Sylke Tempel im Bonner Haus der Geschichte über „Israel 2007“

Am 14.Juni 2007 lud die Arbeitsgemeinschaft Bonn der Deutsch-Israelischen Gesellschaft im Haus der Geschichte Bonn zu einem Vortrag der Berliner Historikerin Sylke Tempel (Thema: „Israel 2007“) ein.
Die Publizistin und Dozentin an der Berliner Dependence der Stanford University hat Bücher über Sklaven und Freie im Alten Rom, den Israel-Palästina-Konflikt und die Globalisierung veröffentlicht – ein breiter Mix von Themen, die zum teil hochgradig kontrovers in der Öffentlichkeit diskutiert werden.


Die promovierte Historikerin Tempel (links im Foto letztes Jahr bei der Berliner DIG) besitzt die Eigenschaft, ein so schwieriges Thema wie die Frage, was aus Israel und Palästina nach 40 Jahren „Besatzung“ in diesem Jahr wird,mit einfachen, klaren Sätzen zu beschreiben, ohne in den Zunftjargon der Geheimsprachen vieler Geisteswissenschaftler zu verfallen. Es war also rundherum ein Genuß ihr zuzuhören, besonders dann, wenn man von kleinen Anekdoten über gewisse israelische Politiker hörte – wie etwa Ehud Barak, der anscheinend im ersten Libanonkrieg einmal als Frau verkleidet einen Einsatz zu absolvieren hatte. Da schmunzelten die Zuhörer.
Weniger lustig waren aber Frau Tempels Warnungen vor dem Iran, an dessen Spitze sie einen Verrückten sieht, der im Falle eines Falles die Atombombe auch einsetzen würde – gegen wen, dürfte klar sein. Von allen nahöstlichen arabaischen Staaten, so Tempel, sieht sie aber auch im Iran am ehesten das Potential für eine Wende, gebe es doch dort eine breite gebildete Schichte von Menschen, die sich nichts sehnlicher wünschen als das Ende das Mullah-Regimes.

Den Einfluß der Teheraner Hardliner auf die Hamas sieht auch Sylke Tempel, besonders im Gazastreifen, allerdings gebe es in der Westbank seit über 10 Jahren keine echte politische Organisation hinter den vielen Terror- „Brigaden“ mit ihren klangvollen Namen: mafiöse Banden von Jugendlichen, die im Testosteron-Rausch ihre AK47 zur Einschüchterung der eigenen Bevölkerung schwingen. Dieses institutionenlose Chaos sei einer der Hauptgründe dafür, dass die Israelis sich so schwer tun, dort mit Verhandlungen etwas zu erreichen.

Frau Tempel berichtete weiter, dass die meisten Israelis in einer „Null-Bock“-Stimmung sind, was die Siedlungen betrifft. Sie wollen, dass die Siedlungen geräumt werden – nicht alle Siedlungen, aber schon die Masse. Was mit Jerusalem passieren soll, darüber werden allerdings nicht ein paar Tage Verhandlungen entscheiden, sondern dieses Thema sei so komplex, dass der jetzige Status noch lange andauern werde. Und auch alle anderen Probleme auf der Welt und im Nahen Osten werden ganz sicher nicht durch eine Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts gelöst – wie uns viele Politiker in Europa und besonders Deutschland ja immer wieder einreden wollen, auch z.B. der vormalige Aussenminister Joschka Fischer, der nach Tempels Meinung erst durch den miterlebten Selbstmordanschlag währends seines Besuches in Israel seine Meinung über Israel in vielen Punkten änderte.
Sylke Tempel, die sich während des Vortrags mehrfach als „Optimistin“ outete, brachte zum Schluss noch einen Hoffnungsschimmer ins Spiel: Statt der Achse Chirac/Schröder gebe es jetzt eine Achse Sarkozy/Merkel, und die werde mit Sicherheit die Interessen Israels besser berücksichtigen.

Wie bei allen Vorträgen dieser Art mit anschliessender Diskussion musste auch hier irgendwann Schluss sein, der durch den Vorsitzenden der Bonner DIG, Herrn Bartel, gekonnt mit einem Hinweis auf „allgemeine Menschenrechte“ eingeleitet wurde. Gemeint war das Recht auf Schlaf …

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