreinemakers. Herzlich willkommen Margarethe, Mutter von zwei Söhnen.

Ein herzliches Willkommen einer Schauspielerin, die seit 41 Jahren verheiratet ist und auch Mutter von zwei Söhnen ist: Senta Berger – herzlich willkommen. Deutschlands Frauenversteher Nummer eins ist Comedy-Star Mario Barth.

Und ich begrüße sehr herzlich die Moderatorin Eva Herman, die sich ein wenig verharmlosend über die Familienpolitik im Dritten Reich geäußert hat und die vor einem Monat von ihrem Arbeitgeber dem NDR entlassen wurde.

Und gleich zu Beginn beschäftigen wir uns also mit der Geschichte der Buchautorin Eva Herman.

(In einem eingespielten Video wird der Fall kurz angerissen.)

Kerner: Eva, am 6.September war die Pressekonferenz, in der das Buch vorgestellt werden sollte. Was hast du seitdem gelernt?

Eva Herman: Ich habe gerade gelernt, dass du schon wieder eine, genau wie in der letzten Zeit, falsche Äußerung getan hast. Nämlich, du hast gesagt, ich hätte mich missverständlich über die Familienpolitik des Dritten Reiches geäußert, und das habe ich definitiv nicht getan. Ihr habt auch in diesem Fall gerade wieder einen abgeschnittenen Halbsatz gezeigt, der aus dem Zusammenhang gerissen wurde.

Das heißt, ich habe gelernt, um jetzt auf die Frage zu antworten, dass das, was berichtet wird, in der Presse häufig zu überprüfen ist, weil es häufig auch nicht stimmt.

Kerner: Haben nur die anderen Fehler gemacht oder hast du auch Fehler gemacht?

Herman: Wir können ja mal das ganze Zitat ansehen

Kerner: Das machen wir gleich in ganzer Ruhe.

Herman: Und dann würde ich vorschlagen, das lass doch die Zuschauer selbst entscheiden.

Kerner: Ja, trotzdem hat man ja selbst auch eine eigene Bewertung.

Wir kriegen gleich das Originalzitat, wir kriegen jede verkürzte Darstellung. Trotzdem die Frage: Glaubst du, dass du selbst auch Fehler gemacht hast, oder ist es wirklich so, dass alle anderen die Fehler gemacht haben?

Herman: Ich habe in diesem Fall keinen Fehler gemacht, und es tut mir leid für die Presse und es tut mir leid für die Menschen, die falsch informiert wurden, für mich ehrlich gesagt auch, weil es Konsequenzen hatte, die nicht sehr erfreulich sind.

Kerner: Dann wollen wir uns mit dem Originalzitat beschäftigen, das ist ja wirklich wichtig. Erstmal das Zitat, das verfälscht dargestellt hat, das stand im Hamburger Abendblatt vom 7.September 2007, zwei Tage nach der Pressekonferenz zur Buchvorstellung.

„In diesem Zusammenhang“, das ist jetzt das Zitat „In diesem Zusammenhang machte die Autorin einen Schlenker zum Dritten Reich, da sei vieles sehr schlecht gewesen, z. B. Adolf Hitler, aber einiges eben auch sehr gut, z. B. die Wertschätzung der Mutter, die hätten die 68er abgeschafft, und deshalb habe man nun den gesellschaftlichen Salat.“

Das war das, was im Hamburger Abendblatt gestanden hat. Das Falsche, wie du sagst, und jetzt kommt, was war daran falsch, oder sollen wir gleich das Richtige vorlesen?

Herman: Ja

Kerner: O.K., das gibt es nicht als Bilddokument, sondern nur als Audiodokument. Bitte sehr:

(Der Radiomitschnitt wird eingespielt.) „Wir müssen den Familien Entlastung und nicht Belastung zumuten und müssen auch eine Gerechtigkeit schaffen zwischen kinderlosen und kinderreichen Familien. Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er-Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68ern wurde damals praktisch alles das, alles, was wir an Werten hatten, es war eine grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt – das wurde abgeschafft.“

Kerner: War das wirklich gut, was damals war mit Müttern, mit Kindern mit Familien?

Herman: Also nochmal, das Original zeigt ja ganz klar, dass ich von den Werten, von den Werten sprach, die wir, also wir Menschen, schon vor dem Dritten Reich, während des Dritten Reichs und auch bei den 68ern hatten, die dann abgeschafft wurden. Ich sprach nicht von der Politik des Dritten Reiches, sondern ich sprach von den Werten der Menschen.

Kerner: (zitiert) „das wissen wir alle, es ist damals eben auch das was gut war, das sind Werte, das sind damals das was gut war, damals“

Herman: Ja, weil ich hab, Moment Johanes, ich hab ja vorher gesagt, wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das ja leider mit dem Nationalsozialismus und den 68ern abgeschafft wurde. Das heißt, was vorher schon bestanden hat.

Kerner : Schon klar, (zitiert) „es war eine grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat,..“ das heißt, es geht ganz klar um die Zeit, die von Adolf Hitler bestimmt war.

Und es geht weiter : „Wir wissen alle, es ist damals eben auch das was gut war, und das sind ..“ und dieses damals bezieht sich ganz klar auf diese Zeit, auch wenn du es nicht gewollt hast, „ und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt – das wurde abgeschafft.“

Herman: Nein! Nein, nein. Es geht um die Werte, die vorher bestanden haben, ich sag doch vorher, das Bild der Mutter in Deutschland wieder, was leider mit dem Nationalsozialismus, also vorher bestanden hat. Übrigens es gibt ja auch noch Zitate davor, die wie durch ein Wunder alle überhaupt nicht mehr auftauchen, sondern unter Verschluss gehalten werden.

Kerner: Eva, machen wir es so, wir werden ja ausführlich darüber sprechen, und wir werden Fachleute zu Wort kommen lassen und Menschen, die es einfach hören und empfinden, und natürlich werde ich auch meine Frage stellen.

Bei uns zu Gast ist der Historiker Professor Doktor Wolfgang Wippermann von der Freien Universität Berlin. Ihnen ein herzliches Willkommen, Herr Wippermann. Was halten Sie von den Äußerungen von Eva Herman, was ist daran richtig, was ist daran falsch?

Wippermann: Es ist falsch. Sie verwechselt Faschismus und Konservativismus. Sie möchte, das konservative Frauen- und Mütterideal verteidigen, dass ist ihr gutes Recht, heben die 3 Ks nämlich Kirche, Küche, Kinder.

Aber der Punkt ist, dass dieses konservative Werteideal in Anführungszeichen, einige finden das nicht gut und einiges hat sich auch verändert, es sind inzwischen ja auch nicht nur Frauen in der Küche, sondern auch Männer in der Küche und machen das ja auch ganz gut, aber dieses K,K,K im Dritten Reich war etwas anderes, nämlich es war Rassenzucht, Rassenvernichtung im Rassenstaat, und diesen Unterschied, den haben Sie verwischt, und das war problematisch. Ich darf das ausführen vielleicht: Rassenzucht bedeutete, dass Frauen erniedrigt wurden zu Muttertieren ,die wurden ausgezeichnet, wie Kühe geradezu, für Kinder, vier Kinder gab das Mutterkreuz in Bronze, für sechs gab es Silber, und acht waren Gold.

Das wollen Sie doch nicht. Es wurden Frauen ermordet, als Jüdinnen, als Sinti, als Roma, aber auch als Asoziale und Kranke oder Schwachsinnige.

