Türkischstämmige Nachrichtensprecherinnen im Fernsehen müssen Normalfall werden

„Das Problem ist die generalisierende Kritik am Islam“

Unter dieser Überschrift berichtet der Spiegel am 28.12.2006 über wachsende Vorurteile gegenüber Muslimen.
Dabei werden „neue Studien“ als Beweis herangezogen – darunter die Studie „Deutsche Zustände 2006“ des Bielefelder Soziologen Wilhelm Heitmeyer sowie ein Bericht der Beobachtungsstelle für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC), der Heitmeyers Studie angeblich „unterfüttert“.


Maria Böhmer forderte gestern in der „Süddeutschen Zeitung“ mehr Migrantenpräsenz im Fernsehen. Spiegel: Die türkischstämmige Nachrichtensprecherin müsste der Normalfall werden, die Medien stünden in der Pflicht, Reporter zu beschäftigen, die die Lebenswelt der Migranten kennen und erfassen, so die CDU-Politikerin.


Müssen wir also Eva Herrmann gegen eine verschleierte türkischstämmige Sprecherin austauschen, um auf die Gefühle unserer muslimischen Mitbürger Rücksicht zu nehmen?

Laut SPIEGEL wachsen in der deutschen Bevölkerung die Vorurteile gegenüber Muslimen,

wie neue Studien zeigen.

Dass die Bevölkerung dazu allen Grund hat, steht natürlich nicht in den „Studien“. Um welche Vorurteile es sich handelt, wird vom SPIEGEL auch nicht verraten – nur so viel: Vorurteile darf man gegenüber Israelis, Amerikanern und der Blair-Regierung haben, nicht aber gegenüber Muslimen. Denn Muslime sind immer Opfer, Betroffene, Leidtragende, Beleidigte. Und damit die armen Opfer endlich aus ihrer Opferrolle rauskommen, fordern unsere „Studien Experten die Verbesserung der sozialen Situation muslimischer Migranten“. Klar, denn reiche Muslime sind zufriedene, friedliche demokratische Mitbürger, wie man an dem Millionär Osama bin Laden und den 11/9 – Attentätern sehen kann.

Heitmeyers Studie zufolge meinen gut ein Viertel aller befragten Deutschen, Muslime sollten in Zukunft nicht mehr nach Deutschland zuwandern.

Hat man die Teilnehmer der Studie nach ihren Gründen für diese Meinung gefragt? Ist Heitmeyer mit seinem „Wissenschaftlerteam“ vielleicht mal am Frankfurter Hauptbahnhof im Türkenviertel spazierengegangen und hat sich gefragt, woher die vielen Moscheen dort kommen? Was hat das Erschiessen der eigenen Schwester als „Strafe“ für ihr „unmoralisches“ Benehmen mit der sozialen Situation des Bruders in einer türkischen Familie zutun?

Darf man als Nichtmuslim noch nicht einmal daran denken, dass solche Brutalitäten etwas mit der Tatsache des „Muslimseins“ zutun hat? Es scheint so, als wenn uns die „Experten“ solche Gedanken ausreden wollten.

Nach Meinung des SPIEGEL „unterfüttert“ die EU-Beobachtungsstelle für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC)mit ihrem Bericht die Heitmeyer-Studie:

Europas Muslime bekommen, wenn überhaupt, oft nur sehr schlecht bezahlte Jobs, wohnen häufig in ärmlichen Verhältnissen und haben kaum Chancen auf gute Bildung.

Nun ist es natürlich so, dass die Chancen auf eine gute Bildung ganz schlecht stehen, wenn die eigenen Eltern diese Bildung aus religiösen Gründen ablehnen – es sei denn man geht als Jugendlicher in sog. Koranschulen oder solche Schulen, wo man sicher ist, dass türkisch sprechende Lehrer und gutmenschliche Betroffenheitsfanatiker als Lehrer die Mehrheit stellen. Da aber auch das vielen Muslimen zu gefährlich erscheint, bleibt man eben aussen vor – es lebt sich ja nicht gar so schlecht von Sozialhilfe, solange die Ungläubigen so dumm sind,diese zu zahlen.

