Ahmadineschad: Dem Ingenieur ist nichts zu schwör


meinte schon Daniel Düsentrieb, wenn ihn Dagobert Duck, der reichste Mann der Welt, um Beistand gegen die Panzerknacker bat. Doch weit weg von Entenhausen, im fernen Iran, gibt es einen weiteren Ingenieur, dem nichts zu schwör ist: den iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad.

So lesen wir am 3.September 2007 bei Ynet [1]:


Irans Präsident Mahmoud Ahmadinejad hat noch einmal seine Zuversicht begründet, dass die Vereinigten Staaten Teheran nicht angreifen würden. Den Beweis dafür könne er mit seinen mathematischen Fähigkeiten als Ingenieur und seinem Vertrauen in Gott jederzeit antreten, versicherte er vor der Presse am Sonntag, den 02.09.2007.

Ahmadinejad klagte in einer Rede vor Akademikern über gewisse ängstliche Elemente im Iran, die gerne Kompromisse mit den Vereinigten Staaten eingehen würden, weil sie einen Militärschlag der USA fürchten.

„Ich habe diesen Leuten versichert, dass ich Ingenieur sei, und diese Angelegenheit genau prüfen werde. Sie (die Amerikaner) werden es nicht wagen, einen Krieg gegen uns zu führen, und ich kann das auch beweisen ‚, “ sagte er in der Rede vom Sonntag, die in den Zeitungen Etemad Melli und Kargozaran veröffentlicht wurde.

“ Ich sage diesen Leuten: ‚ ich bin Ingenieur, und ich bin ein Meister der Berechnung und Tabellenkalkulation‚“

“ Ich zeichne Tabellen auf. Stundenlang wälze ich verschiedene Hypothesen. Ich verwerfe sie, ich argumentiere. Ich überlege, und ich mache dann eine Schlussfolgerung: Sie (die Amerikaner) werden dem Iran keine Probleme bereiten.‘ “


Nun sind wir ja von Präsidenten und Würdenträgern dieser Welt, auch den deutschen, allerhand gewohnt. So sagte der ehemalige Bundespräsident Heinrich Lübke auf einem Staatsbesuch 1962 in Liberia bei einer Ansprache „Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger“, was, auch wenn es nicht belegt ist, durchaus in das Bild des naiven Tölpels passt, als der sich Lübke auf Auslandsreisen stets präsentierte.

Bei einem Besuch der madagassischen Hauptstadt Tananarive etwa begann er eine Rede mit den Worten „Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Frau Tananarive!“ und sagte später über das Land: „Die Leute müssen ja auch mal lernen, dass sie sauber werden.“ Da muss man schon zweimal hingucken, um es zu glauben, dass ein deutscher Bundespräsidenten dermassen ins Fettnäpfchen treten kann.


Auch „drüben“, in der damaligen DDR, gab es einen Staatschef namens Erich Honecker, der sich trotz des offensichtlichen Untergangs seines Reiches immer noch einen Sieg zutraute, als er am 15.08.1989 folgendes sagte: Den Sozialismus in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf.
Dann müssen es wohl andere Kräfte als Ochsen und Esel gewesen sein, die den Lauf des Sozialismus glücklicherweise aufgehalten haben. Diese Angewohnheit von Herrschern, genau im Augenblick des eigenen Scheiterns zu behaupten, nun werde sich alles zum Guten wenden, können wir natürlich auch bei der Elite des Dritten Reiches sehen.


Da war zum Beispiel der im Volksmund als „Lametta-Heini“ verspottete „Reichsmarschall“ Hermann Göring, der zwar auch eine gewisse Abneigung gegen „Neger“, asiatische Untermenschen und Juden hatte, sich in der Öffentlichkeit aber besonders durch großkotzige Angebersprüche hervortat: „Ich will nicht Hermann Göring, sondern Hermann Meyer heißen, wenn jemals ein feindliches Flugzeug die deutschen Reichsgrenzen überfliegen würde.“

Von der Selbstüberschätzung des „Lametta-Heinis“ Göring ist es nicht weit zum Wahnsinn des GröFaz (größten Führer aller Zeiten) Adolf Hitler, der nach der Eroberung von Stalingrad am 8.November 1942 in München sagte: „…dort war ein gigantischer Umschlagplatz. Den wollte ich nehmen und – wissen Sie – wir sind bescheiden, wir haben ihn nämlich!“
Vollends unbescheiden wurde der „geniale Feldherr“ Hitler, wenn er an den baldigen Sieg dachte:


Bei unserer Besiedlung des russischen Raumes soll der „Reichsbauer“ in hervorragend schönen Siedlungen hausen. Die deutschen Stellen und Behörden sollen wunderbare Gebäulichkeiten haben, die Gouverneure Paläste. Um die Dienststellen herum baut sich an, was der Aufrechterhaltung des Lebens dient. Und um die Stadt wird auf 30 bis 40 Kilometer ein Ring gelegt von schönen Dörfern, durch die besten Strassen verbunden. Was dann kommt, ist die andere Welt, in der wir die Russen leben lassen wollen, wie sie es wünschen. Nur, dass wir sie beherrschen. Im Falle einer Revolution brauchen wir dann nur ein paar Bomben zu werfen auf deren Städte, und die Sache ist erledigt. Einmal im Jahr wird dann ein Trupp Kirgisen durch die Reichshauptstadt geführt, um ihre Vorstellung mit der Gewalt und Größe ihrer steinernen Denkmale zu erfüllen. [5]
Das Beklemmende an diesen Worten ist nicht ihr Inhalt, denn der entlarvt sich von selbst als Fantastereien eines durchgeknallten Fanatikers. Nein, das Beklemmende ist die Tatsache, dass diesen Worten ein ergriffenes Publikum ehrfürchtig lauschte, nämlich Hitlers allabendlich um ihn versammelten Speichellecker, und sich kein bisschen über den Unsinn wunderte, den der „Führer“ von sich gab.