Schwachsinn war bei Frauen: Sozialer Schwachsinn, normaler Schwachsinn, wenn man mehrere Geschlechtspartner hatte, oder wenn man die Wohnung nicht ganz in Ordnung hatte, dann wurde man zwangsweise sterilisiert, dann wurde eine Abtreibung durchgeführt, all das ist damit verbunden, sozusagen. Und auch noch eins dazu, am Anfang wurden Frauen aus dem Berufsleben verdrängt, einige kamen wieder herein, weil man sie brauchte.

Aber auch das müssen Sie zugestehen: Moderatorinnen gab es im Dritten Reich nun nicht, dass zu einen Punkt. Das heißt also, die Frauen wurden diskriminiert, und das können Sie doch nicht gut finden, und das hat auch mit diesen konservativen Idealen, die Sie verteidigen möchten, es sind nicht meine Ideale, aber das können Sie durchaus tun, nichts zu tun, und Sie sollten sich davon distanzieren.

Herman: Also vielen Dank erst Mal für den Geschichtsunterricht, aber das sind keine Neuigkeiten, die Sie gerade von sich gegeben haben. Und wenn Sie hierher kommen und Sie mit mir darüber sprechen wollen, dann setze ich voraus, dass Sie vielleicht auch meine Bücher gelesen haben und dann wissen Sie auch, dass beispielsweise in dem Buch „Das Eva-Prinzip“ ich mich mit einem langem Unterkapitel genau um diese Zeit kümmere und damit intensiv auseinandersetze und über die verheerenden Zustände in dieser Zeit berichte und über die ausbeuterischen Zustände der Mutter und ich distanziere mich hier noch einmal sehr energisch.

Ich möchte einmal dazu sagen, abgesehen davon, dass ich das völlig an den Haaren herbeigezogen und unsachlich finde, weil mir hier wieder etwas unterstellt wird, wovon ich mich die ganze Zeit distanziert habe, möchte ich einfach mal darauf hinweisen auf dieser Pressekonferenz gab es ca. 30 Pressevertreter. Von diesen 30 Pressevertretern hat niemand eine Frage gestellt, die in diese Richtung ging und auch niemand den nächsten Tag darüber berichtet, dass ich mich missverständlich geäußert habe, denn ich habe vor diesem Zitat mich mehrfach ausdrücklich distanziert von irgendeiner Nähe zum Dritten Reich, im Gegenteil, ich habe es energisch von mir gewiesen, weil ich die Erfahrung gemacht habe, mit dem Buch „Das Eva- Prinzip“, ist bereits die braune Keule über mir geschwungen worden.

Ich habe mich jahrelange gegen Rechts eingesetzt bis jetzt und werde es auch weiterhin tun. Aber was passiert ist, ist dass das Eva-Prinzip zum Eva-Braun-Prinzip in der Presse gemacht wurde. Alice Schwarzer hat direkt im ersten Interview mit dem “Spiegel” gesagt, meine Thesen seien angesiedelt zwischen Steinzeitkeule und Mutterkreuz und hat auf die Frage geantwortet, ob ihr die demokratische Krise, in der wir stecken, nicht Sorgen bereite, da hat sie geantwortet :“Wir müssen dem Führer heute kein Kind mehr schenken.“ Es ist nämlich ganz anders, die braune Keule wird von vorn herein geschwungen, wenn man sich heute für Werte einsetzt für Kinder und für Familie, und es wird einem unterstellt, aber ich warne davor, wer versucht…

(Zwischenruf): Das finde ich überhaupt nicht, sorry. Ich muss jetzt…

Herman: Lass mich bitte kurz ausreden. Ich halte es für eine große Gefahr, weil, wenn wir in unserer Demokratie Menschen behindern wollen, darüber zu sprechen, wie wichtig in dieser Zeit, in der wir uns heute befinden, wo ein deutlicher Werteverfall…

Kerner: Das ist gerade die Differenzierung, die er (Johannes B. Kerner meint Professor Wippertal, Anm. der Redaktion) gemacht hat, er hat ja gesagt gegen Konservativismus. Das kann man finden wie man will, aber dass man gegen den Wert Familie nichts hat, gegen Kinder nichts hat. Aber du hast doch den Vergleich, auch wenn er falsch dargestellt worden ist, du hast doch die Begrifflichkeit eingeführt. Würdest du wenigstens sagen, dass es problematisch war, diesen Vergleich heranzuziehen?

Herman: Es scheint heutzutage problematisch zu sein, wenn wir uns auf die Suche machen nach der Ursache, warum sind wir heute da wo wir sind? Warum…nein…

Kerner: Lass uns bitte es brennt mir so unter den Nägeln. Was ist es für dich für ein Gefühl wenn du auf der Homepage der NPD abgefeiert wirst und die DVU für dich demonstrieren gehen will?

Herman: Ein elendes und ein übles. Ich bin natürlich auch dagegen vorgegangen mit einem Anwalt das ist doch vollkommen klar. Also ich meine das steht doch außer Frage, dass ich das Dritte Reich ablehne ich habe wie gesagt auch Leute angezeigt, auch das stand in großen Tageszeitungen und habe darauf gedrungen, dass Leute, die den Holocaust geleugnet haben verurteilt werde. Das ist doch klar. Ich habe mit meiner Großmutter, die sehr alt geworden ist, vor kurzer Zeit darüber diskutiert, und habe gesagt, wie konnte das passieren, warum habt ihr nichts unternommen?

Kerner: Bevor wir über die Werte die Margarethe eben äh, wollte ja was dazu sagen und gleich hast du das Wort Margarethe. Noch eine Frage. Würdest du nicht sagen, dass es problematisch war diesen Vergleich überhaupt zu machen?

Herman: So, noch mal.

Kerner: Auch wenn er verkürzt dargestellt worden war.

Herman: Ja, ich will darauf jetzt antworten. Ich habe es ja grad schon mal versucht anzufangen. Du hattest gesagt das du mich ausreden lassen willst dieses Mal. Wenn heute nach der Ursache gesucht wird. Warum haben wir Probleme mit den Werten? Warum steht Deutschland bei 78 weltweit untersuchten Ländern was Familienfreundlichkeit betrifft an Platz 77? Wenn wir die…

Kerner: Eine hoch umstrittene Studie von einer hoch umstrittenen skandinavischen Autorin.

Schreinmarkers: Wenn die mal eine wissenschaftlich relevante Studie gemacht hat, das hat der Frank Plasberg auch schon nachgewiesen

Herman: Wir haben die niedrigste Geburtenrate in Deutschland.

Berger: Nein, noch ist es Italien. Entschuldige.

Herman: Ja, da ist es noch niedriger. Stimmt.

Berger: Aber das ist auch ganz interessant.

Herman: Wir haben ein großes Problem was Kinderakzeptanz betrifft.

 

Hier heißt es wir schaffen neue Kitaplätze aber wir haben in Hamburg im Moment Probleme überhaupt einen Platz zu füllen weil die Kinder nicht mehr erwünscht sind, weil sie nämlich nicht schreien sondern kreischen.

Herman: Wie, in der Kita sind sie nicht erwünscht?

Eva: Nein, die Kitaleute, die Kitas bauen wollen und einrichten wollen, finden gar keinen Platz, weil sie überall abgelehnt werden und in Hamburg wurden auch schon Kitas geschlossen, weil die Kinder zu laut geschrien haben. Also das heißt noch Mal wenn wir die Ursache suchen, kommen wir leider nicht umhin zurückblicken zu müssen, wo hat es angefangen. Und es ist doch klar in dieser Zeit im Dritten Reich sind die Familienwerte missbraucht worden und pervertiert worden. Und natürlich auch von den 68ern ist das deswegen abgelehnt worden.