„Jeden Tag erfahren sie Diskriminierungen – unabhängig von ihren ethnischen Herkunft oder ihrer Einstellung zur Religion, so steht es in dem Bericht.

Ja, wenn die Experten das doch vor 65 Jahren schon mal im Falle der Juden in Deutschland gesagt hätten! Doch warum sollte man immer gleich so weit in die Vergangenheit zurückgehen? Wie steht es denn um die Diskriminierung jüdischer Mitbürger? Gibt es nicht einen wachsenden Antisemitismus in Deutschland, antisemitische Parolen grölende Fussballfans, geschändete Judenfriedhöfe, eine gigantische antisemitische deutsche Internetszene? Und wo sind die Studien zu dieser Entwicklung?


„Besonders pauschalisierend wird laut EUMC in Deutschland über Muslime gedacht. So glauben 70 Prozent der Deutschen, dass es „Probleme gibt, wenn man als gläubiger Muslim in einer modernen Gesellschaft lebt“.

Was ist an diesem Satz falsch? Anscheinend haben die Bearbeiter der Studie konsequent weggesehen, wenn es um die Frage geht, welchen Konflikten sich gläubige Muslime in einer demokratischen westlichen liberalen Welt gegenübersehen. Doch müssen Sätze nicht gleich deshalb richtig sein, wenn 70% der Deutschen an ihre Richtigkeit glauben. In diesem Falle wird den 70% Deutschen aber unterschwellig vorgeworfen, sie würden eine Minderheit bewußt ausgrenzen und sich über deren Probleme freuen. Wenn es sich bei dieser Minderheit um Muslime handelt, hebt natürlich auch der SPIEGEL seine warnende Hand – wenn es sich um Juden handelt, hebt er auch die Hand, aber nur noch 1/8 so hoch.


Aber nicht nur die Bevölkerung ist skeptisch gegenüber Muslimen – auch von Seiten des Staates würden Verdächtigungspolitik betrieben. Wie der Migrationsreport des Rats für Migration sieht auch die EUMC die Gefahr, dass Integrationspolitik sich immer mehr von sicherheitspolitischen Abwägungen abhängig macht als von der Förderung von Gleichheit.

Es gibt eben keine „Gleichheit“. Denn Gleichheit muss ja immer erst genau definiert werden. Auf welchem Gebiet soll Gleichheit herrschen? Frauenrechte? Wahlrechte? Grundrechte – zu denen die eben erwähnten Rechte ja schon gehören? Sollen alle Männer das gleiche Recht haben ihre Frauen zu schlagen wie Muslime? Sollen alle Frauen auch unbedingt das Recht haben, komplett verschleiert am Arbeitsplatz zu erscheinen? Oder erst gar nicht, da man als islamistische Frau zu Hause eingesperrt sitzt und somit die Arbeit verboten ist?


Sind Muslime in Deutschland tatsächlich radikaler als anderswo? Geben sich beide Seiten weniger Mühe gut miteinander klar zu kommen und Fremdheiten zu überwinden?
Armin Laschet, Integrationsminister in NRW, erklärt sich die Ergebnisse der Studien auch damit, dass „die Erkenntnis, dass der Islam Teil der deutschen Gesellschaft ist, bei vielen erst in diesem Jahr kam“. Jahrelang seien Realitäten verdrängt worden, sagte er zu SPIEGEL ONLINE.

DER ISLAM ist noch lange kein Teil der deutschen Gesellschaft. Dies ist eher ein Wunschtraum der SPIEGEL-Redakteure und des Innenministers Schäuble. Natürlich stellt sich die Frage, warum der Integrationsminister in NRW, Armin Laschet, behauptet, dass aussgerechnet in diesem Jahr 2006 „bei vielen die Erkenntnis kam, dass der Islam Teil der deutschen Gesellschaft ist“. Aber das ist eher ein statistischer Faux-pas eines Politikers: der greift sich irgendeine Aussage raus und behauptet dann, dass „ausgerechnet in diesem Jahr 2006 diese Aussage zutrifft“. Und da wir grad 2006 haben, sind wir alle beeindruckt.


