Gender Mainstreaming (4): nachhaltige (Bio)EnergieDörfer

Dieser streng dreinblickende junge Herr hat mit dem nachfolgenden Artikel eigentlich nichts zu tun, aber eines ist ihm anzumerken: es ist ihm so ziemlich egal, ob er zuerst von Karin oder von Georg eine Flasche bekommt. Hauptsache die Flasche ist voll.

Wie ich darauf gekommen bin? Nun, zuerst habe ich eine Mail von Henrik Manthey und Bertold Meyer von der Akademie für Nachhaltige Entwicklung aus Mecklenburg-Vorpommern gelesen. Ich weiß zwar nicht, woher die Herren meine Adresse haben, aber bisher stören mich deren E-Mails auch nicht, da sie höchstens einmal pro Woche in meinem Breifkasten landen.

Diesmal habe ich mir die Mail aber etwas genauer angesehen. Es wird darin zu einer Veranstaltung in Neustrelitz eingeladen. Im Einladungstext steht u.a.:

Güstrow/Neustrelitz/Bollewick, 26. Oktober 2012

Sehr geehrte Landtags- und Bürgerschaftsabgeordnete,
sehr geehrte Mitglieder der Kreistage sowie Stadt- und Gemeindevertreter,
sehr geehrte Landrätinnen und Landräte, Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeister, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister,
sehr geehrte Landwirte und am Thema interessierte Bürger,

Liebe Mitstreiterinnen und Weggefährten,
………

Unter dem Slogan „Dahin weht der Wind! Energiewende durch kommunale und Bürger-Beteiligungsmodelle“ möchten wir im neu eröffneten Landeszentrum für erneuerbare Energien in Neustrelitz mit den anwesenden Bürgermeistern, Gemeindevertretern, Amtsmitarbeitern und am Prozess beteiligten Akteuren die zentralen Qualitätskriterien der (Bio)EnergieDörfer in Mecklenburg-Vorpommern diskutieren und weiterentwickeln.

Schön geschrieben, aber , lieber Henrik Manthe und lieber Bertold Meyer, das wird die Gleichstellungsbeauftragte eurer Akademie für Nachhaltige Entwicklung nicht so gerne lesen. Denn einerseits schreibt ihr von

  • Landrätinnen und Landräten,
  • Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeistern,
  • Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern,

andererseits aber nur von “am Thema interessierten Bürgern” sowie “Stadt- und Gemeindevertretern”. Auch haltet Ihr es nicht für notwendig, bei den ” Landwirten und am Thema interessierte Bürgern” die Landwirtinnen und Bürgerinnen zu erwähnen, und in eurem Slogan schließlich werden “Bürgermeisterinnen, Gemeindevertreterinnen, Amtsmitarbeiterinnen und am Prozess beteiligte Akteurinnen” vollständig ausgegrenzt.

So geht es auf jeden Fall nicht. Da ist nicht viel von Nachhaltigkeit zu spüren. Vielleicht hat aber auch die Gleichstellungsbeauftragte Mitleid mit euch, weil ihr als wissenschaftlicher Mitarbeiter und “Coaching (Bio)EnergieDörfer MV” schwer überlastet seid, da kann man ja nicht für jede klitzekleine sprachfeministische Spitzfindigkeit in jedem Schreiben und jeder E-Mail den richtigen Ausdruck finden. Also wird sie euch wahrscheinlich zur Entlastung eine neue Planstelle bewilligen.

Das könnte z.B. eine Beauftragte für die nachhaltige sprachliche Gleichstellung (BNSG) von Frauen und Männern in Eurer Akademie sein. Dann könntet Ihr Eure Texte einfach wie früher runterschreiben, sie danach der BNSG vorlegen und am nächsten Tag schon die korrigierte, sprachfeministisch korrekte Version abholen. Das wär was! In der Zwischenzeit könnt ihr direkt vor eurer Stadt am Zierker See baden gehen und euch dabei Gedanken darüber machen, wie man die Toiletten im neu eröffneten Landeszentrum für erneuerbare Energien in Neustrelitz geschlechterneutral gestalten könnte.