Herman: Wie alt waren Sie, Eva, 1968?

Eva: Zehn.

Berger: Eben! Ja und weiter?

Herman: Ich hatte aber Geschichtsunterricht und ich habe mich auch ausgiebig also wirklich ausgiebig mit dieser Zeit auseinandergesetzt, was bedeutet…

Berger: Aber ich habe sie gelebt. Ich habe sie erlebt und gelebt. Und ich muss sagen, dass gerade 1968 zum ersten mal ein Tor aufgestoßen worden ist in die Richtung, dass Frauen die gleichen Möglichkeiten haben sollen und ergreifen können, wie die Männer und daraus ist eigentlich ein Emanzipation des Mannes und der Frau entstanden. Also nicht eine Emanzipation der Frau gegen den Mann. Das wäre ja auch wirklich zu dumm. Sondern es ist ein ganz neues Gefühl zwischen Mann und Frau, was er (Senta Berger meint Mario Barth, Anm. der Redaktion) gleich bestreiten wird, wahrscheinlich entstanden, von dem wir alle profitieren.

Barth: Ne.

Berger: Und niemals sind so viele Kinder auf die Welt gekommen, wie gerade in den 60er-Jahren. Das war einfach zu schön.

Herman: Aber warum kommen dann heute keine mehr auf die Welt, liebe Senta Berger?

Berger: Ich glaube, dass wir eine sehr schlechte Wirtschaft haben, wo natürlich immer wieder dann gerade die Frauen das ausbaden müssen. Weil wenn sie sagen, ich möchte gerne das die werte so definiert werden, dass Frauen die zu Hause sind quasi die wertvollere Arbeit leisten, dann muss ich ihnen leider sagen, dass das kaum eine Frau heute noch als freie Wahlmöglichkeit hat. Das ist das Problem.

Herman: Ich möchte mich auch noch einmal verwahren, gegen den Satz dieses Historikers, der als mir die 3 K´s unterstellt und wieder einmal der Satz kommt ich würde die Frauen an den Herd fesseln wollen. Also indirekt ist das ja diese Aussage. Ich habe immer das steht in allen Büchern steht das Frauen ihren Beruf lernen sollen sie müssen, Sie müssen. Aber Astrid Lindgren sagte, aber wenn dann Kinder kommen müssen Frauen doch nicht sagen, es ist eine Schande bei den Kindern zu sein. Warum denkt denn niemand über die Kinder nach, über das Wohl der Kinder und über die Bedürfnisse?

Kerner: Ist das selbst deine Empfindung gewesen, dass du ,als du einen Sohn bekommen hast, dich dafür rechtfertigen musstest, dass du bei dem Kind bleibst?

Herman: Die Diskussion gibt es. Aber warum ist deine Frau zu Hause bei drei Kindern?

Kerner: Ja, das ist freie Entscheidung. Also ich zwinge sie da nicht hin und sie sich selbst auch nicht. Freie Entscheidung.

Herman: Aber es ist günstig, oder?

Kerner: Was heißt günstig?

Herman: Es ist günstig für die Kinder und für dich auch.

Kerner: Also das ist unser Weg, den wir für uns gewählt haben, aber das ist wirklich die freie Entscheidung. Jetzt sind wir aber eine andere Familie, vielleicht haben wir Möglichkeiten, uns Betreuung zu schaffen, die andere Leute nicht haben. In sofern ist es nicht ganz der perfekte Vergleich. Noch einmal zurück zu den Werten, die angesprochen worden sind. Du selbst sagst, die Nazis haben diese Werte pervertiert.

Herman: Ja.

Kerner: In jeder Form nichts anderes hat der Historiker auch gesagt. Warum sagst du nicht, dass es ein Fehler war, überhaupt diesen NS-Vergleich in einer welchen, in welcher Form auch immer, in einer solchen Pressekonferenz, in der es darum geht ein Buch vorzustellen, zu erwähnen.

Herman: Ich habe es gerade gesagt, wir haben über die Ursachen gesprochen, die Frage ist gestellt worden, warum haben wir Probleme mit den Werten, warum zerfällt unsere Gesellschaft? Warum haben wir viele Scheidungen? Warum haben wir kaum noch Familien, die zusammen finden und bestehen bleiben können?

Kerner: Und warum muss man Vergleiche, mit den NS-Zeiten Vergleiche machen?

Herman: Gerade nochmal, wenn man die Ursachen sucht, findet man sie doch hier. Hier sind die Dinge, genau diese Dinge missbraucht worden, und danach dadurch für unbrauchbar erklärt worden.

Kerner: Herr Wippermann, reicht Ihnen das als Erklärung?

Wippermann: Nein, das reicht mir gar nicht. Absolut nicht. Ich muß Sie auch mal loben. Ihr Ausspruch ist inzwischen jetzt auch Examenprüfungsfach geworden. Ich frage die Studente, hat Eva Herman Recht. Auf den Nationalsozialismus, gerade eine Prüfung, letzte Woche gemacht. Und die Kandidatin hat eine Eins gemacht. Aber Sie können nicht, wie die Politiker, jetzt so tun „Ich hab das nicht gesagt“

Herman: Doch

Wippermann: Sie haben es gesagt

Herman: Doch. Sie sprechen doch darüber, was ich gesagt habe.

Wippermann: Sie haben es gesagt und auch in diesen Sachen. Sie haben die Werte gelobt. Werte wie Familie und Kinder und das Muttersein, die auch im 3. Reich gefördert wurden. Das ist ihr Zitat und das ist falsch. Das muß man einfach sagen. Das ist falsch. Ich wollte ihnen eine Brücke bauen, zu sagen: „Ich wollte ja nur das konservative Ideal verteidigen.“ Und sie wollten sich distanzieren von diesem rassistischen Frauenideal und von der Frauenpolitik.

Herman: Das tu ich doch die ganze Zeit. Ich meine, ich habe…

Wippermann: Aber..

Herman: Ich muß auch ganz ehrlich sagen, es gibt viele Sachverständige, mit denen ich inzwischen gesprochen habe, schade, ich wusste nicht, dass hier einer ist, der sich in diese Richtung äußert. Es gibt durchaus andere Einschätzungen dieser Aussagen, auch juristische.

Kerner: Auf der Homepage der NPD war ich zum ersten Mal in meinem Leben, hoffentlich zum letzten Mal. Da wird vom Ring Nationaler Frauen gelobt, Zitat: „Den Mut, den Frau Herrmann aufgebracht hat, um auf positive Einstellungen zu Kindern, Mutterschaft, Familien und Werte, wie Zusammenhalt in früheren Zeiten hinzuweisen, und jetzt kommt das: und dabei bestimmte Jahre auf Ehrlichkeit aus Ehrlichkeit nicht auszuklammern, ist bewundernswert.“

Herman: Ja, es ist übel und es ist unerträglich für mich. Natürlich..

Kerner: Und wie gehst Du dagegen vor?

Herman: Juristisch. Habe ich doch gerade gesagt. Aber es wäre schon schön, also ich habe mich an dieser Stelle aus meiner Sicht sehr klar geäußert. Vielleicht sollte ich noch etwas erwähnen: Das Originalband der gesamten Pressekonferenz wird nicht herausgegeben. RTL hat es aufgezeichnet. Auf diesem Band ist zu sehen, dass ich mich mehrfach, nicht nur in diesem Zitat, vorher und nachher von allen diesen Ideologien ausdrücklich distanziere. Mit tiefster Ablehnung diese Begriffe aus dem Dritten Reich auch bewehrte.

