Warum der Golan mehr israelisch als syrisch ist


Ein Gläschen Yarden-Wein auf den israelischen Golan…. so lautete der Titel eines Taschenbuches des bekennenden Kommunisten Karl Selent im Jahre 2003, das bei Amazon von zwei Rezensenten total verrissen und immerhin von einem gelobt wird. Warum aber beginnt ein Absolvent der FDJ-Hochschule in Berlin, der sich in seinem Buch vehement für Israel einsetzt, sein Werk mit einem Hinweis auf einen Golan-Wein? Nun, vielleicht ist Selent ja auch nur ein Geniesser und möchte das „trockene“ Thema Anti-Israelismus/Antisemitismus dem Leser mit diesem Einstieg schmackhafter machen…

Was heißt „Yarden“? „Yarden“ ist das hebräische Wort für den Jordan und die Yarden-Weine zählen zu den drei großen Weinsorten des Golan: „Yarden“, „Gamla“ und „Golan“.
400 bis 1200 Meter hoch liegen die Weinberge in der kältesten Region Israels, wo es im Winter schneit und im Sommer hunderttausende von Touristen die Berge, die Fluten des Jordan und die gewaltigen Windmühlen bewundern, die die 18000 jüdischen und 17000 drusischen Siedler mit Strom versorgen.

(Links eine Karte mit den Siedlungen, klicken Sie auf die Karte, um eine größere Version zu sehen, Urheber der Karte: „Hoheit“ aus de.wikipedia.org). Es ist erstaunlich, was die Siedler auf diesem winzigen Stückchen Erde von gerade mal 1158 Quadratkilometern aus dem Land herausholen [11] :

  • 50% des in Israel verbrauchten Mineralwassers kommen vom Golan,
  • 38% des israelischen Wein-Exports,
  • 30% der Äpfel auf Israels Märkten,
  • 50% der Kirschen,
  • 32% der Mangofrüchte.

Und trotzdem exportiert der Golan wertmäßig fast doppelt so viele Industriegüter wie landwirtschaftliche Erzeugnisse. Denn neben der Herstellung und dem Export von Wein, Äpfeln, Milch und Wasser arbeiten hier noch rund tausend Angestellte in etlichen Industriefirmen, deren Branchen von der Metallverarbeitung über die Elektroindustrie bis zur Softwareherstellung reichen.

Neben landwirtschaftlichen und industriellen Erzeugnissen produziert der Golan aber vor allem eines für Israel: nämlich Sicherheit an der Grenze zu Syrien. Dies liegt u.a. an den günstigen topographischen Gegebenheiten dieser Landschaft: im Süden bilden die Flüsse Jarmud und Rokad eine natürliche Panzerabwehr, die Gebirgszüge im Osten mit wenigen begehbaren Pässen bis zum Hermonberg im Norden verhindern auch dort einen Durchbruch der Syrer in die Golan-Ebene.

Mehr noch: der Golan wirkt durch seine Nähe zur syrischen Hauptstadt Damaskus (60 Km) abschreckend auf jede potentielle Agression der Syrer. Ein Blick auf die Landkarte zeigt, dass die Syrer ihre Hauptstadt besser ein paar hundert Kilometer weiter in den Osten verlegen sollten – sofern sie immer noch den Traum von der Vernichtung Israels durch arabisches Militär träumen.

Doch so wie der Golan 20 Jahre lang – von 1948 bis 1967 – als Abschussrampe syrischer Geschosse auf israelische Grenzdörfer gedient hat, könnte er in der Hand der Israelis potentiell auch als Startbasis für israelische F-16/F-15 dienen, die wesentlich schneller in Damaskus als im Iran wären. Dies ist einer der Gründe dafür, dass die führende Schicht in der syrischen Diktatur (die Alawiten) ihre Agressionen lieber gegen die eigenen Untertanen (die Sunniten) im Lande richtet als gegen die verhassten Juden – und der Golan bleibt damit die sicherste Grenze von Israel.

Die Golanhöhen haben neben ihrer wechselvollen Geschichte viel Natur zu bieten. Da ist z.B.
der höchste Berg Israels, der Hermon-Berg (2224 Meter ü.M.), auf dem die zwei wichtigsten Zuflüsse des Jordan, der Dan und der Banyas, entspringen. Beide Flüsse sind seit dem Sechs-Tage-Krieg vollständig unter israelischer Kontrolle.

Und da sind die 14 verschiedenen Naturschutzgebiete, -Reservate und -Parks [15], die 246 Quadratkilometer des gesamten Gebietes umfassen, also etwa 21%. Solche Sehenswürdigkeiten ziehen natürlich auch Touristen an, und so ist es kein Wunder, dass mehr als 2 Millionen Touristen jährlich die Golanhöhen besuchen, Tendenz steigend. Neben Industrie und Landwirtschaft ist daher der Tourismus zu einer wichtigen Einnahmequelle der Bewohner des Golan geworden.