Der Islam werde noch als fremd wahrgenommen – und das habe auch mit den muslimischen Vertretern zu tun.

„Noch“ ist das so, es kann ja noch anders kommen!


„Wenn alle Imame gut Deutsch sprechen könnten, würde auch der Islam anders wahrgenommen“, glaubt Laschet.

Tja, wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wäre.Doch gesetzt den Fall, dass alle Imame wirklich perfekt deutsch sprechen könnten, so könnten wir nur folgendes feststellen: die Zahl der Hassprediger würde gewaltig zunehmen, weil nun auch alle diejenigen ihren Hass gegen die Ungläubigen verständlich machen könnten, die wir bisher nicht verstehen konnten, weil sie türkisch oder arabisch predigten.
Laschet will uns wie Linke, Liberale und andere Gutmenschen weismachen, dass wir es seien, die besser verstehen müssen, was die anderen wollen. Dabei ist es genau umgekehrt: eingewanderte und die vielen schon seit Generationen hier wohnenden Muslime sollten Deutsch lernen, um in dieser Sprache zu sprechen und vor allem zuzuhören. Sie sollten zuhören und verstehen, wenn wir uns bei Muslimen über massive Unterdrückung der Frauen, deren Zwangsverheiratung und Ermordung aus sog. Gründen der Ehre beklagen. Sie sollten es verstehen, wenn wir uns darüber aufregen, wenn in einer Hamburger Moschee Kindern manipulierte Filme gezeigt werden, die Israelis als Monster zeigen, und zum Kampf und zur Vernichtung dieser “Monster” aufgerufen wird. Und sie sollten uns zuhören und verstehen, wenn wir den Islam als eine menschenfeindliche Religion bezeichnen, weil es im Koran über 200 Stellen gibt, die dazu auffordern, sogenannte Ungläubige umzubringen oder zu attackieren.

Doch Laschet wird als Migrationbsbeauftragter so lange diesen Unsinn verzapfen, wie er in einer warmen Amtsstube sitzt und Statements für Fernsehen und Rundfunk vorbereitet. Zur Veränderung seiner Ansichten würde ihm ein halbjähriger Aufenthalt in Offenbach am Main reichen. Dort könnte er tagsüber in einer der Moscheen der Stadt die deutschsprechenden Imame bewundern und nachts im privaten Türken-Ortskanal per Fernsehen lernen, was in Sure soundsoviel des Koran steht.

Er sehe das Problem, dass viele Muslime in Deutschland nicht genug Deutsch können, um ihre Religion auf hohem Niveau zu erklären. Und wenn dann gerade Prediger wie der Islamist Hassan Dabbagh als muslimischer Vertreter zu Sabine Christiansen eingeladen würden, präge das das Bild des Islam. Eine Entwicklung, an der auch die Mediengesellschaft nicht ganz unschuldig sei, so Laschet.

Laschet scheint der Meinung zu sein, dass Sabine Christiansens Quote bei 70% liegt, wovon
die Christiansen träumen mag, was aber ihre Sendung kein Prozent besser machen würde.
Ausserdem wünscht sich Laschet, um es deutlicher zu sagen, mehr gut deutsch sprechende Muslime (jetzt auf einmal nicht mehr nur Imame, sondern sogar allgemein „Muslime“!), damit wir Deutschen endlich den Islam besser verstehen. Der Mann ist wirklich neben der Kappe. Denn erst umgekehrt wird ein Schuh draus: Imame und Muslime sollen deshalb besser Deutsch verstehen, weil sie dann besser unser westlich-demokratisches Weltbild verstehen könnten. Sie sollten lernen, warum wir ein Grundgesetz haben, wozu Demokratie gut sein kann, sie sollten lernen und verstehen, warum Frauen auch Menschen sind, die wählen, arbeiten, Musik machen, Auto fahren und all das auch machen dürfen, was Männer machen.


Unterdessen, so der CDU-Politiker, würden oft soziale Fragen mit religiösen Fragen vermischt.
Wenn von Problemen in einem sozial schwachen Viertel, in dem viele Migranten leben die Rede ist, habe das erst einmal nicht mit dem Islam zu tun.