Und mein Verleger Christan Strasser vom Pando-Verlag hat die Schlussbemerkung in meinem neuen Buch vorgelesen, worin ich das nochmal zum Ausdruck bringe und wir es erklärt haben, wir tun dieses alles damit nicht wieder Missverständnisse aufkommen. Aber dieses Band kriegen wir nicht raus, wo eben der gesamte Zusammenhang ist und es gibt nur, zum Glück gibt es dieses Zitat, aber das gibt es ja auch noch nicht lange. Das ist von einem Hörfunkkollegen mir zugespielt worden. Es waren ungefähr zwei Wochen lang, wo ich überhaupt nicht beweisen konnte, dass dieser eine Satz aus den Zusammenhang gerissen wurde.

Kerner: Gut. Dann mal inhaltlich, Margarethe, ich wollte Dich eigentlich nochmal zu Wort kommen lassen. Ist jetzt zu spät! Weil wir die Werte, die heutzutage nicht mehr so…

Schreinemakers: Naja, vielleicht mal ganz kurz. Egal, wie oft ich diesen Satz höre. Und ich habe ihn ja jetzt nur einmal als Audio-Dokument gehört, einmal in vorgelesener Version. Im Audio-Dokument heißt: Im Ton, ohne Eva jetzt zu sehen. Ist er durcheinander und kraus. Das ist das Problem. Er ist durcheinander, er ist kraus und man versteht es nicht. Das heißt: Der Sinnzusammenhang ist so, dass es sich mir so vermittelt, als würde sie die Werte auf die NS-Zeit beziehen.

Wenn man sich so viel auf die Schultern packt, an großer Familienpolitik, wo irre viel Themen dazugehören, dann kann natürlich mal etwas durcheinander geraten im Kopf. Das war mein Eindruck, als ich das hörte. Das könntest Du beispielsweise jetzt zugeben! Ich finde es bald sinnlos, über einen solchen Satz jetzt weiterzureden. Weil ehrlich gesagt, dieser Satz ist es nicht wert, weil wir jede Sekunde, wo wir länger darüber debatieren, wir der rechten Szene auch weiterhin einen Gefallen tun. Ich würde diesen Satz gerne versenken.

Herman: Ich befürchte nur eins, wenn ich das noch sagen darf: Also, es ist seit etwa einem Jahr oder dem guten Jahr, seit ich “Das Eva-Prinzip” auf den Markt gebracht habe, gibt es diese heftige Diskussion, die auch zum Teil persönliche Angriffe beinhaltet, was mich angeht. Ich erinner auch gerne an die letzte Sendung, die ich hier bei Dir war…

Kerner: Habe ich Dich persönlich angegriffen?

Herman: Nein, aber einige andere schon. Und das wäre schlimm, wenn Du das als Moderator tätest. Das hätte ich von Dir auch nicht erwartet. Aber es ist klar geworden, durch die vielen Angriffe, auch die vielen unsachlichen, dass dieses Thema einen doch sehr emotionales ist. Was jeden einzelnen auch zu betreffen scheint. Was völlig klar ist. Und, ich habe immer, und auch jetzt wieder den Eindruck, dass auch gar keine Freisprechung erfolgen soll. Sondern es soll weiterhin missverständlich behandelt werden. Sie hat das gesagt, wir wollen das jetzt so! Und alles andere zählt überhaupt nicht.

Schreinemakers: Aber warum fühlst Du Dich denn so als Opfer?

Herman: Ja also Moment mal, ich habe meinen Job verloren.

Schreinemakers: Ja, ok!

Herman: Lustig!

Schreinemakers: Opfer eines, einer Sache…

Herman: Das war eine sehr kluge Frage!

Schreinemakers: Kommen wir mal davon weg, dass Du Deinen Job verloren hast, was sicherlich sehr tragisch ist.

Herman: Das hast Du ja auch schon mal..

Schreinemakers: Gehen wir mal, da kann ich sehr wohl mitreden, allerdings in einem anderen Sachzusammenhang. Wenn du darauf anspielst, bin ich nach meinem Ermittlungsverfahren schuldlos freigesprochen worden. Es hat nicht mal einen Prozess gegeben.

Kerner: Ja, aber hier gibt es noch nicht mal ein Ermittlungsverfahren.

Schreinemakers: Jetzt geht’s um Eva, aber sie wollte es ja jetzt so haben. Ich frage deshalb „Opfer“, für welche Sache kämpfst Du da? Eine, ja was? Was bist Du und warum brauchen wir Dich?

Herman: Hast Du, ja, als sehr gute Journalistin. Hast Du denn mein Buch gelesen?

Schreinemakers: Ja, beide!

Herman: Ja, dann weißt Du es ja.

Schreinemakers: Das kann ich Dir versichern, beide. Und mir ist nicht klar geworden: warum? Außer, dass man vielleicht sagen kann, Du wolltest ein Buch schreiben. Du hast ja auch schon ein Buch des Stillens geschrieben. Über das man auch reden könnte. Da kann man unterschiedlicher Meinung sein. Die Bücher, die da folgten, verfolgen sicher auch einen kommerziellen Zweck. Dass es eine emotionale Diskussion ist, liegt in der der Natur der Sache. Familie ist etwas zutiefst Emotionales. Aber ich sehe Dich nicht irgendwie als Vorkämpferin für irgendeinen einzigen hier im Raum.

Herman: Also noch mal, dann lass mich…

Schreinemakers: …weil, da spielen wir schon lange…

Hermann: Dann laß mich doch gerne mal darauf antworten. Es gibt in diesem Land doch tatsächlich Familien. Und es gibt auch tatsächlich Frauen, die arbeiten müssen.

Schreinemakers: Allerdings.

Herman: Obwohl sie vielleicht lieber in den ersten Jahren bei ihren Kinder bleiben wollen.

Schreinemakers: Auch richtig.

Herman: Und diesen Frauen wird zum Beispiel auch von unseren Familienministerium suggeriert, dass dieses Wahlfreiheit ist, wenn sie einen Kitaplatz bekommen. Wahlfreiheit ist es aber nicht. Wahlfreiheit wäre, wenn diese Frau den Betrag, den ein Kitaplatz kostet, etwas über 1000 Euro im Monat, zur Verfügung gestellt bekommen würde, um frei zu entscheiden, ob sie bei ihrem Kind bleiben könne.

Schreinemakers: Auch richtig! Alle einverstanden. Da stehst Du ja nicht alleine mit, da stehst Du ja absolut nicht alleine mit.

Herman: Doch, ich stehe…

Schreinemakers: Nein, wieso?

Herman: Hast Du Dich dafür schon mal eingesetzt?

Schreinemakers: Ja, in meiner Sendung. Schon 1994 haben wir der damaligen Bundesfamilienministerin den goldenen Feigling verliehen, weil genau dieses – die ist nie gekommen, niemals – genau dieses eben nicht eingetroffen ist.

Herman: Ja, aber über Deine Sendung redet heute niemand mehr, aber über diese Bücher redet man. Und genau deswegen diese Themen auch wichtig sind. Wenn Du mir einen kommerziellen damit in Verbindung bringen willst, dann kann ich dazu nur sagen: wenn jemand – und diese Entscheidung habe ich frei getroffen – sagt, ich veröffentliche lieber ein Buch, spreche darüber, führe öffentlich die Diskussionen und hänge dafür einen sehr lukrativen Tagesjob an den Nagel, der nicht nur A gut bezahlt wird, sondern B auch mit sehr viel anderen Annehmlichkeiten in Zusammenhang gebracht werden kann.