Stuß reden tun also viele Staatsführer. Aber dass ein Bauingenieur, zum Präsidenten gewählt, behauptet, er könne „mathematisch beweisen“, dass sein Land von den Amerikanern nicht angegriffen werde, das ist ein Fall für die Männer in den weißen Kitteln. Was denken sich bloß die akademischen Würdenträger, die sich Mahmoud Ahmadinejads Unsinn über seine mathematischen Fähigkeiten anhörten, die gar keine sind? Denn Tabellenkalkulation hat mit harter Mathematik genausowenig zu tun wie Powerpoint-Präsentationen mit Kreativität. Der Bauingenieur Ahmadinejad ist ein Sprücheklopfer, der vielleicht gerne ein großer Mathematiker geworden wäre – so wie Hitler ein großer Architekt und Maler. Beiden fehlten da wohl gewisse Fähigkeiten – aber die braucht man ja auch nicht, wenns darum geht, Juden totzuschlagen.

Denn dieses Ziel verfolgt der große Tabellenkalkulator seit langem:

  • „Es gibt keinen Zweifel: Die neue (Anschlags-)Welle in Palästina wird dieses Stigma im Antlitz der islamischen Welt ausradieren“
  • Jeder, der Israel anerkennt, wird im Zornesfeuer der islamischen Nation verbrennen
  • Wie der Imam sagte, muß Israel von der Landkarte getilgt werden.
  • Vor Beginn seiner Rede erklärte Ahmadinejad den Zuhörern, dass sie die Parole ´Tod Israel´ richtig und vollständig ausrufen sollten.
  • Ich hoffe, dass die Palästinenser weiterhin so überlegt und klug vorgehen, wie sie es in ihren Kämpfen in den letzten 10 Jahren unter Beweis gestellt haben. Diese Phase wird nicht lange dauern und wenn wir sie erfolgreich hinter uns gebracht haben, wird die Eliminierung des zionistischen Regimes glatt und einfach sein.
  • Oh ihr Lieben, schaut auf die Welt. Mit wem haben wir es zu tun? Wir müssen uns die Niedrigkeit unseres Feindes bewusst machen, damit sich unser heiliger Hass wie eine Welle immer weiter ausbreitet.

[3], [4]

Es sind diese Worte gewesen, die den ehemaligen Zentralratspräsidenten Spiegel veranlassten, im ZDF vor dem iranischen Bauingenieur zu warnen: „Die Äußerungen dieses Mannes vor einigen Wochen und jetzt auch gestern sind das Schlimmste, was ich in dieser Hinsicht von einem Staatsmann gehört habe seit Adolf Hitler.“


Dass eine Atomwaffe in den Händen dieses Mannes zu einem zweiten, dann aber endgültigen Holocaust werden könnte, befürchtet daher auch der israelische Historiker Benny Morris in einem Interview mit der WELT:


Und doch: Der zweite Holocaust wird in dem Sinne anders sein, dass Ahmadinedschad jene, die er sich so sehr tot wünscht, nicht wirklich sehen oder anfassen kann. Es wird keine Szenen wie die folgende geben, die sich in Bolechow in Polen im September 1942 zutrug (beschrieben wird sie in Daniel Mendelsohns jüngst erschienenem Buch „Die Verlorenen“):


„Eine schreckliche Episode ereignete sich mit Frau Grynberg. Die Ukrainer und Deutschen, die in ihr Haus eingebrochen waren, fanden sie vor, als sie gerade gebar. Die Tränen und Bitten der Anwesenden halfen nicht, und sie wurde im Nachthemd aus ihrem Haus auf den Platz vor dem Rathaus gezerrt. Von dort wurde sie auf einen Schuttabladeplatz im Inneren des Rathauses gezogen, und um sie herum stand eine Menge von Ukrainern, die Witze machten und sie verhöhnten, während sie die Schmerzen der Geburt verfolgten, und so gebar sie ein Kind. Das Kind wurde sofort aus ihren Armen gerissen – zusammen mit seiner Nabelschnur – und in die Luft geworfen. Es wurde von der Menge zertrampelt, und man stellte sie auf die Füße, während das Blut aus ihr herausströmte und blutige Teile aus ihr heraushingen, und so stand sie ein paar Stunden lang an der Mauer des Rathauses. Danach ging sie mit all den anderen zum Bahnhof, wo sie in einen Waggon im Zug nach Belzec geladen wurde.“

Im nächsten Holocaust wird es keine solch herzzerreißenden Szenen geben, wo Täter und Opfer von Blut besudelt sind.
Aber es wird trotzdem ein Holocaust sein.

[1] Ynet am 03.09.2007
[2] http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,504864,00.html
[3] 26.10.2005: FAZ
[4] 02.11.2005 MEMRI
[5] Henry Picker: Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier, S.69

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