Dass die Syrer auf den Golan scharf sind, dürfte nach diesen Beschreibungen klar sein: allzugern würde man sich in Damaskus die in den vergangenen 40 Jahren entwickelte Industrie, Landwirtschaft und vor allem die Wasserreserven unter den Nagel reißen, um alsdann das Land wieder zu dem zu machen, was es während der Zeit zwischen 1948 und 1967 gewesen war: eine Abschussplatform für syrische Granaten und Raketen, die den jüdischen Siedlern am See Genezareth das Leben genauso angenehm gestalten würden wie den Bewohnern der südisraelischen Stadt Sderot, die seit Jahrzehnten aus dem nahegelegenen Gazastreifen beschossen werden.

Israel wird niemals 30% seiner Wasserreserven gegen einen „Friedensvertrag“ eintauschen, denn Wasser ist im Ernstfall wichtiger als Öl: der Sinai mit seinen von den Israelis entdeckten Ölquellen konnte noch an Ägypten zurückgegeben werden. Der Golan mit seinen Wasserresserven ist aber inzwischen unverzichtbar geworden, und das Argument „Wir unterzeichnen Friedensvertrag und ihr gebt uns den Golan“ erweist sich immer wieder als purer Nonsense.

Noch im Januar 2007 hatte die israelische Zeitung „Haaretz“ über Geheimgespräche zwischen Syrien und Israel berichtet, die schon relativ weit gediehen seien. Clemens Wergin ([7]) berichtete darüber:

Am interessantesten an dem Papier sind einige kreative Lösungen: Israel zieht sich vom ganzen Golan zurück, weite Teile sollen Naturpark werden, zu dem Israelis weiter ungehindert Zutritt haben sollen und auch die Wasserquellen sollen unter israelischer Kontrolle bleiben. Pikant ist der Zeitpunkt der Veröffentlichung. So konnte man in den letzten Wochen in Jerusalem größere Bereitschaft für Verhandlungen ausmachen, während Washington offenbar weiter auf Isolierung des syrischen Regimes setzt. Auf die Frage: Wie weiter mit Syrien? liefert das Papier denn auch erstaunliche Antworten, weil es eine Art Paketlösung enthält, mit deren Hilfe Syrien vom Schurkenstaat zum kooperativen Partner mutieren soll. Glaubt man der „Haaretz“, so war Syrien bereit, die Unterstützung für Hamas einzustellen, seine Bindung an den Iran zu lockern, im Irak zur Versöhnung beizutragen und die Transformation der Hisbollah von einer Terrororganisation zu einer normalen libanesischen Partei zu befördern.

Wer sich diese Liste von angeblichen Zugeständnissen ansieht, wird verstehen, warum man solchen sog. „Geheimpapieren“ misstrauen sollte: nicht einen einzigen Teil dieser Liste von Zugeständnissen hätten die Syrer, selbst wenn sie es gewollt hätten, jemals realisieren können. Alle immer wieder in der israelischen oder europäischen Presse erwähnten sog. „Geheimpapiere“, „geheime Kontakte“ oder „geheime Vermittlungen durch dritte Länder“ gehen von grotesken Zugeständnissen beider Seiten aus, auch der letzte vom 08.06.2007 ([1], [2]).
Der Golan bleibt israelisch – so wie das Elsass auch französisch bleiben wird.

Dieser Meinung ist auch der israelische Autor Nadav Shragai, der am 17.06.2007 in der Zeitung Haaretz folgendes zum Thema Golan schrieb:

Es ist beinahe schon politisch inkorrekt, ja ketzerisch, heutzutage zu behaupten, dass der Golan weder wirklich syrisch noch ein Pfand oder eine Trumpfkarte bei Verhandlungen ist. Doch es ist Zeit, dies jenen israelischen Politikern zu sagen, die versuchen, das Bewusstsein der Öffentlichkeit in diesem Punkt zu trüben.

Der Golan ist weitaus mehr „israelisch“ als „syrisch“. Er ist seit 40 Jahren israelisch. Somit ist er doppelt so lang in israelischer Hand wie er jemals in syrischer Hand war. Seit 26 Jahren steht er unter israelischer Souveränität. Der Golan hat weder eine ausländische Bevölkerung noch ein demographisches Problem. Er ist Teil des israelischen Lebens. Er ist das  am meisten besuchte Gebiet des Landes, übersät mit Dutzenden von jüdischen Gemeinden, landwirtschaftlichen Nutzflächen, Industriegebieten, Touristenzentren, Naturreservaten und unberührten Landschaften.