Dann kann man diesen kommerziellen Zweck nicht mehr unbedingt unterstellen. Und noch etwas, es gibt schon, also nicht nur in der Medienebene, in diesen Medienkreisen oder medienpolitischem Establishment gibt es viele, die so denken und viele die so diskutieren wie Du. Das weiß ich, ich war da lange genug. Bei den Menschen da draußen wird anders diskutiert.

Kerner: Darüber würde ich, ehrlich gesagt, gleich reden. Insbesondere über die Reaktionen die es gegeben hat, auch bei Dir.

Berger: Wie viele sind denn verkauft worden?

Kerner: Von dem ersten über 100.000 Stück. Das zweite fängt ja gerade erst an.

Berger: Also ich muß ehrlich sagen, ich fühle mich sehr unwohl. Bei dieser Diskussion sowieso, und auch, weil ich diese Bücher nicht kenne. Sondern nur über diese Bücher gelesen habe, und deshalb kann ich auch sehr schwer argumentieren. Lass uns noch einmal, entschuldigen Sie, lassen Sie uns noch einmal ganz kurz zurück gehen, zu den ganz pauschalierten Aussage, die ich überhaupt nicht verstehe. Als hätte ich die letzen 30 Jahre auf einem anderen Planeten gewohnt.

Die 68er haben also diese Werte ausgehebelt, und seitdem liegen sie auch am Boden, ruiniert. Und es bedarf einer neuen Ordnung, einer neuen Moralvorstellung. Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Es gab einen Satz, den hatten wir Frauen, dieser Generation damals, uns auf die, wie soll man sagen, wir haben ja keine Manifeste veröffentlicht – einfach eine veröffentlichte Meinung – und die hieß: „Glück ist, seinen Anlagen gemäß gebraucht zu werden.“

Und dieser Satz war dringend notwendig damals. Und wenn wir heute sehen, was daraus entstanden ist, wie viele Studentinnen in den Sälen der Universitäten sitzen. Wieviel Ärztinnen es mittlerweile gibt, wie viele Journalistinnen. Wie die Frauen sich eine Welt erobert haben, die Ihnen zusteht.

Man könnte jetzt darüber reden, ja, sie werden immer noch schlechter bezahlt – absolut, da muss man weiter kämpfen – das muss man auch und das muss auch durchgesetzt werden. Aber niemals sind Frauen, die die Wahl vorgezogen haben, zu Hause zu bleiben, diskriminiert worden. Meine Mutter musste arbeiten gehen, und sie hat es gerne getan, weil damit konnte sie auch eine Kleinigkeit beitragen. Sie konnte mir die Schauspielschule leisten, zum Beispiel.

Meine Schwiegermutter, die Schauspielerin war, musste ihren Beruf an den Nagel hängen, weil mein Schwiegervater, ihr Mann, gesagt hat: „Eine Frau eines Intendanten arbeitet nicht!“ Von den beiden war sicherlich meine Mutter, die aus wirtschaftlichen Gründen arbeiten musste, die Glücklichere. Und meine Schwiegermutter hat ihr Leben lang darunter gelitten und wurde damit nicht fertig. Das kann man doch gar nicht pauschalieren. Ich erlebe keine Diskriminierung von Frauen,die sich für Kinder entscheiden.

Herman: Nein! Nein, Frau Berger, Sie doch nicht. Sie erleben die nicht. Aber es gibt doch zahlreiche Mütter, durchaus Akademikerinnen, die ihren Beruf an den Nagel hängen, zu Hause bleiben und diskriminiert werden.

Berger: Von wem?

Herman: Von der Gesellschaft.

Berger: Ach Quatsch.

Herman: Natürlich.

Berger: Ach.

Herman: Du arbeitest nicht, dann bist Du also nur ein Muttchen.

Berger: Ach Eva.

Kerner: Jetzt Margarethe und dann ich.

Schreinemakers: Der deutsche Hausfrauenbund hat schon, ich glaube, wenn ich mich richtig erinnere, als junge Reporterin habe ich den ersten Bericht gemacht, 1978 ein Gehalt für Hausfrauen gefordert. Also diese Tätigkeit, die du da machst, die anspruchsvoll ist, die aufreibend ist, die dich den ganzen Tag irgendwie in Beschlag nimmt und die kaum einer so richtig wertschätzt.

Kerner: Du willst Rentenansprüche erwerben.

Schreinemakers: Ja.

Herman: Aber es ist nichts passiert.

Schreinemakers: Alles ist nicht passiert. Aber wie gesagt, da musste ja nicht erst Eva kommen. Das hat der deutsche Hausfrauenbund schon ´78 gesagt.

Herman: Ja, aber sie haben ja nichts erreicht ,Margarethe.

Schreinemakers: Ja, in Ordnung.

Herman: Es ist doch heute noch genauso.

Schreinemakers: Aber es ist ja immer wieder Thema. Die Frage, die man stellen sollte. Und dazu fehlt natürlich hier heute abend die Besetzung, wäre die Politik. Natürlich muß man fragen, wer nach Rita Süssmuth wirklich etwas massiv etwas für die Frauen getan? Rita Süssmuth war so gut, dass man die gleich von den Posten weggeschasst hat und zur Bundestagspräsidentin gemacht hat.

Herman: Ihr redet immer nur von den Frauen, redet doch mal von den Kindern! Es kann doch nicht immer nur sein….

Schreinemakers: Aber es muß doch auch politisch durchgesetzt werden. Aber da sind wir doch alle hier die falschen Ansprechpartner!

Herman: Ja, genau!

Kerner: Eva – es ist doch offensichtlich so, dass nicht alles perfekt ist. Und einige Dinge der Verbesserung bedürfen.

Herman: Einige Dinge sind gut …

Kerner: Ich sage das mit aller Zurückhaltung

Herman: Wir sterben aus. Wir kriegen doch die demokratische Kurve gar nicht mehr.

Kerner: Naja – dann gibt es ein paar mehr Chinesen – also insgesamt, was die Weltbevölkerung angeht, mache ich mir um das Aussterben nicht allzu viele Gedanken. Aber es ist offensichtlich hierzulande nicht alles perfekt und es muß verändert, einiges muß verändert werden. Mich würde nur interessieren, ob Du wirklich glaubst, dass durch eine Ausrichtung der weiblichen Bestimmung auf das Kind in erster Linie und in der Anfangszeit und darüber hinausgehend die Versorgung der Familie, ob damit die Probleme beseitigt werden?

