Kaufhof: Mahnwache gegen Israel-Tage


Man glaubt es kaum: aber es gibt noch Deutsche, die gerne bei Juden kaufen. Denn warum sonst sollte die Kaufhof-Galeria mit einem beispiellosen Werbeaufwand (Bild links aus dem Kaufhof-Prospekt [3]) eine Israel-Woche veranstalten? Es gibt anscheinend eine ganze Menge deutscher Kunden, die bereit sind, ihr Geld für israelische Lebensmittel auszugeben. Der Markt ist da, die Konkurrenz auch, und was liegt da näher, als mal ordentlich auf die Werbepauke zu hauen?

„Dieser Merlot bietet das volle Fruchtprogramm von dunkler Himbeere bis Cassis. Seine Eichenfassnoten korrespondieren schön mit den Aromen von mediterranen Kräutern. Ein ordentlich strukturierter Muskelprotz, der sich hervorragend zu dunklem Fleisch, Wild, Geflügel und Rohmilchkäse macht.“

Und woher kommt der „Muskelprotz“? Von den Golanhöhen in Israel. Und wo bekommen wir einen Schluck davon? Beim Kaufhof. In Deutschland. Ja, es ist für Israel-Freunde Zeit, ein paar Kaufhof-Aktien zu ordern: denn Kaufhof bietet in der Zeit vom 14.-25. August 2007 in insgesamt 27 Filialen israelische Waren an. Und der Kaufhof begleitet diese Aktion mit einem aufwendigen Marketing:
Kaufhof hat eine 16-seitige Sonderausgabe zur israelischen Woche in einer Auflage von 750.000 Stück drucken lassen, die in den Filialen ausgehändigt wird. In folgenden Kaufhof-Filialen werden am 16., 17. und 18. August Produkte kostenlos zum Probieren angeboten:

  • Berlin, Alexanderplatz
  • Hannover
  • Köln, Hohestrasse
  • Düsseldorf, Königsallee
  • Frankfurt
  • Stuttgart
  • Leipzig
  • München, Marienplatz

Natürlich hat auch die andere Seite spitz gekriegt, was läuft. Kauft nicht bei Juden haben immer noch viele Leute im Sinn, wenn Sie zu einer Mahnwache/Protestaktion Samstag, 18.08.07, 12:00 Uhr am Berlin-Alexanderplatz, vor Galeria Kaufhof aufrufen [7].

Erhard Ahrendts Portal für Frührentner und arbeitslose Antisemiten, die sich die Zeit mit der Suche nach immer neuen Greuelmärchen über Juden in Israel vertreiben, kündigte die Mahnwache bereits Tage vorher bombastisch an.
Es kam allerdings nur ein winziges Häuflein genußfeindlicher Menschen, die mit griesgrämigen Gesichtern gegen die Einnahme von völkerrechtswidrig hergestellten Speisen demonstrierten. Zum Glück war Henryk Broder mit seiner Digicam zur Stelle, um ein paar Schnappschüsse der Demonstranten zu machen.
Laut Haaretz war immerhin Ruth Fruchtmann bei den 12 Demonstranten, die als Mitglied der »European Jews for a Just Peace« schon öfters durch markige Sprüche für die notleidenden Palästinenser aufgefallen ist, so zum Beipiel, als sie öffentlich auf das »Rückkehrrecht« verzichtete:

Ich habe nie dort gelebt; die vertriebenen Palästinenser dagegen werden gehindert, dahin zurückzukehren, wo sie geboren sind.

Frau Fruchtman ist wahrscheinlich nicht bewußt, wie fruchtbar die Bevölkerung in islamischen Ländern ist, denn sonst wäre ihr wohl aufgefallen, dass die meisten Palästinenser gar nicht dort geboren sind, wohin sie nach Meinung von Fruchtmann zurückkehren sollten. So gesehen möchte sie also die Mehrheit der Palästinenser vertreiben und befindet sich damit in einem Boot mit gewissen ultra-rechten Israelis, die dieselben Palästinenser ebenso vertreiben wollen, nur in die andere Richtung.
Laut Haaretz sagte Frau Fruchtmann in Berlin:

Wir ermutigen die Deutschen, an der israelischen Besetzung mehr Kritik zu üben. Diese Kritik ist für sie immer noch schwierig,
weil sie jedesmal, wenn sie Israel kritisieren, mit dem Vorwurf des Antisemitismus konfrontiert werden.

Doch glücklicherweise gibt es ausser „Kritikern“ Israels, deren letzte Gehirnzelle sich augenscheinlich bei manchem vor lauter Einsamkeit aufgehängt hat, auch solche Menschen, bei denen Gehirn und Geschmacksnerven noch intakt sind: dazu zählten die Israelfähnchen schwingenden jungen Leute, die sich über die angebotenen Köstlichkeiten am Kaufhof-Stand hermachten. Und davon gab es jede Menge, wie man an den Fotos sehen kann:


Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte:

Israel Trade Center
Botschaft des Staates Israel
030 / 2064 490
berlin@israeltradecenter.de
http://www.israeltradecenter.de

[1] http://www.solutix.de/content/view/777/62/
[2] jewish Community (deutsch)
[3]Prospekt der Galeria Kaufhof
[4]Israelische Woche für Lebensmittel bei Kaufhof 14.-25.08.2007 (termine)
[5]Israel-Woche bei Kaufhof (hagalil)
[6]Prospekt der Kaufhof AG
[7] Sog. Mahnwache gegen israelische Produkte
24.08.2007, DIE WELT: Kaufhausprospekt rechnet Golanhöhen zu Israel

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