„Erst einmal“…eine wirklich überzeugende Argumentation. Der Herr Migrationsbeauftragte bleibt uns die Begründung für sein Postulat schuldig.


„Es muss und darf immer Kritik an Kulturen geübt werden“

Der Bielefelder Soziologe Wilhelm Heitmeyer, der die Studie „Deutsche Zustände“ erstellt hat, spricht von Desintegrationstendenzen auf beiden Seiten – bei den Muslimen und bei der „deutschen Mehrheitsgesellschaft“. Zu SPIEGEL ONLINE sagt er: „Es muss und darf immer Kritik an Kulturen geübt werden“. Das Problem sei jedoch die generalisierende Kritik am Islam in Deutschland.

Nicht die generalisierende Kritik des Islam und der Muslime an der westlichen Welt, am Christentum. Das ist bei Heitmeyer nicht das Problem – so behauptet es zumindest der SPIEGEL. Das Problem sind mal wieder wir, die wir so intolerant gegenüber dem Islam sind. Wir, die wir keinen Respekt vor anderen Religionen haben, wir, die wir unsere Kirchen wenigstens teilweise in Moscheen umwandeln sollten, wie es Günther Grass empfahl, als Ausgleich für die fürchterliche Benachteiligung der Muslime in unserem Land.


Und während viele pauschal über den Islam urteilen, werde „für viele Muslime die Religion immer wichtiger, denn sie ist der letzte Identitätsanker – vom Arbeitsmarkt sind sie oft ausgeschlossen, eine politische Stimme haben sie meist nicht“, so Heitmeyer.

Der Mann hat Talent im Verdrehen von Ursache und Wirkung. Wer vom Arbeitsmarkt oft ausgeschlossen ist, eine politische Stimme nicht hat, für den wird die Religion immer wichtiger? Eine generell richtige Regel? Wo bleibt der Beweis? Oder braucht es deshalb keine Beweise für Heitmeyers Aussagen, weil sie als Stereotype linker, gutmenschlicher Aussagen vom ebenso denkenden Leser schon als „abgehakt“ gelten?


Es bestehe die Gefahr, dass selbstkritische Stimmen aus der islamischen Community nicht mehr laut werden könnten, „weil man es sich nicht leisten kann, die Religion als letzte Quelle der Anerkennung zu beschädigen. Die liberalen Stimmen also, die wir fordern, drohen dann leiser zu werden.“

Und damit sie lauter werden, brauchen die Imame mehr Deutsch-Unterricht. Den natürlich wir als Steuerzahler gerne bezahlen. Ist doch ein gutes Werk!


Beate Winkler, Direktorin des EUMC, die den jüngsten Bericht über die Diskriminierung von Muslimen in Europa erstellt hat, fordert mehr Anstrengungen der Politik und Medien, um die Situation für in Deutschland lebende Muslime zu verbessern. „Menschen erleben soziale Ausgrenzung und machen Migranten dafür verantwortlich. Der elfte September war ein Meilenstein – seitdem fühlen sich viele Muslime unter einem Generalverdacht und haben das Gefühl, sie müssten beweisen, dass sie keine Terroristen sind.“ Der Islam dürfte deshalb nicht nur in Problemzusammenhängen thematisiert werden, so Winkler zu SPIEGEL ONLINE.

Eben. Aber in welchen anderen Zusammenhängen man den „Islam thematisieren“ könne, bleibt mir schleierhaft. Was interessiert mich schon Sure soundsoviel, wenn darin behauptet wird, dass der Prophet dies und das gesagt hat?
Was interessiert mich die Frage, ob Affen, Papageien oder linksradikale Waldkäfer besser als Tiere, als Juden oder als Propheten einer schönen neuen Welt anzusehen sind?
Nichts interessiert mich daran. Aber wenn mir einer begegnet und die Pistole auf die Brust setzt und sagt: „Du musst jetzt umdenken, Allah kann dich retten“, dann werde ich mich u.U. über alle Vortureile hinwegsetzen und diesen Idioten meiner Geheimpolizei übergeben.

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