Herman: Also es sind auf jeden Fall einige Probleme beseitigt! Du wirst kein Kind kriegen können. So ist das nun mal, dass sind wir Frauen. Und das wird auch weiterhin so bleiben. Und wenn wir in diesem Land fortbestehen wollen, dann müssen wir Kinder kriegen. Wir müssen Kinder nicht kriegen, damit die Rentenkassen voll werden – da verstehe mich bitte nicht falsch – ich rede von etwas völlig anderem, ich rede nämlich wirklich von Werten und ich rede davon, dass Kinder ersehnt, geliebt sein müssen. Wir müssen sie haben wollen. Das ist aber im Moment nicht der Fall. Wir reden von der Selbstverwirklichung und nicht mehr von den Kindern. Wir reden auch nicht von den Frauen, die Angst haben, wenn sie zu Hause bleiben, daß sie nicht mehr in den Job reinkommen. Weil politisch und auch in der Industrie die Weichen ganz anders gestellt werden. Und das wird auch weiterhin so bleiben. Und wenn wir in diesem Land fortbestehen wollen, dann müssen wir Kinder kriegen. Wir müssen Kinder nicht kriegen, damit die Rentenkassen voll werden – da verstehe mich bitte nicht falsch – ich rede von etwas völlig anderem, ich rede nämlich wirklich von Werten und ich rede davon, dass Kinder ersehnt, geliebt sein müssen. Wir müssen sie haben wollen. Das ist aber im Moment nicht der Fall. Wir reden von der Selbstverwirklichung und nicht mehr von den Kindern. Wir reden auch nicht von den Frauen, die Angst haben, wenn sie zu Hause bleiben, daß sie nicht mehr in den Job reinkommen. Weil politisch und auch in der Industrie die Weichen ganz anders gestellt werden.

Kerner: Einige inhaltliche Auseinandersetzungen möchte ich noch haben, insbesondere mit Deinen beiden Büchern, bevor wir natürlich auch mit Mario Barth sprechen. Der mit 5 Brüdern zusammen, mit 5 Brüdern von einer glücklichen Mutter aufgezogen wurde?

Barth: Einer wunderbar glücklichen Mutter aufgezogen.

Kerner: Die zu Hause geblieben ist…

Barth: Die ist zu Hause geblieben. Hat bei meinem Vater auch geholfen im Restaurant und wir waren selbständig¿was heißt wir, ich nicht so – aber meine älteren – das lief bei uns zu hause aber alles, da wurde keiner gezwungen zu irgendwas. Ich wurde zur Hausarbeit gezwungen. Also nicht zur Hausarbeit, ich musste Hausarbeiten machen. Mathematik …

Kerner: Schularbeiten.

Barth: …Schularbeiten. Aber sonst, ne meine Mutter ist – witziger Weise wird ganz oft gesagt, wenn ich sage: ich habe fünf Brüder „die arme Mutter“! Und meine Mutter ist, ich glaube, sie ist total glücklich. Ich glaube ja!

Kerner: Wir werden das Gespräch intensivieren. Ich möchte nur vorher, ich habe das eben schon gesagt. Weil ja immer gesagt wird, das wäre populismus, es wird provoziert und die Presse hat sich nicht korrekt verhalten. Das hast Du ja auch gesagt Eva! 2 Zitate miteinander vergleichen. Und zwar lautet das eine: „Die Forderung der heutigen Frauenemanzipation wurde im Namen eines schrankenlosen Individualismus erhoben“. Das ist das eine Zitat! Das zweite heißt: „Das Hohelied des Individualismus hat längst seinen verführerischen Klang verloren, doch mittlerweile haben sich reichlich Gründe erschlossen, warum man sich von dieser gefährlichen Vorstellung befreien sollte“! Das klingt vergleichsweise ähnlich. Das eine ist aus deinem ersten Buch und das andere ist von Alfred Rosenberg aus dem Buch „Mythus des 20 Jahrhunderts“ von 1930, das war der Chefideologe der deutschen Nationalsozialisten.

Herman: Ja, jetzt geht das schon wieder los! Ich mein, kann das jetzt nicht einfach mal auf…, das ist Ansichtssache und das kann ja sehr gut sein.

Kerner: Wusstest Du das vorher?

Herman: Nein. Ich…

Kerner: Das ist übrigens, ich bin da nicht draufgekommen. Da ist die Schriftstellerin Thea Dorn draufgekommen, die hat das in der taz geschrieben 2006.

Herman: Ja, Thea Dorn hat auch mein Eva-Prinzip zum Eva-Braun-Prinzip gemacht in der taz. Ich möchte nochmal an dieser Stelle darauf hinweisen, es ist anscheinend tatsächlich so, das wirklich wir über solche Dinge gar nicht mehr reden können, wir können nicht mehr einfordern, uns für Werte stark zu machen, es birgt nur eine große Gefahr, wenn es in unserer Demokratie nicht mehr möglich ist, über solche Sachen zu reden,…Moment…

Kerner: So ausführlich durftest Du noch nirgendwo reden, in den letzten zwei Monaten. Aber es ist ja nun mal so…

Herman: …dann spielen wir wirklich der rechten Szene in die Hände…

Kerner: Aber Eva, jetzt…

Herman: Nein, weil sich dann keiner mehr um die, das ist dann wirklich ihr Gebiet, sie machen es zu ihrem Gebiet, wenn sich niemand anderer mehr dafür einsetzt. (Beifall) Das ist ja wirklich gefährlich, was ihr hier macht.

Kerner: Eva, ich verstehe Deinen Ansatz. Ich weiß auch um Deinen Kampf gegen Rechts in Organisationen, wo Du Dich wirklich einsetzt, nur, ich muss eben auch sagen, wenn Du schreibst in Deinem Buch „es ist Zeit, die wahre Bestimmung der Weiblichkeit zu erkennen und in unserer Gesellschaft zu installieren, um uns zu retten“…

Herman: Ja, bist Du bibelfest? Bist Du bibelfest oder nicht?

Kerner: Was ist denn die wahre Bestimmung der Weiblichkeit – ist doch nicht, zu Hause zu sitzen und die Kinder groß zu ziehen. Sondern die wahre Bestimmung der Weiblichkeit ist doch ein voll anerkanntes Mitglied einer Gesellschaft zu sein…

Berger: oder ihr Leben zu leben – und das frei zu bestimmen, darum geht es doch. Natürlich, ich meine, wenn man bedenkt, dass diese Rahmenbedingungen für Frauen, die Beruf und Kind haben und haben wollen und haben müssen, unter Umständen, dass man die verbessern kann, ich finde, dass ist die Diskussion, die angesagt ist, und die ja auch geführt wird. Wir haben ja eine ganz anständige Familienministerin im Moment, finde ich, oder?

Schreinemakers: Zumindest macht sie einen Vorstoß nach langer Zeit …

Berger: Aber ich meine dazu gehört ja so viel mehr. In kleinen Wohnungen große Familien unterzubringen ist schon einmal wahnsinnig schwierig. Es geht da auch immer um die Wirtschaftlichkeit. Ich finde auch, schon in den 50er Jahren, wenn man nach Italien gefahren ist, als Teenager, da hat man plötzlich gesehen, das die Kinder im Restaurant laut sein durften, und das sieht man auch heute noch, das man dem Kind gegenüber eine andere Einstellung hat, in Deutschland war das dann ziemlich zugedeckt mit „sitz ordentlich“ und „schrei nicht so rum“ und „Du störst die anderen Gäste“, das finde ich hat sich total geändert, wenn ich damals auf dem Mond geschossen wäre, sagt man so, ne, überhaupt nicht…

Kerner: …weiß ich nicht, geflogen wäre…

Berger: und dann wieder zurückgekommen wäre heute nach Deutschland, ich würde gar nicht wissen, was das für ein Land ist, so stark hat sich Deutschland verändert,

Kerner: Wobei es nach wie vor große Probleme gibt, also auch im täglichen Leben…

Berger: Es gibt große Probleme, aber es gibt keine Kinderfeindlichkeit.