Aber ist das nicht alles viel zu viel Aufwand? Kostet das den Steuerzahler nicht verdammt viel Geld? Ja, diese Frage stellt ihr euch zu Recht. Denn wenn jede Akademie, jeder Verein, jede Arbeitsgemeinschaft mit einer BNSG ausgestattet wird, kostet das tatsächlich viel Geld. Nun könnte man denken, daß so eine kleine Planstelle für ein paar tausend Organisationen nicht viel kosten wird, zumal ja in den meisten Fällen die Organisationen gar keine staatlichen sind, also kein Steuerzahler dafür aufkommen müßte. Außerdem : wenn sich die Gesamtsumme aller Leistungen mit frauenpolitischem Bezug in NRW 2011 auf schlappe 57.544.420 (also 57 Millionen Euro) belief, dann würde das doch in einem Bundesland wie NRW der zuständigen Ministerin kaum Probleme machen, zumal in ihrem eigenen Ministerium im Jahre 2011 lediglich Sach- und Personalkosten in Höhe von rund 24 Millionen Euro anfielen. Da könnte man ein paar Planstellen für den feministischen Sprachwahnsinn immer noch unterbringen, ohne daß das groß auffiele.

Nun ja, das mag ja alles sein. Aber ich würde den Neustrelitzer Entwicklern von “Qualitätskriterien der (Bio)EnergieDörfer in Mecklenburg-Vorpommern” einen anderen Vorschlag machen: nehmt statt der BNSG einfach den Gleichstellungseditor des von der Universität des Saarlandes geförderten Projekts „Gendercheck“ [3]. Der unterstützt die Schreiber von beliebigen Texten bei der Formulierung geschlechtergerechter Texte. Ähnlich einem Rechtschreibprogramm werden Textstellen markiert, die den Richtlinien zur Vermeidung sexistischen Sprachgebrauchs nicht gerecht werden. [3] .

Damit könnte man Personalkosten einsparen, und statt die Zeit mit Baden im Zierker See zu vertrödeln könntet ihr stattdessen nachhaltige Ideen für neue, nachhaltige Energiekonzepte in euren nachhaltig angelegten (Bio)EnergieDörfern überlegen. Das ist ja das tolle an moderner, nachhaltig umwelt- und frauenfreundlicher Software: sie rationalisiert Arbeitsplätze weg, die man nicht braucht, kann in Schnittstellen von WORD, EXCEL und anderen anwender- und frauenfreundlichen Programmen eines bekannten Konzerns eingebaut werden und sorgt andererseits auch für neue Arbeitsplätze an Universitäten, wo GenderKompetenzZentren und Professorinnen für Theologie und Geschlechterstudien sich tiefschürfende Gedanken über “Gleichstellungspolitik als eine individuum-zentrierte oder gruppenorientierte Politik“ machen.

Und so könnte man Aufgaben wie die folgende (Die weibliche Personenbezeichnung soll der männlichen vorangestellt werden) in Zukunft getrost dem Gleichstellungseditor überlassen:

Solange Frauen und Männer nicht gleichwertig in Texten behandelt werden, stellen Sie Frauen an die erste Stelle, da die Reihenfolge in der Sprache meistens die Rangordnung angibt.

Beispiel: Georg und Karin haben sich zum Essen verabredet. => Karin und Georg haben sich zum Essen verabredet. [2]

[1] BMI, 2009: Sprachliche Gleichbehandlung von Frauen und Männern
[2] Frauensprache
[3] GenderCheck: Ein Projekt der Universität des Saarlandes

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2 Antworten zu Gender Mainstreaming (4): nachhaltige (Bio)EnergieDörfer

  1. Wolfgang Peters schreibt:

    “Daß aber auch Universitäten, statt sich sprachlicher Zwangsjacken zu ent-
    winden, wie es sich für Horte der Wissenschaft und freier Forschung ge-
    hört, sich in gemeiner Amoral ihrer politischen Korrektheit grätschend, di-
    rekt in ihre sprachwissenschaftlichen Fächer vergewaltigend eingreifen,
    muß einem vorkommen, als folgten sie Anweisungen der Reichsschrift-
    tumskammer des Zentralkomitees der EU. Viele Hochschulen und Univer-
    sitäten mit ihren unsäglichen geschlechtergerechten Leitfäden nötigen zu
    widersinnigen Gleichschaltungsregeln, indem sie sich anmaßen, sprachli-
    che Ausdrucksweise verbindlich vorzuschreiben.”

    Im Prinzip müßte man den ganzen Aufsatz zitieren, so wichtig ist er.

    Zimmer, Christoph: Geschlecht und Menge. Gleichschaltung durch Genderpolitik. 2010. Free download: http://www.zmm.cc/Geschlecht.pdf

  2. vonhaeften schreibt:

    In der Tat, hatte ich vergessen. Normalerweise steht Zimmer immer in den Anmerkungen meiner Artikel über Gender Mainstreaming.

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