Die israelischen Wurzeln, die dort wuchsen, sind kein Klischee mehr. Zumindest im Laufe der letzten beiden Generationen – wenn nicht länger – hat sich der Golan als untrennbarer Teil unseres Staates in unserem Bewusstsein verankert. Er ist nicht nur Teil der nationalen Heimstätte. Die meisten von uns betrachten seine Landschaften und selbst seine Produkte als Teile unseres israelischen Wesens, ob wir nun über das Mineralwasser „Eden“ sprechen, über die Golanweine, über Unterkünfte („Zimmerim“), die Übernachtung und Frühstück anbieten oder über Ausflüge von Schulen und Jugendbewegungen. Man braucht keine Umfrage um zu wissen, dass die israelische Öffentlichkeit mit dem Golan verbunden ist, ihn liebt und auf Grund gesunder Intuition fühlt, dass er ein Teil von ihr ist.

Wer auch immer darüber spricht, den Golan an Syrien „zurückzugeben“, führt in die Irre. Der Golan war in Folge des Kolonialabkommens, das die Region teilte, unter französisches Mandat gestellt.
Syrien erlangte seine Unabhängigkeit erst im Jahr 1946. Während der kurzen Zeit, in der Syrien den Golan – 0,5% seines Staatsgebietes – innehatte, hat es dieses Gebiet in eine Abschussrampe verwandelt und versucht, von hier aus Israel zu erobern und zu vernichten. Die syrische Armee bombardierte die israelischen Gemeinden entlang der Grenze, attackierte Fischer am See Genezareth, versuchte, den Wasserlauf umzuleiten und machte das Leben dort zu einer Hölle wie sie heutzutage in Sderot existiert. Der Golan wurde von Israel in einem gerechtfertigten Verteidigungskrieg erobert. Wir haben für ihn mit Blut bezahlt. Die Syrer haben ihn ganz klar verloren.
Auch in früheren Zeiten wurde der Golan nicht als Teil von Syrien betrachtet. Er ist voller Fundstücke jüdischen Heldentums und jüdischer Souveränität, beginnend mit der Herrschaft Salomos über die Periode des zweiten Tempels, den heldenhaften Kampf der Stadt Gamla bis hin zur talmudischen Periode. Der Golan war kein fremdes Land, das erobert wurde. Unsere Verbindungen zum Golan sind älter als die heutigen Gründe der militärischen Sicherheit oder die Notwendigkeit, den Wasserzulauf für Israel zu bewachen, oder andere gute Argumente.


Wer nun die ultimative syrische Forderung nach einem vollständigen israelischen Rückzug aus dem Golan und der Evakuierung jeder einzelnen Gemeinde wie einen himmlischen Erlass behandelt, ist irregeführt und irreführend. Die „Preisschild“-Konvention muss zerschmettert werden. Die Herangehensweise muss sich von Grund auf anders gestalten. Der Golan ist nicht syrisch. Er ist israelisch. Syrien kann eine Menge vom Frieden bekommen, doch nicht notwendigerweise Territorium. Israel steht einer seltenen Gelegenheit gegenüber, dies der Welt ohne Aufregung zu erklären. Denn Syrien ist inzwischen überall auf der Welt als Unterstützer des Terrors bekannt, als Teil der „Achse des Bösen“.

Es ist möglich, dass letzten Endes in ein oder zwei Generationen auch ein Kompromiss für den Golan gefunden werden wird, doch dieser wäre weitaus besser, wenn der Ansatzpunkt ein anderer wäre, d.h. wenn sich beide Parteien von Anfang an einig darin wären, dass der Golan einer Seite gehört.

Die Ergebnisse des zweiten Libanonkrieges haben den Appetit Syriens vergrößert und es dazu geführt, mit einem Krieg gegen Israel zu drohen, wenn Israel den Golan nicht an Syrien übergeben würde. Neben der Abschreckung, von der der designierte Verteidigungsminister Ehud Barak spricht, ist dies genau der richtige Zeitpunkt, die Geschichte Israels auf den Golanhöhen zu erzählen.

(Ha’aretz, 17.06.07)


[1] 08.06.2007: Focus: Israel bietet Rückzug vom Golan an
[2] 08.06.2007: (KSTA)Israel bietet Rückzug vom Golan an
[3] Österreichs Heer auf dem Golan
[4] Österreich auf dem Golan (2)
[5] 1.06.2007:Soldaten auf den Golan verabschiedet
[6] 16.06.2007: Syrischer Oppositioneller warnt Israel vor Rückgabe des Golan an Assad
[7] 17.01.2007: Die Höhen und Tiefen des Golan, von Clemens Wergin
[8] Frühling im Golan
[9] Homepage des Golan
[10] 03.02.2007: Warum Drusen und Araber im Golan Abzug der Israelis fürchten
[11] Golan in Zahlen
[12] Informationen über den Golan auf Deutsch
[13] Golan Weine
[14] Naturreservate auf dem Golan
[15] Reservate, Parks auf dem Golan

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