Schreinemakers: Hui, hui, hui…

Kerner: Na, weiß ich nicht. Da kenne ich eine Frau, die wohnt bei mir zu Hause, die sagt immer, das sei grässlich, wenn man zum Beispiel fliegt mit Kindern, da hilft Dir keiner, mal einen Kinderwagen von links nach rechts oder so¿

Berger: Na gut, das müssen wir ja nicht unterstützen.

Kerner: Ich hab gesagt Eva, Du hast die Gelegenheit auch zu sagen, was Du für Reaktionen bekommen hast auf die ganzen Schlagzeilen.

Berger: Na 100.000 verkaufte Bücher.

Kerner: Das war das erste Buch. Beim zweiten sind wir noch nicht soweit, aber das wird man ja dann sehen. Am Wochenende warst Du zum Beispiel beim Forum Deutscher Katholiken, da bist Du, schreibt die Zeitung heute bejubelt worden. Was gab es sonst für Reaktionen?

Herman: Ich bin ehrlich gesagt sehr froh, dass ich völlig andere Reaktionen von den Menschen bekommen habe, als das was ich jetzt hier wieder erlebe, wo also wieder was schön geredet wird, aus so einer medienpolitischen Sicht, die so wenig mit der Realität zu tun hat, also ich habe tatsächlich wieder viele tausend Briefe und E-Mails bekommen von Familien, die sagen, wir möchten gerne unsere Familie leben, wir möchten gerne Anerkennung haben, wir möchten auch gerne Entlastung haben, steuerliche Entlastung zum Beispiel, statt dessen kriegen wir immer weiter Belastung, die Öko-Steuer, die Mehrwertsteuererhöhung, das geht doch alles zu Lasten der Familie. Wir berichten auf der einen Seite über die wachsende Kinderarmut in Deutschland, über ein riesengroßes Problem, wir machen dieses Problem selbst in dem wir diese Steuererhöhungen die verfassungsschutzrechtlich eigentlich überhaupt nicht zulässig sind, weil es eindeutige Gerichtsurteile gibt.

Kerner: Über das Elterngeld wird doch gerade ausführlich diskutiert, da gibt es doch die entsprechenden Vorlagen schon. Und es ist keine Zwangsveranstaltung das Elterngeld, das kann man nehmen.

Herman: Es wird diskutiert auch über 150 Euro in Anführung „Herdpremie“, eine Lächerlichkeit, die eventuell für Daheim bleibende Mütter ab 2013 gezahlt werden könnte – 150 Euro – und man überlegt, damit die Eltern das Geld nicht Versaufen das in Gutscheinen, Versaufen sagen die Politiker, in Gutscheinen auszugeben. Ich meine, wo sind wir denn jetzt eigentlich? (Beifall)

Kerner: Also, es hat eine Reihe von positiven Reaktionen gegeben. Du sagst, die Menschen, die Dich ansprechen oder Dir schreiben, reden ganz anders, als die Menschen, die in der Zeitung schreiben.

Herman: Ja, zum Glück gibt es davon viele.

Kerner: Du hast Dich darüber beschwert und die Formulierung war über die „gleichgeschaltete Presse“ in dieser Angelegenheit.

Herman: Ja.

Kerner: Das ist keine glückliche Wortwahl. Weil auch dieses Wort kommt aus dem Dritten Reich wie uns der Historiker sagen kann.

Herman: Ja, aber das hatte ja der Spiegel dann auch gleich in seiner Online-Ausgabe aufgegriffen und daraufhin musste man nur mal googeln in welchem Zusammenhang alleine der Spiegel diesen Begriff benutzt hat und man wird fündig in mehreren Zusammenhängen.

Kerner: Das mag ja stimmen, es ist ja nicht wenn das eine falsch ist, ist das andere…

Wippermann: Nein also, das stimmt nun nicht, das „Gleichschaltung“ kein nationalsozialistischer Begriff ist. Natürlich war „Gleichschaltung“ ein nationalsozialistischer Begriff. Gleichschaltung der Parteien, der Verbände und der Länder. Und sie haben hier einen nationalsozialistischen Begriff gebraucht. Und ich finde es irgendwie sehr problematisch, dass sie Zitate, dieses Zitat, dem haben sie ja auch ihre Entlassung zu verdanken, das ist in allen Zeitungen. Jetzt sagen Sie, das hat es nicht gegeben. So kann man da nicht mit umgehen als Historiker. Das ist doch sozusagen da.

Herman: Also wie sie damit umgehen, kann ich auch nicht damit umgehen, da tut mir leid.

Wippermann: Und deswegen machen sie jetzt Verschwörungselogien und sprechen von verlorenen Bändern, an die man nicht mehr rankommt.

Herman: Ja.

Wippermann: Das ist eine Verschwörungspathologie, die sie dort haben. Also, das ist doch sehr problematisch.

Herman: Seien Sie doch ein bisschen vorsichtig mit dem was Sie hier äußern mir gegenüber. Und ich möchte jetzt auch ehrlich gesagt zu Ihnen gar nicht mehr Stellung nehmen. Und ich möchte auch nicht mehr Stellung nehmen zu weiteren Vorwürfen in diesem Zusammenhang, denn nochmal: Sie müssen nur Google eingeben. Und da können sie jede Zeitung durchgehen, welche Zeitung diesen Begriff bereits benutzt hat.

Kerner: Aber auch falsch, auch falsch.

Herman: Natürlich ist er da benutzt worden. Aber es sind auch Autobahnen damals gebaut worden und wir fahren heute drauf. Moment.

(Unruhe im Publikum)

Wippermann (ruft): Ja, das ist ja das Schöne. Adolf hat die Autobahnen gebaut – ja, das war es (ironisch) Das Autobahn-Argument ist das beste (ironisch).

Berger: Das ist der nächste Satz, der zitiert wird.

Schreinemakers: Das kann nicht sein, was Du hier sagst. Tut mir leid. Egal wer hier auch immer applaudiert, es tut mir leid. Das kannst Du so nicht sagen.

Herman: Nein, Moment. Wir sitzen jetzt hier in einer Sendung und mir wird pausenlos unterstellt ich sei im Kopf rechts und ich bin es einfach nicht. Ich lehne es…

Schreinemakers: Oder nicht überlegt, entschuldige Mal, dann überlegst Du nicht.

Barth: Es sagt ja keiner, dass Du das bist, es sagt, dass diese Äußerung diesen Eindruck erweckt. Die Äußerung ist wirklich Kacke gewesen. Ich war ja jetzt auch auf einer Schule, aber vieles, man redet von Familien, so studiert haben, dass sie das alles verstehen. Ich persönlich, ich sage so etwas nicht, meine Freundin auch, die darf machen was sie will. Ich verstehe das auf der einen Seite, dass Frauen, die Kinder zu Hause haben, ich finde dieses pauschalieren immer so doof, dass alle Frauen darunter leiden müssen. Ich persönlich

Kerner: Wenn Deine Kollegin Bettina Tidjen, wenn die sagt, das was Eva redet, dem kann ich nicht mehr folgen…

Herman: Es ist natürlich auch eine Enttäuschung. Sie gesagt hat, sie weiß, dass ich kein Nazi bin. Das zeigt eigentlich, wo wir heute sind. Dass ich gewarnt werden musste, mehrfach, dass ich meine Meinung nicht frei äußern sollte.

Kerner: Es geht nicht um die Sache. Nicht um die Beschreibung von Werten, es geht um die Vergleiche und die Begriffe, glaube ich.

Herman: Du sagt aber zurechst, du glaubst. Du weißt es nicht.

Berger: Wie will man Werte definieren. Hier geht’s um verlorene Werte. Die Welt hat sich geändert. Wie kann man Werte definieren. Ich finde es ein großes Gut, dass sich Männer und Frauen zusammen emanzipiert haben.

Hermann: Fakt ist doch, dass wir eine Leistungskrise bei den Jungs haben. 14 Prozent weniger Abitur, 80 Prozent der fehlenden Schulabschlüsse sind von Jungs. Bei Gewaltaktionen sind es fast 100 Prozent. Das liegt daran, dass die Jungs fehlende Vaterbilder haben. Ihnen fehlen die Männer. Es gibt doch die Feminisierung in der Erziehung – also wenn Jungs in der Kita oder in der Grundschule nur von Frauen erzogen werden. Das ist wunderbar, aber wenn ein Kind bei einer alleinerziehenden Mutter groß wird, kann es sein, dass er 18 Jahre ist und keine männliche Bezugsperson kennt. Das verändert sie.

Berger: Die männliche Bezugsperson kann das Kind gar nicht bekommen, wenn die Mutter zu Hause bleibt. Bei mir war es ganz bestimmt, dass mein Beruf leichter zu organisieren ist als bei einer Fabrikarbeiterin. Ich habe mich sehr stark auf die Kinder konzentriert.

Kerner: Eva, hat sich deine Meinung, seit du Mutter bist, geändert?

Herman: Ja, natürlich.

Berger: Aber die Pubertät kommt noch, so wegen Schule und Leistungsabfall. Oder, Mario?

Barth: Ich war in der Schule ein Chaot und jetzt sitze ich in der Fernsehsendung.

Kerner: Du hast Klage gegen den NDR eingereicht. Was willst du erreichen?

Herman: Das kann ich nicht sagen, weil es ein schwebendes Verfahren ist.

Kerner: Worauf klagst du?

Herman: Das sag ich nicht.

Kerner: Möchtest du wieder eingestellt werden?

Herman: Ich möchte, dass der Fall untersucht wird. Die Kündigung ist unzulässig.

Kerner: Wo bist du in fünf Jahren. Wenn man perspektivisch denkt.

Herman: Weiß ich nicht. Nachdem sich mein Schicksal ziemlich schnell geändert hat… es ist nicht so, dass ich mich unglücklich verkrieche. Änderungen sind auch Chancen. Möglicherweise kann ich mich jetzt für das Thema stärker einsetzen.

Kerner: Glaubst du, dass nur die andere Fehler gemacht haben?

Herman: Nein, natürlich, jeder macht jeder Fehler. Mein Fehler ist es vielleicht gewesen, von Anfang auf das Material zu drängen, auch wenn es nicht leicht gewesen wäre, weil es nicht erschienen ist.

Kerner: Deine Formulierung war nicht fehlerhaft? Würdest du das heute noch mal so machen? Ich will dich ganz fair behandeln. Ich will dir alle Möglichkeiten zur Darstellung geben.

Herman: Man wird vorsichtiger. Ich muss lernen: Man darf über den Verlauf der deutschen Geschichte nicht sprechen, um nicht in Gefahr zu kommen.

(Diskussion, Zwischenrufe, vereinzelt Applaus im Publikum)

Schreinemakers: Das geht doch nicht. Entschuldige mal. Es geht nicht. Diese Ebene geht nicht. Da muss ich mich davon distanzieren, hier zu sitzen. Das ist unerträglich. Wir mögen dich, aber ich krieg erhöhten Puls. Sorry.

Kerner: An dem Punkt wo ich merke, dass wir inhaltlich nicht weiterkommen, müssen wir es lassen. Ich wollte dir, Eva, zum Ende des Gesprächs die Möglichkeit geben, zu sagen, dass du vielleicht irgendwas anders siehst. Du hast gesagt, dass du es nicht so siehst. Und dann beenden wir hier das Gespräch. Das ist ja gut. Und jetzt Margarethe.

Schreinemakers: Aber das geht jetzt nicht. Jetzt sitzen wir hier und wir haben ein Problem. Ich habe anfangs noch gedacht, Eva wusste gar nicht was sie sagt. Da waren so viele Informationen, sie wollte ihr Buch verkaufen und da geht was daneben. Aber hier geht an einer Stelle was daneben, wo nichts daneben gehen darf. Du gibst ihr jede Chance dieser Welt, aber es gibt die Dinge, die kann man nicht vertreten und da kann man nicht ruhig hier sitzen.

Kerner: Ich würde schon sagen, Eva Herman die Gelegenheit gegeben zu haben, dass darzustellen. Wir haben uns die historischen Darstellungen von einem Fachmann erklären lassen und irgendwann ist der Punkt, wo ich keine Fragen mehr habe.

Schreinemakers: Das ist sehr schwierig. Ich finde es schade, wenn Eva es ablehnt, sich mit einem ausgewiesenen Fachmann, der sich mehr als drei Gedanken gemacht hat und weit davon entfernt ist nur zu polarisieren, zu unterhalten. Das ist eine Basis, wo ich sage, das geht nicht.

Kerner: Dann holen wir uns mal die Thesen aus dem Buch: These eins: Es hat nachhaltige und negative Folgen für Kinder, wenn sie nicht an ihre Mütter gebunden werden, sondern an fremdes Erziehungspersonal. Wie lange warst du bei Bischof Mixa in der Lehre?

Herman: Ich war nicht bei Bischof Mixa in der Lehre. Ich habe mich einhellig damit auseinandergesetzt. Die Bindungsforschung ist über 50 Jahre alt. Und es gibt weltweit herausragende Leute, die über die ersten drei bis vier wichtigen Jahre in der Kindheit Auskunft geben, in denen ein Kind ein Bindungsverhalten herstellt. Ich bin nicht grundsätzlich gegen die Krippe. Es gibt aber immer Fälle, wo Kinder aus sozialen Verhältnissen herauskommen und in geordnete Verhältnisse kommen, um zum Beispiel die Sprache zu lernen. Daraus darf man aber nicht den Maßstab aller Dinge machen. 750.000 neue Krippenplätze in Deutschland…

Berger: Die sind dringend notwendig für alle Frauen.

Herman: Sie haben ja Recht. Weil die Frauen Geld verdienen müssen.

Berger: Glauben sie mir, es wird nicht ein Kind mehr gezeugt, wenn die Mehrwertsteuer runtergeht.

Herman: Wir wissen aber auch, dass nicht ein Kind mehr gezeugt wird, wenn es mehr Krippen gibt. Zum Beispiel in Sachsen-Anhalt liegt das Krippenangebot bei 40 Prozent und sie haben trotzdem niedrige Geburtsraten.

Berger: Die jungen Leute in Sachsen-Anhalt haben doch keine Jobs. Man muss Arbeit schaffen. Das ist ihr gutes Recht und dann können sie auch eine Familie gründen. Ich muss gehen. Ich kann diese Diskussion nicht mehr führen. Dann muss ich mich besser vorbereiten und ihre Bücher lesen.

Kerner: Es sind die Momente, wo man sich Gedanken macht, wie man weitermacht. Ich habe mich entschieden, dass ich mit drei Gästen weitermache und dich, Eva, jetzt verabschiede. Danke schön.

(Eva Herman geht, großer Applaus, Kerner zeigt auf Mario Barth und bietet ihm Eva Hermans Stuhl an)

Barth: Soll ich mich setzen?

Berger: Ja bitte. Es hängt jetzt an dir.

Dieser Beitrag wurde unter Talkshows, Transscriptionen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s